Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92203
Momentan online:
394 Gäste und 17 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
eine möglichkeit, wie ich den tag beginne
Eingestellt am 09. 07. 2002 01:14


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
margot
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 298
Kommentare: 3340
Die besten Werke
 
Email senden
Profil



der riesentannenbaum in der nachbarschaft
ist der rabenbaum. riesen tannenzapfen hängen in seinen
müden zweigen. morgens krächzen die raben und balgen
sich im geäst, während ich mich im bett wälze.
im radio reden sie über die wichtigen dinge, die jeden
tag wiederholt – und nie aufhören. ich höre ihnen
zu. ich höre die raben in dem riesentannenbaum.
ich höre auch das rauschen der straßen. ich drehe mich um.
in mein kissen. gut für meine tränen, gut für meinen speichel,
gut in meinem arm. mein liebes, weiches kissen. bald klingelt
das telefon. es klingelt vor sich hin. in mir wächst dann eine
innere spannung. wenn ich den hörer abnehme, schreie ich
ins telefon: „hallo!“
nein, morgens ist alles noch harmlos. daran ändert der nach-
richtensprecher nichts. ich denke an mein letztes erotische date
zurück und hole mir einen runter. es wird zeit. kaffee kochen.
ich ziehe den rolladen hoch und fühle mich wie ein seemann,
der die segel hisst. in der nachbarschaft ist ruhe. ich stehe
auf meiner terasse. die verkorkste birke schenkt mir einen
verliebten blick. eine amsel sitzt schwarz und fett im gras.
der kaffee ist fertig. zurück in der höhle, schmeiße den computer
an und schreibe das verrückte zeug auf ....

__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Schakim

Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 2002

Werke: 3
Kommentare: 2501
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Schakim eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
harmlos? - aber nur bei Dir, margot

Und das auch nicht immer oder?

Nein, morgens ist sehr viel los. z.B. in den Geriatrien (kennst Du ja) oder Spitalabteilungen ganz allgemein v. a. Pflegeabteilungen, da ist der Teufel los. Bis die Leute alle gewaschen sind, Morgentoilette erledigt haben... Übergabe der Nachtwache an den Tagesdienst stattgefunden hat... Oder Bahnhof-Szenario: Strassenkehrer entsorgen Spritzen u.a. Übrigbleibsel auf dem Gelände, bei Bistrots werden Stühle rausgeräumt, Tischtücher über die Tische gelegt..., Bäcker fahren frische Brötchen an... und so fort. "Harmlos" stimmt in diesem Falle wirklich nur für Dich oder Leute in einer ähnlichen Situation.

Am besten haben mir die Raben auf dem Riesentannenbaum gefallen! Oder waren es Nebelkrähen...Oder gibt's dort keinen Nebel?

Zu dumm, bin ich nicht stumm...
Schakim

Bearbeiten/Löschen    


margot
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 298
Kommentare: 3340
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
der rabenbaum

okay, mein psychiatriepatient. nebelkrähen sind es
nicht. es sind schwarze raben. die glänzen vor lauter
schwarz. sie kreischen in diesem baum rum. die raben.
die vögel, die den tod bringen. sie sind um uns.
mich werden sie auch irgendwann haben.
no problem. ich bereite mich vor. ich schaue jeden
morgen in den baum und versuche sie zu entdecken
hinter dem dichten grün der tannenzweige ...
manchmal bewegt sich was. die zweige schütteln sich
von unsichtbarer hand. dann fliegt so ein schwarzes
vieh fort, und ich sterbe fast.

ralph
__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

Bearbeiten/Löschen    


Schakim

Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 2002

Werke: 3
Kommentare: 2501
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Schakim eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
weiss der Geier warum

margot, man diese schönen Rabenvögel mit den listigen Augen immer gleich in Zusammenhang mit dem Tod bringen muss. Vielleicht weil sie Aasfresser sind. Stirb bitte jeden Morgen nur fast... das ist doch so ein schönes Erlebnis. Das grosse Aha-Erlebnis: Ich lebe ja noch! - lässt den Tag gleich um volle 100% spannender werden... Es wäre doch schade um Dich, den Raben würde ihr Beobachter fehlen, der das alles so malerisch in Worten zu Papier bringen kann.

Ich muss jetzt leider in die weichen Kissen schlüpfen, die Du vorher so schön beschrieben hast. Hoffentlich flüstern sie mir ein paar schöne Bettgeschichten.

Gute Nacht!
Schakim

Bearbeiten/Löschen    


margot
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 298
Kommentare: 3340
Die besten Werke
 
Email senden
Profil
schakim

gute nacht schakim, du bist lieb.
die raben können nichts dafür. ich benutze sie nur.
mein ganzes leben. wie mein ganzes leben.
träume schön. auch ich werde bald schlafen.
und ich träume die kunterbuntesten sachen zusammen.
natürlich sterbe ich fast, lieber schakim.
machen wir doch alle.

ralph
__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

Bearbeiten/Löschen    


Renee Hawk
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 17
Kommentare: 1142
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

ich habe das Gefühl, als würde ich diese Raben kennen *gg*...

Hallo Ralph,

welche Möglichkeiten hast du noch, um den Tag zu beginnen? Ich fordere hiermit eine Fortsetzung!
Wie geht es Brasko, von dem habe ich auch schon lange nix mehr gelesen.

liebe Grüße
Reneè

Bearbeiten/Löschen    


Zurück zu:  Kurzprosa Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!