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Leselupe.de > Humor und Satire
eine unwahre geschichte
Eingestellt am 12. 09. 2002 16:34


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bosbach46
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Eine unwahre Begebenheit

Wer kennt schon Kessel, jenes kleine Dorf in der N├Ąhe der ebenso fast unbekannten Stadt
Goch. An der Stephanuskirche vorbei flie├čt die geruhsame Niers. Auf den Pferdeweiden
tummeln ├╝berm├╝tige Fohlen, der nahe Reichswald bietet wundersch├Âne Wanderwege und die Gastst├Ątten halten beste K├╝che vorr├Ątig. Vor allem im Mai und im Juni, wenn auf den Feldern polnische Spargelstecher den ├Ârtlichen Landwirten behilflich sind, wird ein unvergleichlich hochwertiger Spargel geerntet. Einheimische meinen nicht mehr Walbeck sei das Zentrum des niederrheinischen Spargels, sondern inzwischen die Orte Kessel und Asperden.

Wo immer auch die Wahrheit liegt, es w├Ąre eine str├Ąfliche Vernachl├Ąssigung w├╝rde in der
Saison eines der Kesseler Restaurants nicht aufgesucht werden. In einem langen Saal, an langen Tischen gibt es im Minimum mindestens ein Pfund der allerbesten Qualit├Ąt. Noch nie habe ich in den letzten 10 Jahren Grund zur Reklamation entdecken k├Ânnen.

Jedenfalls sitze ich dort mal wieder und genie├če das wei├če Gold, wie die T├╝r zum Gastraum pendelt und Harald Junke sich durch die halb ge├Âffnete T├╝r quetscht. Der Alki aus Berlin, denke ich. Zugleich frage ich mich was diese Ber├╝hmtheit in die Provinz getrieben hat. Doch der Star l├Ą├čt mir f├╝r Spekulationen keine Zeit. Ich sitze alleine an einem der kleineren Tische und er
geht unerheblich schwankend auf mich zu.

Verzeihen Sie, raunte er schleppend, Sie sind ohne Begleitung, ich bin solo, also eine passende F├╝gung.

Ich war ├╝berrascht. Erstmalig in meinem 47 j├Ąhrigen Leben sprach mich eine bekannte Gr├Â├če
aus der deutschen Unterhaltungsindustrie an. Seine Aussprache war feucht und eine aufdringliche
Fahne drang in meine Nase.

Ah, l├Ąchelte er mit leicht glasigen Augen, ich bin ertappt. Schuld ist der M├╝hlenschnaps aus,
mir f├Ąllt der verdammte Ort nicht mehr ein. Immerhin, etwas aus der M├╝hle.

Sie meinen die M├╝hle in Donsbr├╝ggen.

Jawohl, Verehrtester die M├╝hle in Donsbr├╝ggen.

Junke hatte sich nach vorn ├╝bergebeugt auf den Tisch gest├╝tzt. Die Blumenvase fiel um und langsam rann das Wasser an der Tischkante herunter. Dann lie├č er sich wie ein nasser Sack auf den Stuhl fallen.

Kleines Malheur, keuchte er.

Die freundliche Kellnerin trat an den Tisch.

Nennen Sie mich Harald, br├╝llte er, und verzeihen Sie meine Ungeschicklichkeit. Ich leide an einem motorischen Defekt, wissen Sie. Nat├╝rlich wissen Sie, Sie studieren ja die Regenbogen-

Presse, nicht wahr ?

Ich studiere Jura, antwortete die junge Frau knapp.

Ah, da habe ich es mit einer k├╝nftigen Winkeladvokatin zu tun, zischte er giftig.

Sie gehen zu weit, meinte die Kellnerin.

Oh Gott, was bin ich ein garstiges Wesen . Junke sprang buchst├Ąblich hoch und stand wie ein
preu├čischer Offizier kerzengerade vor ihr.

Entschuldigen Sie, der Alkohol, Schnaps macht b├Âse, setzt das Widerliche frei. Trotzdem bitte
ich Sie, mir eine Portion Spargel mit Schinken zu bringen.

Was m├Âchten Sie trinken ?

Eine Flasche Wodka und Wasser !

Ich glaube kaum, dass Sie hier noch Alkohol erhalten werden.

Junke stierte sie ungl├Ąubig an. Soll ich etwa Milch zum Spargel trinken, das ist N├Âtigung.

Wollen Sie nun essen oder nicht ?

Ja, her mit den Stangen und dem Krankenmineralwasser.

Die Kellnerin ging zur K├╝che und verschwand in ihr. Der Schauspieler r├╝lpste.

Seit dem meine Leber im Arsch ist, passiert das einfach. Ich mache Beuerchen, so oft ich will.
Und saufe mich tot. Sagen Sie, wie ist denn hier die Intensivstation in Goch.

Warum fragen Sie ?

Weil ich blute, lallte Junke, und es mit mir zu Ende gehen k├Ânnte.

Er knallte mit dem Kopf auf die Tischplatte. Hellrotes Blut sickerte aus seinem Mund, als sein
Spargel serviert wurde. Die Kellenerin eilte zum Telefon und bestellte den Notarzt. Zuf├Ąllig hatte ich meine Kamera dabei. Die Fotos erzielten einen guten Preis. Genug Geld f├╝r mehrere
Spargelv├Âllereien. Allerdings ohne Junke.

__________________
J. Bosbach

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