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Leselupe.de > Kurzgeschichten
einmal noch mal damals
Eingestellt am 24. 04. 2001 21:49


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Costner
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Apr 2001

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Einmal noch mal damals



Da sa├č einst dieser Junge, ich wei├č nicht genau, etwa 15 oder 16 Jahre alt. Einfach sa├č er auf diesem Stuhl und ich konnte seine angsterf├╝llten Augen sehen. Zur├╝ckgelehnt sa├č sein steif gewordener K├Ârper in dem Stuhl, w├Ąhrend sich seine Augen langsam mit Tr├Ąnen f├╝llten. Ich wusste nicht, was mit ihm los war, aber ich hatte Mitleid. Wir beiden sa├čen allein in diesem Raum, es war ein Warteraum zur Praxis eines Doktors. Der Boden war mit einem dunkelgr├╝nen Teppich ausgelegt der stark an einen vermoosten Waldboden erinnert, w├Ąhrend die Sonnenstrahlen dazu bem├╝ht waren, selbst die Traurigkeit in diesem Raum fortzuscheinen. Nachdenklich sah ich auf meine beiden H├Ąnde herab, die vom Alter gezeichnet waren. Tiefe Furchen gruben sich in die Handoberfl├Ąche, w├Ąhrend einige Narben ├╝ber Daumen und Handfl├Ąche ihresgleichen suchten. Ruhig sa├č ich in diesem Zimmer, meine H├Ąnde betrachtend, die still wie mein dahinzeichnendes Alter auf meinem Knie ruhten, wo ich gleichzeitig ein Bein ├╝ber das andere geschlagen hatte. Die Stille hier schien die Atmosph├Ąre beinahe zu ersticken, w├Ąre da nicht das schluchzen eines Jungen, dessen Seele nach Befreiung schrie. Ich wei├č nicht wieso, aber aus irgendeinem unerfindlichen Grund konnte ich es sp├╝ren, wie er sich danach sehnte, einfach nur frei zu sein wie der Wind der Natur, der ├╝ber die Landen zieht und an jedem neuen Morgen in seiner eigenen, anderen Welt erwacht. Einmal mehr fuhr mir ein Schauder ├╝ber den R├╝cken, wie wenn mich eine eiskalte Dusche in meinem sp├Ąten Alter tr├Ąfe. Stillschweigend rutschte ich unbequem auf dem Stuhl herum und betrachtete dabei gleichzeitig die Glast├╝re, durch deren milchwei├čes Glas man die schemenhaften Silhouetten in dem Anmeldezimmer erkennen konnte. Nerv├Âs gingen sie einmal in diese Richtung, dann wieder in die andere, als suchten sie nach dem alles entscheidenden Punkt in ihrem Leben, der ihnen die Ruhe entgegenbrachte, nach der sie eine ganze Weile gesucht hatten. Nichts desto Trotz war es in diesem Zimmer mit diesem Jungen genau die verkehrte Welt. Wenn es nicht gerade so w├Ąre, als w├╝rden die Zeitschriften, die auf einem gl├Ąsernen kleinen Tischchen neben der Eingangst├╝re auf ihren n├Ąchsten Leser warteten und nach jemandem rufen, sosehr verschwand auch der alleinige Gedanke daran, auch nur ein Blick darauf zu werfen. Die Zeit lief mir davon, als das ich mir die Minuten schenken k├Ânnte, eine Seite in dieser Zeitschrift aufzuschlagen und nachzulesen, wie viele Jahre, wie viele Minuten man damit vergeudet haben mochte, sich in belanglose Artikel zu verlieren, die es nicht Wert waren, gelesen zu werden. Ich habe schon so viele Dinge gelesen, wenn nicht sogar selbst erlebt. Da helfen mir in meinen letzten Tagen keine Leitartikel ├╝ber gesundes Essen oder die richtige Di├Ąt mehr. Nein, es ist ein ganz anderer Weg, den ich eingeschlagen hatte, als mir Bewusst wurde, dass ich der einzige Mensch in meinem ganzen Leben war, den ich das geb├╝hrende Vertrauen schenkte, weil ich es mir selbst wert war.
Da wusch sich der Junge mit dem Handr├╝cken seine Tr├Ąnen von den Wangen, als w├Ąren sie l├Ąstige Regentropfen die vom Himmel herabfielen und ihn aus Scham beleidigten, als w├Ąre sie eine Bel├Ąstigung in dem Sinne, dass sie nur ihn trafen und niemand anderen. Ich sah seine traurigen Augen, seinen Schmerz, wie er darum k├Ąmpfte, mir nicht in die Augen sehen zu m├╝ssen, weil er sich seiner Tr├Ąnen sch├Ąmte.
Ich erinnere mich an eine Zeit wo ich wie dieser Junge war. Ich war im gleichen Alter und ich hatte die gleiche Last auf den Schultern, die dieser Junge mit sich herumtrug. Als Vater sp├╝rte man so was, als kleiner Junge nicht so sehr. Ich erinnere mich als w├Ąre es heute Morgen erst gewesen. Vor genau 65 Jahren sa├č ich auch auf solch einem Stuhl wie dieser Junge, in ebenfalls so einem Raum, der durch seinen braunfarbenen verfransten Teppich herausstach. Und w├Ąhrend die W├Ąnde durch ihren langsam herabrieselnden Putz den Glanz eines frisch gestrichenen Raumes verloren, f├╝hlten sich viele Besucher damals bel├Ąstigt durch den Staub, der in ihre Nasen und dann in ihre Lungen drang, um sie zum Niesen zu bringen. Bis zuletzt nur noch ich und ein ├Ąlterer Herr ├╝brig geblieben waren. Diesmal war ich der weinende Junge, gestraft von Eltern, die keinen gemeinsamen Weg finden konnten, wie auch immer. Ich f├╝hlte die Leere, die sich in mir aufbaute, wie ein tiefes Loch, in dem immer tiefer gegraben wurde. Damals sah mich dieser alte Herr an, aber er tat nichts. Er sa├č einfach nur da, betrachtete seine alt gewordenen H├Ąnde und versuchte so zu tun, als w├Ąre ich nicht da. Ich dachte mir, bevor ich anfinge, gegen├╝ber ihm ein Gef├╝hl der Verachtung aufzubauen, lies ich es doch gleich. Es war ohnehin schon soviel in meinem Leben vorgefallen, dass ich glaubte, unter einer gro├čen uns├Ąglichen Last begraben zu werden, wie ein frisch aufgestandener Grashalm auf einer weiten frischen saftigen Wiese, der auf einmal von einem aufgesch├╝tteten Sandhaufen begraben wurde. So f├╝hlte ich mich, tief begraben, ohne Licht, ohne Hoffnung, jemals auch nur wieder das Licht dieser Welt entdecken zu k├Ânnen.
Schon damals waren meine Freunde rar gewesen. Weit verstreut ├╝ber viele St├Ądte, ringsum um meine eigene Heimat, zu weit, um als 15j├Ąhriger Junge sie jeden Tag mit dem Fahrrad ├╝ber einen ewig andauernden Weg zu besuchen. Ja sicher, es h├Ątte mir Leben eingehaucht, aber ich hasste das Gef├╝hl, dass andere sich meiner nur aus Freundlichkeit annahmen. Und so war ich blass in meinem Gesicht, wie ich es heute auch noch bin. An einigen Tagen, wo die Sonne einmal nicht schien, wo der Himmel von dunklen Wolken behangen war und sich nicht seiner erw├Ąhrte, die Sonnenstrahlen hindurch zu lassen, so sa├č ich doch am Fenster und sehnte mich danach, dort drau├čen sein zu k├Ânnen, um gl├╝cklich zu sein. Viele Male w├╝nschte ich mir das, aber viel mal mehr st├╝rzte es auf mich herein, als ich die dumpfen Ger├Ąusche, als w├╝rde jemand auf eine Matratze einschlagen, unten in der K├╝che h├Ârte. Jedes Mal stellte ich mir bildlich vor, wie die Gestalt einer Mutter ihre H├Ąnde bewegte, um etwas zu tun, was sie nicht tun wollte, aber keinen Ausweg fand. Ich sp├╝rte das Gef├╝hl, wenn sie es in ihren H├Ąnden hielt und gedankenlos daran zog, als w├Ąre es das Mittel, dass uns Menschen dazu br├Ąchte, erst richtig Leben zu k├Ânnen. So war es nicht und so wird es auch niemals sein. Das wei├č ich heute.
Angsterf├╝llt wie der Vogel auf dem frisch aufgestandenen Rasen sich seines Todfeindes gegen├╝bersieht und in einem fernen Augenblick seiner Zukunft seinem eigenen Tod in die Augen blickt, so f├╝hlte sich mein Magen an, als drehe er sich um dreihundertsechzig Grad und suche einen Ausweg ├╝ber meine Luftr├Âhre durch meinen Mund ins freie. Es war ein schreckliches Gef├╝hl. Ein Gef├╝hl, dass ich noch heute sp├╝re, wenn ich in diesem Raum, auf diesem Stuhl sitze, als alter Mann und mich zur├╝ck erinnere, an Tage, die ich vergessen m├Âchte, es aber nicht kann. Ich habe nun ein ganzes Leben gelebt, bin an einer Kreuzung angekommen, wo ich mir meinen Weg nicht mehr aussuchen kann. Der Weg ist bestimmt. Und dieses ganze Leben habe ich damit verbracht, die schrecklichen Bilder der Erinnerung zu vergessen, als wie wenn man ein vollgeschriebenes Blatt Papier durch den Rei├čwolf jagen w├╝rde. Ich gebe zu, sogar da w├╝rden Reste ├╝brigbleiben, aber niemals soviel, wie sie in meinem Kopf von Tag zu Tag spukten. Ich konnte nichts dagegen machen. Es war ein Gef├╝hl, als w├╝rde es mich von innen her auffressen. Daher fand ich mich auch bei diesem Doktor wieder, in diesem Wartezimmer und wartete auf meinen Termin. Genau, 15 Jahre war ich alt, ein Junge in seiner Bl├╝tezeit, wohingegen die reine Seele bereits verbraucht schien, gedem├╝tigt und gescholten von den vielen Tagen im Jahr, in denen ich die Last auf meinem R├╝cken herumtrug.
Damals glaubte ich, alles anders machen zu k├Ânnen, als wie ich es von meinen Eltern gezeigt bekommen hatte. Damals glaubte ich viel, ich wollte Dinge ver├Ąndern, die mich ver├Ąndern h├Ątten k├Ânnen. Doch blieb ich ruhig, ich beging den Fehler, dass ich niemals was ├Ąnderte, weil die Furcht vor dem unbekannten zu gro├č und zu m├Ąchtig war, als das ich mich dagegen aufb├Ąumen und bestehen konnte. Meine Gedanken, meine Gef├╝hle und meine Tr├Ąume waren weiter als der Ozean, ferner als das unendlich wissende All, aber sie blieben immer in meinem Kopf. Leider, es war nun mal so, leider trugen diese Gedanken niemals die M├Âglichkeit, weiter zu gehen als nur in meinem Kopf. Ich w├╝nschte, sie h├Ątten den Weg in meine H├Ąnde gefunden, ├╝ber die Blutbahnen, ├╝ber die Organe, die stark den Willen aufbrachten, gegen diesen Missmut, der in mir keimte, zu k├Ąmpfen. Aber sie fanden niemals den Weg, ich hatte niemals die M├Âglichkeit erhalten, etwas ├╝ber meine H├Ąnde zu ├Ąndern, vielleicht mein Leben.
Und heute sitze ich als gekennzeichneter Mann in diesem Raum, allein mit diesem Jungen, der in meinen Augen das Gef├╝hl erweckte, dass er den gleichen Weg einschlug, wie ich das damals tat. Ich sah ihn an, sah die Trauer in seinen herunterh├Ąngenden Schultern, in seinen leblosen H├Ąnden, die gegen seinen Bauch gepresst, etwas zu sch├╝tzen vermochten. Aber so sehr man auch etwas sch├╝tzen wollte, in welcher Art auch immer, auf irgendeinen Weg w├╝rde es immer besch├Ądigt werden, wie der Stolz so auch die Seele. In seinem ausdruckslosen Gesicht spiegelte sich seine Hoffnungslosigkeit, als treibe er auf einem Stillen Ozean, ohne Land in Sicht und nicht einmal im entferntesten die Chance, auf einen neuen Anfang in irgendeiner Richtung. Ein Wort w├╝rde vielleicht Wunder bewirken, eventuell die sch├╝tzende Hand auf der Schulter dieses Jungen, doch als ich meinen Mund ├Âffnete, um etwas zu sagen, so verschlug es mir doch sogleich die Stimme, als ich mich an einen Moment in meinen vergangenen Jahren erinnerte, der mich seither gepr├Ągt hatte.
Es war an einem lauen Sommerabend am nahegelegenen Strand von North Carolina. Die Brandung schlug an den Strand mit seinem t├Âsenden unruhigen Meerwasser. Ein sternenklarer Himmel tat sich ├╝ber unseren K├Âpfen auf wie ein leerer Schlund, in den man hineinzufallen drohte. Die warme Luft war auf der Haut zu sp├╝ren wie der sanfte Handstreich einer geliebten Person, deren N├Ąhe man einfach immer sp├╝rte, auch wenn sie weit entfernt war. Aber diesmal war sie da. Es war die Frau meines Lebens gewesen, ich hatte sie beim ersten Anblick in mein Herz geschlossen, es brauchte nur ein Blick und mir wurde klar, dass wir zueinander geh├Ârten, wie die Sterne zur Nacht, wie der Geruch des Lebens am hellen Tage. Wir waren jung, wir waren verliebt, und es brauchte nichts weiter, als unsre immerw├Ąhrende Liebe, um f├╝r immer zusammenzubleiben. Wir waren niemals verheiratet oder hatten Kinder. Wir waren einfach nur f├╝reinander da. Sie drehte sich an diesem einen Abend um und sah mir tief in die Augen. Ich sp├╝rte, dass etwas nicht stimmte, ich hatte es seit l├Ąngerer Zeit gesp├╝rt, aber wir sprachen nie dar├╝ber. Sie sah mich an und sie sagte: ÔÇ×nur du und ich, nur ich und du.ÔÇť Dann l├Ąchelte sie und wir umarmten uns. Ihr L├Ącheln war wie ein Sonnenaufgang an einem Strand, wie tausend Sonnenunterg├Ąnge an nur einem Abend. Wir wollten uns niemals mehr loslassen. Leider dauerte es nicht mehr viele Stunden und sie lies mich los, f├╝r immer. Es brach mir mein Herz.
Aber diese Worte gaben mir einen Sinn in meinem Leben. Ich lernte zu verzeihen und ich dankte Gott, dass er mich mit solch einer wunderbaren Liebe hatte zusammenkommen lassen. Das er die G├╝te besa├č, mir ihr Herz zu schenken, so verzieh ich ihm, dass er mir sie genommen hatte. F├╝r immer. Diese Worte banden mich f├╝r eine immerw├Ąhrende Zeit und ich verlor niemals wieder mehr einen Gedanken an ihren Tod. Ich wusste einfach, dass sie bei mir war und ich sp├╝rte es auch. Und allein daf├╝r war ich dankbar. Bis heute bewahrte ich mir diese Erinnerung an diese wunderbaren Worte, die sie mir zugesprochen hatte.
Selbst in diesem einen Moment, wo ich in diesem Raum verweilte, sah ich das Bild von ihr vor meinen Augen, als st├╝nde sie mir gegen├╝ber. F├╝r diese geraume Zeit hatte ich es gelernt, einfach zu vergessen. Zu Vergessen, was in meiner Kindheit geschehen und was mir wiederfahren ist.
Wenn ich so wehm├╝tig in meine Vergangenheit zur├╝ckblicke, dann versetzt es mich in schw├Ąrmerische Phantasie alles wieder herbeizuschw├Âren, was es damals zu besch├╝tzen galt. Ich habe mein Leben gelebt und jetzt sitze ich hier und alle Jahre ziehen an mir vorbei wie der Schein der Wirklichkeit, der mir vor meinen Augen aufgeht. Was ist schon richtig und was ist falsch? Allein die Bedeutung dieser beiden W├Ârter l├Ąsst mich stirnrunzelnd auf meine alten H├Ąnde schauen und glauben zu sehen, welche Hand die falsche und welche die richtige Entscheidung getroffen haben mochte. In jenem Moment der Besinnung und der Aufopferung vieler Taten in meinen jungen Jahren hat der Wunsch niemals nachgelassen nur noch einmal noch mal damals erleben zu k├Ânnen. Ein einziger Wunsch, der sich bisher nur noch in meinen Erinnerungen Geh├Âr verschafft hatte.
Die Tr├Ąnen des Jungen in dem Zimmer auf dem weich gepolsterten Stuhl sind auf seinen zierlichen Wangen getrocknet. Immer wieder weicht er meinen Mut zusprechenden Blicken aus und ich wei├č nicht wieso. Mag sein, dass er eine gewisse Abneigung gegen├╝ber mir versp├╝rt. Wer wei├č das schon so genau? Ich wollte es gar nicht darauf ankommen lassen, danach zu fragen. Wenn ich so ├╝berlege, was das Alter heutzutage noch Wert ist, dann f├╝rchte ich mich davor, nicht mehr ganz bei Verstand sein zu k├Ânnen. Wenn man nicht mehr die Kraft versp├╝rt, eigene Entscheidungen treffen zu k├Ânnen, wenn man glaubt, nutzlos zu sein, n├Ąmlich genau das Gegenteil dieses anst├Ąndigen Jungen hier, dann hat man den Halt in dieser heutigen Gesellschaft verloren. Was soll mich noch retten? Wer soll mir noch helfen?
Dann wandte sich mein Blick von meinen alten H├Ąnden ab und sah diesen Jungen an, der sich aufmunternd durch das hellblonde Haar strich und w├Ąhrend er versucht, es sich glatt zu streichen, fiel es in seine Ausgangsform wieder zur├╝ck. Ein leichter Wirbel formte sich ├╝ber seiner rechten Stirnseite zur├╝ck und seine blau bestechenden Augen durchbohren die meinen, als w├╝rde er mich sehen k├Ânnen, als w├╝rde er sp├╝ren, als w├Ąre ich mit ihm in diesem Raum. Erst dann wurde mir klar, dass dies der Spiegel der Zeit war. Das war kein fremder Junge, nein, dass war ich. Ich war dieser Junge und es ward so, als s├Ąhe ich in einen Spiegel und sehe doch nicht mich. Ein Paradoxon sucht seinesgleichen. Er hatte dasselbe blonde Haar wie ich, die gleichen hell strahlenden blauen Augen eines lebendigen Jungen. Und es waren auch meine Tr├Ąnen, die er da vergossen hatte. Er sah mich an und sagte: ÔÇ×nur du und ich, nur ich und du.ÔÇť Ich wollte es beinahe nicht glauben, aber der Druck in meiner schwerm├╝tigen Brust, der Schmerz, er fiel wie ein schwerer Stein von meinem Herzen und verschwand in einem tiefen schwarzen Loch, aus dem ich hochgestiegen war. Endlich war ich Zuhaus. Nach all den Jahren der Einsamkeit, des Schmerzes und des Trostes vieler gelesener W├Ârter fand ich mein Zuhause dort, wo ich schon immer sein wollte. Bei ihr.

__________________
cu
M.

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josipeters
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Es kommen sicher wieder bessere Tage

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jon
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Zu deinem ersten Problem: Du hast mit 14 angefangen zu schreiben, weil du damit das Durcheinander eines 14-J├Ąhrigen sortieren und verarbeiten konntest. Inzwischen bist du 21 ÔÇô du solltest das Sortieren langsam erledigt haben. Klingt hart und herzlos, ich wei├č. Es ist schwer, sich von etwas zu l├Âsen, was geschrieben ist und immer wieder gelesen werden kann, vor allem wenn man es selbst geschrieben hat und man all das mitliest, was hinter den Zeilen steht. Auch das wei├č ich. Und ich muss zugeben: Ich war 24 als bei mir das Sortieren nachlie├č. Weg ist es nie, aber deshalb schreibe ich jaÔÇŽ
In dieser Geschichte klingt etwas an, was dich beunruhigen sollte: Du extrapolierst deinen jetzigen Zustand in die Zukunft, so weit in die Zukunft wie dein Leben reichen wird. Als ob sich nie etwas wirklich ├Ąndern w├╝rde. Das stimmt nat├╝rlich nicht. Selbst wenn nichts passiert ÔÇô ├Ąu├čerlich gesehen ÔÇô passiert etwas: Du wirst dich ├Ąndern. Du wirst aufh├Âren, zu leiden. Das hei├čt nicht, dass du unbedingt in Gl├╝cksmeeren schwimmen wirst, aber du wirst aufh├Âren zu leiden. Oder sterben. Und daf├╝r ist dein Schreibtalent einfach zu gro├čÔÇŽ


PS: Weine nicht, dass du in was auch immer gefangen bist. Komm' dort einfach raus und benutze dabei deine Texte als Kundschafter in die Au├čen-Welt, nicht als Teppich f├╝r die Innen-H├Âhle.

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