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Leselupe.de > Kurzgeschichten
erste LIEBE
Eingestellt am 16. 07. 2003 10:50


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glasperlenspielerin
???
Registriert: Jun 2003

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erste LIEBE
oder das Märchen
von der Glasperle mit den gläsernen blauen Segeln




Sie war sehr aufgeregt, als sie sich in ihrem faltenfrei geb√ľlgelten Sonntagkleidchen mit den dazu passenden wei√üen S√∂ckchen und den schwarzen Lacksch√ľhchen auf den staubigen Boden warf.
Ihre Chance war gering! Das war ihr bewusst!
Aber vielleicht hatte sie ja Gl√ľck!
Ihr kleines spitzmäusiges Gesichtchen wurde noch schmaler.
Entschlossen kniff sie die Augen zusammen.
Sie fixierte das Ziel. Zögerte.
Endlich setzte sie vorsichtig den Zeigfinger an, schloss die Augen.

Sie war eins von den "hässlichen Entlein".
Ein kleines immer kr√§nklich-blasses M√§dchen von 8 Jahren mit viel zu langen d√ľnnen Armen und Beine.
Gerne wäre sie mit den Jungen und Mädchen johlend auf Bäume geklettert, mit ihnen um die Wette gelaufen ...
Aber ihre Mutter sagte, sie d√ľrfe sich nicht √ľberanstrengen.
So stand sie immer



ABSEITS



War Zuschauerin. Und in ihren stets frischgeb√ľgelten und gest√§rkten Kleidchen wirkte sie wie eine leblose Puppe.
Dagegen die anderen Kinder gezeichnet vom Spiel mit roten Wangen, aufgekratzen Knien, zerrissenen Kleidern! IHN bewunderte sie aus der Ferne.
ER war der schnellste, stärkste und mutigste: ein hochgewachsener 13-jähriger Junge und mit großen braunen Augen und dichtem schwarzen Haar.
Etwas Wildes umgab IHN.
Sie war in IHN verliebt, soweit ein kleines M√§dchen zu diesem Gef√ľhl f√§hig ist.

ER schaute sie verwundert an, als sie so vor IHM stand und IHM diesen merkw√ľrdigen Tausch anbot. Ihre l√§cherlichen 50 bunten Tonmurmeln gegen

seine Glasperle mit den blauen Segeln.

Alle Kinder beneideten IHN um diese Rarität! Jetzt wollte diese Kleine, mit der eh keiner etwas zu tun haben wollte, mit IHM tauschen! Ihr Verhalten war so sonderbar, dass ER zunächst sprachlos war. Die anderen begannen zu lachen.
Zu blöd diese Kleine!
Aber irgendetwas in ihrem Blick veranlasste IHN zu den Worten:
"Lass uns spielen!
Wenn du gewinnst bekommst du sie.
Ein Spiel mit je 3 Murmeln! Mehr nicht!"
Gro√üz√ľgigerweise lie√ü ER sie anfangen.
Sie war so aufgeregt, dass sie sehr schlecht warf.
ER postierte seine - wie erwartet - g√ľnstig. SEIN Sieg war so gut wie sicher!.
ER ließ sie zappeln.
Setzte seine Murmeln nicht sofort ins Ziel.
Wartete bis es 2:2 stand. Ihre letzte Murmel
lag weit


ABSEITS


selbst f√ľr IHN w√§re es schwierig gewesen.

Ihre Lippen bewegten sich schwach. Es war so als ob sie eine ZAUBERFORMEL vor sich hin murmele.

"pssssssch-klack".




Alle verstummten.

Sie hatte das (f√ľr sie) fast Unm√∂gliche geschafft!

ER schaute verdutzt auf die Kleine. "Noch ein Spiel!" riefen seine Paladine. "Das Spiel gilt nicht!"- "Jag die dumme Kleine nach Hause!"
ER zögerte.
SEINE Kumpels h√§tten verstanden, wenn ER das Spiel f√ľr ung√ľltig erkl√§rt h√§tte.
Auf ein neues Spiel wollte ER sich auf keinen Fall einlassen.
Dies wäre doch zu blamabel!
Sich geschlagen geben: das fiel IHM sichtlich schwer!
SEIN Gesicht verfinsterte sich f√ľr den Bruchteil einer Sekunde!
Mit einer "tieferen" Stimme murmelte ER etwas unverständliches und reichte ihr schließlich


die Glasperle mit den blauen Segeln.


Und f√ľr einen kurzen AUGENBLICK ber√ľhrte SEINE verschwitzte, WARMe Hand ihre kleine stets sich irgendwie


KALT


anf√ľhlende.



Bald zog sie mit ihren Eltern weit weg, in ein Land, in dem alles f√ľr sie fremd war.
Wenn sie so verloren



ABSEITS



stand auf dem Schulhof - all die spielenden Kinder um sie herum -, hielt sie in ihrer Jackentasche

die Glasperle mit den bauen Segeln,

um sich an ihr zu
*
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Willibald
???
Registriert: Jul 2002

Werke: 25
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quote:
Urspr√ľnglich ver√∂ffentlicht von glasperlenspielerin
erste LIEBE
oder das Märchen
von der Glasperle mit den gläsernen blauen Segeln



Salve, wackere Glasperlenspielerin!

Eine sehr genaue, durchziselierte Geschichte mit hohem Formbewusstsein und durch die verkettenden Haltepunkte in Großbuchstaben eine lyrisch-erzählende Skizze.

Ein paar √úberlegungen:

> Vielleicht doch die Gro√übuchstaben normalisieren. Es ist klar, es geht immer um einen Mittelweg zwischen eigener Entdeckung und "guided discovery", aber der Leser k√∂nnte sich hier vielleicht doch ein wenig geg√§ngelt f√ľhlen, wo die Signale fast massiv gesetzt werden..

>Die Perspektive ist interessant, es ist ein fast protokollarisch-gnadenloser Erz√§hler am Werk, der von ihrem "spitzmausigen Gesichtchen" spricht. Auch die "Paladine" geh√∂ren in ein Wortfeld/einen Code, der eine stark auktoriale Tendenz mit Durch- und √úberblick verr√§t. Vielleicht k√∂nnte man den Leser noch st√§rker mitf√ľhlen lassen, wenn die bereits vorhandenen Innenpespektive des Akteurs ausgebaut wird. Ab dem Moment, wo das M√§dchen die Augen schlie√üt, l√§sst sich der Text als Imaginationsstrom des M√§dchens lesen und vertiefen. Ich probier es mal eben:

Endlich setzte sie vorsichtig den Zeigefinger an, schloss die Augen. Es war ihr klar und oft schon hatte sie gehört:
Sie war eins von den "h√§sslichen Entlein". Hoffentlich - so hatte die Mutter gemeint - w√ľrde sich das √§ndern, wenn sie erstmal zehn Jahre geworden w√§re. Nun war sie ein M√§dchen mit viel zu langen d√ľnnen Armen und Beinen. Das sagte ihr t√§glich der Spiegel. Gerne w√§re sie mit den Jungen und M√§dchen johlend auf B√§ume geklettert, mit ihnen um die Wette gelaufen ... Aber ihre Mutter sagte, sie d√ľrfe sich nicht √ľberanstrengen.
So stand sie immer

abseits

....

>Dann habe ich noch ein bisschen √úberlegungen zur Exposition und zur Textsorte:

Ein "M√§rchen" ist es ja eigentlich nicht, auch wenn eine Zauberkugel darin vorkommt. Eher der Versuch aus etwas Realem, das klein ist, etwas Wirkm√§chtiges zu machen. Und eine gl√ľckende Situation als Heilmittel einzusetzen oder zu Linderung.

Auch denke ich, dass sich das Mädchen in der "Spielsituation" sich nicht auf den Boden wirft (missverständlich), sondern sich auf den Boden kniet, konzentriert und angespannt.

Salute und Dank f√ľr den sch√∂nen Text



__________________
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glasperlenspielerin
???
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lieber w.
thanx f√ľr deine anregungen. werde sie bei einer √ľberarbeitung ber√ľcksichtigen.
in einem punkt muss ich dir widersprechen, wenn man 100%
das ziel treffen will, muss man sich beim murmelspielen auf den boden legen, zumindest haben wir das so gemacht. womit
deutlich wird das diese kleine story autobiographische momente hat: sie spielt im osten europas, in einem kleinen idyllischen dorf - eine fast noch "heile kleine welt" - zumindest f√ľr mich in meinen erinnerungen. ER war ein zigeunerjunge, (auch wenn das jetzt etwas "kitschig" klingen mag - aber RL liebt ab und an solches), seine familie ge√§chtet, ich das kleine "h√§ssliche entlein", das fr√ľh lernen musste mit der au√üenseiterposition zurecht zu kommen.
zu den großbuchstaben - im prinzip hast du recht:
bis auf das wort ABSEITS es m√ľsste fettgedruckt sein
so long
*smile*


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Willibald
???
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Gruß nach W.

Liebe Glasperlenspielerin,

heißt das, man lag mit dem ganzen Körper auf dem Boden(a), oder Arme und Beine (b) oder nur Knie (c)?

Wenn man das mit dem geb√ľgelten Kleidchen liest, denkt man,
o je, das Mädchen wird sich doch nicht ganz auf den Boden geworfen haben.

War das ein Dorf, das mit der Rhapsodie-Geschichte und der 1928 geborenen Frau zusammenhängt?

Ein lieber Gruß

w
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glasperlenspielerin
???
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Re: Gruß nach W.

lieber w.,
also a) ist die sicherste zielsituation, b) ist auch ok c) wählen nur champions, so kenne ich es nun mal!
sonntagskleidchen sind der horror und indem sich die kleine dieses fast "ruinier", r√§cht sie sich ein wenig an der mutter. aber ich √ľberdenke das noch mal. ich empfand dieses "sich-ganz-in-das-spiel-hineist√ľrzen" als ein art von befreiung f√ľr die kleine.
zu rhapsodie-story: habe die dame vor einer woche kennengelernt. ehemalige zwangsarbeiter zu besuch in k.
zu meiner vita: der slawische kulturkreis ist gleich. ihre außenseiterposition. ihre liebe zur natur. dorfidylle.
mit der story "wolhynische rhapsodie" bin ich nicht sehr zufrieden, weil es mir nicht richtig gelungen ist, das her√ľberzubringen, was mich so bewegt hat.
der kreis, der sich hier schließt. so wie die
glasperle mit den blauen segeln "heilt", so "heilt" sie durch ihre präsenz (blassblaues kleid), ihre stärke, fähigkeit zu verzeihen. (das deutschsein habe ich immer als
ein kainzeichen auf meiner stirn empfunden)
thanx
so long

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Dornrosis
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jun 2003

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erste Liebe

Liebe Glasperlenspielerin,

deine Kurzgeschichte gefällt mir ausgezeichnet. Sie ist sehr genau beobachtet und beschreibt die Psyche des Mädchens sehr treffend. Freue mich schon, mehr von dir zu lesen.

Lieb Gr√ľ√üe DORNROSIS

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