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Leselupe.de > Kurzgeschichten
fortsetzung3
Eingestellt am 04. 06. 2001 14:52


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zettelstraum
Bl├╝mchendichter
Registriert: May 2001

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Doch gerade als er an ihn dachte, klopfte ihm jener auf die Schulter und fl├╝sterte ihm zu, da├č er ihm folgen solle. Florian folgte ihm also, durch geheime G├Ąnge des Schlosses, welche er noch nie hatte betreten d├╝rfen. Ihm schien als habe er das ganze Schlo├č unterwandert, als man pl├Âtzlich auch im Freien stand. Vor ihm erstreckte sich ein wundersch├Âner Garten, dessen Konturen in der Nacht allein schon die Sch├Ânheit der Anlage vermuten lie├čen. Thomas lie├č ihn hier alleine zur├╝ck, nicht ohne ihn noch zu beschwichtigen, da├č er keine Angst zu haben brauche und da├č er sich in zwei Tagen bei ihm melden solle, er sei dann im Haus neben der B├Ąckerei.
Florian setzte sich auf eine Bank, zog seine Knie zum Kopf hoch und begann sich Gedanken zu machen. Er mochte es nicht glauben wollen, da├č die Prinzessin sich hier alleine mit ihm treffen werde, er versuchte sich einen anderen Grund f├╝r diese Erfahrung, entf├╝hrt worden zu sein, hinweg von einem Fest hin zu einem lauschigen Platz, welcher wie geschaffen schien f├╝r..., vorzustellen. Wieso sollte es ihm gelingen d├╝rfen? Zweifel an der Echtheit der Situation kamen in ihm auf, der Bussard schien eingeschlafen zu sein, als pl├Âtzlich die Prinzessin aus einer T├╝r des Schlosses heraustrat und sich neben ihn setzte.
ÔÇ×Finden sie es sch├Ân hier?"
ÔÇ×Sch├Ân? Sch├Ânheit ist ein Gef├╝hl, welches ich schon lange nicht mehr sp├╝ren durfte. Es ist eindrucksvoll."
ÔÇ×Wenn sie nicht ├╝ber Gef├╝hle reden k├Ânnen, dann sagen sie mir doch bitte etwas ├╝ber den Hintergrund ihrer Kunst."
Florian stellte seine F├╝├če auf den Boden zur├╝ck und fing an ihr von seinem Leben zu erz├Ąhlen: ÔÇ×Ich bin bei meinen Eltern gro├č geworden, aber nie gewachsen. Stets f├╝hlte ich mich unaufgehoben, an einem falschen Ort geboren und stets auf der Suche nach irgend etwas. Schon mit jungen Jahren fl├╝chtete ich oftmals in die Werkst├Ątte meines Vaters, um dort zu schnitzen. Stets hatte ich Angst, ertappt zu werden, da mein Vater mich zu anderen Dingen bewegen wollte."
ÔÇ×Zu welchen Dingen?", unterbrach ihn die Prinzessin.
ÔÇ×Er meinte, ich solle das Jagen lernen, das Reiten und all solche Dinge, die mich nicht interessierten."
ÔÇ×Ach ja."
ÔÇ×Langweile ich sie mit meiner Geschichte schon?"
ÔÇ×Nein, erz├Ąhlen sie ruhig weiter."
Er teilte ihr also weiter mit, da├č er seine ersten Kunstwerke einer frommen Frau widmete, die eine Woche auf ihn aufgepa├čt hatte, als seine Eltern auf eine kurze Reise gegangen waren. Die fromme Frau hatte ihn sehr fasziniert, weil sie ihm mehr vom Leben erz├Ąhlen konnte als seine Eltern ihm bisher dar├╝ber beigebracht hatten.
Er versteckte seine Schnitzereien in der H├╝tte der Familie eines Freundes und mu├čte erst dann aufh├Âren, seiner Lieblingsbesch├Ąftigung nachzugehen, als man ihn zu Dr├Ąngen begann, endlich eine geeignete Arbeit zu finden. Dies jedoch - einerseits der Verlust seiner Aufgabe, andrerseits der Zwang sich um etwas zu k├╝mmern - f├╝hrte zum Wunsch nach Freiheit.
Er hatte von einem Dorf geh├Ârt, in welchem viele junge M├Ąnner wohnten, die sich bei ihren Eltern nicht wohl gef├╝hlt hatten und die dort nach ihren eigenen Gesetzen lebten.
ÔÇ×Dorthin sind sie dann auch gleich aufgebrochen?"
ÔÇ×Nein, nicht gleich, sondern erst nachdem ich versucht hatte, dem Wunsch der Eltern zu entsprechen. Allein, es gelang mir nicht. Ich empfand eine so gro├če Unzufriedenheit dabei, da├č ich nach einem Jahr mit einigen M├╝nzen, die ich erhalten hatte, mich aufmachte zu einem Freund, ihn um ein Pferd zu bitten, mit welchem ich dann nach jenem Dorf ritt."
Hier unterbrach er seine Geschichte. Er stand auf und ging sich ein Blatt von einem Baum zu pfl├╝cken.
ÔÇ×Was haben sie?"
ÔÇ×Ein klein bi├čchen Traurigkeit, mehr nicht. K├╝mmern sie sich nicht darum."
Tief im Innern sp├╝rte er ein Gef├╝hl aufkommen, welches ihn zu beherrschen drohte, ein Gef├╝hl des Gefallenfindens an dieser Situation. Und inmitten dieses Gef├╝hls war pl├Âtzlich wieder diese Angst eingeschlichen, die er nicht zur├╝ckdr├Ąngen konnte.
ÔÇ×Na, dann erz├Ąhlen sie mir doch, was sie von mir wissen. Kennt man mich in ihrem Dorf oder sind sie rein zuf├Ąllig hierher gekommen?"
Florian kam wieder zur├╝ck, setzte sich auf den Boden, mit dem R├╝cken an der Bank lehnend und gab ihr nur notd├╝rftig Auskunft: ÔÇ×Sie existieren als Traumgestalt in manchen K├Âpfen, aber da├č ich hier bin, ist wahrscheinlich nichts als Umtriebigkeit. Ich m├Âchte ihnen auch nicht als jemand anderes erscheinen, als der, der ich bin.".
ÔÇ×Ja, aber das wollen sie mir nicht erz├Ąhlen: wer sie sind."
ÔÇ×Sie wissen warum", sagte er, wobei er das erste Mal meinte, der Zielstrebigkeit des Bussards n├Ąher gekommen zu sein, und verschwand durch den Gang, welcher ihm den Eintritt zu diesem Platz gew├Ąhrt hatte.
Seit jenem Abend wu├čte er um das besondere Vertrauensverh├Ąltnis zwischen Thomas und der Prinzessin, und so hatte er ein eigenartiges Bedenken hinsichtlich des Treffens mit ihm in den n├Ąchsten Tagen.
Am darauffolgenden Tag ging er wieder einmal mit Marie spazieren und sie sprachen viel ├╝ber ihn und seine Gedankenwelt. Er traute sich, ihr gegen├╝ber offen zu sein, denn sie hatte sich ihm ebenfalls ge├Âffnet.
Nicht ganz ohne Maries Absicht nahmen sie die Richtung zum Schlo├č, um dort in der N├Ąhe eine Gastst├Ątte aufzusuchen, in welcher es sich gut speisen lie├č.
Mag es nun Zufall sein oder nicht, jedenfalls traf man die Prinzessin nicht unweit jener Gastst├Ątte, die dort alleine einen Spaziergang machte. Florian und die Prinzessin gr├╝├čten sich alleine mit Blicken und einem h├Âflichen Gru├č, den man unter Wanderern zu geben pflegte, Marie aber schwieg. Erst in der Gastst├Ątte kam es wieder zu einem Gespr├Ąch, aber Florian hatte seine Gedanken nicht mehr bei sich oder gar bei ihr, sondern so sehr bei der Prinzessin, da├č er ihr am Liebsten sofort nachgegangen w├Ąre.
Marie aber, in ihrem Glauben an die echte Freundschaft, die sie verband, bestellte ihm noch eine Nachspeise, um seine verschwommenen Augen zu tr├Âsten. Jener Abend war nun der erste seit der Ankunft auf dem Geh├Âft, an welchem er nicht in die Werkstatt ging, sondern nur stundenlang in seiner Kammer sa├č und zum Schlo├č blickte. Gab es eine Bestimmung, die den Zauber herbeif├╝hrt oder woher kam jene Einbildung, da├č etwas zwischen ihnen existieren m├╝sse, da├č ganz andrer Art war als zwischen ihm und Marie? Er nahm sich vor in den n├Ąchsten Tagen mit Marie dar├╝ber zu reden, auch wenn es schmerzlich werden w├╝rde.
Als er bei jenem Haus neben der B├Ąckerei die Glocke schlug, begr├╝├čte ihn dieser ganz herzlich und lud ihn ein, sich an den Tisch zu setzen, er habe eine kleine Brotzeit besorgt. Florian setzte sich und wartete.
Nachdem sie beide etwas zu sich genommen hatten, fragte Thomas ihn, ob er sich vorstellen k├Ânnte, g├Ąrtnerische T├Ątigkeiten auszuf├╝hren und beschrieb ihm kurz was er mache und wie kurz es nur gedauert hatte, bis er angelernt war. Florian meinte, da├č er sich gut vorstellen k├Ânne im Dorf hier zu arbeiten, seine Zeit sei jedoch eingeschr├Ąnkt, da er seine Unterkunft nicht mehr lange bewohnen d├╝rfe. Thomas unterbreitete ihm darauf, da├č es nicht um eine Arbeit im Dorf, sondern um T├Ątigkeiten im Schlo├č ginge und da├č er bei Einwilligung selbstverst├Ąndlich im Trakt der Dienerschaft wohnen k├Ânne.
Florian stand auf, umarmte Thomas und konnte es gar nicht richtig fassen. Er kam in jenes fremde Gebiet, lernte die Prinzessin kurz kennen, sie zeigte sich interessiert an seinen Kunstwerken und nun bot sie ihm auch noch eine Stellung und eine Wohnung an. Er verlangte trotzdem von Thomas eine kurze Bedenkzeit, aber versprach am n├Ąchsten Tag auf dem Schlo├č vorzusprechen. Thomas gab ihm die Hand zum Abschied und zeigte ihm, da├č er ihm gro├čen Respekt zolle hinsichtlich des ├ťberdenkens des Vorschlags.
Am Mittagstisch bat Florian den Bauern um ein Gespr├Ąch unter vier Augen, zu welchem der Bauer selbstverst├Ąndlich einwilligte, denn er wollte ja auch in n├Ąchster Zeit mit ihm bez├╝glich des Zur├╝ckkehrens seines Sohnes reden.
Florian erz├Ąhlte dem Bauern von jenem Angebot und teilte auch gleichzeitig mit, da├č man sich sicher besuchen k├Ânne, insbesondere um das Schachspiel fertig zu schnitzen. Der Bauer zeigte sich ├╝berrascht, doch lag es nicht in seiner Art ihn auszufragen und so erkundigte er sich nur, ob er denn schon mit Marie gesprochen habe. Thomas versicherte ihm, da├č er dies noch tun werde und da├č er hoffe, da├č es auf dem Hof auch ohne ihn weitergehen k├Ânne wie davor. Au├čerdem gab er ihm noch einen seiner beiden S├Ącke voller M├╝nzen als Bezahlung, bevor er sich mit einer Umarmung verabschiedete und auf sein Zimmer ging. Er wollte Marie noch nichts erz├Ąhlen, als bis da├č er sicher war, da├č er Stellung und Wohnung haben w├╝rde, deswegen wartete er bis es Zeit war, die K├╝he zu melken und machte sich dann davon.
In der Abendd├Ąmmerung kam er mit seinem Hab und Gut vor dem Tor des Schlosses an und bat um Einla├č. Man nahm ihm sein Pferd ab und brachte es zu den Stallungen, nahm seine Taschen und brachte sie in sein Zimmer. Kurz gewahrte er den verstohlenen Blick der Frau, welche die Prinzessin auf dem Markt begleitet hatte. Man hatte mit ihm gerechnet, er w├╝rde nun eine Zeitlang Marionette dieser Menschen spielen m├╝ssen.
So ging er denn in das lange Haus, in welchem die Dienerschaft untergebracht war und erkundigte sich nach den Formalit├Ąten, die ein kommender G├Ąrtnergehilfe zu erf├╝llen habe. Man schickte ihn zu einem ├Ąlteren Herrn, der seine Personalien entgegennahm, seine Gr├Â├če ma├č und ihm einige Fragen stellte. Florian bekam daraufhin Anweisungen f├╝r die n├Ąchsten Tage und einen Lageplan des Schl├Â├čchen.
Den Abend verbrachte er in seiner Kammer, mit dem Wissen, da├č es nun an ihm l├Ąge, da sie die T├╝ren ge├Âffnet hatte.
Am n├Ąchsten Tag weckte ihn Thomas mit der Einladung zum Fr├╝hst├╝ck. Es gab Brot und K├Ąse, sowie frische Milch. Florian f├╝hlte sich zwar ein wenig verschlafen, doch aufgrund der Motivation die Prinzessin nicht entt├Ąuschen zu wollen, konnte er seine Tr├Ągheit ├╝berwinden.
Am Tische sa├čen viele junge M├Ąnner, welche die verschiedensten Arbeiten zu verrichten hatten.
Thomas f├╝hrte Florian nach dem Fr├╝hst├╝ck zu jenem Garten, in welchem er sich mit der Prinzessin treffen durfte. Er konnte sp├╝ren, wie sich der Vorhang hob, um ihm die traumhafte Welt hervorzuzaubern, als er auf eine weiche Mooswiese trat und vor sich ein Meer verschiedener Pflanzen und B├Ąume erblickte. Einige h├Âlzerne Wegweiser befanden sich an Gabelungen, die auf Pavillons hinwiesen, Wasserspiele gab es an den verschiedensten Stellen. Florian sah, da├č er hier vorsichtig zu Werk zu gehen habe, denn anders als das Holz schien hier viel lebendiges Material zu sein.
Doch Thomas blieb den ersten Tag stets an seiner Seite, um ihn in die verschiedene K├╝nste der Gartengestaltung und -versch├Ânerung einzuf├╝hren. Um die Mittagszeit hatte er sich vom Garten fernzuhalten und sp├Ątestens bei Einbruch der D├Ąmmerung sollte er seine Arbeit beendet haben.
Am Abend gab es eine st├Ąrkende Mahlzeit und danach habe er die M├Âglichkeit sich mit Thomas zu unterhalten.
Seine Gef├╝hle zu Thomas befanden sich irgendwo zwischen Bewunderung und Ausn├╝tzung f├╝r seine Zwecke. Denn einerseits fragte er sich, wie es komme, da├č dieser Mann einen so besonderen Kontakt zur Prinzessin halten konnte, ohne sich in den Gef├╝hlen zu verlieren und andrerseits wu├čte er mittlerweile um die Vorteile, die man ├╝ber ihn erlangen konnte. Seine Freundschaft zu ihm war jedoch von solch einer Ehrlichkeit wie sie sonst selten bei Menschen vorkam.
In der folgenden Woche provozierte Florian eine Antwort auf die Frage, warum er denn mittags sich aus dem Garten zur├╝ckzuziehen habe. Er versteckte sich in einer hohlen Eiche und wartete ab was geschah.

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