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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
gefangen
Eingestellt am 05. 03. 2008 08:01


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Gabriele
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Registriert: May 2004

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Wie hatte ich gestern nur so ungeduldig und aggressiv zu Papa sein k├Ânnen?
Heute tat er mir wieder mal so schrecklich leid: wie er sich sch├Ąmte, als ich ihm die Windel wechselte...wie er sich unsicher an mir festklammerte, als ich ihn zum Bett zur├╝ckf├╝hrte... wie er dann mit herabgezogenen Mundwinkeln und geschlossenen Augen dalag.
Ich setzte mich zu ihm ans Bett und streichelte seine Hand, die schlaff auf der Bettdecke ruhte. Was mochte er wohl denken? Dachte er ├╝berhaupt irgendetwas? Tat ihm meine Ber├╝hrung gut ÔÇô oder erreichte sie ihn vielleicht gar nicht?
Doch ich durfte mich nicht so lange aufhalten, ich musste zur├╝ck in unsere Wohnung, wo meine Kleine allein mit ihrem Playmobil spielte und mich vielleicht bald vermissen w├╝rde. Zum Gl├╝ck wusste sie ja, wo ich war, und konnte notfalls ├╝ber den Gang zu mir her├╝berlaufen.
Aber so weit wollte ich es nicht kommen lassen.
Also: Schnell zur├╝ck ins Badezimmer, die gebrauchte Windel wegwerfen, H├Ąnde waschen, in die K├╝che laufen, Tee in Papas Schnabelbecher f├╝llen und diesen neben sein Bett stellen...
Ich beugte mich ├╝ber ihn. ÔÇ×Ich gehe jetzt!ÔÇť sagte ich leise neben seinem Ohr und gab ihm einen leichten Kuss auf die Wange. Ein schwaches Brummen war die Antwort.
Ich l├Âschte das Licht im Schlafzimmer und verlie├č die Wohnung. In etwa zwei Stunden w├╝rde ich noch einmal nach Papa sehen - wenn ich die Kleine zu Bett gebracht haben w├╝rde und mein Mann hoffentlich endlich zu Hause sein w├╝rde.
Besser w├Ąre es ja gewesen, bei Papa in der Wohnung zu schlafen, falls er in der Nacht etwas brauchte. Aber mein Mann beklagte sich ohnehin schon st├Ąndig ÔÇô zu Recht - dar├╝ber, dass ich ihn und unsere Tochter vernachl├Ąssigte.
Wohin w├╝rde all dies noch f├╝hren? Wie lange w├╝rde ich es noch durchstehen, zwei Haushalte zu f├╝hren, meine kleine Tochter zu betreuen, Papa zu pflegen und so ganz nebenbei noch halbtags arbeiten zu gehen? Wie konnte da noch Zeit f├╝r die Partnerschaft bleiben? Abends fiel ich Tag f├╝r Tag v├Âllig ersch├Âpft ins Bett. Ja, ich hatte ein schlechtes Gewissen meinem Mann gegen├╝ber, denn ich schenkte ihm tats├Ąchlich zuwenig Aufmerksamkeit. Aber daf├╝r reichte nun mal meine Energie nicht aus. Au├čerdem hatte ich von Tag zu Tag st├Ąrker das Gef├╝hl, nicht nur ihn zu vernachl├Ąssigen, sondern alles was ich tat, nicht gut genug zu schaffen, sei die Pflege meines Vaters, mein Job oder die Erziehung meiner Tochter.
Ich sah es voraus: Mein Mann w├╝rde mich irgendwann verlassen, und meinen Vater w├╝rde ich fr├╝her oder sp├Ąter doch noch in einem Pflegeheim unterbringen m├╝ssen.
Aber noch war es nicht so weit. Noch war ich gefangen, wurde gebraucht, versuchte zu funktionieren, so gut es ging.
Gebraucht werden ÔÇô wie sehr hatte ich mir das einst gew├╝nscht, als ich einsam in meiner kleinen Wohnung lebte und mich unn├╝tz und ├╝berfl├╝ssig f├╝hlte, w├Ąhrend andere M├Ąnner und Frauen meines Alters sich in der Disco oder auf der Schipiste austobten oder ÔÇô sp├Ąter dann - allm├Ąhlich eine eigene Familie gr├╝ndeten!
Nun hatte ich selbst meine Familie ÔÇô eine, die mich langsam aber sicher erdr├╝ckte.
Nun f├╝hlte ich mich gebraucht ÔÇô verbraucht, aufgerieben zwischen den unterschiedlichen Bed├╝rfnissen der Menschen, die mich umgaben und die ich einst so sehr geliebt hatte.


__________________
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la noir
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Gabriele,

Dein Text erinnert mich an Jemanden. Es ist nicht nur f├╝r den Ausf├╝hrenden eine schwere Last, sondern auch f├╝r die Menschen um ihn herum, die mitansehen m├╝ssen, wie der geliebte Mensch an dieser Aufgabe zerbricht.
Einfach, weil er keine Kraft mehr hat.
Darum w├╝nsche ich Dir und allen anderen denen es so geht, alles was man an Mitgef├╝hl geben kann.

Liebe Gr├╝├če

a.

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