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Leselupe.de > Kurzprosa
glücklich?
Eingestellt am 21. 04. 2002 15:04


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Pseudorinym
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Glück???


Hiob, mein Freund
Bist du jetzt glücklich?
Schau dich doch mal an
wie du aussiehst, zerfetzt und abgeschabt-
Ein Häufchen Asche deiner Selbst.
Erwarte jetzt nicht, daß ich Mitleid haben werde
und meinen Mantel mit dir teile, denn du bist selbst schuld.
Warst du nicht glücklich mit dem was du hattest,
deinem großen Haus, den vielen Kindern
und deiner dich liebenden Frau?
Haben wir nicht zusammen gelacht, du und ich,
Freudentränen die halbe Nacht lang?
Du verdammter Idiot, läßt dir alles wegnehmen
was dir wichtig war. Jetzt bist du ein Nichts,
hast nichts, deine Kleidung zerfällt dir zu Staub
und alles nur, weil dir eine göttliche Stimme
das Glück versprach.
Wahrer Glaube, naiver Narr, es hätte dir ja gar nicht
besser gehen können.
Doch du wolltest deinem Vater vertrauen,
dem Vater im Himmel, inmitten seiner goldenen Heerscharen,
der dein Bestes will.
Und wieso liegst du dann im Dreck vor meinen Füßen?
Geschunden und ausgemergelt, eingefallene Augen,
hageres Gesicht, ein lebendes Skelett bist du.
Und jetzt hör gefälligst auf zu lächeln.
Hör auf!! Du kannst nicht glücklich sein!

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Zeder
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Hiob - oder der Kampf mit der Weisheit

Hallo Pseudorinym,

ja: Hiob ist ein unglaublich interessantes Buch, ich habe es unzählige Male gelesen (musste ich auch, da eine meiner Examensarbeiten sich mit dem Gottesbild der alttestamentlichen Weisheit auseinandersetzte) und habe - dank Deiner Veröffentlichung - es gerade wieder einmal gelesen.

"Hör auf! Du kannst nicht glücklich sein!" Genau da hast Du den Kern der theologischen Diskussion um dieses Buch getroffen!
Ist er wirklich glücklich?
Glauben kann man es nicht, sehen kann man es eigentlich auch nicht, und doch sieht man ETWAS.

Ich zitiere mal aus der Examensarbeit:
"Im Buch Hiob geht es nicht - um dies vorwegzunehmen - um das Problem, wie viel ein Mensch erleiden und erdulden oder wie fromm ein Mensch trotz widerwärtiger Lebensumstände sein kann. Die Frage, die in der Rahmenerzählung des Buches (1,1-2,13 und 42,7-17) aufgeworfen wird, lautet: Ist der Mensch gut aufgrund des Wissens um den Tun-Ergehen-Zusammenhang (nach dessen Regeln es dem Gerechten gut, dem Frevler aber schlecht geht), oder aufgrund seines Glaubens an Gott (Jahwe) (vgl 1,9-11; 2,4-5)?"


"Erwarte jetzt nicht, daß ich Mitleid haben werde
und meinen Mantel mit dir teile, denn du bist selbst schuld."

Das ist der "Tun-Ergehen-Zusammenhang": Hiobs Freunde befinden sich in diesem Denkmuster. Es geht ihm schlecht - also hat er sich regelwidrig verhalten.

"Doch du wolltest deinem Vater vertrauen,
dem Vater im Himmel, inmitten seiner goldenen Heerscharen,
der dein Bestes will."

Und hier der "Jahwe-Glauben": Er löst komplettes Unverständnis bei seinen Freunden aus (muss er auch). Und sie sagen es auch: "Hör auf! Du kannst nicht glücklich sein!"

Was ich mit diesem langen Kommentar sagen will?
Du hast ein fantastisches(!) Werk veröffentlicht.

Danke dafür!

Liebe Grüße


__________________
"Die Ceder ist ein hoher Baum, oft schmeckt man die Citrone kaum" (Wilhelm Busch)

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Pseudorinym
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Hallo Zeder,
erstmal vielen Dank für deine Antwort,es hat mich sehr gefreut.
Ich nehm mal an,daß du Theologie studiert hast,oder immer noch studierst.(Ich glaube das könnte ich nicht,obwohl Religion ein wahnsinnig interessantes und auch widersprüchliches Thema ist,aber dann diese sturre Theologie...)Also,das Buch Hiob habe ich nicht gelesen,ich kenne aber die Geschichte.
Es ist echt faszinierend was für einen starken Glauben er gehabt hat,obwohl ihm natürlich auch Zweifel gekommen sind.
Von außen betrachtet würde doch jeder denken,daß Hiob der armseligste Mensch auf der Erde ist,jetzt nachdem ihm wirklich alles,was für ein glückliches Leben steht,weggenommen wurde und er praktisch direkt vor dem Abgrund steht.
Aber gerade im Alleingelassensein erfährt er ja das wahre Glück.

Heutzutage denkt ja beinahe jeder,daß zum glücklich sein dieses und jenes unerläßlich ist,aber was ist dann mit den armen Menschen?
Vielleicht sind gerade sie am glücklichsten.
Und vielleicht kann man es selbst auch nur dann sein,wenn man sich von allem löst und auch Schuld erfahren hat.
Naja,aber wer springt schon freiwillig in den Abgrund.
Ich fürchte ich gehöre auch zu denen die über Hiob den Kopf schütteln würden.


Doch ich mach jetzt mal lieber Schluß bevor ich noch weiter herumschwalle,aber das ist ein Thema das mich irgendwie nicht losläßt

viele Grüße
xxx

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