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Leselupe.de > Kurzgeschichten
herr klug
Eingestellt am 10. 04. 2004 19:30


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marti stephan
Hobbydichter
Registriert: Mar 2004

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Bei der Arbeit


Herr Klug steht am Fliessband wie jeden Morgen und macht in aller Ruhe und Routine seine Arbeit. Seit 20 Jahren arbeitet er schon hier. Anton am Nebenband ist schon seit 30 Jahren dabei. Leo ganz unten an der Station 1 hat letzten Herbst die Stelle von Hans, welcher nach 45 Jahren im Betrieb nun seine wohlverdiente Pension geniesst, ├╝bernommen. Jeder hat schon an der Station 1 gearbeitet. Frischlinge starten immer an der Station 1, aus Sicherheitsgr├╝nden.
Lautes Dr├Âhnen dringt regelm├Ąssig durch die dicke Mauer, die Halle a von der Halle b trennt.
Dort dr├╝ben werden die pr├Ązis, geometrisch vorgeritzten H├╝llen gegossen, die Z├╝nder gestanzt und die Treibladung aufgef├╝llt. Oft hat sich Herr Klug vorgestellt, wie die Arbeit in Halle b bei diesem L├Ąrm zu ertragen sei. Zudem behandelt der Schichtf├╝hrer seine Angestellten nicht gerade behutsam und kontrolliert sie st├Ąndig. Neulich hat sich Kurt auf der Toilette bei ihm beklagt, dass ihm verboten wurde im Kollegenkreis von seiner Arbeit im b zu erz├Ąhlen. Falls er sich nicht daran halte, k├Ânne er sofort gehen.
Es herrscht ein raues Klima in Halle b. Kurt weiss schon, warum sein Vorgesetzter ihn so murrig hingestellt hat und dies noch w├Ąhrend dem Zn├╝ni vor allen Kollegen. Der Br├Ąmymann von der Warhead Division, der oberste Chef von Halle b l├Ąsst seine perfiden Launen stets an seinen Schichtf├╝hrern aus und diese wiederum w├Ąlzen sie auf die B├╝etzer ab.
Ein seltsamer Typ ist er ja schon der Warhead, wie ihn hier alle hinter vorgehaltener Hand nennen. St├Ąndig marschiert er zusammen mit Ammunition Divisionschef Haff und einer Hand voll gut gekleideter Herren vom Staat durch die Fabrikationshallen, zeigt voller Stolz was in Halle b passiert, macht Witze ├╝ber die 2.klassige Ware, die sie zu hohen Preisen dem Ausland andrehen und preist die Forscher aus Halle c, welche streng geheim im UG des Haupttrakts verwahrt sind. Noch nie habe er, noch die hohen Herren, sie in der Halle a besucht.
Wir sind denen wohl nicht gut genug, obwohl die in Halle b ihre B├╝etz ohne uns gar nie exportieren k├Ânnten. Jemand muss die Dinger ja schliesslich verpacken, balettieren und die Zollpapiere ausf├╝llen. Aber sie aus dem a seien denen halt nicht gut genug. Auch die Forscher aus Halle c w├╝rden sie am Mittag in der Kantine kaum beachten. Sie stolzieren stets in der ganzen Gruppe vom Haupttrackt ins Mensageb├Ąude. Wenigstens dr├Ąngen sie sich in der Warteschlange nicht vor, wie die von Halle b. Der Hauptgrund daf├╝r ist wahrscheinlich der, dass sie hinter einer Wand aus Plastikpflanzen, von uns normalen B├╝etzern abgeschottet, ihr eigenes Buffet haben.
Einmal hat sich Herr Klug gewagt, dieses, nach dem alle die Mensa verlassen hatten, er aber noch auf der Toilette war und deshalb nicht gemerkt hatte, wie die Zeit verging, zu begutachten. Feines Lammfilet und Bohnen hatten die Herren vom c zu Mittag. F├╝r die Normalen gab es nur Magronen und eine Bratwurst. So l├Ąuft das also, hat er sich gedacht. Etwas w├╝tend, aber doch einsichtig dar├╝ber, dass es halt Studierte sind, beruhigte er sich wieder.
Wahrscheinlich sei es auch besser, dass die Forscher alleine essen, er k├Ânne ja bei deren Diskussionen ├╝ber Durchschlagleistung, Splitterwirkung und Ausgangsgeschwindigkeiten ohnehin nicht mithalten. Es habe ihm gen├╝gt, als er einmal zwei belauscht habe am Nebentisch, direkt hinter der Pflanzenwand.
Der integrierte Penetrator durchdringe das Ziel dank der kinetischen Energie und z├╝nde danach eine Ladung, welche Fragmente mit hoher Energie gegen weiche Ziele erzeuge, habe der Eine dem Anderen erkl├Ąrt. Wobei der Andere von Fortschritten bei den Long-Range-Scharfsch├╝tzentechnik und der kundengew├╝nschten Designanordnung der Sollbruchstellen, welche Zahl und Masse der Spliter steuere, berichtete. Deshalb diskutiere er lieber mit Anton ├╝ber den Match vom Sonntag oder das Titelthema im Bl├Â├Âk. Da kenne er sich besser aus und f├╝hle sich wohler als bei den Studierten.

Leo an Station 1 sah seit einigen Tagen nicht gl├╝cklich aus bei der Arbeit. Er l├Ąchelt kaum und redete fast nichts mehr. Es war Herr Klug zuerst gar nicht aufgefallen, da Leo immer ein stiller Typ war, aber so still nun auch wieder nicht. Wahrscheinlich hat er ├ärger mit seiner Frau, hat mir Anton auf meine Frage, was denn mit Leo los sei, geantwortet. Dass Leo jedoch keinen Ring trug, hat Anton aber nicht weiter beunruhigt.
Eines Morgens als Herr Klug aushilfsweise an der Station 2, direkt neben Leo, aushalf, da Sepp krank war, hat es ihn dann doch gewundert, was los sei und habe ihn gefragt, ob er Krach mit seiner Frau habe. Er habe aber nichts geantwortet. Erst sp├Ąter nach dem Zn├╝ni, auf der Toilette, habe Leo sich ihm anvertraut. Er mache sich Sorgen was mit all dem Zeug, das sie exportieren, wohl geschehe. Ob das niemandem schade. Herr Klug habe Leo aber zu beruhigen vermocht, indem er ihm sagte, das werde schon alles kontrolliert und ├╝berpr├╝ft ablaufen im Ausland. Schliesslich stehe ja die Schweiz dahinter und die w├╝rde schliesslich keine falsche Verwendung zulassen.
Dennoch sei Leo aber am kommenden Montag nicht mehr zur Arbeit erschienen. Er habe gek├╝ndigt, wusste Anton schon Bescheid. Er habe am Morgen beim Kaffeautomat den Warhead und Haff belauscht. Sie haben gesagt, Leo sei zu naiv f├╝r diesen Job.


__________________
In jedem von euch gibt es noch etwas, an das ich glaube. Jeder hat noch ein St├╝ck Chaos in sich, denn nur aus dem Chaos kann ein tanzender Stern geboren werden.

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