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Leselupe.de > Ungereimtes
heute ist anderswo
Eingestellt am 27. 03. 2011 03:29


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ENachtigall
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???

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heute ist anderswo

bleibe
mir sind die zeiger gebunden
mitten im leben stehen

trage mit fassung
glÀsern die haut
das angeschlagene gehÀuse

warte
im blut
die gerinnende
zeit dauert aus

gehe nicht
nur der schatten zieht
kreise
selbst durch den langen dunklen strom der nacht ohne mond und gestirn

finde mich
morgen am ufer
bei den booten meiner hÀnde

heute ist anders
wo die blauen worte
bleiben
amenlos



© elke nachtigall
2011 mÀrz
__________________
Wer Spuren sucht, wird Wege finden.

Version vom 27. 03. 2011 03:29
Version vom 27. 03. 2011 11:26
Version vom 02. 04. 2011 11:41

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Heidrun D.
Guest
Registriert: Not Yet

Liebe Elke,

wieder ein sehr anregendes Gedicht, das wie bei Tristram Shandy *lÀchel, mit und auf verschiedenen Ebenen arbeitet. Das gibt ihm Spannung und vielfÀltige Interpretationsmöglichkeiten.

quote:
bleibe
mitten im leben stehen

trage mit fassung

warte
zeit dauert aus

gehe nicht
finde mich morgen

heute ist anders

Andererseits kann ich die EinschĂŒbe in Verbindung setzen:
quote:
mir sind die zeiger gebunden
glÀsern die haut
das angeschlagene gehÀuse

im blut die gerinnende
zeit dauert aus

nur der schatten zieht
kreise
selbst durch den langen dunklen strom der nacht ohne mond und gestirn
am ufer bei den leeren
booten meiner hÀnde

wo die blauen worte
amenlos stranden
Sie könnten ein eigenes Gedicht bilden. Insofern ist das Poem als Zwie- bzw. SelbstgesprÀch zu sehen - eine kunstvolle, gleichwohl verspielte Lösung.

Nur bei den "Booten" habe ich leise Zweifel, verstehe aber, dass du im Bild bleiben willst ... "Schalen" wĂŒrden es vielleicht nicht so gut treffen ...

Insgesamt lese ich den Text als einen stillen Aufruf zum "carpe diem." Trotz allem ...

Herzliche GrĂŒĂŸe
Heidrun

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Vera-Lena
Routinierter Autor
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Liebe Elke,

auch mir gefÀllt, wie Du durch die Kursivschrift den Text in zwei Texte bringen konntest.

Es gibt solche Zeiten, in denen das Finstere, das noch dunkler als eine mondlose Nacht ist, sich bis in den Alltag hinein als prÀgend erweist. Wie soll die "glÀserne Haut" das aushalten?

Es ist eine Zeit, in der es keine Worte mehr gibt, die auf verklÀrende Weise etwas aussprechen könnten. Nein, "die blauen Worte" sind "gestrandet", ohne dass man ihnen noch einen Nachdruck ein "amen" hÀtte verleihen können.

Dennoch: und das erinnert mich jetzt an Hilde Domins "Bitte",
bitten hilft.

"bleibe
trage mit fassung
warte
gehe nicht
finde mich morgen"

Ein schmerzlicher Text, aber durch jede Strophe schimmert die Hoffnung, dass diese Zeit etwas VorĂŒbergehendes ist.

Sehr gelungen!

Liebe GrĂŒĂŸe
Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das grĂ¶ĂŸte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

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ENachtigall
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Hallo Liebe Heidrun,

danke fĂŒr Dein differenziertes Feedback zu dem Gedicht. In der Weise, wie Du die Sequenzen zusammengefĂŒgt hast, erinnert es mich an das chinesische "Tangram", ein Spiel, bei dem geometrische Formen zu schier unendlich vielen Bildern zusammengelegt werden können.
Den Impuls zu diesem Text gab der Ausdruck "Warten im Blut" aus dem ebenfalls chinesischen "Buch der Wandlungen", der mich lange beschĂ€ftigte, ohne dass ich ihn wirklich begreifen konnte. Ich deutete ihn mir immer zu "blutig", bis ich begriff - mit Hilfe des sprachlichen Bildes der ersten Strophe -, dass es um ein innerliches Aushalten einer Gefahr geht, die durch Handeln verheerend wĂŒrde. Es ist also das eigene Blut gemeint, unabhĂ€ngig davon, ob es selbst vom Vergossenwerden bedroht ist, oder "nur" ein anderes Blutvergießen nicht verhindern kann.
(Sorry, ich fĂŒrchte, meine GedankengĂ€nge dazu sind sehr speziell. I donÂŽt wanna bore you.)
Letztendlich ist es mir wichtig, solche sehr individuell schwerwiegenden Wortlawinen irgendwann von mir abzurollen, unabhĂ€ngig davon, ob die gefundene Form gefallen findet oder nicht. Dass Du damit etwas anfangen kannst und es gutheißt, zeigt mir, dass wir eine nicht unwesentliche Schnittmenge gemeinsamer Themen und Anschauungen haben.

Herzliche GrĂŒĂŸe,

Elke
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ENachtigall
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Liebe Vera Lena,

ja, es ist Zwiesprache. Zwiesprache mit sich selbst, mit Gott, und gegen die Angst, gegen die Einsamkeit, gegen die Resignation.
Uns es ist das Loslösen aus der gezĂ€hlten, segmentierten, instrumentalisierten Zeit, das ZurĂŒckfinden in eine eigene Zeit, die naturgegeben durch den Schatten sichtbar wird. So, wie wir in Krisenzeiten auch immer mit unseren eigenen Schattenseiten konfrontiert sind; derart, dass wir die Chance haben, daran zu wachsen (Negative entwickeln).

Auch Dir herzlichen Dank fĂŒr Dein immer wieder sehr einfĂŒhlsames Lesen.

Liebe GrĂŒĂŸe,

Elke
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HerbertH
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Liebe Elke,

ohne die Boote wĂ€re es noch deutlich besser. Hier wĂŒrde mir z.B. die Bögen besser gefallen.

Aber sonst Chapeau!

lG

Herbert
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© herberth - all rights reserved

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ENachtigall
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Vielen Dank, lieber Herbert, fĂŒrs Hinterlassen Deines Leseeindrucks!
Schade, dass sich offensichtlich das Bild der Boote nicht auf die Weise erschließt, wie ich es versucht habe, hineinzulegen. Dennoch tue ich mich schwer, mich davon zu verabschieden. Mit einer ultimativen geringfĂŒgigen Verschlankungen möchte ich das Gedicht als "fertig" so stehenlassen.
Hab auch Dank fĂŒr Dein Lob.

Ein sonniges Wochenende.

GrĂŒĂŸe von Elke


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