Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5437
Themen:   92201
Momentan online:
89 Gäste und 0 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Ungereimtes
hochsitz
Eingestellt am 24. 08. 2011 16:25


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

Werke: 857
Kommentare: 4755
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Karl Feldkamp eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

auf der suche nach sonnenresten
reibt mir der tag raue müdigkeit
in die trockenen augen
schaue betoniert vom nachtbalkon
der jungen nachbarin zu
scherbenfrei wie jeden abend
räumt sie ihre spülmaschine aus

zwischen engen friedhofsmauern
berechne ich rechtzeitigkeiten
vermesse abstände unbestätigter
geburts- und todesdaten und
hege folgenlos mordgedanken

und die nachbarin macht mir
wieder das licht aus

__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

Version vom 24. 08. 2011 16:25

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


revilo
Häufig gelesener Autor
Registriert: Nov 2008

Werke: 85
Kommentare: 6796
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um revilo eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Kalle sitzt auf´m Hochsitz und beguckt sich die Nachbarin......und das in Deinem Alter........nicht schlecht...
aber nun zu Deinem Gedicht:
eine sehr pointierte Beobachtung mit subtilem Witz........
in der zweiten Strophe ein bißchen zu viel des Guten:

" berechne ich rechtzeitigkeiten zuliebe
abstände unbestätigter
geburts- und todesdaten "

wirkt ein wenig überfrachtet.......

berechne ich rechtzeitigkeiten
vermesse abstände unbestätigter
geburts- und todesdaten
und hege folgenlos mordgedanken
während die nachbarin mir
wieder das licht ausmacht

nurnvorschlag von revilo

Bearbeiten/Löschen    


Perry
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Aug 2004

Werke: 1033
Kommentare: 3088
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Perry eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Hallo Karl,

ja tolles, typisch deutsches Balkongedicht.

"schaue betoniert vom nachtbalkon
der jungen nachbarin zu
scherbenfrei wie jeden abend
räumt sie ihre spülmaschine aus"

"betoniert" übersetzte ich mal mit starrem Blick, und denke mir, dass es wohl nicht das heil gebliebene Geschirr ist, dass hier den Blick fesselt.

Dass die Bildebene dann zum Friedhof abschwenkt ist ein (zu) harter Bruch, aber vermutlich wolltest du hier den Gegensatz "jung/dem Tod nahe" absichtlich polarisieren.

Im Schlussbild, könnte man sogar was Gemeinsames herauslesen, aber ich denke das liegt nur an der umgangasprachlichen Wendung (lächel).

Gern gelesen!
LG
Manfred

Bearbeiten/Löschen    


Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

Werke: 857
Kommentare: 4755
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Karl Feldkamp eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber Manfred,
danke für deine Interpretation.
Aber ich denke, wer in einem Betonsilo wohnt, der wohnt in einem Gefängnis...
und der Balkon ist eine jener Betonkisten ohne Deckel. Hier die Assoziation zum eingefriedeten Friedhof...
Herzliche Grüße
Karl
__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

Bearbeiten/Löschen    


Vera-Lena
Routinierter Autor
Registriert: Oct 2002

Werke: 671
Kommentare: 10341
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Vera-Lena eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Lieber Karl,

Zuerst hatte ich etwas Probleme mit den Mordgedanken-

Naja, vielleicht gibt es solche Augenblicke, wenn man mit dem eigenen Leben nicht mehr zufrieden ist und statt an Selbstmord zu denken, lieber mit heimlichen Gedanken, alle Glücklichen seiner Umgebung mal eben ins Jenseits schickt.

Das unzertöpperte Geschirr der Nachbarin deutet für mich auf eine glückliche Person hin, der alles zu gelingen scheint.

Da sie "wieder" das Licht ausmacht, scheint das Lyri sie Abend für Abend zu beobachten und vielleicht gelten die Mordgedanken doch ihr, weil das Lyri in seiner Einbetoniertheit und seiner Müdigkeit nicht weiß, wie man lebendig und lebensfroh an sie herankommen könnte.

Es sitzt doch schon auf dem "Hochsitz" und der Jagdinstinkt ist allabendlich angefacht.

So lese ich diesen melancholischen Text.

Liebe Grüße
Vera-Lena


__________________
Der Mensch ist sich selbst das größte Geheimnis, ein unverzichtbarer Blutstropfen im Universum, ein Spiegel allen Seins.

Bearbeiten/Löschen    


Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

Werke: 857
Kommentare: 4755
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Karl Feldkamp eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Liebe Vera Lena,
danke für deine einfühlsamen Zeilen. Das LyrIch lebt schon beinahe wie in einem Sarg und gönnt deswegen auch anderen Menschen (vor allem den jungen) nicht mehr Leben und Lebendigkeit.
Es ging mir um den Neid der Alten auf die Jugend...
Herzliche Grüße
Karl
__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

Bearbeiten/Löschen    


14 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Ungereimtes Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!