Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92241
Momentan online:
368 Gäste und 10 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Horror und Psycho
horror
Eingestellt am 25. 05. 2002 00:53


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
bluesnote
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: May 2002

Werke: 23
Kommentare: 77
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um bluesnote eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Es gibt einen Ort, da gibt jede Kuh, die man in den Stall stellt, oder zum grasen auf die Weide f├╝hrt, Blut statt Milch! Und nur meine Eltern, ein paar Wesen und ich wissen, warum.
Ein Verrat fand schon einmal statt, aber in der Gegenwart ist es nicht mehr weiter tragisch, wenn ich mich an diesem Tag mit einem Banane - Kirsch Drink auf meinem Balkon zur├╝ckziehe und ├╝ber eine Begebenheit schreibe, die sich in einem kleinen Flecken im tiefsten Niedersachsen ereignet hat, dessen Namen ich hier nicht nennen will; um der Nachfahren der Familie willen, um die es hier letztendlich geht.
Um nicht der Bef├╝rchtung anheim zu fallen, die seinerzeit schon ein gro├čer Schriftsteller hegte, eine seiner Geschichten in einen etwas umst├Ąndlichen Bericht ausarten zu lassen, halte ich mich fest an meinem Bleistift und ziehe mich zur├╝ck bis zu einem sonnigen Tag in meiner Kindheit, an der ich eine Entdeckung machte.
Die Sommer in dieser Zeit, in der sich zum vierzehnten Mal mein Geburtstag n├Ąherte, zeichneten sich vor allem dadurch aus, das die Sonne schien, und das es hei├č war, so hei├č, das die Luft waberte wie Wackelpudding in der Sch├╝ssel. Wir lebten in einem gottverlassenen Ort mitten zwischen Hamburg und Bremen, ein sch├Ąbiges altes Haus mitten zwischen Feldern, Weiden und Bauernh├Âfen war unser zuhause. Dem, -wie kann es anders sein-, zuf├Ąllig Durchreisenden oder Verirrten w├Ąre sofort eines aufgefallen, die Staubwolken, die selbst bei der leichtesten Brise tr├Ąge von den langgezogenen Feldwegen aufstoben und dann f├Ârmlich trostlos in der Luft hingen. Auf den Feldern wurden die ├╝blichen Getreidesorten angepflanzt: wie Gerste und Hafer; Kartoffeln, so weit das Auge reichte; und es gab eine Menge Vieh: Schweine, K├╝he, Federvieh, ja, selbst Kaninchen wurden hier heran gez├╝chtet und f├╝r die Ern├Ąhrung genutzt. Nicht weit, gegen├╝ber der einzig asphaltierten Strasse, die an unserem Heim vorbeizog und hinaus f├╝hrte in die Welt, wie die Einheimischen zu sagen pflegten, stand ein Bauernhof, der zwei Kindern, Junge und M├Ądchen, und ihrer Mutter ein Heim bot; der Bauer selbst war schon seit l├Ąngerem verschollen. Mangels anderer Spielkameraden in der N├Ąhe waren diese Kinder der einzige gleichaltrige Umgang f├╝r mich au├čerhalb der Schulzeiten. Heutzutage surfen Kinder im Internet, warten auf die neuesten Updates ihrer favorisierten PC - Spiele, die ihnen Unterhaltung und Abwechslung bieten m├Âgen; f├╝r uns in diesen Kindertagen aber kam eine aufregende Zeit im Jahr, in der die Bauern eine Menge Vieh schlachteten, um Schinken zu r├Ąuchern und anschlie├čend auf ihren Dachb├Âden abh├Ąn-gen zu lassen, um Fleisch in Mett zu verwandeln und es zu verwursten, Rindfleisch und Knochen f├╝r die Suppe in einzelne Portionen zu verpacken; das war eine Seite ihres Broterwerbs.
Nat├╝rlich mochten wir Kinder alle Tiere des Hofes, gaben einigen von ihnen sogar Namen, doch geh├Ârte es zu einem Teil unseres Lebens, das eines Tages der Abschied kam; und da dies f├╝r uns Gewohnheit war, ├╝berkam uns nur kurz eine leichte Trauer. Wir hatten die Lebewesen, die uns einem kleinen Teil unseres Lebens begleitet hatten, schnell vergessen; zuviel neues gab es f├╝r uns zu entdecken. Am Ende eines dieser Tage, an dem der Schlachter gegangen war und neben den Schobern aller H├Âfe das unbrauchbare Ged├Ąrm des Schlachtviehs Heerscharen von Fliegen anzog und die ges├Ąuberten Rinder- und Schweineh├Ąlften an den Schenkeln auf einer stehenden Leiter gebunden der weiteren Verarbeitung harrten, sah ich vom Eingang des Hofes her, wie die Mutter meiner beiden Freunde einen blechernen Eimer aufgefangenen Blutes, das vormals einem geschlachteten Rind geh├Ârte, ins Haus trug; mit der Neugier, die Kindern eigen ist, interessierte mich der weitere Verbleib dieses roten Saftes. Von ihrem Standpunkt bis zum Tor hatte sie mich nicht bemerkt, vielleicht bot das umherlaufende Federvieh zuviel Ablenkung, um einen kleinen Jungen zu bemerken.
Sie verschwand zum Haus hin, sah sich verstohlen nach links und rechts um, l├Ąchelte dabei, hielt eben diesen Eimer voller Blut in H├Ąnden, und ich wollte es damals wissen, was genau sie mit dieser sicherlich noch warmen Fl├╝ssigkeit vorhatte. Geduckt wie ein Indianer auf dem Kriegspfad schlich ich um einen der Kaninchenst├Ąlle, ein Hund gab es auf diesen Hof nicht, und diese Tiere waren nahezu unf├Ąhig, Laute der Warnung abzugeben, also bewegte ich mich weiter zum Eingang des Hauses, hinter der die B├Ąuerin verschwunden war. Je n├Ąher ich der T├╝r kam, desto mehr zitterten mir die Knie, doch meine Neugier war ├╝berm├Ąchtig, schon presste ich mein Ohr an das Eichenholz des Eingangs: Ich lauschte!
Zuerst vernahm ich ein kurzes Scheppern, das von Blech, es war sicherlich der Eimer, den die Frau auf einen Tisch wuchtete, doch was war das? Pl├Âtzlich das dumpfe Mahlen wie von Zahnr├Ądern, die ineinander griffen, um irgend eine Arbeit auszuf├╝hren; nur welche, fragte ich mich? Das Ger├Ąusch schwoll zu einem Rattern an, das nicht ├╝berm├Ą├čig laut wurde, der Ausl├Âser, der meine Neugier noch verst├Ąrkte und mich verleitete, die Eingangst├╝r vorsichtig einen Spalt weit zu ├Âffnen. Trotz dem auf der anderen Seite des Raumes Licht durch ein Fenster fiel, sah ich im Moment nichts, dieses Licht blendete mich einen Augenblick, doch h├Ârte ich jetzt leichtere Schritte, die beiden Kinder, die sich um ihre Mutter scharrten. Dieses mahlende Ger├Ąusch hielt weiter an, ich lugte genauer durch den Spalt, und jetzt sah ich ihren R├╝cken und die kreisende Bewegung einer ihrer Arme; sie drehte sich dabei ein wenig zur Seite, schaute auf ihre Kinder, die sie erwartungsvoll anblickten; und nun konnte ich sehen, was es war, was sie dort bediente: es war ein Fleischwolf, mit einem ├╝beraus gro├čen Trichter, der ├╝ber dem Ger├Ąt thronte. Von dort kamen auch diese mahlenden Laute, aus der unteren ├ľffnung quoll das zerkleinerte Fleisch, das sie in einer Sch├╝ssel fing.
Nun nahm sie etwas von dem Blut aus dem Eimer und gab es in die Sch├╝ssel mit dem Met, dann r├╝hrte sie eifrig, um gleich danach in den Taschen ihrer Sch├╝rze zu nesteln: hervor holte sie einen gro├čen matten silbergrauen L├Âffel, den sie hoch ├╝ber den H├Ąuptern ihrer Kinder hielt, wie ein Magier seinen Zauberstab, der bereit ist, damit seinem Publikum eine Illu-sion zu bereiten, die ihm nach der Show die Ahh's und Ohh's der staunenden Menge versicherte, und dem nachfolgenden Applaus. Doch welche Befriedigung meiner Neugier wurde mir geboten, sie verf├╝tterte ihren angerichteten Blutbrei an ihre Kinder, und zwar, bis der L├Âffel auf dem Grund der Schale kratzte; das entlockte mir allenfalls ein angewidertes Gesicht, keinen Ausruf der Verwunderung, und Applaus gab ich auch nicht, bevor mich jemand entdeckte, schloss ich leise die T├╝r.
- Nicht von dieser Welt -, w├Ąre wohl meine Antwort gewesen, wenn man mich damals auf diese Bilder angesprochen h├Ątte, ich ├╝berlegte, mit wem sollte ich dar├╝ber reden; meinen geplanten Besuch brach ich lieber ab und trottete heimw├Ąrts. Zuhause angekommen, traf ich auf meine Mutter, sie stand mit dem R├╝cken zu mir und breitete W├Ąsche auf einem B├╝gelbrett aus, die sie dann reichlich mit Wasser einspr├╝hte, um dann mit einem schweren B├╝geleisen; viel zu klobig f├╝r ihre zarten H├Ąnde, dar├╝ber zu fahren, sorgsam legte sie gleichm├Ą├čig die ├ärmel der Kleidungsst├╝cke zusammen, faltete das ganze ordentlich, um es dann liebevoll in einem gewaltigen Schrank zu verstauen. Sie bemerkte mich, sah mich an und wusste im n├Ąchsten Moment, das ich etwas auf dem Herzen hatte. Zaghaft begann ich, ihr Einzelheiten des eben erlebten zu berichten, - was sind das f├╝r Leute? - endete mein Bericht. Sie strich mit ihrer Hand ├╝ber meine Wange und setzte sich dabei auf die Kante des Waschzubers, - andere Leute, andere Sitten , andere Leute und ihre Probleme -, so begann sie zu sprechen. Sie erz├Ąhlte mir davon, das der Bauer eines Tages bei Vollmond verschwand, und Frau und Kinder zur├╝ck lie├č, einfach so wegblieb, einer der Onkel kam regelm├Ą├čig, um die schwersten Arbeiten, die auf dem Hof anfielen, mit dem Rest der Familie gemeinsam zu erledigen. War das Verschwinden des Oberhauptes schon seltsam genug, niemand wusste, wohin und warum er gegangen war, aber ein paar Tage nach seinem Verschwinden kamen hier und da die Leute des Dorfes zusammen und klagten dar├╝ber, das ihnen Vieh abhanden gekommen war; meistens waren es kleinere Tiere, ein Huhn oder ein Kaninchen, aber es sollte vorkommen, das auch schon mal ein Schwein fehlte, verschwunden bis auf einen Rest Blut im Stroh. - Kein Hund schl├Ągt an, kein Tier, das durch nerv├Âses Scharren oder ├Ąngstliches Bl├Âken oder Muhen seinen Besitzer alarmieren w├╝rde -, so schloss sie ihre Erz├Ąhlung. Diese Worte reizten mich, meine Ohren auf Berichte von fehlendem Vieh zu spitzen, fortan war ein Detektiv unterwegs im Dorf; und tats├Ąchlich, es dauerte nicht lange, bis ich ein Gespr├Ąch zwischen zwei B├Ąuerinnen beim Einkaufen belauschen konnte, die genau ├╝ber den Vorfall eines Viehdiebstahls lautstark lamentierten. Auch hier war nichts zu bemerken gewesen, bis am fr├╝hen Morgen der Bauer das Fehlen einer ganzen Kuh bemerkte, allein der abgerissene Kopf hing noch an einem Strick in der Einstellbox. Meine Mutter hatte recht behalten, jetzt, wo ich speziell darauf achtete, ├╝ber was sich die Leute im Dorf unterhielten, wurde mir bewusst, das irgend etwas umherging in der Umgebung, und dabei fiel mir ein, wir Kinder sollten die W├Ąlder der Gegend, die hinter den Feldern begannen, meiden. Aber ich brachte es noch nicht zusammen, ob das eine mit dem anderen zu tun hatte.
Der Detektiv w├╝rde weitere Ermittlungen anstrengen m├╝ssen.
Andere Kinder hatten nachts die Fenster in ihren Zimmern geschlossen, um eventuelle Geister, die drau├čen herumschleichen sollten, fernzuhalten, ich konnte nachts in meinem Bett alles ertragen; nur eines nicht: Stille. Es ├Ąngstigte mich nicht, wenn Schatten von den Zweigen der B├Ąume, die drau├čen der Mond beschien, an der Zimmerdecke zum Konzert des Windes tanzten, aber Stille konnte ich nicht ertragen; selbst im k├Ąltesten Winter musste mein Fenster wenigstens einen spaltbreit ge├Âffnet sein, damit ich den Wind h├Âren konnte, wie er sich in den Kronen der B├Ąume verfing, um dort seine schaurige Melodie zu spielen. Ich lag auf meinem Bett, die H├Ąnde hinter dem Kopf gefaltet, sah dem Spiel der Schatten zu und ├╝berlegte, wie ich es anstellen sollte. Ich musste hinaus, Himmel ja, musste beobachten, vielleicht sogar in die unbekannte Zone hinter den Feldern; doch k├Ąmpfte ich noch mit einem Rest zauderndem Bangen. Dann hatte ich eine Idee: ich sprang auf und griff in das Regal neben den ganzen aufgereihten Karl May B├Ąnden, die f├╝r mich einen Schatz bedeuteten, genau wie das Fahrtenmesser in der braunen Lederscheide, ein Geschenk vom letzten Ge-burtstag. Ich zog die Klinge heraus, schaute auf den blinkenden Stahl: durfte ein Indianer Angst haben? Die Antwort war klar: Nein! Ich f├╝hlte mich wohler, als ich mich ankleidete und das Messer an meinem G├╝rtel hing, so stieg ich hinaus aus dem Fenster, bereit, eine erste F├Ąhrte aufzunehmen. Lautlos, wie ein Apache eben, so stahl ich mich geduckt davon, den Grizzly zu jagen, der mit einem gewaltigen Schlag seiner m├Ąchtigen Pranke der armen Milchkuh, die ihre gr├Â├čte Pein hinter sich hatte, den Rest ihres K├Ârpers vom Kopf trennte. Das in meiner Phantasie die Kuh zu einem riesigen, alles zermalmenden Bison wurde, st├Ârte mich nicht im geringsten; heizte mich nur noch an. Ich war im Jagdfieber und nicht mehr zu retten!
Trotz aller Begeisterung war mir nat├╝rlich bewusst, das niemand auf blauen Dunst einfach losstapfen und sich auf die Suche nach einer Person begeben konnte; schon gar nicht in die-ser Dunkelheit, und dann noch in den Wald hinein. Was ich brauchte, war eine erste Spur, den Anfang des Zwirnsfadens, und dazu fiel mir ein, zuerst das Haus meiner Beobachtungen aufzusuchen, um hoffentlich erneut sonderliches zu entdecken. Durch unseren Garten ├╝ber die Strasse war es einfach, das Licht von Laternen gab es hier eh nicht, ich bem├╝hte mich nicht sonderlich, Deckung zu suchen, am Rande des nachbarlichen Hofes angekommen, duckte ich mich und schlich an einen Baum heran, der in der N├Ąhe der Eingangst├╝r stand und mich vorerst gen├╝gend versteckte. Ich schalt mich t├Âricht ob meines Vorhabens, als wenn nun auf Kommando die beobachtete T├╝r aufgehen und die Familie mir so etwas wie eine mittern├Ąchtliche Show bieten w├╝rde. Sicher w├╝rden alle ruhig schlafen au├čer ich, der volle Mond befand sich bereits hoch ├╝ber meinem Kopf und ich war froh, das wir uns am Anfang der Sommerferien befanden. Ich hing noch meinen Gedanken nach, als ein Ger├Ąusch mich aufhorchen lie├č, ich blickte nach vorn, die Eingangst├╝r ├Âffnete sich, heraus schlichen zwei kleine und eine gro├če Gestalt; schattengleich, nur ihre Augen leuchteten merkw├╝rdig gelb im Mondlicht. Ich lugte an der Borke des Baumes vorbei, sah die Szene, starr und jeder Bewegung unf├Ąhig. Wo war mein Mut geblieben, auf den ich anfangs so geschworen, nach einer kurzen Umsicht setzte sich die Gruppe in Bewegung, entfernte sich aus meiner Sicht, langsam glitt meine rechte Hand zum Schaft meines Fahrtenmessers und in dem ich den Griff des Messers umschloss, ging ein Gef├╝hl wie Zuversicht durch meinen K├Ârper, gab mir neue Energie und einen Teil meines Tatendurstes zur├╝ck. Trotz allem wartete ich eine ge-raume Weile, wollte mich nat├╝rlich auf keinen Fall entdecken lassen, dann folgte ich ihrer Richtung und wie schon vermutet, f├╝hrte ihr Weg in die verbotene Zone.
├ťberm├Ąchtig der Waldrand, vor dem ich stand, ich war angekommen, hier endeten die Felder; und meine kleine Welt. In weitem Abstand war ich ihnen gefolgt, nun suchte ich einen geeigneten Eingang in diesen Forst, ging ein paar Schritte nach links, ein paar nach rechts, unschl├╝ssig blieb ich stehen, blickte auf das Gr├╝n; dann sah ich einen kleinen Pfad. Und meine Neugier siegte, ich betrat diese gr├╝ne H├Âlle.

Gleich hinter der zweiten Baumreihe lag in dem hohen Gestr├╝pp ein vom Sturm und Alter gef├Ąllter Baumriese, den, wollte ich auf dem Pfad bleiben, ├╝berwinden musste, denn links und rechts des schmalen Weges waren die B├╝sche einfach undurchdringlich. An einer Stelle des Stammes kr├╝mmte das modrige Holz sich vom Boden her nach oben, ich wollte mich darunter herschieben, schon setzte ich es in die Tat um; wagte aber nicht daran zu denken, was sich an Krabbeltieren in der vermoderten Borke befinden mochte, noch was im Gras auf dem Boden verborgen vielleicht auf mich wartete. Ich machte mir Mut, in dem ich an meine Freunde dachte, um deren willen ich mich in v├Âllig unbekanntes Terrain begab. Sollte ich da vor ein paar K├Ąfern zur├╝ck schrecken, Nein! Das Gras kitzelte mein Gesicht, als ich dicht an meinem linken Ohr ein Ger├Ąusch vernahm. Ich stockte einen Moment in meinen Bewegun-gen, das Ger├Ąusch blieb, ich schloss die Augen, wollte jetzt nicht in Panik geraten. Mir war, als w├Ąre ich in einem schalldichten Raum und nur dieses eine eklige lauter und lauter werdende Ger├Ąusch von raschelnden, knisternden Gras (ich fand, es war das h├Ąsslichste auf der Welt) war nur zu h├Âren. Das Ger├Ąusch wurde lauter, wie laut musste es noch werden, bis dieses etwas ganz an mein Ohr war. Ich kroch jetzt hastig und krampfhaft vorw├Ąrts, so wie es meine Kr├Ąfte gerade erlaubten, allein, meine Eile nutzte nichts, das Rascheln h├Ârte sich jetzt nur noch n├Ąher an. Pl├Âtzlich ein Zischen direkt an meinem Ohr, ein gewaltiger w├╝rgender Laut, dann ein alles ├╝bert├Ânendes "Quak".
.... ein Ochsenfrosch wollte partout nicht weichen und hatte endg├╝ltig seinem ├ärger Luft gemacht. Er hatte seinen Kehlsack mit Luft gef├╝llt, daher das Zischen! Wenn ich es hier in der un├╝bersichtlichen Enge gekonnt h├Ątte, h├Ątte ich das Vieh am liebsten erschlagen! Die Tiere, die sich normalerweise an T├╝mpeln aufhielten, kamen morgens, wenn die Wiesen noch feucht vom Tau waren, bis an den Rand des Dorfes. Sie nahmen die M├╝hen eines l├Ąngeren Marsches auf sich, weil es dort verlockend Fressbares gab, und wenn es die gro├čen Schmei├čfliegen auf den Dunghaufen waren. Ich stie├č mir den Kopf, weil ich vor Schreck hochgefahren war. Sobald ich unter den Stamm hervorgekrochen kam, s├Ąuberte ich meine Sachen, indem ich sie abklopfte, beugte mich hinunter, wischte noch einen K├Ąfer von einem meiner Hosenbeine und musste trotz allem lachen. Ich fand die Situation idiotisch, ich richtete mich g├Ąnzlich auf, immer noch lachend setzte ich meinen Weg fort, weiter hinein in den Wald; und noch etwas, ich hatte, seit dem wir hier lebten, nicht soviel Unterhaltung auf einmal gehabt.
So trottete ich fr├Âhlich durch den Wald, sch├╝ttelte verwundert ├╝ber mich selbst und meinem seltsamen Vorhaben, Licht in das Gebaren dieser Familie zu bringen, den Kopf, war es ├╝ber-haupt richtig, was ich hier tat, nannte man das, was ich hier vorhatte, nicht - "Schn├╝ffeln" -; ein gewaltiges Geheul, das in der Ferne anhob, sagte mir, das es nicht richtig war; und zuhause war weit weg. Zweige der niederen B├╝sche streiften meine grobporige Haut, als ich auf die Schnelle ein geeignetes Versteck aufsuchte, eine kleine Senke im Waldboden schien mir genau richtig, konnte man sich vor so einem Untier, das ein derma├čenes Geheul ausstie├č, ├╝berhaupt verstecken? Was blieb mir anderes ├╝brig, ein Blick in die Runde knapp ├╝ber den Boden sagte mir, das ich mich verirrt hatte, also, die Flucht nach vorn? versuchen, das Spiel zu ├╝berblicken und somit die Kontrolle ├╝ber das Geschehen zu bewahren? Das schien mir im Moment die beste M├Âglichkeit, meine Angst unter Kontrolle zu bringen. Es war eine ganze Weile still, ich kroch heraus aus meinem Loch mit dem bangen Gedanken, das, wenn ich nach hause finden wollte, vielleicht bis zum Morgengrauen in diesem Wald aushalten musste, und zu versuchen, welches Untier auch immer hier hausen mochte, zu entkommen. Mit zitternden Knien bewegte ich mich langsam vorw├Ąrts, st├Ąndig wollte ich vermeiden, das morsche ├äste und kleinere Zweige unter meinen F├╝ssen knackten, was mir nie ganz gelang; bis ich auf weiches Waldmoos geriet, auf dem sich angenehm gehen lie├č, ich wanderte darauf weiter bis zum Rande einer Lichtung mitten im Wald, die von gro├čen Findlingen ums├Ąumt wurde.
Neuerliches schauriges Geheul schreckte mich abermals auf, doch diesmal mischten sich hellere Stimmen darunter, ganz in der N├Ąhe, als wenn ein Wolfsrudel mitten auf der mondbeschienen Lichtung sein Lager aufsuchte, um den gro├čen runden Mond seinen Tribut zu zollen mit einer au├čergew├Âhnlichen mittern├Ąchtlichen Arie. Nur noch um einen Stein musste ich herum; W├Âlfe gab's hier schon lang nicht mehr, das wusste ich, aber ich wollte jetzt wissen, was es dann war; ob ich an das Ziel meiner n├Ąchtlichen Expedition angelangt war.
Als ich endlich sehen konnte, was sich auf der Lichtung im milden, goldenen Licht abspielte, trieb's mir die Tr├Ąnen in die Augen, ich wusste sofort, eine Familie hatte sich gefunden, die Nachbarskinder hockten vor einer riesigen Gestalt, die sich in einem dunklen Pelz darbot und winselten freudig zu ihr hoch, die Mutter der beiden umarmte ihren Mann; ich wusste, sie mussten es sein, auch, wenn ihre Kleidung nun ein pelziges Fell war und ihre M├╝nder spitz zuliefen wie das Maul eines Wolfes eben. In dieser mitten├Ąchtlichen Stunde hatten sie sich wieder vereint, wer wei├č, zum wievielten Mal schon; und mir wurde bewusst, ich hatte mich in etwas eingemischt, was mich nichts anging; w├╝rde ihr Geheimnis ein Mensch wissen, brauchte es nicht lang, und es w├╝rden alle wissen! Und so kam es dann auch.

- Gestehe! - meine Eltern r├╝ttelten mich links und rechts an den Armen, nat├╝rlich hatten sie meinen n├Ąchtlichen Ausflug bemerkt, warum nur hatte ich meine Mutter belastet, ihr von meinen Beobachtungen im Nachbarhaus berichtet, unter Tr├Ąnen erz├Ąhlte ich von dem Geschehen an dem uns Kindern untersagtem Ort; verriet, was niemals h├Ątte verraten werden d├╝rfen; die Tr├Ąnen, die ich weinte, waren vor allem Tr├Ąnen der Scham.
Sie holten ihre Mutter bei Tag, in den Stunden, in denen sie f├╝r Menschen ungef├Ąhrlich war, in der anschlie├čenden Nacht hallten Sch├╝sse silberhell ├╝ber die Felder, der Nachtwind trug ihre Echos bis zu unserem Heim an meine Ohren, und mir war's, als drangen sie direkt durch mein gepeinigtes Herz. W├Ąhrend die B├Ąuerin in der Psychiatrie verblieb, brachten sie die Kinder fort in ein Waisenhaus, von dem ich wusste, das es ganz in der N├Ąhe am Rande des n├Ąchsten Ortes lag.
Nach einigen Tagen, der Hof wurde bereits von einem eingesetzten Bauern verwaltet, kam mir der erste Verdacht, das die beiden Geschwister zumindest nachts unterwegs waren, wie sie das auch schaffen mochten, aus dem beh├╝teten Haus herauszukommen, das zu bewerk-stelligen, mochte wilden Tieren, welche die Freiheit ├╝ber alles liebten, vorbehalten bleiben, jedenfalls fand ich erste Zeichen ihrer Besuche vor meinem Fenster. Da stand nach jeder vergangenen Nacht eine Sch├╝ssel neben einem Beerenstrauch in unserem Garten, darin be-fand sich eine Sch├Âpfkelle und ich wusste sehr wohl, was das zu bedeuten hatte; und von wem sie gef├╝llt werden sollte. Um Abbitte zu leisten, nahm ich mich der Aufgabe an, den beiden ihre wahre Nahrung zu besorgen, in der Nacht stand ich auf und besorgte mir ein Messer aus der elterlichen K├╝che; ich musste vorsichtig sein, kein Ger├Ąusch wollte ich auf den blanken Fliesen erzeugen, das Fahrtenmesser war mir vom Vater genommen, das war meine Strafe f├╝r den begangenen Ungehorsam, der den Anfang allen Elends f├╝r die Nach-barn einl├Ąutete. Und es war der Anfang des Sterbens unter den H├╝hnern und allen Kaninchen auf dem Hof, die neugeboren, nur ein paar Tage alt, der H├Ąsin vor der Nase weg aus dem w├Ąrmenden Stroh gestohlen wurden. Ich war der Dieb und ihr M├Ârder, sobald ich mit einem Stoss in ihre Herzen das junge Leben beendete, fing ich noch am Tatort ihr Blut auf; in dem ich ihnen die Kehle aufschnitt und ihre K├Ârper ├╝ber die bereit gestellte Sch├╝ssel hielt. Dann tat ich es der B├Ąuerin nach, schlich hin├╝ber auf den verlassenen Hof, hin zu dem Fleischwolf, dort nahm ich den Kadavern das Fell, riss das rohe Fleisch von den Knochen und f├╝llte damit den Trichter; was unten heraus kam, mischte ich mit ihrem eigenen Blut; das ganze stellte ich nach drau├čen an einem geheimen Ort, jeden morgen war die Sch├╝ssel leer.
Es begannen Tage, in denen die Hoffnungslosigkeit meines Tuns mir immer deutlicher bewusst wurde; wann w├╝rde es endg├╝ltig auffallen, das der Bestand der Tiere deutlich nach-lie├č, schon vermuteten einige Leute einen Fuchs oder Marder, der in den N├Ąchten auf Raubz├╝ge in den St├Ąllen ging. Meine n├Ąchtliche Besch├Ąftigung hinterlie├č erste Spuren in meinem Gesicht und mein K├Ârper magerte auffallend ab. Die N├Ąchte liefen gleichf├Ârmig ab, Tr├Ąnen liefen meine Wangen hinab, sobald ich wieder eines der Tiere t├Âtete, die oftmals einen letz-ten Laut der Angst und Verzweiflung von sich gaben, bevor sie in dem metallenen Wolf endeten. Doch Verzweiflung wurde auch zu meinem zweiten Vornamen, jede Nacht machte ich mich auf, in Schwei├č gebadet, immer in der Angst lebend, das meine n├Ąchtlichen Ausfl├╝ge entdeckt w├╝rden; schlich mich hinaus, das Messer in der rechten haltend und bedacht, keinem Menschen aufzufallen; das war meine wirkliche Strafe. Eine Strafe, die keines irdischen Richterspruches vorangegangen war, und die registriert allenfalls in dem Buch der gesammelten Qualen; herausgegeben von der H├Âlle selbst.
Es war eine Nacht wie viele vorangegangene, ich lehnte an einen der Kaninchenst├Ąlle, meine gl├╝hende Stirn angelehnt an das Holz, wie viele der unschuldigen Tiere w├╝rde ich noch t├Âten m├╝ssen, bevor dieser Wahnsinn endlich ein Ende finden w├╝rde?

Gierig nahmen sie jede Nacht, was ich ihnen hinstellte, ich war inzwischen st├Ąndig ├╝bern├Ąchtigt, mein K├Ârper ausgemergelt und ├╝berfordert, doch war es in meiner Verantwortung, den beiden die Mutter zu ersetzen; schon ├Âffnete ich die T├╝r des Stalles, bereit meine M├Ârder-hand in das Stroh zu strecken, um eines der Tiere hervor zu zerren, ihm sein junges Leben nehmen und zu opfern. Am unteren Rand des Stalles sammelte sich in dunklen Flecken der Urin der Tiere, eine Assel tauchte auf und lief ohne Ziel auf dem faulenden Holz umher, ja, diese Scheune beherbergte inzwischen eine eisige K├Ąlte, totenstill war es bereits bei jedem meiner n├Ąchtlichen Eintreffen, wenn ich die T├╝r ├Âffnete, jedes vereinzelte Scharren, jeder einsame Sprung verklang im Knarren der rostigen Scharniere; inzwischen waren die Opfer-tiere gr├Â├čer geworden.
Blut ergoss sich in der ├╝blichen Sch├╝ssel, als eine gro├če, warme Hand sacht meine Schulter ber├╝hrte, meine Angst und der Schrecken waren so gro├č, das das get├Âtete Tier meinen H├Ąnden entglitt und g├Ąnzlich in den verschmierten Napf fiel, Tier und Gef├Ą├č polterten vom Tisch, alles schlug auf dem Boden auf, die Sch├╝ssel zerbrach, und in dem ich die warme Hand meines Vaters sp├╝rte, die Scherben sah, die auf dem Boden verstreut lagen, fiel eine Belastung von mir ab; ich brach in Tr├Ąnen aus und erleichterte mein Herz.

Auf allen H├Âfen rund um das Dorf brach allmorgendlich Geschrei aus, Knechte, M├Ągde und B├Ąuerinnen liefen laut kreischend aus den St├Ąllen, seit dem Tag, an dem ich die Brut zum zweiten Mal verriet, gaben die K├╝he jeden Morgen Blut statt Milch, und was sie gebaren, waren keine K├Ąlbchen und Ferkel; es war Metzgerf├╝llsel, unf├Ârmiges Fleisch und Ged├Ąrm.
Meine Eltern erwiesen uns die Gnade, fort zu ziehen aus diesem Ort, weit weg in eine gro├če Stadt, was immer schon ihr gro├čer Wunsch gewesen, erf├╝llte sich jetzt. An den Zustand der K├╝he hatte sich bis zuletzt nichts ge├Ąndert, niemand hatten wir etwas verraten, und ich wei├č nach all den Jahren nicht, ob irgendwann Besserung eingetreten ist, der Leser mag mir gewiss nachf├╝hlen, das mir nicht daran gelegen ist, den Ort meiner Kindheit aufzusuchen, um neugierig den Stand der Dinge zu erkunden.

Es ist k├╝hler geworden, ich schaue auf die sich drehenden roten Schlieren in meinem Drink und frage mich: war das alles nur ein Alptraum aus meiner eine Weile zur├╝ck liegenden Kindheit, vielleicht hatte ich den Nachbarn, insbesondere den Geschwistern einiges angedichtet; eines wei├č ich gewiss, einen noch warmen Teil des Geschlachteten hatten sie gegessen, habe ich nicht auch davon probiert, mag das normal sein? Aber das wissen wir doch alle: was ist schon "Normal!"
Doch ich bin ├╝berzeugt, und bin es bis zum heutigen Tag: irgend etwas ist da drau├čen, verbirgt sich vor uns in der Dunkelheit, an einem Ort, irgendwo; wer wei├č, vielleicht direkt vor deiner Haust├╝r.

Westen, im Mai 2002

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Michael Schmidt
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jan 2002

Werke: 43
Kommentare: 1979
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Michael Schmidt eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Ich denke es ist gewollt, aber die langen S├Ątze mit den unz├Ąhligen Beschreibungen machen das Lesen m├╝hsam. Das ganze wirkt ziemlich monoton, man verliert leicht den Faden und die Lust weiterzulesen.
Schade eigentlich, Idee und Stimmung sind gut

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Horror und Psycho Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!