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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
ich bin alt, II
Eingestellt am 24. 04. 2006 15:12


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Elfi
???
Registriert: Feb 2006

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Schemenhaft sehe ich mein Gesicht auf den Fliesen wiederspiegeln, als die Schwester mit dem br├╝netten, kinnlangem Haar mich anspricht:
"Sind Sie fertig, Frau Mengelkamp?"
Ich nicke nur, ehe sie ihren Platz neben der Fensterbank, an der rechten Seite des Raumes verl├Ąsst. Sie kommt zu mir, um mir beim Aufstehen behilflich zu sein. Ihre vorhin noch warme Hand f├╝hlt sich unter meinem Oberarm kalt an; sie tr├Ągt jetzt Handschuhe.
Das Aufstehen ist m├╝hselig, denn meinen Beinen fehlt die Kraft. W├Ąre nicht die Hand der Schwester, w├╝rde ich nicht bis zur Dusche kommen, die an der linken Seite des Raumes die volle Breite einnimmt.
"So, wir sind schon in der Dusche, Frau Mengelkamp! Hier k├Ânnen sie sich wieder ausruhen!"
An der Wand unterhalb des Duschkopfes steht so ein komischer, wei├čer Stuhl, auf dem ich mich setze. Es tut gut, nicht auf den Beinen sein zu m├╝ssen, aber der wei├če Stuhl ist unbequem. Ein St├╝ck der Sitzfl├Ąche ist ausgespart.
Das warme Duschwasser l├Ąuft an meinem K├Ârper herunter.
"Ich bin doch nicht dreckig!", protestiere ich, doch die Schwester, die meinen Oberk├Ârper mit einem Waschlappen reinigt, meint:
"Nein, Sie sind nicht dreckig! Ich mache sie nur etwas frisch! Dann f├╝hlen Sie sich gleich viel besser!"
Stoisch lasse ich die Waschung ├╝ber mich ergehen und endlich habe ich es ├╝berstanden. Die Schwester trocknet mich mit dem gro├čen, blauen Badetusch ab, ehe sie dieses an einen Haken an der Wand h├Ąngt. Sie geht zum Fenster und kommt mit frischer Unterw├Ąsche zur├╝ck. Es ist m├╝hselig, meine Arme durch die Hemd├Âffnungen zu schieben, genauso anstrengend ist es, in die Unterhose zu steigen, und dabei den Halt nicht zu verlieren.
"Wir sind doch schon ein ganzes St├╝ck weitergekommen!", meint sie, ehe sie mich zu dem Stuhl f├╝hrt, der gegen├╝ber der Toilette steht. W├Ąhrend ich dort sitze, kommt die wei├č gekleidete Schwester mit einer gro├čen Flasche zu mir.
"Das ist K├Ârperlotion!", erkl├Ąrt sie, ehe sie mich mit dem Inhalt aus der Flasche eincremt. Es riecht gut! Schlie├člich stellt sie die Flasche auf das schmale Schr├Ąnkchen neben dem Waschbecken zur├╝ck. Sie verl├Ąsst das Bad und kommt mit meiner Bekleidung zur├╝ck. Ein schwarzer Pullover und ein schwarzer Wollrock. Ich stehe, als sie mir in den Rock hilft, und dann f├╝hrt sie mich aus dem Bad. Es geht nur langsam durchs Schlafzimmer, an meinem Bett vorbei, ehe wir durch die andere T├╝r ins Wohnzimmer kommen. Mein Wohnzimmertisch mit der Obstschale und die Sofagarnitur unter dem Fenster.
"Ich muss noch meine Blumen gie├čen!", erw├Ąhne ich, doch die Schwester f├╝hrt mich an meinen Fenstern vorbei.
"Die Blumen haben Sie doch gestern gegossen. Die brauchen nicht so viel Wasser!"
"Das soll ich doch wohl besser wissen!", sage ich ihr. Was bildet sich die Frau ├╝berhaupt ein!
Sie f├╝hrt mich zu meinem braunen Fernsehsessel, auf dem die gr├╝ne Wolldecke liegt. Erleichtert lasse ich mich nieder, ehe sie die Fu├čst├╝tze heraus zieht.
"M├Âchten sie einen Apfel?", frage ich die Frau, "├äpfel sind gesund!"
"Danke, Frau Mengelkamp, aber ich muss zuerst ihr Bein verbinden. Sie haben doch am Bein eine Wunde."
"Ich sehe nichts!"
Die Frau mit den br├╝netten Haaren reicht mir meine Brille her├╝ber, die auf dem Wohnzimmertisch lag, und als ich durch die Gl├Ąser zu meinen Beinen starre, sehe ich es: mein linkes Bein ist an einer Stelle rot!
"Die Wunde ist schon gut verheilt, daf├╝r, dass Sie schon einhundert Jahre alt sind!"
Die Frau muss sich doch vertan haben! So alt bin ich bestimmt noch nicht!
Ich sehe dabei zu, wie sie mir eine Creme auf die rote Stelle streicht, ehe sie eine Mullbinde dar├╝ber wickelt.
"So, jetzt helfe ich Ihnen noch in die Stumpfhose, dann k├Ânnen Sie ihre Schuhe anziehen!"
Die Strumpfhose l├Ąsst sich nur schwer ├╝ber meine Beine bekommen, und ich st├╝tze mich bei der Schwester ab.
"Ich brauche meinen Stock!"
"Gleich, Frau Mengelkamp!"
Meine Schuhe sind an den F├╝├čen und ich bekomme meinen Gehstock, ehe ich mit Hilfe der Schwester aus dem Fernsehsessel aufstehe.
"So, es ist doch schon geschafft! Sie haben gut mitgeholfen! Jetzt bringe ich Sie zur K├╝che! Da k├Ânnen Sie dann in Ruhe fr├╝hst├╝cken, Kaffee trinken, und in der Zeitung lesen!"
Sie begleitet mich aus meinem Wohnzimmer.
















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AndreLinke
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Apr 2006

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Kommentare: 10
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hierbei fragt man sich schon, was du eigentlich mitteilen willst. es gibt keine entwicklung bzw. gro├čartige ver├Ąnderung und keine ungew├Âhnliche handlung. daher bin ich noch am gr├╝beln, was das soll. naja, sie hat mich also zum nachdenken angeregt. also habe ich trotzdem ein positives bild von der geschichte.
dass du aus der ich-perspektive geschrieben hast, finde ich hier sehr gut. dadurch wird die situation der hilflosen person pers├Ânlicher und etwas ansprechender f├╝r mich.
__________________
Der Stift ist die sch├Ânste Waffe der Welt.

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Elfi
???
Registriert: Feb 2006

Werke: 41
Kommentare: 28
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Hallo Andre,

auch wenn keine gro├čartige Handlung abl├Ąuft, lebt die Geschichte von der beklemmenden Gedanken- und Gef├╝hlswelt dieser alten Frau, die nicht mehr im Hier und Jetzt lebt. Die Geschichte soll zum Nachdenken anregen, schlie├člich werden wir alle ja mal ├Ąlter.
__________________
Das Paradies befl├╝gelt deine Fantasie, und nur mit den Fl├╝geln deiner Fantasie gelangst du ins Paradies.

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Inu
H├Ąufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2002

Werke: 120
Kommentare: 2153
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Hallo Elfi

Ich frage mich auch, was das sein soll? Ich wei├č (durch Dein Profil leider ) nichts von Dir, Elfi. Wei├č nicht wie alt oder jung Du bist, ob Du selber ├Ąhnliche Dinge erlebt hast oder EHER nicht. Was Dich gerade zu diesem Text getrieben hat, wei├č ich nicht. Die Geschichte ist f├╝r mich weder 'beklemmend', noch zeigt sie besondere pers├Ânliche Anteilnahme. Mir ist das Ganze zu k├╝hl abgehandelt, gibt mir auch keine neuen Erkenntnisse ├╝ber das Los Pflegebed├╝rftiger, die ich nicht vorher schon hatte.

Vielleicht solltest du auf die Empfindungen und Missempfindungen einer Hundertj├Ąhrigen intensiver eingehen.


Gru├č
Inu

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Elfi
???
Registriert: Feb 2006

Werke: 41
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Hallo Inu,
danke f├╝r deinen Kommentar! Ich werde versuchen, deinen Ratzu beherzigen!
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