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Leselupe.de > Ungereimtes
im licht
Eingestellt am 08. 03. 2018 16:48


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Patrick Schuler
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2014

Werke: 166
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Wolken erzÀhlen der erde den regen
wenn ihnen die stimmbĂ€nder reißen, fĂ€llt schnee.

die knospen junger bÀume zerspringen im licht.
und ausgesetzte worte finden zurĂŒck

in die stimme, die sie verriet. wie schön sie sind.
im osten schleichen die berge gen himmel

an ihren köpfen streift er die haut ab, die er ĂŒber
die tÀler spannt. krÀhen sammeln sich.

der abgeknickte ast einer pinie ragt ĂŒber den weiher
der sich in den augen spiegelt. wie leicht,

hast Du gesagt, sind wir am ende des tages,
wenn die vögel in ihre lieder finden, der wind

im winterglas steht, die.knospen
ein zweites mal springen. Ich lasse sie los

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shoshin
Guest
Registriert: Not Yet

quote:
Wolken erzÀhlen der erde den regen
wenn ihnen die stimmbĂ€nder reißen, fĂ€llt schnee.

die knospen junger bÀume zerspringen im licht.
und ausgesetzte worte finden zurĂŒck

in die stimme,
die sie verriet. wie schön sie sind.
im osten schleichen die berge gen himmel

an ihren köpfen streift er die haut ab, die er ĂŒber
die tÀler spannt. krÀhen sammeln sich.

der abgeknickte ast einer pinie ragt ĂŒber den weiher
der sich in den augen spiegelt. wie leicht,

hast Du gesagt, sind wir am ende des tages,
wenn die vögel in ihre lieder finden, der wind

im winterglas steht, die.knospen
ein zweites mal springen. Ich lasse sie los


GrundsĂ€tzlich sehr schöne Bilder, und diese Art zu schreiben gefĂ€llt mir persönlich halt einfach besser, als diese kryptische WortbrockenkĂŒrzestprosalyrik, die in der Forenlyrik so in ist.

Hier merkt, dass du einfach wirklich Poesie im Blut hast. FĂŒr mein GefĂŒhl willst du nur zu viel, zu viel originelle und vermutlich unverbrauchte Bilder produzieren, einzelne Bilder mĂŒssten auch nocht genauer werden und das Ganze stringenter - es wirkt so ein bisschen wie eine unzusammenhĂ€ngende AufzĂ€hlung auf mich - vielleicht wĂŒrde ein wenig eine lyrische Auflösung des Satzbaus helfen, sodass da nicht einfach aneindandergereihte ProsasĂ€tze stehen oder ein bestimmtes Metrum; wie zB die Himmelshaut, da gehört mE "spannte" hin, denn wenn er seine Haut abstreift, dann kann er sie nicht gleichzeitig ĂŒber die TĂ€ler noch dazu Mehrzahl spannen und die Mehrzahl: TĂ€ler gefĂ€llt mir auch nicht so gut, den da ist ein Beobachter, der ĂŒberblickt nur ein Tal, deshalb wirkte die direkte Beobachtung ĂŒberzeugender, dichter, als die bloße Behauptung. Das abstreiften der Haut gefĂ€llt mir ausgesprochen gut, wunderbar!

Ein paar Dinge gingen vielleicht noch besser, man kann dich ja ruhig ein bisschen fordern bei deinen poetischen Möglichkeiten ?:
V4 ist mE eine Leerfloskeln, wo du mich verlierst. Was willst du damit ausdrĂŒcken?: "ausgesetzte Worte finden zurĂŒck in die Stimme, die sie verriet" Eine Stimme die Worte verriet und sie ausgesetzt hatte? Wessen Stimme? Welche Worte? Man kann den Sprecher verraten, aber nicht die Worte an sich,oder?

Was mir das Ende, ab V10 sagen soll, ich mir nicht ganz klar, warum springen die Knospen am Abend noch einmal - geht es hier um den Tod/Abschied. Das kĂ€me nach der frĂŒhlingshaften Aufbruchsstimmung ein wenig ĂŒberraschend?

Ich habe jetzt leider keine Zeit mehr, aber ich komme spĂ€ter noch einmal hierher zurĂŒck.

Gern gelesen

LG
shoshin



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revilo
???
Registriert: Nov 2008

Werke: 85
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Menno, wenn ich bedenke, mit was fĂŒr Gedichtchen Du hier angefangen hast.....Du hast dich kontinuierlich gesteigert, irgendwann Dein GesellenstĂŒck gebastelt....jetzt hast Du schon lĂ€ngst Deinen Master gemacht....GlĂŒckwusch,lieber Patrick.....
ich freue mich riesig....

LG revilo
__________________
Manch mal weiß ich nicht
ob der Tag anbricht oder
ausbricht (revilo)

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shoshin
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Patrick,

Teil 2:

quote:
Wolken erzÀhlen der erde den regen
wenn ihnen die stimmbĂ€nder reißen, fĂ€llt schnee.

Sehr schöne Verse, schade, dass in der Folge diese Bilder nicht wirklich weiter gefĂŒhrt werden.

quote:
die knospen junger bÀume zerspringen im licht.

Da wird es also wieder FrĂŒhling, soweit so gut.

quote:
und ausgesetzte worte finden zurĂŒck
in die stimme, die sie verriet. wie schön sie sind.


Offenbar versuchst du an die zerrissenen StimmbĂ€nder anzuknĂŒpfen, aber das geht hier schief: Die StimmbĂ€nder sind gerissen, also die Wolken (V1) haben keine Stimme mehr.

Die "ausgesetzten" Worte könnte man auch im Sinne von "Unterbrechen der ErzĂ€hlung" verstehen: Die Wolken erzĂ€hlten vom Regen. Also mĂŒssen es irgendwelche Worte gewesen sein, die mit Regen zu tun haben.

Im VerhÀltnis zum Winter ist der Regen wohl positiv besetzt und der Schnee als Ergebnis eines Stimmbandrisses eben negativ.

Nun wird es also FrĂŒhling und die Wolken sollen ihre Stimme wieder zurĂŒckbekommen, damit sie wieder "schöne Worte" sprechen können.

Aber du zĂ€umst hier leider das Pferd falsch auf. Die Stimme kommt nicht mehr zurĂŒck, wenn die StimmbĂ€nder einmal gerissen sind - vielleicht wĂ€re es besser gewesen, sie "frieren" oder einfach "versagen" zu lassen.

quote:
... die Stimme, die sie verriet

das "Verraten" ist mE redundant und auch unrichtig.
1. Man kann nur den Sprecher verraten und nicht die Worte und 2. vom "Aussetzen der Worte (der Wolken)" war nie die Rede, sondern fiel Schnee, weil diEe StimmbÀnder rissen, es wurde also die ErzÀhlung "ausgesetzt" (=unterbrochen).

Auch wenn man dieses "verriet" als Preisgabe eines Geheimnisses lesen sollte, konnte das gar nicht erfolgen, weil die SimmbÀnder rissen. Ein Aussetzen in Form eines im Stichlassens ist aus demselben Grund nicht denkabar.

Aud diesen grĂŒnden finde ich diesen Teil nicht gelungen.

Das ganz abgesehen von dieser Flucht in diese nichtsagende Kitschbehauptung: "wie schön sie sind. **Seufz!***

quote:
im osten schleichen die berge gen himmel

Da bist du jetzt wieder zurĂŒck in der gegenstĂ€ndlichen Bilderwelt. Weil du sonst eine moderne Sprache verwendest, wĂŒrde ich statt des veralteten "gen Himmel" eher "hinauf zum Himmel" verwenden.

"schleichen" ist in diesem Kontext auch nicht wirklich stringent: Dieses Bild beschwört eine Morgenstimmung herauf ("im osten") und da "schleichen die Berge nicht zum Himmel" sondern sie "schleichen" vielmehr vom Himmel in die TÀler, denn zuerst sieht man die Gipfel vor dem heller werdenden Himmel abgezeichnet.

quote:
an ihren köpfen streift er die haut ab, die er ĂŒber
die tÀler spannt. krÀhen sammeln sich.

Das habe ich schon oben zur Diskussion gestellt - also mE gehörte hier "spannte", also PrÀteritum. Sonst ein wunderbares Bild, wie ich schon sagte.

quote:
der abgeknickte ast einer pinie ragt ĂŒber den weiher
der sich in den augen spiegelt. wie leicht,

Sehr schön: Immer wenn du poetisch beschreibst ist es schön und wirkt authentisch und berĂŒhrt mich. Ich wĂŒrde "in deinen augen" schreiben um 1. einen Übergang von der Naturbeschreibung zum LD zu schaffen und 2. weil es einfach persönlicher ist, nĂ€her also.
(Exkurs: Komischer Weise fĂ€llt mir das immer wieder auf, wie sehr sich MĂ€nner scheuen nĂ€her (verbindlicher) an das Objekt heran zu rĂŒcken und das ist besonders schade bei Liebesgedichten.)

Was ich auch noch sehr schön finde, ist das "wie leicht" am Ende des zweiten Verses.

quote:
hast Du gesagt, sind wir am ende des tages,
wenn die vögel in ihre lieder finden, der wind
im winterglas steht, die.knospen
ein zweites mal springen. Ich lasse sie los

Hier passen die verwendeten Zeitformen mE nicht zusammen; schon beginnend mit den beiden Versen davor: da sind wir doch in der Gegenwart: im FrĂŒhling (springende Knospen)und am Morgen (Osten) und am Teich mit dem LD.

Also ich plĂ€diere fĂŒr Gegenwart "sagst du" und dann direkte Rede mit Zukunft:

"wie leicht", sagst du, "werden wir am ende des tages sein,..."

So wĂ€re es fĂŒr mich auch logischer: lĂ€sst sich das Abendbild ("am ende des tages, wenn die vögel ihre lieder finden" mit dem Endzeit/Winterbild ("der wind im winterglas steht") und dem neuerliche FrĂŒhlingsbild ("die knospen ein zweites mal springen") irgendwie vereinbaren, wenn mir persönlich das zu schnell geht.

quote:
... die.knospen
ein zweites mal springen. Ich lasse sie los

"ein zweites Mal" warum ein "zweites Mal" und nicht "wieder" iS v wieder FrĂŒhlich, und ein LI, dass die Knospen los lĂ€sst, hat etwas unfreiwillig Komisches - weil es ich es mir vorher hektisch am baum herumspringend und die Knospen festhaltend vorstelle .

Also ĂŒber diesen Abschnitt könntest du unter UmstĂ€nden auch nochmal einmal nachdenken. Was willst du mit diesem Abschnitt sagen?

Das alles ist natĂŒrlich Jammern auf hohen Niveau und bitte missverstehe mich nicht: Ich möchte dich nicht Ă€rgern, sondern herausfordern, noch besser zu werden. Und ich lasse mir auch gerne erklĂ€ren, dass meine "Kritik" grundlos ist.


LG
shoshin

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