Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5563
Themen:   95487
Momentan online:
390 Gäste und 11 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
in den Wind gesungen
Eingestellt am 08. 04. 2014 07:28


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Mondnein
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2014

Werke: 655
Kommentare: 4223
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Mondnein eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Fanfare schleudert dich ins Firmament
Die heiße Mittagssonne gleißt
den weißen Himmel scharf

Dein Gesicht zerfÀllt in brechendes
GelÀchter aus der vollen
Wirklichkeit

Deine Augen doppeln und zerlaufen
und rrrrrng deine ZĂ€hne
reihen sich Reigen

Du Ozean erblĂŒhst in vielen Jas
in tausend blauen Falten
KlÀngen Musik

Deine Wellen sÀumen den Strand
mit fein verrieselten TrÀumen
da versanden wir blind

Sag mir wer dreht den MĂŒhlenwind wer wird
den eingeschmolzenen Melodien
Gehör verschaffen Rhythmus

Still still mit Flöten und Harfengetön
schmelzt der Wind unsre Ohren
Und unsre Seele zieht ein sĂŒĂŸer Sog

Wie Sehnsuchtstropfen zum Strome schwillt
keimen wir Stimmen im Munde
der Sirenen

__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

Version vom 08. 04. 2014 07:28

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Mondnein
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2014

Werke: 655
Kommentare: 4223
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Mondnein eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
sind die Spiele der Siebziger noch immer Avangarde?

Ja, liebe Marie-Luise; hier ist die Experimentierwiese, und ich habe ein junggebliebenes Avantgarde-StĂŒck "abgeliefert", nicht eins meiner ĂŒblichen spießigen Sonette. Mein voriger Beitrag war, wie Du gewiß per Vergleich mit Orlandos Einlassungen nachvollziehen kannst, eine Antwort auf eben diese Anmerkungen, nicht eine ErklĂ€rung des Ganzen - denn danach hat Orlando auch nicht gefragt.
Doch ein wenig ErklĂ€rung enthĂ€lt meine Antwort schon: nĂ€mlich, daß es ein MusikstĂŒck ist. Zwar nicht reine Musik wie Lautgedichte es sind, aber schon so, wie absolute Metaphern es sind. Absolute Metaphern sind nicht erklĂ€rungsbedĂŒrftig, da sie nicht Metaphern "fĂŒr etwas", d.h. fĂŒr anderes, sind, sondern offene Bilder. So ein MusikstĂŒck wie dieses legt die Betonung aber nicht so sehr auf das optisch-Stehenbleibende eines Bildes, als vielmehr auf die geschehnishafte Entwicklung, hier in den einzelnen WĂŒrfen und Wellen der dreizeiligen Strophen - aber auch das habe ich bereits gesagt.
Wenn es um eine ErklĂ€rung des Ganzen ginge, wĂ€re noch auf die körperlichen "Sensationen" hinzuweisen, die teilweise in blanke KlĂ€nge umgesetzt sind, das sind dann doch Lautgedicht-Phasen, wie das "rrrng" in der dritten Strophe vor den r-Alliterationen, sonst solche Klangspiele wie die scharfen ß-Auslaute in der ersten Strophe.
Aber ich habe frĂŒher schon gefragt, wo hier eigentlich die Jandl-JĂŒnger und Schwitters-Dadaisten sind. Das ist eine langweilige Spießertruppe hier, naive Kindlichkeit wagt keiner zu zeigen, "Spiel" ist ein Fremdwort.
__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

Bearbeiten/Löschen    


Mondnein
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2014

Werke: 655
Kommentare: 4223
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Mondnein eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
nein, ich will mich nicht wiederholen - -

na gut, noch einmal:
Novalis (Die Lehrlinge zu Sais): "Die echte Sanskrit sprÀche um zu sprechen, weil sprechen ihre Lust und ihr Wesen sei".
Musik bedeutet nichts Außermusikalisches.
Aber dies hier ist kein pures Jandl-Konstrukt, sondern reiht absolute Metaphern mit phrasenbrechender Klang-Unwucht. Es ist, was es ist. Es zeigt sich als das, was es meint. Keine Symbolik, keine Kryptik, keine Pseudotiefe.
Oder was bedeuten Melodien? "DĂŒrre"?! NĂ€, niemals!!
Und was wollen gleißende Wolken und Tiefdruckwirbel uns "sagen"? "Licht" und "Fruchtbarkeit"? Quatsch.
__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

Bearbeiten/Löschen    


Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2330
Kommentare: 11384
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Bernd eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Die Wort sind Worte und Kunst ist Kunst, Neubildungen aus alten Worten tragen ganze Scharen toter Metaphern (das sind solche, die sehr gelÀufig sind, die ihren Charakter als Metaphern bereits verloren haben). Und lebende Metaphern, KlÀnge, Assoziationsgebilde, scheinbar unabhÀngig, aber eng verflochten.
Ich empfinde dieses Werk in langer Tradition und doch auch modern, nicht modernistisch.
Jedes Wort steht fĂŒr sich selbst, ist ein Klang und hat eine Bedeutung.
Auch die Nicht-Wörter (den Begriff verwende ich polemisch fĂŒr Wörter, die nicht im Duden stehen) sind passend.

Die Strophen Àhneln einander wie die TÀler und Berge im ApfelmÀnnchen, sie sind Àhnlich und grundverschieden.

Es gehört nicht zu meinen absoluten Favoriten, aber ich empfinde es als stark unterbewertet.
Denn weh mir, unser Kaspar ist tot.
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

Bearbeiten/Löschen    


Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2330
Kommentare: 11384
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Bernd eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

PS: Beispiel Zahn:

1. im Gebiss
2. junge Frau, wie in "steiler Zahn

Somit erschließt sich die Metapher neu.

ZĂ€hne tanzen Reigen.

Und der Haifisch, der hat ZĂ€hne - Verbindung zu Brecht.

Beachte jeweils den Plural.

Sprache orientiert sich am Expressionismus, (bewusst? ich denke, ja.

Vergleiche auch den jungen Johannes R. Becher.

__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

Bearbeiten/Löschen    


Mondnein
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2014

Werke: 655
Kommentare: 4223
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Mondnein eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

eigentlich eher "unmetaphorisch" (wie ich schon mal oben versucht habe, zu erlĂ€utern): Beispiel "ZĂ€hne": Parallel zu den Augen, in der Strophe davor eingeleitet ĂŒber das - ich möchte fast sagen "analytisch kubistisch" (Picasso) - zerfallende Gesicht. Und dieses Zerfallen wiederum ist nicht Katastrophenmetapher, sondern eine ganz naiv-unmittelbar ausgebilderte Sensation, Sinnenausfaltung.
Ich glaube, das, was vielen meiner Lieder und Liedversuche gemeinsam ist, ist: Unsinnliches oder Subtilsinnliches erfahrbar zu machen, seien es mythologisch-religiöse Strukturen unterhalb der Bewußtseinsschwelle, seien es Erfahrungsarten, die "unerhört" und kaum begreiflich sind. Bewußtseins-ArchĂ€ologie, Weltinnenraum-Astronomie.
Bei diesem StĂŒck ist nicht nur das Gesicht kubistisch "zerlegt", sondern vor allem auch die Grammatik, die Satzbildung, das "PrĂ€dizieren": Verben, die intransitiv sind oder zustandsartig sich selbst genĂŒgen wĂŒrden, werden transitiv oder kausativ, bekommen Objekte, und das dynamisiert deren Subjekte, treibt sie in die Bewegung eben dieses "Zerlegens". Aber das war (als ichs schrieb) ursprĂŒnglich nicht bewußt so konstruiert, sondern ganz aus einer sinnlichen Empfindungs-Idee so gesungen, mit Freude am "Phrasenbrechen" (wie schon oben gesagt).
Ich hoffe, das ist jetzt nicht allzu redundant-abundant ...
Noch einmal ein herzliches Dank-Dir, Bernd!
__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

Bearbeiten/Löschen    


21 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Experimentelle Lyrik Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Werbung