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Leselupe.de > Kurzgeschichten
in memoriam; Dr. Oetker
Eingestellt am 23. 08. 2009 16:20


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sekers
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Verdammt und zugestopft. Ich habe SchXXX gebaut, Ungl├╝ck gebracht. Gro├čes Ungl├╝ck habe ich ├╝ber uns alle gebracht. Alle sind wir dem Tod geweiht. Alles geht zu Ende.

Ich wusste es in dem Moment, als #26 zu mir kam. Gr├Â├čte Schmerzen bedeutend. Ich sah ihn, sah seine Augen unnat├╝rlich weit vorstehen und - sie schwabbelten! Wenn auch nur f├╝r einen kurzen Moment. Da schossen sie auch schon heraus aus den H├Âhlen. Wei├čer Rauch drang nach.

Eine kurze Recherche und meine Vermutung hatte sich best├Ątigt: #26 war es, der den neuen Kristall gebracht hatte. Und es bedurfte keiner allzu gro├čen Phantasie zu vermuten, #26 habe als erster von ihm genascht, wahrscheinlich noch w├Ąhrend des Transports. Jetzt war der gierige Schlund explodiert. Tragisch, aber seine Schuld. Wir anderen, die wir kollektiv sp├Ąter genascht haben, wir werden auch verpuffen, wie #26. Wirklich tragisch. Und meine Schuld.

Wir anderen: Generation #11235813, Spezies #213455. Ich bin #89144. aber das macht keinen Unterschied mehr. Wir sind alle bald weg. Und Kannibalen werden uns entleiben.

Hoffentlich werden sie daran auch sterben.

Salz und Zucker. Inbegriffe der Vollkommenheit. Salz gibt Gesundheit, Zucker die Kraft. F├╝r mich allerdings sind sie Inbegriffe f├╝r ein, mein versautes Leben.

So gerne w├Ąre ich Transporter geworden. Was h├Ątte ich in dieser Funktion nur alles eingebracht, heim gebracht. Warum konnte ich nicht sein und tun wie die anderen? Aber nein, ich hatte ein anderes Los gezogen und musste in die Wissenschaft; musste solchen Schwachsinn akzeptieren wie: Das kollektive Wohl des Ganzen steht ├╝ber dem Wohl des Einzelnen. (Was hilft es mir noch, dass sich jetzt das Ganze und der Einzelne zwar sehr kollektiv aber doch unwohl f├╝hlen?) Ich musste beipflichten, dass wir uns nur weiterentwickeln k├Ânnen, wenn alle nach ihren besonderen F├Ąhigkeiten f├╝r die Generation arbeiten. Und besonders ich nach meinen. (Mein wird sonst eher klein geschrieben bei uns, besonders wenn es um solche Dinge geht wie: mein Wunsch. Nur zum Beispiel.)

Salz und Zucker. Welch eine gro├če Ehre, daran zu arbeiten! Einen letzten Versuch unternahm ich, der Ehre zu entkommen: "Was wollen wir schon mehr, au├čer dass wir mehr davon wollen?", fragte ich, "Lasst mich doch Transporter sein." Aber unsere H├Âheren verwiesen auf einen zu erwartenden Versorgungsengpass: "Spezies #233377610 besitzt Salz und Zucker in unvorstellbaren Mengen, verteidigt es aber mit Z├Ąhnen und Klauen. Wir m├╝ssen es uns m├╝hsam und gefahrvoll beschaffen. Und wenn da einmal etwas schief geht ÔÇŽ"

Gut, auch wir sind z├Ąhe K├Ąmpfer. Doch da gab es diese Idee, schon hunderte Generationen ist sie alt, und leider ist sie nie vergessen worden, dass beide, Salz und Zucker, in einem Kristall vereinigt sein k├Ânnten. Das w├Ąre dann ein einziger, der alles spendet. Das w├Ąre das Ende des K├Ąmpfens. Das w├Ąre der Beginn einer wirklich neuen ├ära, ja vielleicht sogar der Beginn einer neuen Spezies!

Irgendein Spinner hat sich das ausgedacht, und seitdem ist mein Volk davon wie besessen. Zugegeben, die praktischen Vorteile eines solchen Superkristalls sind klar wie Quellwasser: einfachere Beschaffung, ├Âkonomischere Lagerung, gerechtere Verteilung und nat├╝rlich die Vorteile, die man erst sieht, wenn man ihn hat!

Ich habe mich gef├╝gt und lange geforscht. Und ich glaube, ich wei├č alles ├╝ber Salz und Zucker, was unsereins nur wissen kann. Und praktisch hatte ich nach einiger Zeit zwar nicht den Superkristall geschaffen, aber doch einiges erreicht. Ich hatte gefunden, dass Salz Na enth├Ąlt und kein C, w├Ąhrend Zucker C enth├Ąlt, aber kein Na. (Wobei, was genau Na und C sind jetzt nichts mehr zur Sache tut, die Zeit langt nicht mehr f├╝r lange Erkl├Ąrungen.) Mir war es danach m├Âglich, einen Schnelltest zu entwickeln. Der wird seither auf jeden neuen wei├čen Kristall angewendet: Finde ich Na, ist es Salz; kann ich C nachweisen, ist es Zucker. Im Fall von weder noch, ist der Kristall wertlos und wird entsorgt. Mein Test ist ber├╝hmt, ich bin es auch, meine Generation ist gl├╝cklich. Es gibt keinen Vorkoster mehr f├╝r wei├če Kristalle - der im schlimmsten Fall starb. Daf├╝r d├╝rfen alle, wenn ich die Kristalle freigebe, naschen. Und wir tun es auch ausgiebig.

Doch ich sollte mich weiter mit dieser Wahnsinnsidee besch├Ąftigen, mit dem Kristall, der alles enth├Ąlt, was gesund macht und Kraft gibt. Ich sollte ihn nach wie vor irgendwie erschaffen, ihn im gro├čen Ma├č herstellen. Dabei hatte ich nicht die geringste Ahnung, wie das zu bewerkstelligen sei. Aber wieder f├╝gte ich mich: ich verlangte Mittel - ich bekam sie. Ich verlangte Mitarbeiter - ich bekam sie. Ich verlangte Mitarbeiterinnen - es wurde da sogar eine Weile sehr vergn├╝glich. Doch was die Forschung am neuen Kristall betrifft, kann ich heute gestehen: es kam ├╝berhaupt nichts heraus.

Irgendwann kamen die Fragen. Was denn mit den Mitteln passiert sei. Die Mitarbeiter f├╝hlen sich vernachl├Ąssigt - wie das denn sein k├Ânne. Die Mitarbeiterinnen f├╝hlen sich bedr├Ąngt - ob das denn Wissenschaft w├Ąre. Und ich war sehr damit besch├Ąftigt, die Fragen zu beantworten, die Verschwendung der Mittel als Verbrauch darzustellen, die schwierigen Charaktere mancher Mitarbeiter vorsichtig anzudeuten, die Zusammenarbeit mit meinen Mitarbeiterinnen ins rechte Licht zu r├╝cken. Doch die Fragen wurden mehr und die Zeit f├╝r die Forschung noch knapper. Und ich verzweifelte langsam. Und stellte schlie├člich die - gelgogene - Behauptung auf, wir w├Ąren ganz nahe dran. Was mir eine letzte Verschnaufpause verschaffte. Doch ich wusste tats├Ąchlich, dass die Angelegenheit hochnotpeinlich enden w├╝rde. Und Schimpf und Schande bleckten schon ihre Klauen.

Himmel ober mir! Auf einmal tauchte da dieser neue Kristall auf. Welcher zum ersten Mal beides aufwies, Na und C. Ich wei├č noch wie ich beim Best├Ątigungstest zitterte und bebte, wie alles in mir klapperte. Doch es hatte alles seine Richtigkeit: Na und C waren gleichzeitig da, und damit Salz und Zucker in einem Kristall. Ich meldete das Ergebnis direkt der K├Ânigin, dankte dabei f├╝r die unendliche Geduld die sie aufgebracht hatte, sagte, es g├Ąbe noch viel zu tun und bat gleichzeitig inst├Ąndig um Versetzung in den Transporterstatus. Das wurde mir, endlich, gew├Ąhrt. Aber vorher musste das Ergebnis noch verk├╝ndet werden, und es gab ein gro├čes Fest, und alle durften naschen. Und ich feierte mit, besonders mit meinen Mitarbeiterinnen...

Hier endet der Bericht von #89144.

Da dieses Ende nun aber doch ein wenig abrupt erscheint, wollen wir zum Thema noch kurz zwei (nummernlose) Vertreter der Spezies #233377610 zu Wort kommen lassen:

Er: Hast Du es mit Backpulver ausstreuen probiert?
Sie: Ja.
Er: Und?
Sie: Ich glaube es wirkt. Ich sehe keine mehr.
Er: Verdammte Ameisen.



Version vom 23. 08. 2009 16:20

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FrankK
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Hallo sekers
Winzige H├╝rden, leicht zu beseitigen

quote:
Was hilft es mir das noch, dass sich jetzt das Ganze und der Einzelnen zwar sehr kollektiv aber doch unwohl f├╝hlen?

quote:
... dass beide, Salz und Zucker (Komma) in einem Kristall vereinigt sein k├Ânnten. Das w├Ąre dann ein einziger Kristall, der alles spendet.
Den zweiten Kristall erachte ich als ├╝berfl├╝ssig, ich finde, der Bezug passt durch den vorhergehenden Satz.

quote:
Ich hatte gefunden (Komma) dass Salz Na enth├Ąlt und kein C, w├Ąhrend Zucker C enth├Ąlt, aber kein Na. (Wobei (Komma) was genau Na und C sind jetzt nichts mehr zur Sache tut (Komma) die Zeit langt nicht mehr f├╝r lange Erkl├Ąrungen.)
Statt "gefunden" eventuell "entdeckt".

Vielleicht gibt es noch ein paar Komma-Teufelchen, aber mehr sind mir nicht aufgefallen.

Gerne gelesen, nett, unterhaltsam und kurzweilig.
Mal eine andere Sichtweise auf diese Krabbelbr├╝der.


Viele sonnige Gr├╝├če
Frank

__________________
Leben und leben lassen.

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

hallo @sekers,

ein bisschen umst├Ąndlich und wirrlig geschrieben - wie halt ameisen so sind.

leider ist dir beim nahco3 (natriumhydrogencarbonat) die chemie v├Âllig abhanden gekomen: na ist ein metall und das kohlenstoffatom bildet hier keinen zucker, wie uns deine ameisen weismachen, sondern das salz der kohlens├Ąure. die ameisen krepieren beim fressen von backpulver nicht an den metallionen und auch nicht am kohlenstoffatom, sondern an dem via darmfermentation frei werdenden kohlendioxid-gas (welchletzteres beim backvorgang den guglhupf in die h├Âhe treibt)...*platz*...

soviel mittelschulchemie sollt schon noch sein, wenn wir die ganze welt in ein periodensystem einteilen wollen. das sind wir herrn dr. oetker schuldig.

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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sekers
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Hallo FrankK

Danke Dir recht herzlich f├╝r die Korrekturen.

Liebe Gr├╝├če aus Wien.

G.



Hallo bluefin,

1) Danke f├╝r Dein Auseinandersetzen mit dem Text.

2) Ich gehe allerdings mit Deiner Schlussfolgerung nicht konform, sondern glaube, es handelt sich um ein - nicht erkanntes - logisches (und weniger um ein - nicht vorhandenes - chemisches Problem (jetzt einmal abgesehen von der fehlenden Beschreibung der Nachweismethoden)).

Genauer gesagt, es geht um ein ├ťberreizen des induktiven Schlie├čens.

a. #89144 schlie├čt aus dem Nachweis von Na in einem wei├čen Kristall auf Salz (NaCl). Das ist sein erster induktiver Schluss, er erkl├Ąrt uns ├╝brigens nicht, wie er Na nachweist, nur dass er es tut. Und der Schluss stimmt soweit und wird praktisch verwertet (... Naschorgien ÔÇŽ keine Vorkoster mehr notwendigÔÇŽber├╝hmtÔÇŽ).

b. #89144 schlie├čt aus dem Nachweis von C in einem wei├čen Kristall auf Zucker (C6H12OH). Das ist sein zweiter induktiver Schluss, er erkl├Ąrt uns ├╝brigens auch nicht wie er C nachweist, nur dass er es tut. Und der Schluss stimmt auch in der Praxis, s.o.)

3) #89144 findet einen Kristall, der Na und C enth├Ąlt (was auf Salz, s. 2a, und Zucker, s. 2b, hinweist) und begeht seinen jetzt fatalen induktiven Schluss: dass bei Zutreffen von 2a und 2b (und der Tatsache, dass es sich um einen wei├čen Kristall handelt) es sich um den langersehnten Kristall handeln muss, der, welcher Salz und Zucker enth├Ąlt (und den Ameisen wie Milch und Honig werden flie├čen erscheint. Aber das mit der Milch und dem Honig habe ich nicht verwendet, weil chemisch wird das wirklich ein bisschen kompliziert).

4) Ein Schluss, der falsch ist, denn #89144 hat Dr. Oetker nicht bedacht, der, ich gebe Dir jetzt au├čerhalb der Geschichte recht, NaHCO3 herstellt, das als wei├čer Kristall imponiert, in dem man aber auch Na und C (Na und C sind unterstrichen) nachweisen (wir wissen nicht, wie der Nachweis geschieht) kann. Und aus dem aber bei Zugabe von Wasser und einem S├Ąure├Ąquivalent CO2 freigesetzt wird, welches die Ameisen ├╝berbl├Ąht.

5) Die Geschichte kannst Du vielleicht jetzt/jetzt vielleicht verstehen (siehe auch 7). Vielleicht sogar als Moritat, nicht nur aufs Leben der Ameisen, sondern auch auf die Gefahr des induktiven Schlie├čens verstehen.

6) Wenn Du jetzt vielleicht/ vielleicht jetzt glaubst , so etwas passiert nur in Geschichten ├╝ber Ameisen, die an Kohlens├Ąure├╝berbl├Ąhung sterben, dann irrst Du. Es ist auch ein falscher induktiver Schluss, wenn ein Leser eine Geschichte nicht versteht und daraus ableitet, dass dem Autor ÔÇ×die chemie v├Âllig abhanden gekomenÔÇť ist.

6a) Also wenn die Geschichte eine Moral hat, habe ich mir gedacht, dann haben wir den Beweis aber bald bekommen.

7) Du hast zu Beginn geschrieben, ÔÇ×ein bisschen umst├Ąndlich und wirrlig geschriebenÔÇť. Ich verstehe das als Chiffre f├╝r: die Geschichte ist unverst├Ąndlich, und daher nehme ich Dir Dein Nichtverstehen (oder Unverst├Ąndnis?) auch nicht ├╝bel. Die Schuld liegt ganz bei mir. Ich hoffe Du verstehst.

8) zu "soviel mittelschulchemie sollt schon noch sein", kann ich nichts sagen, ich bin kein Oberlehrer, "die ganze welt in ein periodensystem einteilen wollen" ├╝berlasse ich gerne den Gyn├Ąkologen, die kennen sich da besser aus; und ich zumindest bin dem "herrn dr. oetker" nichts schuldig. ich habe mein Backpulver immer bezahlt.

Die Ameisen sind meine Zeugen.

Liebe Gr├╝├če
G.

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