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Leselupe.de > Kurzgeschichten
irrtum?
Eingestellt am 06. 10. 2001 16:24


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egofrau
Wird mal Schriftsteller
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gl├╝cklicher irrtum

Sie war fast eine Stunde zu fr├╝h auf dem Bahnhof. Aufgeregt war sie in ihrer Wohnung herumgegangen und sich endlich damit abgefunden, dass alles an seinem Platz stand. Seit Wochen schon holte sie all die kleinen unn├╝tzen Dinge, die sie irgendwann gekauft oder auf Flohm├Ąrkten gefunden hatte, aus den Schr├Ąnken stellte sie mal hier hin, mal dorthin, bis sie endlich zufrieden war. Seit Wochen war sie aufgeregt und voller Vorfreude. Seit Wochen befand Marion sich in einer euphorischen Aufbruchstimmung. Als sie vorgestern im Reformhaus einkaufen war, hatte Frau Jonas sie ├╝berrascht angesehen als sie in den Laden gekommen war. Sie hatte ihr gesagt, dass sie sich sehr ver├Ąndert h├Ątte. Sie w├╝rde richtig gut aussehen und ihre Augen w├╝rden von innen heraus so strahlen, dass es keiner ├╝bersehen k├Ânne. "Wie haben Sie das nur gemacht? Was ist passiert?" ├ťberschw├Ąnglich erz├Ąhlte Marion, was passiert war.

Nach der Trennung von ihrem Mann und seinem Auszug aus der Wohnung hatte sie sich furchtbar einsam gef├╝hlt. Ihren gemeinsamen Freunden gegen├╝ber war sie immer noch ein wenig unsicher und hatte sich auch von ihnen ein wenig zur├╝ckgezogen. Vor allem die Abende waren so leer und still seit ihr Mann nicht mehr da war. Sie hatten fast alles gemeinsam unternommen, waren gemeinsam ins Studio gegangen, zusammen Freunde getroffen, gemeinsam abends vor dem Fernseher gesessen, auf der Terrasse mit Freunden gegrillt und an manchen Wochenenden waren sie gemeinsam mit dem Motorrad unterwegs gewesen. So sa├č Marion abends allein in ihrer Wohnung und gr├╝belte. Sie wusste: sie musste irgendwas unternehmen, um nicht zu vereinsamen. Ihr war bewusst, dass sie sich auf Dauer nicht zur├╝ckziehen konnte. Marion brauchte neue Kontakte, einen eigenen Freundeskreis. Sie musste neue Leute kennen lernen. Nachdem sie an einigen Samstagen allein in ein Bistro gegangen war und sich dabei sehr unwohl gef├╝hlt hatte, beschloss sie, sich ein Modem zu kaufen. Sie w├╝rde sich so abends besch├Ąftigen k├Ânnen und ihren Horizont erweitern k├Ânnen. Auch war sie sehr neugierig. Kollegen und Freunde hatten ihr erz├Ąhlt, dass es sehr spannend sein k├Ânne, im Internet zu surfen.

So sa├č Marion fast jeden Abend vor ihrem Computer und lie├č sich im Netz treiben. Eines Tages landete sie in einem Chat. sie gab sich einen Nicknamen und betrat den Raum "├╝ber 30". Marion wurde sehr freundlich begr├╝├čt und sofort in die Gespr├Ąche einbezogen. Die Stimmung war ausgelassen und sie f├╝hlte sich sehr wohl. Von diesem Abend an besuchte sie jeden Tag diesen Chat und kannte bald alle Stammg├Ąste, von den manche spa├česhalber behaupteten, sie h├Ątten ihren 2. Wohnsitz im Chat. Sie hatte spannende Unterhaltungen, intensive Gespr├Ąche und auch kleine nette Flirts. So verbrache sie viele N├Ąchte und Wochenenden im Chat und hatte bald nette Freunde, die sie auch pers├Ânlich kennenlernte.

Eines Abends lernte sie einen Mann kennen, mit dem sie sich sofort sehr gut verstand. Sie f├╝hrten intensive Gespr├Ąche und sie war immer wieder erstaunt, wie einf├╝hlsam er sich ihr gegen├╝ber verhielt. Sie trafen sich jeden Abend und lernten sich immer besser kennen. Sie erz├Ąhlten von ihren Sehns├╝chten und Gef├╝hlen und kamen sich immer n├Ąher. Sie gingen sehr offen und behutsam miteinander um und stellten fest, dass sie die gleichen Sehns├╝chte und Tr├Ąume hatten.

Vier Monate kannten sie sich jetzt schon und sie hatte fast jeden Abend mit ihm im Chat verbracht. Freunde und Bekannte machten sich schon Sorgen um sie, weil sie sich nun noch mehr vergrub und versuchten sie zu warnen. Sie werde den Bezug zur Realit├Ąt verlieren, wenn sie ihre Zeit ausschlie├člich vor dem Computer verbringen w├╝rde. Und in diesen Chatr├Ąumen k├Ânne doch jeder seine Phantasieidentit├Ąt ausleben und sie k├Ânne doch nicht wissen, wer sich wirklich dahinter verberge. Das sei eine Scheinwelt, die sie sich da aufbauen w├╝rde. Doch sie war ├╝berzeugt, das Richtige zu tun und freute sich auf jeden Abend, wenn sie Roman wieder treffen w├╝rde.

Ihre Gespr├Ąche waren inzwischen so intim, dass ihre Worte z├Ąrtlich wurden und sie hatten Sehnsucht nacheinander. Sie wollten sich endlich gege├╝berstehen, sich in die Augen sehen k├Ânnen und sich ber├╝hren k├Ânnen. Marion konnte es nicht glauben, sie hatte sich in Roman verliebt, nein, sie glaubte ihn sogar zu lieben. Auch Roman schrieb ihr, dass er sie ├╝ber alles lieben w├╝rde und er es vor Sehnsucht kaum noch aushalten k├Ânne. Sie konnten kaum noch schlafen und sich nicht trennen. Manchmal unterhielten sie sich bis zum fr├╝hen Morgen, und beide gingen ├╝berm├╝det, aber gl├╝cklich aneinander denkend ins B├╝ro und konnten es kaum erwarten, sich abends wieder im Chat zu treffen.

Photos hatten sie bisher keine ausgetauscht und das wollten sie auch nicht, weil beide der Ansicht waren, dass ihr Wissen voneinander um die geistig und seelische ├ťbereinstimmung das ├äu├čere des anderen unwichtig erscheinen lie├č. Er schlug vor, sie solle ihn am Bahnhof abholen. Er wohnte 600 Kilometer von ihrem Wohnort entfernt und w├╝rde mit der Bahn kommen, weil auf der Autobahn Freitagabends immer Stau war.

Sie hatten es sich genau ├╝berlegt, der Bahnhof war ein neutraler Ort. Sie konnten immer noch in ein Cafe gehen, wenn alles schief ging. Angst vor diesem Treffen hatten beide, doch hatten sie auch viel Mut und waren zuversichtlich, dass sie nicht entt├Ąuscht sein w├╝rden, wenn der andere vor ihnen stehen w├╝rde. Auch waren sie vollkommen sicher, dass sie sich erkennen w├╝rden und verabredeten deshalb auch kein Zeichen, woran sie sich erkennen w├╝rden. Wir werden uns schon finden, wenn es so sein soll, sagten sie und malten sich aus, wie es wohl werden w├╝rde.

So stand Marion nun eine Stunde, bevor der Zug eintreffen sollte, auf dem Bahnhof und lief aufgeregt hin und her. "Ob wir uns wohl umarmen werden? Oder werden wir verlegen voreinander stehen und nicht wissen, was wir tun oder sagen sollen?" dachte Marion und ihre H├Ąnde zitterten, als sie sich die vierte Zigarette anz├╝ndete. Sie hatte die Nacht kaum geschlafen, nicht gefr├╝hst├╝ckt, f├╝hlte sich aber hellwach und so energiegeladen, dass sie meinte, sie werde platzen, wenn nicht endlich der Zug k├Ąme und sie Roman endlich gegen├╝berstehen w├╝rde. Noch 10 Minuten....

Der Zug fuhr ein. Marion hatte es so eingerichtet dass sie an der Lok stand. Sie wollte langsam an allen Waggons vorbeigehen, bis sie ihn tr├Ąfe. Der Zug hielt an, Marion setzte sich in Bewegung. Leute stiegen aus, eilten zielstrebig zum Ausgang, vorbei an Marion. Sie lief langsam weiter, vorbei an dem ersten, an dem zweiten, dem dritten, dem vierten. Endlich! Dort stand Roman und sah sich unschl├╝ssig um. Er war gro├č, schlank, dunkelhaarig und Marions Herz machte einen Sprung und so klopfte schnell, so laut, dass sie tief einatmete, tief ausatmete um sich zu beruhigen. Langsam ging sie auf ihn zu, suchte seinen Blick, fand ihn und hielt ihn. Sie gingen aufeinander zu und sie fragte atemlos "bist du es?" Er sah ihr immer noch in die Augen und sagte" Ich glaube ja" dann umarmten sie sich sehr lange. Nach endlos langer Zeit sahen sie sich wieder in die Augen und sie fragte: " Fahren wir?" Er nickte und folgte ihr zum Auto. W├Ąhrend der kurzen Fahrt zu ihrer Wohnung musste sie sich immer wieder zwingen, auf den Verkehr zu achten. Er sah sie die ganze zeit so intensiv an, dass sie sich nicht konzentrieren konnte. Schlie├člich nahm sie seine Hand und hielt sie. Sie war trocken und warm und sie f├╝hlte, wie ihr warm und sie ruhig wurde.

Als sie die Wohnungst├╝r aufschloss, fragte sie ihn, ob er Hunger habe, sie habe einen kleinen Imbiss vorbereitet. Sie setzten sich in die K├╝che, sie deckte den Tisch, z├╝ndete Kerzen an und setzte sich ihm gegen├╝ber. Sie sahen sich wieder in die Augen..... lasen neugierig in ihnen und versanken. Nach belanglosen Verlegenheitss├Ątzen wie die Bahnfahrt gewesen sei und das Wetter sei ja wirklich sch├Ân stellten sie erstaunt fest, dass sie das Essen nicht anger├╝hrt hatten und sie fragte ihn schlie├člich "Sollen wir es uns in meiner Kuschelecke gem├╝tlich machen?" Wieder nickte er und sie nahmen ihre Weingl├Ąser und die Flasche Wein und sie setzten sich in ihre Kuschelecke, die aus einer am Boden liegenden Matratze mit vielen Kissen bestand. Wieder sahen sie sich sehr lange und forschend in die Augen und fanden Vertrauen. Endlich umarmten sie sich.

Sie verbrachten ein traumhaftes Wochenende miteinander und es war selbstverst├Ąndlich, dass sie sich wiedersehen wollten.

Der Abschied stand bevor, er musste Montags wieder arbeiten und sie auch als er sie fragte "was hast du eigentlich auf dem Bahnhof gesucht, warum warst du da?" Sie l├Ąchelte und sagte "dich abgeholt, das wei├čt du doch" "Ja" sagte er "Aber wir waren doch nicht verabredet"

Ihr Herzschlag setzte aus, eine Ewigkeit verging. Sie begriff langsam, sie verstand pl├Âtzlich, warum er so vieles nicht gewusst hatte, obwohl sie sicher war, dass er h├Ątte wissen m├╝ssen..... Es war nicht Roman, den sie vom Bahnhof abgeholt hatte, sondern ein Fremder und doch vertrauter... "wer bist du dann?" "Jetzt dein Geliebter und ich hei├če tats├Ąchlich Roman" sagte er. Sie konnte es nicht fassen und wollte wissen, warum er diesen Irrtum nicht schon vorher aufgekl├Ąrt h├Ątte. Er erkl├Ąrte ihr, dass er Urlaub gehabt habe und auf dem Weg zur├╝ck nach Hause noch ein Wochenende in der Gegend verbringen wollte, in der er aufgewachsen war. So sei er aus dem Zug gestiegen und hatte sie auf sich zukommen sehen. "Du bist auf mich zugegangen und hast mich so angestrahlt, dass ich dir nur noch in die Augen sehen wollte. Ich war sprachlos als ich merkte, dass ich in dir zu versinken drohte und umarmte dich, weil ich nicht anders konnte. Dein Blick war so voller Vertrauen und Liebe, dass ich es nicht zerst├Âren konnte. Und so bin ich einfach mit dir gegangen. Ich liebe dich und will dich wiedersehen. Ich habe mich noch nie so wohl gef├╝hlt, wie an diesem Wochenende mit dir. Ich will mit dir leben" er hatte schon geahnt, dass sie mit einem anderen Mann verabredet gewesen sei, konnte aber diesen Irrtum nicht richtig stellen, weil er nicht wusste, wann und wie. Es hatte sich einfach keine M├Âglichkeit ergeben, aber bevor er ging, wollte er alles gekl├Ąrt haben. Lange sah sie ihn an und f├╝hlte, dass er ehrlich war und dass sie auch nicht mehr ohne ihn leben wollte. Sie hatte Vertrauen zu ihm und f├╝hlte sich wohl und geborgen in seiner Z├Ąrtlichkeit. Ja sie liebte ihn auch, das wusste sie.

Wochen vergingen. Roman und Marion sahen sich regelm├Ą├čig jedes Wochenende und hatten schon beschlossen, zusammen zu ziehen und freuten sich auf ihr gemeinsames Leben.

Marion dachte oft an den Roman, mit dem sie verabredet gewesen war und war traurig, dass er sich nicht mehr gemeldet hatte. Auch auf ihre E-Mails, die sie ihm schickte, antwortete er nicht.

Eines Tages hatte sie endlich eine Mail von ihm in ihrer Post. Er schrieb ihr, dass er zuerst sehr entt├Ąuscht gewesen sei, als er sie auf dem Bahnhof nicht gefunden h├Ątte. Als alle anderen Fahrg├Ąste den Bahnhof verlassen hatten, sei er an einem Paar vorbei, dass sich umarmte zum Ausgang gegangen, h├Ątte dort noch eine Weile gewartet und schlie├člich den n├Ąchsten Zug zur├╝ck genommen. Wieder Zuhause sei er sehr ungl├╝cklich gewesen und ma├člos entt├Ąuscht, dass er sich so sehr hatte irren k├Ânnen. Er wollte nie wieder den Chat besuchen, wo sie sich kennen gelernt hatten und nie wieder ein Wort von ihr lesen. Mit der Zeit seien ihm aber andere Gedanken gekommen. Er hatte sich gefragt, ob er sie zu Recht verurteilte und wollte nun endlich Gewissheit haben. Ob sie vielleicht aneinander vorbei gegangen seien oder ihr vielleicht etwas passiert sei. Er machte sich Sorgen um sie und sich Vorw├╝rfe, dass er ihre Mails ungelesen gel├Âscht hatte.

Marion schrieb ihm eine lange Mail in dem sie erz├Ąhlte, was an diesem Tag wirklich passierte. Sie verabredeten sich wieder im Chat und Roman, dessen realer Name Gerhard war gestand ihr, dass ihr nicht die Wahrheit gesagt habe, als sie sich ├╝ber ihr Alter ausgetauscht hatten. Er sei 20 Jahre ├Ąlter als sie und er h├Ątte sehr viel Angst vor diesem Treffen gehabt. Gleichzeitig h├Ątte er aber Vertrauen zu ihrer Ansicht, dass Alter unwichtig ist wenn sich zwei Menschen m├Âgen, gehabt. Er h├Ątte es ihr immer schon sagen wollen, aber irgendwann sei es dann einfach zu sp├Ąt gewesen. Ja, er habe das sich umarmende Paar gesehen, es sei ihm aufgefallen. nicht nur, weil sonst keine Leute mehr auf dem Bahnsteig gewesen seinen, sondern weil es sich so selbstvergessen umarmt h├Ątte, dass er leise l├Ąchelnd vorbei gegangen sei, um nicht zu st├Âren. ÔÇ×Wenn ihr innerlich zusammen ein so sch├Ânes Bild abgebt wie von au├čen, w├╝nsche ich euch alles Gl├╝ck der ErdeÔÇť sagte er.

Gerhard und Marion verstanden sich immer noch und mochten sich sehr. Sie wurden sich die liebsten Freunde.

Roman zieht in 3 Monaten in Marions Wohnung und Marion ist ├╝bergl├╝cklich, durch ihren Irrtum nicht nur das grosse Gl├╝ck gefunden zu haben, sondern auch noch einen lieben Freund gewonnen zu haben.













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Erde mein K├Ârper, Wasser mein Blut. Luft mein Atem und Feuer mein Geist.

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egofrau
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diese geschichte

hab ich einfach mal so geschrieben, weil ich die Idee ganz nett fand. es ist mein erster text dieser art. ich w├╝rde mich freuen, wenn ihr mir schreibt, was ihr davon haltet. auch find ich den titel nicht so sch├Ân, vielleicht f├Ąllt euch einer ein?
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Intonia
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Hallo Johanna,

erstmal die gute Nachricht vorweg. Dein Text ist von der Idee her Spitze. Es gibt ja schon unz├Ąhlige Geschichten ├╝ber Kennenlernen im Internet, ich habe selber eine geschrieben, aber Du hast durch diese unerwartete Wende bei der Begegnung am Bahnhof einen tollen Effekt gesetzt. Aber - und jetzt die weniger gute Nachricht - das ganze leider ziemlich langweilig umgesetzt. Das sind harte Worte, aber sie sollen Dir helfen, Fehler zu erkennen und Deinen Stil zu vervollkommnen. Deshalb nimm sie bitte nicht tragisch oder gar ├╝bel. Ich will auch versuchen, Dir gleich ein paar Verbesserungsvorschl├Ąge zu machen.

Um den Text spannender zu machen, m├╝sstest Du den Rotstift ansetzen. Du schreibst zu viel Selbstverst├Ąndliches, zu viel ├ťberfl├╝ssiges und ausserdem in einem "gesch├Ąftsm├Ąssigen Berichterstatterstil". Als Beispiel des besseren Verst├Ąndnisses nehmen wir mal diesen Abschnitt:

Nachdem sie sich einen Phantasienamen gegeben und sich eingeloggt hatte, wurde sie sehr freundlich Willkommen gehei├čen. Die Stimmung war ausgelassen und sie unterhielt sich sehr gut. Von diesem Abend an besuchte sie jeden Tag diesen Chat. Hier trafen sich jeden Abend viele Leute, behaupteten sogar spa├česhalber, sie h├Ątten ihren 2. Wohnsitz im Chat. Sie lernte die Stammg├Ąste kennen und geh├Ârte bald selbst dazu, hatte nette Unterhaltungen und es entwickelten sich sogar Freundschaften. Hier lernte sie auch einen Mann kennen, mit dem sie sich von Anfang an sehr gut verstand.
Den ersten Satz kannst Du schon mal weglassen oder Du schreibst ihn so: Sie gab sich den Nicknamen "egofrau" und loggte sich ein. Weiter w├╝rde ich fortfahren: Die freundliche, lockere Atmosph├Ąre ├╝berraschte sie und sie unterhielt sich ausgezeichnet. Von nun an war sie jeden Abend in diesem Chat und lernte nach und nach die meisten Stammg├Ąste kennen. Einige von ihnen behaupteten scherzhaft, sie h├Ątten ihren 2. Wohnsitz dort. Schon bald f├╝hlte sie sich ebenfalls wie zuhause, und es entwickelten sich sogar Freundschaften. So, jetzt kommt ein wichtiges Detail, das man nicht in einen so n├╝chternen, fast nebens├Ąchlichen Satz verpacken sollte. Du lernst einen Mann kennen, der Dir etwas bedeutet. Mach es etwas spannender, geheimnisvoller, romantischer!!! Versuch es selber! Und lies nochmal Deine ganze Geschichte im Blickwinkel meiner Behauptung durch, dass der Stil gesch├Ąftsm├Ąssig berichterstattend ist. Habe ich recht? Versuch mal, etwas mehr Schwung und Eleganz einzubringen, und, was f├╝r den Leser selbstverst├Ąndlich oder unwesentlich ist, wegzulassen. Du verwendest auch zu oft die gleichen W├Ârter in kurzem Abstand (im zweiten Absatz 5 mal das Wort gemeinsam)oder f├Ąngst S├Ątze mit den gleichen W├Ârtern an (z.B Sie ....). Ihren Vornamen nennst Du zum ersten Mal, nachdem die Geschichte schon Halbzeit hat. Wenn Du ihn gleich nennst, kannst Du SIE und MARION abwechselnd benutzen, damit vermeidest Du Wiederholungen.

Ach ja, der Titel. Wie w├Ąre es mit "Gl├╝cklicher Irrtum"?

Ich hoffe, meine Kritik ist hilfreich. Ich w├╝nsche Dir viel Kreativit├Ąt und sende liebe Gr├╝sse
Intonia (m)
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"Liebe kostet nichts und ist doch das Teuerste auf der Welt."

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egofrau
Wird mal Schriftsteller
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hallo intonia :-)

ja du hast recht! ich habe diese geschichte heute vormittag einfach so geschrieben, ohne sie noch mal zu ├╝berarbeiten. begeistert war ich auch nicht von meinem werk, wusste aber nicht, warum. ich danke dir f├╝r die m├╝he, die du dir mit meiner geschichte gemacht hast! du hast mir damit sehr geholfen, etwas klarer zu sehen :-) ich werde also die geschichte nochmal ├╝berarbeiten. bin gespannt auf das ergebnis. ach ja: ich danke dir f├╝r den titel, der ist doch treffend :-)

mit lieben gr├╝ssen
johanna
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Danke Arupa

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flammarion
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Routinierter Autor

Registriert: Jan 2001

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Kommentare: 8208
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hallo,

liebe egofrau, da hast du einen herrlichen kitsch geschrieben, wie ich ihn liebe. ich kann mir diese geschichte gut als "abgeschlossenen Roman" in einer illustrierten vorstellen. klitzekleine korrekturen, und die nehmen dein werk! zb kann ich mir nicht vorstellen, da├č "Lok" ( was ja die abk├╝rzung von lokomotive ist) jetz "Lock" geschrieben wird. alles in allem hat die geschichte mir gefallen. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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