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Leselupe.de > Kurzgeschichten
ist zwar nicht passend zur Jahreszeit, weil eine weihnachtliche Geschichte, aber egal
Eingestellt am 26. 02. 2002 17:54


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liveforever
Festzeitungsschreiber
Registriert: Feb 2002

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Der Vorweihnachtsengel !!!

"Haste mal n├ę Mark ?" klang eine rauhe Stimme hinter Frau Wergel. Sie ging durch die Innenstadt und sah sich die Schaufenster an. Immer noch suchte sie nach einem passendem Weihnachtsgeschenk f├╝r Thomas, ihren 8 j├Ąhrigen Sohn. Als sie die Stimme hinter sich h├Ârte, fuhr sie erschrocken zusammen. Es war schon sp├Ąt und der Betrieb auf den Stra├čen hatte nachgelassen. Der Penner, wie sie ihn abf├Ąllig bezeichnete, stand dicht hinter ihr. So was von aufdringlich, dieses Gesindel, dachte sie. Hilflos sah sie sich um. Es war niemand hier, den sie um Hilfe bitten, der ihr diesen h├Ą├člichen, schmuddeligen Kerl vom Leib halten konnte. Angewidert musterte sie ihn. Er trug eine, vor Schmutz stehende Jeans, die an vielen Stellen aufgerissen und kaputt war. Unter dem ausgefetzten Mantelkragen, lugte ein pinker Pulli, oder so etwas, hervor. Der Mantel hatte eine undefinierbare Farbe, die er wohl im laufe der Jahre angenommen hatte. Wie konnte ein Mensch, den Gott erschaffen hatte, sich nur so ungepflegt kleiden, und auch benehmen, scho├č ihr durch den Kopf. Der Penner stand noch immer erwartungsvoll, wie es Frau Wergel schien, vor ihr. Als ob sie dem was geben w├╝rde.
"Was is┬┤ nu┬┤ ?" fragte er in seinem ungepflegtem Deutsch. Das war zu viel f├╝r die gute Frau. Entsetzt drehte sie sich auf dem Absatz um und lief die Stra├če hinunter. Sie sah kein einziges mal mehr zur├╝ck. Immer dieses Gesindel, sollte es doch jemanden anders anbetteln. Die sollten sich dahin zur├╝ck scheren, wo sie hergekommen waren.

SprechÔÇÖ ich sie an ? Sie gibt mir bestimmt was. Ich kannÔÇÖs ja mal probieren ! Arnold stand am Stra├čenrand und zitterte vor K├Ąlte. Es hatte zwar noch nicht geschneit, dieses Jahr, aber dennoch war es sausekalt. In seiner kaputten Jeans und dem d├╝nnen Mantel von der Altkleidersammlung war ihm zwar schon w├Ąrmer als noch vor drei Tagen, als er hier nur im Pullunder und Stoffhose stand, aber immer noch fror er bis unter die Haut. Und diese K├Ąlte, so schweiften seine Gedanken ab, w├╝rde wohl niemals mehr vertrieben werden. Denn, die K├Ąlte, die man einmal erlebt hat, von den Menschen, seinen Mitmenschen, die ging nich┬┤ raus aus┬┤m Herzen.
"Was red┬┤ ich da ?" rief er sich selbst zur Ordnung. Gleich war die Frau vorbei und von de┬┤ sch├Ânen Gedanken wurd┬┤ man auch nich┬┤ satt.
Also raffte Arnold sich auf und lief hinter der Frau her. Die schaute sich grad┬┤ die Schaufenster an. Das tat er jeden Abend, als Besch├Ąftigung.
"Haste mal n├ę Mark ?" fragte er. Die Frau z├Âgerte. Die sah doch nett aus, die w├╝rde ihn doch bestimmt nich┬┤ so wegjagen, mit Tritten und so, wie es vorgestern der Mann vor Karstadt gemacht hatte. Nein, die sah nich┬┤ so aus. Die war bestimmt anders. Die Frau drehte sich um und pl├Âtzlich bef├╝rchtete Arnold doch, da├č sie ihn davonjagen w├╝rde. Aber dennoch fragte er vorsichtig :"Was is┬┤ nu┬┤ ?"
Doch die Frau drehte sich auf einmal um und rannte die Stra├če runter.
Was hat die denn f├╝r n├ę Tarantel gestochen ?
Arnold ging mit h├Ąngenden Schultern wieder zu seinem Lieblingsschaufenster zur├╝ck. Dort war eine Szene mit echten lebensgro├čen Puppen dargestellt. Die Menschen dort sa├čen an einem gedecktem Tisch und a├čen. G├Ąnsebraten mit Rotkohl und Kl├Â├čen. Und die Kinder sa├čen unterm Weihnachtsbaum und spielten mit der Eisenbahn. Die f├╝r 135,99 DM ! Alles so sch├Ân warm und froh im Herzen, dachte er.
├ťber die Frau dachte er jetzt nicht mehr nach, die war wie alle hier auf der Welt. ├ängstlich !!!
Nach einer Weile legte sich Arnold zum schlafen, dicht an das Schaufenster gepre├čt, hin.

"Hey, sie !" rief eine liebliche Stimme ├╝ber ihm. "Was machen sie denn hier ?"
Arnold drehte sich ├Ąchzend um. Die lange Nacht auf dem harten Boden hatten seine Gelenke nicht grade beweglicher gemacht.
├ťber ihm gebeugt stand eine zierliche Frau, so Mitte zwanzig, Anfang dreissig, sch├Ątzte er sie. Sie hatte rote schulterlange Haare und eine Pudelm├╝tze auf dem Kopf. Ihre ganze Gestalt war in einem Wollmantel geh├╝llt.
"Sie haben doch nicht etwa in dieser K├Ąlte hier ├╝bernachtet ?" wollte die Frau wissen. Arnold l├Ąchelte verlegen und die Frau l├Ąchelte ihn zur├╝ck an. Vielleicht das einzig ehrliche L├Ącheln, das er je bekommen hatte.
"Nun stehen sie schon auf, sie holen sich ja den Tod !" rief die Frau.
Arnold stand, immer noch mit einem L├Ącheln auf dem Gesicht auf und sah die Frau erwartungsvoll an. "Sie kommen jetzt erst einmal mit rein, ich bin n├Ąmlich heute alleine im Laden !" sagte sie bestimmt. Mit einem Schl├╝ssel eines gro├čen Schl├╝sselbundes schlo├č sie die T├╝r zum Laden, vor dem Arnold gen├Ąchtigt hatte, auf und deutete ihm hineinzugehen. Er folgte !
Drinnen war es muckelig warm und ein leichter Zimtgeruch breitete sich aus. Es war ein Spielzeugwahrenladen, haupts├Ąchlich Holzsachen.
"Setzen sie sich !" schlug die Frau vor.
Arnold nahm auf dem gem├╝tlichem Ohrensessel, im Wohnzimmer der guten Stube platz. Der Weihnachtsbaum stand mitten im Raum und um ihn herum wurde das fr├Âhliche Lachen mehrerer Kinder laut. Am E├čtisch sa├čen Berti, Fritz und Lena, bei G├Ąnsebraten und Rotwein. Arnold stand auf und setzte sich an den extra f├╝r ihn freigehaltenen Stuhl, an den Tisch. Vor ihm stand ein dampfender Teller mit lauter k├Âstlichen Speisen. Ein Glas, mit dem besten Wein den er je zu sich genommen hatte, stand daneben. Er a├č eine Weile, doch sein Teller und sein Glas schienen niemals leer zu werden. Und immer hatte er nur das beste vom besten darauf. Nach einiger Zeit wurde er des vielen Essens ├╝berdr├╝ssig und stand schwerf├Ąllig auf, um sich den Kindern unterm Tannenbaum zu n├Ąhern. Sie spielten mit einer Holzeisenbahn und auch sonst lagen ├╝berall gr├Â├čere und kleinere Spielsachen herum. In der Ecke, unterm Baum, lag noch ein Geschenk, das noch nicht ge├Âffnet war.
"Das ist f├╝r dich, Onkel Arnold !" rief ein kleines blondes M├Ądchen ihm zu.
Arnold l├Ąchelte sie an und ging zu dem P├Ąckchen. Vorsichtig machte er es auf. Es enthielt einen dunkelblauen Strickpullover, der mollig warm aussah.
"Der m├╝├čte ihnen passen ! Damit sie nicht so frieren, in der K├Ąlte da drau├čen." sagte die Frau. Arnold hielt noch immer den Pulli in beiden H├Ąnden. Sein Magen war gef├╝llt, er war ausgeruht, von seinen Gelenkschmerzen war nichts mehr zu sp├╝ren und, vielleicht das wichtigste f├╝r ihn, ihm war nicht mehr kalt. Die eisige innere K├Ąlte war wie weggeblasen. Die K├Ąlte in seinem Herzen, von der Verachtung der Menschen um ihn herum. Sie war einfach weg.
"Da-danke !" sagte er, l├Ąchelte und auf einmal war es ihm als ob er einen Engel vor sich h├Ątte.
Dann ging er aus dem Spielzeugladen, hinaus in die K├Ąlte. Doch sein neuer Pullover sch├╝tzte ihn vor dieser Art von K├Ąlte.

__________________
LG, liveforever

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Anamida
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allo live,
W├╝ndersch├Ânes M├Ąrchen.
Besonders gelungen fand ich die verschiedenen Sichtweisen der einen Situation.
Ein ehrlicher Appell an das Gebot der N├Ąchstenliebe.
Habe auch ma versucht etwas ├╝ber das Thema zu schreiben. Ist`n Gedicht (PENNER) Konfrontation eines in der Gesellschaft intregierten Menschen und einem au├čerhalb dieser.
lg
yasmin
__________________
Gesten der Liebe oder der Freundschaft sind nicht mit Geld aufzuwiegen.
by Mich

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Anamida
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p.s. dis hei├čt ZUST├äNDIG?

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