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Leselupe.de > Ungereimtes
kahlschlag
Eingestellt am 04. 03. 2009 18:37


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Perry
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kahlschlag


die ger├Ąusche aus der k├╝che h├Âren sich an,
als w├╝rdest du gerade kaffee machen.
ich eile durch den flur ÔÇŽ aber da ist niemand.

die pappeln am bach bl├╝hten noch nicht, als du gingst.
spitz und hoch ragten sie in den himmel
wie lanzen ostalpiner krieger aus der hallstattzeit.

es gab immer viel zu reden, die neuesten kleidertrends,
wo das wasser am blausten, saubersten ist
oder was du gerade modelliert, gebrannt hast.

an der garderobe h├Ąngt dein buntgestreifter schal,
der beim rodeln lustig hinter dir herflatterte,
mit dem du mich an dich gezogen hast, damals.

ich schreibe einen leserbrief f├╝r den erhalt der pappeln,
auch wenn ihre pollen heuschnupfen verursachen,
geh├Âren sie doch zum bach wie du zu mir.


Version vom 04. 03. 2009 18:37

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bluefin
Guest
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ich h├Âr und seh schon wieder, wie gesagt wird, das sei kein gedicht, sondern "nur" formatierte prosa, bar jedweder lyrik.

ich finde das nicht - der schal und der leserbrief hindern mich daran.

wie, bitte, h├Ârt es sich an, wenn die m├Ądelz in der k├╝che kaffee "kochen"? die einzigen spezifika w├Ąren meiner meinung nach die ger├Ąusche einer mechanischen kaffeem├╝hle (aber die zeit ist vorbei und wurde meist vom j├╝ngling ├╝bernommen) oder sie surr-, schnapp- und grummelger├Ąusche einer modernen maschine. das pfeifen des wasserkessels allein lass ich nicht gelten: hei├čes wasser br├Ąucht's auch f├╝r tee. vielleicht riecht man ihn ja, den kaffee?

und die "ostalpinen krieger aus der hallstadtzeit", die finde ich sprachlich ganz grauenvoll neben einem in wehmut versinkenden herzen. die h├Ątten da meiner meinung nach nix verloren, jedenfalls nicht in dieser v├Âlkerkundlichen spezialausgabe. l├Ąsst sich da nicht was weniger pathetisches finden?

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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Perry
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Hallo Heidrun,
freut mich, dass dir die leise Melancholie in den Zeilen gef├Ąllt.
Danke f├╝rs Hineinsp├╝ren und LG
Manfred

Hallo bluefin,
es sind verdichtete Bilder mit einer vergleichenden Aussage, was den Kahlschlag von Pappeln und Gef├╝hlen anbelangt, gegen den sich das LI hier stemmt und somit f├╝r mich ein St├╝ck weit auch Lyrik.
Die Ger├Ąusche beim Kaffeemachen k├Ânnen durchaus individuell erkennbar sein, wenn man diese Zeremonie viele Jahre lang gelebt hat. Da kann es schon sein, dass man glaubt, das leise Klirren des L├Âffels auf dem Unterteller oder das Klacken des Deckels auf der Zuckerdose in seiner Erinnerungsfantasie zu h├Âren.
Wenn du schon einmal Bilder von Lanzen der ostalpinen Krieger in der Hallstattzeit gesehen h├Ąttest, w├╝rde es dich vielleicht nicht wundern, dass ich sie hier f├╝r den Pappelvergleich verwendet habe und pathetisch ist dieser Vergleich auf keinen Fall. Ansonsten ist es einfach ein Stilelement von mir, solche kleine Besonderheiten in meine Texte einzubauen. Sicher w├╝rden sich auch noch andere Ankn├╝pfungspunkte finden wie, die Pappeln fungieren hier als Erinnerungsw├Ąchter etc., aber da will ich jetzt gar nicht wieter rumfantasieren.
Jedenfalls danke ich dir f├╝r dein Interesse und die lyrische F├╝rsprache.
LG
Manfred

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

deckel auf zuckerdose und l├Âffel im teller haben nichts mit dem aufbr├╝hen von kaffee zu tun. es hilft nichts - das "kaffe kochen h├Âren" ist ein logischer fehler, ├╝ber den man stolpert.

gegen deine lanzen und die krieger daneben hat niemand was - es gibt gotische, r├Âmische, griechische, persische und sonstwelche. "ostalpine hallstadtzeit" sagt vielleicht knochentrocken ein fremdenf├╝hrer, kein eben von seiner liebe verlassener: das dichtet nicht, sondern zersprei├čelt das feeling (jedenfalls das des walfisches). es klingt wie: "blind vor kummer a├č ich eine ├Âko-dinkel-kastenbrotschnitte."

muss doch nicht sein, oder?

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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Perry
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Hallo bluefin,
damit du dich nicht umsonst so ins Zeug gelegt hast, ├Ąndere ich das Kaffee kochen in Kaffe machen, dann ist gen├╝gend Spielraum f├╝r die Klapperfantasie.
Das Lanzenbild hat nichts mit "zersprei├čeln" zu tun, sondern mit Blickwechsel, man lenkt das lesende Auge bewusst von den weiter entfernten Pappeln auf ein subjektives Detail des Erz├Ąhlers, hier auf den Vergleich der Pappeln mit lanzentragenden Kriegern (Totenw├Ąchtern) und die verbindet das LI eben mit den ihm bekannten ostalpinen Kriegern. Solche Blick- bzw. Szenenwechsel kannst du bei einigen modernen Lyrikern finden. Nat├╝rlich ist das Geschmackssache, ich mag das eben.
LG
Manfred

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bluefin
Guest
Registriert: Not Yet

ja schon, lieber @perry. mag ja sein, dass dein l├╝hrisches ich mit ostalpin und hallstadt was anfangen kann - die leser nicht. die haben schon ein problem, sich eine kahle silbepappel als krieger mitsamt lanze zu denken. aber gleich noch randalpin und hallst├Ądtisch? wie soll das gehen? denk doch: ich bin ein doofer walfisch! ich wei├č vielleicht was von pelagischen kopff├╝├člern und von harpunen und harpunieren, aber selbst wenn ich meine kurzsichtigen ├Ąuglein schlie├če, vermag ich mit hallstadt und ostalpin nichts rechtes anzufangen...*bubbles*...

kaffe machen ist cool.

liebe gr├╝├če aus m├╝nchen

bluefin

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Pola Lilith
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lanzen ostalpiner krieger aus der hallstattzeit.

Hallo Perry,

auch mich hat dein Gedicht ber├╝hrt, schlie├če mich hier aber dem M├╝nchner an, was die lanzen ostalpiner krieger aus der hallstattzeit angeht. Das wirkt f├╝r mich hier aufgesetzt und st├Ârt daher, denn der Rhythmus des "Mitschwingens" wird dadurch unterbrochen, weil man an dieser Stelle nachdenken, wenn nicht gar dar├╝ber "gr├╝beln" mu├č. Liebe Gr├╝├če, Pola
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