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Leselupe.de > Ungereimtes
kopfleere
Eingestellt am 05. 09. 2005 23:13


Autor
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Perry
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kopfleere


nach dem ersten schreck - ratlosigkeit
da sind l├╝cken
in der zeit, ihrer zeit - ausradiert, weggesperrt
es fehlt die koordination
im neomammalia

bin doch aufgestanden
wie immer
f├╝hlte mich nur etwas unwohl
kann mich nicht erinnern
wie ich hierher kam

drau├čen
vor dem klinikfenster
dr├╝ckt der februarschnee die tannenzweige nieder
ihre arme sind so schwer
vor allem der rechte

der gehwagen st├Â├čt an den schrank
grimassen schneiden im spiegel
aus dem mundwinkel tropft speichel
unbemerkt
wie aus einem leck

bin nur aufgestanden
mein mund war so trocken
wollte etwas trinken, telefonieren
doch die tasten wussten ihre reihenfolge nicht
kann mich nicht mehr erinnern

die m├Ąrzsonne taut den schnee weg
ein ast ist geknickt
hebt sich nicht mehr
bewegungsbad um zehn
anschlie├čend sprech├╝bung mit dem logop├Ąden

hallo mama
wie gehtÔÇÖs dir heute
ich binÔÇÖs
ja, ja mein junge du liegt mir auf der zunge
aphasie, amnestische aphasie

gemeinsames kochen
gem├╝se putzen
die nudel h├╝pft von der gabel
und der speichel tropft
unaufh├Ârlich auf die strickweste

der fr├╝hling hat sich durchgesetzt
neue zweige sprie├čen
synapsengr├╝n
komm mama, wir fahren nach hause
willst du ein taschentuch?


was du mir sagst, vergesse ich
was du mir zeigst, daran erinnere ich mich
was du mich tun l├Ąsst, das verstehe ich
(konfuzius, 500 Jahre nach Christus)

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mirami
Guest
Registriert: Not Yet

hallo manfred,

dein gedicht gef├Ąllt mir au├čerordentlich. sehr einf├╝hlsame worte hast du gefunden das innenleben und au├čenerleben nach einem schlaganfall zu beschreiben. wortfindungsst├Ârungen setzen die menschen auf der anderen seite des flusses ab, br├╝cken zu bauen geht nicht von heute auf morgen und bedarf von beiden seiten, dem betroffenen sowie den angeh├Ârigen/pflegekr├Ąften/logop├Ąden/krankengynasten viel arbeit, einf├╝hlungsverm├Âgen, geduld und mitgef├╝hl. in deinem gedicht kommt das, ohne auf die tr├Ąnendr├╝se zu dr├╝cken, aber dennoch sehr liebevoll herr├╝ber. auch das konfuziuszitat am ende passt sehr gut. ein gelungener schluss.

falls die zeilen einen wahren pers├Ânlichen hintergrund haben, alles gute und viel kraft.

lg
mirami


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Perry
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Hallo mirami,
danke f├╝r deine ber├╝hrenden Worte. Der Text hat leider einen wahren Hintergrund. Gott sei Dank geht es meiner Mutter jetzt wieder so gut, dass sie ihr Leben selbstst├Ąndig meistern kann.
Es freut mich, wenn der Text neben der inhaltlichen Dramatik auch lyrisch bei Dir angekommen ist.
LG
Manfred

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Suse
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Jul 2002

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sehr gut!

ich finde es fantastisch, dass sich mal wieder jemand relativ unverhohlen an ein solches thema wagt. normalerweise wird in diesen bereichen zu sehr ausgeklammert und zu sehr abstrahiert oder man driftet in schock-effekte ab. das ist hier nicht der fall.

bravo daf├╝r!

trotz allem k├Ânnte an einigen wenigen stellen ein bisschen verknappung nicht schaden. aber wie gasagt: ein bisschen!!!! wo genau, das wage ich noch nicht anzuf├╝hren. vielleicht lese ich's besser noch einige male und traue mir dann einen vorschlag zu.

liebe gr├╝├če,
suse
__________________
Suse
K├╝rbiseis mit ganzen Fr├╝chten?!

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Perry
Manchmal gelesener Autor
Registriert: Aug 2004

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Hallo Suse,
trau dich ruhig ran. Dieses Gedicht ist ein St├╝ck weit auch ein kleines Experiment von meinem ├╝blichen Stil der Prosalyrik ein wenig abzuweichen und da ist konstruktive Kritik immer willkommen.
Vielleicht nur soviel, das Wiederaufgreifen und Weiterf├╝hren einiger Bilder ist stilistisch von mir beabsichtigt.
Ansonsten danke vorerst f├╝r deine lobende Einsch├Ątzung und LG
Manfred

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rosste
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Hallo, manfred

das gef├Ąllt mir sehr gut
der vergleich der l├Ąhmungen mit den tannenzweigen, synapsengr├╝n... sch├Âne bilder

"anschlie├čend sprech├╝bung mit dem logop├Ąden"
- ist etwas doppelt gemoppelt
"anschlie├čend sprech├╝bungen" ist besser

lg, Stephan

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