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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
land der maurn
Eingestellt am 19. 01. 2012 00:52


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Verboholiker
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land der maurn

im glĂŒckstau schreit ein mann
am boden glaubt der wind
an der mauer stirbt ein mensch
auf dem tisch klebt ein plakat

Sie haben uns gesagt, dass wir stĂŒrmen mĂŒssen.
Kein Kind, kein Mann
stĂŒrmt nun hinaus.

am himmel steigt es auf
die frau bricht das licht
im kastanienblick gegraut
keusch richt das genick

Sie haben uns gewarnt, dass wir nicht stĂŒrmen sollen.
Mein Kind, mein Mann.

es knallt das gericht
am himmel bricht es auf
blut
tod.

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AchterZwerg
Guest
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Hui,
du traust dich was!
Nach meiner Lesart geht es hier um ein Erschießungskommando, den Tod an einer Mauer.
Im Zuge des Gedichts findet ein Wechsel der Perspektiven statt, wohl aus Sicht der Opfer (RevolutionÀre / Plakat) und ihrer Angehörigen.
Der Abschnitt:

quote:
am himmel steigt es auf
die frau bricht das licht
im kastanienblick gegraut
keusch richt das genick
erscheint mir nicht ganz schlĂŒssig: Das Haar ergraut aufgrund des Schmerzes. Soweit ok. Doch warum
quote:
keusch richt das genick
Das verstehe ich nicht ...
Herzliche GrĂŒĂŸe
der 8.

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Verboholiker
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Apr 2011

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Merci :)

Mit dem Verstehen ist das so eine Sache. Du gehst gut an die Sache ran, damit hast Du Dir wahrscheinlich schon mehr Gedanken gemacht als nötig, das begrĂŒĂŸe ich sehr. Danke.

Ich nehme Deine Gedanken an und versuche mich an einer kleinen, ergÀnzenden Interpretation.

Ich bin der Meinung, dass man nicht alles verstehen muss. Gerade das ist doch interessant, so finde ich, dass etwas seine WidersprĂŒche enthĂ€lt, trotzdem aber schlĂŒssig kling. Das ganze Leben ist voll von diesen Situationen, in denen man glaubt, das Ganze zu sehen, alles verstanden zu haben, aber doch gibt es einen hartnĂ€ckigen Rest, den man zunĂ€chst nicht zuordnen können wird, aber, unter einem gewissen Druck, in das Ganze einreihen mĂŒssen wird, um zumindest so etwas wie Stringenz, also Balsam fĂŒr den Kopf, herstellen zu können. Zu Deinem Kommentar.

Deine Lesart mit dem „Erschießungskommando“ ist ganz wunderbar.
Das mit dem Wechsel der Perspektiven wĂŒrde ich unterstreichen. Wobei es einen krassen Widerspruch gibt, und zwar zwischen Strophe zwei und vier. In der zweiten Strophe sei ihnen gesagt worden, „dass wir stĂŒrmen mĂŒssen“, wobei es in der vierten Strophe heißt, dass „wir nicht stĂŒrmen sollen“.
Durchaus geht es hier, so meine Interpretation, um einen Staat, der seine BĂŒrger als Insassen hĂ€lt, der es mit Waffengewalt zu vermeiden versucht, FlĂŒchtlinge entkommen zu lassen. Darein passt auch der Widerspruch mit dem, was jemandem gesagt oder befohlen wird, und dem, was einem wirklich gesagt und befohlen wird. Dazu muss ich noch sagen, dass persönlich in Frieden in NRW aufgewachsen bin, was mich zu dem Schluss bringen wĂŒrde, dass nicht die DDR das Thema sein wird, aber es gibt genug andere Beispiele in diesen Tagen. Und Vergewaltigungen , so mein Wissensstand ĂŒber die damaligen VerhĂ€ltnisse, gehörten wohl nicht dazu. Dann eher „Zersetzung durch andauernde sexuelle Attraktion durch Dritte“. Aber durchaus gibt es eine Schnittmenge.

Was ich noch beabsichtigt habe:
In der ersten Strophe kann man jeweils die SatzanfÀnge beliebig mit den Endungen tauschen, also:

„im glĂŒckstau glaubt der wind“
„am boden schreit ein mann“
etc.

Und der Knackpunkt:
Tja, das mit dem „keusch richt das genick“ ist schwierig, schwierig. Muss lange drĂŒber nachdenken, mhh.
Wahrscheinlich muss man sich damit abfinden, dass es keine befriedigende Auflösung gibt. Ich versuche es nichtsdestotrotz.
Ich sehe es so: Das „richt“ im Kontext der Hinrichtung ist mit „bricht“ und „richtet“ belegt. Beides kann gelten. Wenn nun keusch das Genick „bricht“, sehe ich eine Frau, die sich nicht hat vergewaltigen, sich nicht hat brechen lassen. Gleichsam hat sie durch ihren Widerstand auch „Genick“ gezeigt“, sie „richtet“ durch ihren Widerstand zugleich die TĂ€ter, die sie, also die gefangene Frau, letztlich, und da bin ich mir mittlerweile sicher, hinrichten, denn am Ende heißt es „blut“ und „tod“.
Die letzten beiden kurzen Verse habe ich auch voller Absicht verwendet. Dachte dabei an Georg Trakl, wobei mir das Gedicht momentan nicht mehr in den Sinn kommen will. Es geht um die kurzen Kriegs-Gedichte von Trakl, vielleicht kannst Du mir mehr dazu sagen, konnte gerade nichts dazu finden.

Okay, Zwerg, vielen Dank fĂŒr Deinen Kommentar! Schaue mir direkt noch ein Gedicht von Dir an, das mit den wenigsten Kommentaren.

Gruß,

der Verboholiker

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