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Leselupe.de > Kurzgeschichten
letzter Schritt
Eingestellt am 09. 10. 2001 15:14


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Aspirin
???
Registriert: Oct 2001

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Es ist einer von den Herbsttagen, an denen sich der Himmel nicht zu einer Farbe bekennen will. Gelegentlich zeigt er blaue Flecken und verdeckt diese dann genauso schnell mit seiner grauschwarzen Wolkendecke.
Von dem Balkon aus hat man einen guten Blick auf die Straße. Die BĂ€ume entlassen ihre BlĂ€tter wie Kinder, die zu groß fĂŒrs elterliche Heim geworden sind. Rot und Gelb tanzten sie mit dem Wind ein letztes Mal und fallen dann zum Boden, wo die meisten dann auch liegen blieben, um im nĂ€chsten Jahr anderen ungefragt wieder Leben zu spenden. Nur den wenigsten von ihnen gelingt es sich noch einmal hochzureißen, letzte Kreise zu drehen, in der kurzen Illusion der Schwerkraft entfliehen zu können. Aber auch sie können der RealitĂ€t nicht entkommen und sinken irgendwann sanft und schlĂ€frig zum Boden.

Hier und da sieht man vereinzelt Vögel, die aus den weichen grauen Wolken auftauchen, um genauso schnell wieder zu verschwinden, ohne eine Spur zu hinterlassen, außer in der Erinnerung des Betrachters, die aber mit der Zeit sich ebenfalls mit weichen grauen Wolken fĂŒllt.
Ab und zu fĂ€hrt ein Auto die Straße entlang und zerreißt fĂŒr den Bruchteil einer Sekunde die Stille, um doch wieder hinter der nĂ€chsten Ecke zu verschwinden und alles wieder in gĂ€hnende Ruhe einzuhĂŒllen.
Vereinzelte graue Schatten bewegen sich auf dem BĂŒrgersteig, sich den Hut auf dem Kopf festhaltend und leicht nach vorne gebeugt, um dem Wind wenigstens etwas trotzen zu können.

Die Bilder wechseln sich, ohne dass die Situation sich Àndert, das Motiv bleibt doch gleich.

In der Hand, zwischen dem Zeige- und Mittelfinger, erlischt in der Bewegungslosigkeit die Zigarette. Die schwarzen RĂ€nder beginnen wieder zu glĂŒhen, als die Flamme des Feuerzeugs sie erbarmungslos liebkost. Ein tiefer Zug und wie ein Geist entflieht der Rauch zwischen den Lippen und löst sich in der Luft auf, als hĂ€tte es ihn nie gegeben. Ein letzter Zug, ein Schnipsen mit dem Finger und die Kippe fliegt nach unten, sich in der Luft drehend. Vereinzelt brechen aus dem Stummel kleine, zum Teil verkohlte Tabakschnipsel aus, bevor er auf dem Boden aufschlĂ€gt und nach drei HĂŒpfern regungslos liegen bleibt.

Ich spĂŒre eine Anspannung in meinen Oberschenkeln und ein Gedanke erfĂŒllt meinen ganzen Kopf...

Es war einer von den Herbsttagen, an denen sich der Himmel nicht zu einer Farbe bekennen wollte. Jetzt hat er es. Durch die löchrige Wolkendecke sieht man sanfte Sonnenstrahlen und blaue Seen.
Unten versammelt sich die Menge. Alle starren ihn an, aus den Wolken sehe ich Erleichterung in seinem zerschmetterten Gesicht.

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Löwengeist
???
Registriert: Sep 2001

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Ein seelischer Orgasmus

Ich bin schwer beeindruckt von Deinen Worten...es ĂŒberliefen mich Schauer und GĂ€nsehaut...ich finde die Geschichte sehr gelungen...leider kann ich meine GefĂŒhle nicht besser ausdrĂŒcken, als im Thema schon geschehen :-))

Liebe GrĂŒĂŸe
Kerstin

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