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Leselupe.de > Feste Formen
lichterloh-sonett
Eingestellt am 07. 08. 2010 15:33


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Rhea_Gift
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Registriert: Apr 2003

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lichterloh

mein bein wird zu lahm fĂŒr den fuß in der tĂŒr
und manchmal erscheinen die brĂŒcken als krĂŒcken
kein wort und kein blick kann mich heute entzĂŒcken
so leer scheint die welt, die ich einfach nicht spĂŒr -

nicht außen, nicht innen - nur stille und schweigen
die nerven verflattern ins nichtige weiß
bedeutungslos scheint, daß ich weiß, wie ich heiß
ein stummer, verwehender buchstabenreigen

was wartet darunter, es rĂŒhrt sich, es zuckt
blassgrau ist der star, der den spiegel bespuckt
der matt wie mein auge nur nebel erzeugt

doch unter den schichten, da regt's sich, es glimmt
ein funke, noch schwach, und ein ton, leicht verstimmt
klingt an - lÀngst mein ich - lichterloh sich ihm beugt.
__________________
...Seele, bist du nun erwacht?...Und sie zittert, und sie lacht allen Himmelssternen zu... (Hesse)

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JackoF
???
Registriert: Jun 2010

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Hallo Rhea,

sprachlich finde ich dieses Sonett als gelungen !

Inhaltlich jedoch empfinde ich kausale Unstimmigkeiten - und zwar genau zu dieser geschichteten Reise in die innere GefĂŒhleswelt.

Zum einen sehe ich den Titel „lichterloh“ zum Kontext nicht entdeckbar.

Mit S2 leitest Du die emotionale Ist-Ebene ein mit :
nicht außen, nicht innen - nur stille und schweigen
Also „innen" nur Stille und Schweigen !!

Und nun kausal mit S3 :
darunter, es rĂŒhrt sich, es zuckt
Also noch tiefer als „innen“ ?, und dann doch eine Regung ????

Und nun kausal mit S4 :
doch unter den schichten, da regt's sich, es glimmt
ein funke, noch schwach...

Also nochmal tiefer als „innen/innen“, dann mehr/andere Regung ????

Und nun kausal mit S4/Z3 :
lÀngst mein ich - lichterloh sich ihm beugt.
Und nun ist dieses „ich“ lĂ€ngst schon und alles parallel (also durchgehend) „lichterloh“ ergriffen ??? / und das mit der Vorgabe aus S2/S3/S4.

Rhea, ich hoffe, Du ahnst meine kausales Problem ;-))
Oder,
irgendwas lese ich hier ganz falsch ??

Wieder ein TschĂŒss, Jacko

--

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kakadu
???
Registriert: Jun 2010

Werke: 19
Kommentare: 146
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Hallo Rhea,
hallo Jacko,

also ich habe hier kein kausales Problem. Ich sehe hier einen nach und
nach erblindenden Menschen, der sich zunehmend von der Außenwelt
abgeschnitten fĂŒhlt, ja, sich sogar in der eigenen Wohnung nur noch
schwer zurecht findet. Visuelle Signale erreichen das LI kaum noch,
können daher auch nicht verarbeitet und der inneren Wahrnehmungsebene
zugÀnglich gemacht werden.

"Unter den Schichten" sind aber noch Erinnerungen wach, von denen das
LI zehrt.

quote:
ein funke, noch schwach, und ein ton, leicht verstimmt
klingt an - lÀngst mein ich - lichterloh sich ihm beugt.

Ob der anmutende Dreivierteltakt (durchgehend auftaktige Daktylen)
in diesem doch recht traurigen Sonett so gĂŒnstig ist, halte ich fĂŒr
fraglich. Was mir wiederum richtig gut gefÀllt, ist der metrische
Bruch in der letzten Zeile. "- lÀngst mein ich -", hier ein gewichtiger
Kretikus XxX, der gleichzeitig als Apokoinu wirkt und den Einschub
so zur zentralen Aussage macht.

Ich finde das Sonett gelungen, auch sprachlich mag es mir gefallen.

Liebe GrĂŒĂŸe
Claudia

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Pelikan
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo, Rhea, also mir gefÀllt Dein Sonett ausgezeichnet.
Ich habe da keinerlei Probleme mit dem Inhalt, denn es zeigt sich mir ein Mensch der gealtert ist und nun immer mehr Gebrechen spĂŒrt und zwar nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Er hat keinen Bezug mehr zur Außenwelt - diese berĂŒhrt ihn weder außen noch innerlich, scheints hat sie seine Vorstellungen im Laufe der Zeit nicht erfĂŒllen können und nun, im Alter, beibt auch nichts mehr was ihn erfreuen könnte. Es bleiben wohl nur noch Erinnerungen, die er spĂŒrt.
Ja und tief im Inneren, ganz tief, unter allem begraben, da können sich noch durchaus Reste von Leidenschaften, von Begierende, TrĂ€umen und Lebensfreude regen. Diese sind jedoch begraben, so dass solches SpĂŒren auch nur noch wie eine Erinnerung ist - es kommt nichts mehr raus, weil zu viel Balast darauf liegt, Lebensbalast. Es ist auch keine Kraft mehr da umd diese Dinge auszugraben, auf dass sie nochmals lebendig, wirklich lebendig sein könnten. Umd diese vorhandenen Reste ausgraben zu können, mĂŒĂŸte man noch Interesse an der Außenwelt haben, sonst gibt es keinen Grund etwas aus den Tiefen herauszuholen. Man wĂŒrde das Herausgeholte in etwas entlassen/werfen das einem nichts mehr sagt, nichts mehr bedeutet (die Welt).Ich lese in diesem Gedicht einen Abschied von dieser Welt.
Mit herzlichen GrĂŒĂŸen, Pelikan

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HerbertH
???
Registriert: May 2007

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Liebe Rhea,

ein schöner amphybrachischer 14-Zeiler, wobei bei mÀnnlichen Reimen der letzte zu einem TrochÀus mutiert.

Amphybrachen schwingen, fast wie im Walzer. Das steht im pointierten Gegensatz zu den Verfallsanzeichen, die das Alter mit sich bringt, passt aber zu den immer noch lebendigen Lebenszeichen, die subjektiv lichterloh lodern.

GefÀllt mir!

lG

Herbert
__________________
© herberth - all rights reserved

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Estrella fugaz
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Liebe Rhea,

was fĂŒr ein Sonett! Du transportierst sehr viel Mutlosigkeit damit. Dann aber zum Schluss das Aufkeimen einer Hoffnung. Sehr gern gelesen.

Lieben Gruß,
Karin
__________________
Ich schließe meine Augen, um zu sehen. (Paul Gauguin)

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