Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, m├╝ssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92257
Momentan online:
381 Gäste und 12 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Tagebuch - Diary
mein Handy ruft mich an
Eingestellt am 07. 10. 2002 08:48


Autor
Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.
gertraud
???
Registriert: Nov 2000

Werke: 61
Kommentare: 81
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um gertraud eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Mein Handy ruft an

Mein Handy hat mich angerufen, auf dem Festnetz. Ich sa├č gerade auf der Couch und guckte Fernsehen, als es klingelte.
"Hol mich aus der Tasche raus," jaulte es, "hol mich hier raus, ich halt es nicht mehr aus."
"Was willst du denn," fragte ich, "ist eine teure Markentasche. Nicht von Aldi."
"Hol mich raus," wiederholte es nur, "bitte, hol mich raus, oder ich lass den Akku leer laufen."
Ich hab es raus geholt, ins Wohnzimmer gelegt und ans Ladeger├Ąt geh├Ąngt.

Mein Handy hat wieder angerufen, einfach so, abends um 9 klingelt es.
"Was willst du denn?" sagte ich.
"Ich wollte nur, dass du mich in die Hand nimmst," antwortete es, "mir war einfach danach."
"Na bitte, gern geschehen," gab ich zur├╝ck und legte auf.
Es klingelte wieder.
"Ein bisschen," sagte es, "ein bisschen noch, ich brauch das."
Ich schaute auf den Fernseher. Da lief gerade so ein Liebesfilm.
"Fernsehen tut dir nicht gut," sagte ich streng.
"Ach, komm, ein bisschen noch, es tut so gut, wenn du mich in der Hand..."
"Schluss jetzt!"

Heute wieder.
"Was willst du denn?"
"Die anderen Handies..."
"Was? Du rufst auch andere Handies an?"
"Nun ja, .."
"Wor├╝ber redet ihr denn da?" Ich wurde misstrauisch.
"Ach wei├čt du, ich kann ja da nicht mitreden, weil du mich nie ins Bad mitnimmst. Nie telefonierst du beim Duschen. Nie hast du mich dabei, wenn du dich umziehst. Die anderen, die erz├Ąhlen und erz├Ąhlen, und ich weiss ├╝berhaupt nichts von dir."
"Was willst du denn wissen?"
"Jaa.. welche K├Ârbchengr├Â├če hast du eigentlich?"
"Wenn du unversch├Ąmt wirst, schalt ich dich ab."
"Oh bitte nein!"

Einige Tage Ruhe. Aber dann hat es wieder angerufen.
Wollte nur ein bisschen mit mir reden. Einfach so. Wollte meine Stimme h├Âren, weil ich ein paar Stunden nicht telefoniert hatte. Naja, ich h├Ątte da vielleicht strenger sein sollen. Nicht drauf eingehen. Aber es hat mich einfach am├╝siert, mit meinem Handy zu reden. War ja auch ganz nett. Aber zum Schluss meinte es, ich sollte es doch in meine Hosentasche stecken statt es auf das Sideboard zu legen. Kaum hatte ich es in der Tasche, fing es an zu vibrieren. Aber wie! Das ging doch zu weit! Ich riss es raus und schaltete ab.

Zur Zeit benimmt es sich. Ruft mich zwar fast jeden Abend an. Wir reden ein paar Worte, dann leg ich wieder auf und das Handy auf den Tisch.

Ich lag schon im Bett und las noch, da h├Ârte ich es im Wohnzimmer klingeln.
"Kannst du nicht schlafen?" fragte es.
"Ach, sagte ich, wird schon."
"Trink noch ein Glas Wein mit mir."
"Kein schlechter Vorschlag."
Ich holte ein Glas und die angebrochene Flasche.
"Ich liebe dieses Gluggerger├Ąusch, wenn du dir eingie├čt. Noch mehr liebe ich es, wenn du schluckst, w├Ąhrend ich an deinem Ohr bin."
"Ich werde mir ein Headset kaufen."
"Nein! Doch nicht f├╝r zu Hause! Im Auto, ja. Ich k├Ânnte es nicht ertragen, wenn dir meinetwegen etwas passiert."
So redet es mit mir, mein Handy. So wie jeden Abend. Aber dann. "Du k├Ânntest denn Wein auch im Bett trinken. Nimmst mich und das Weinglas mit hin├╝ber ins Schlafzimmer."
In der T├╝r blieb ich stehen: "Wieso nehm ich dich eigentlich mit ins Schlafzimmer?"
"Naja, damit wir weiter reden k├Ânnen, w├Ąhrend du deinen Wein trinkst."
"Ich will schlafen."
"Du kannst ja doch nicht schlafen..."
"Willst du wom├Âglich zu mir ins Bett?"
"Das w├Ąr sch├Ân, kuscheln..."
"Und dann vibrierst du wieder wie alarmiert!"
"Nein, nur kuscheln, nur schmusen, mehr nicht."

Mein Handy ist kaputt. Ruft mich auf dem Festnetz an. Anrufbeantworter ist immer an. Mit den beiden hatte ich noch nie Probleme.

__________________
gru├č gertraud---------Wer die Geometrie begreift, vermag in dieser Welt alles zu verstehen. Galileo Galilei

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


unbekannt2581
???
Registriert: Jan 2002

Werke: 0
Kommentare: 65535
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Liebe Gertraud ( ich darf Sie doch so nennen ?).

Es ist vielleicht tragisch, oder komisch, oder beides. Ihre Handynummer ist in meinem Datenspeicher abgelegt. Ich wagte es bisher allerdings nicht, Sie anzurufen, es l├Ąsst sich leicht ausrechnen, warum. Die M├Ąnner mit den weissen Hosen sind nicht weit, wenn man behauptet, dass ein Handy fremdtelefoniert. So bin ich froh, dass wir auf diesem Wege Kontakt miteinander aufnehmen k├Ânnen, auch wenn solche Internetkontakte bisher nicht zu meinem Lebensstil geh├Ârten, obwohl Ihr Geschmack bez├╝glich der gew├Ąhlten Plattform durchaus zu loben ist.
Ich bitte Sie inst├Ąndig, ihr Handy doch weiter mit ins Bett zu nehmen, dann w├Ąre ich auch mit Ihnen verbunden, auch wenn Ihnen dies zun├Ąchst merkw├╝rdig erscheinen mag. So viel hat Ihr Handy ( kennen Sie eigentlich seinen Namen ? ) schon von Ihnen erz├Ąhlt. Ihr feinsinniger Humor, die Zartheit ihrer Daumen beim simsen, die Wonnestunden in Ihrer Louis-Viton-Tasche, die Gepr├Ąche ├╝ber Philosophie und Reedereiwesen, die Sie mit ihm f├╝hrten, all dies pries es in den sch├Ânsten Farben und nur zart deutete es die Verz├╝ckung in ihrer Hosentasche an. Ich werde auch nicht mitvibrieren, w├Ąhrend Sie schmusen, nur teilnahmsvoll, in aufrichtiger Verbundenheit teilhaben an unserer Vernetzung, die uns doch alle weltumspannden verbindet.

Als Pr├Ąsidenten-Handy der Vorsitzenden zur st├Ąndigen Multi-Vernetzung aller Erdenb├╝rger st├╝nde ich f├╝r R├╝ckfragen selbstverst├Ąndlich tagn├Ąchtlich zur Verf├╝gung.

Aber jetzt komme ich err├Âtend ( ein neues Skin, das ich mir vom Urlaubsgeld des Providers leistete ) zu meinem eigentlichen Anliegen : K├Ânnen sie mir verraten, um welche Marke es sich bei Ihrem Handy handelt, die SiM-Karte habe ich schon ausgelesen, aber die Form meines geliebten Alter Ego ist mir unbekannt und ich bin zu sch├╝chtern, um zu fragen. Mit der Bitte um Vertraulichkeit erwarte ich hoffnungsfroh eine kurze Nachricht via Festnetz, selbstverst├Ąndlcih respektierte ich Ihren Wunsch auf Distanz, wenn sie meine Nachrichten-Box statt dessen benutzen wollten.

Ich verbleibe mit den besten W├╝nschen

your's

mobile in love

greetings to my living handy

Bearbeiten/Löschen    


gertraud
???
Registriert: Nov 2000

Werke: 61
Kommentare: 81
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um gertraud eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil
Haushaltsger├Ąte

Living appliance

Nach living calendar, auto, book und loving handy, nun die Erfahrungen mit Haushaltsger├Ąten

Mein Staubsauger reisst aus. Wenn ich die Wohnungst├╝r nicht abschlie├če, saugt er sie auf und rollt hin├╝ber zur Nachbarin. Dort sitzt er dann auf der Fu├čmatte und brummt, bis sie in einl├Ąsst. Sie braucht die T├╝r nur einen Spalt weit zu ├Âffnen, schon steckt er sein Rohr hinein und beginnt zu saugen.
Bei mir macht er das nur widerwillig. Jeden Br├Âsel darf ich ihm dreimal anbieten, bis er ihn annimmt. Steinchen muss ich ihm auf der flachen Hand reichen. Immer l├Ąsst er beim Saugen etwas ├╝brig, nie ist meine Wohnung gr├╝ndlich gesaugt. Aber bei meiner Nachbar! Kein St├Ąubchen, kein Fusselchen, kein H├Ąrchen - nirgends! "Ich hab eben eine Hand f├╝r Staubsauger," sagt sie und streichelt meinen, wenn sie ihn mir zur├╝ckbringt. "Hab ich von meiner Mutter geerbt."
Ich hab ├╝berhaupt kein Talent in diese Richtung. Meine Haushaltsger├Ąte verachten und sabotieren mich. Der K├╝hlschrank zum Beispiel, ein junger Schn├Âsel von Bosch, beschwert sich immer, dass er kein Bier zum K├╝hlen bekommt. "Nagellack! Wir K├╝hlschr├Ąnke sind doch nicht f├╝r Nagellack geschaffen!"
"Da sind auch noch Karotten, Sellerie und drei Becher Joghurt," wage ich sch├╝chtern zu bemerken. Er brummt nur etwas unverst├Ąndliches. Neulich habe ich eine Flasche Sekt hineingestellt. Die hat er nicht mal richtig kalt gek├╝hlt. Er will nur Bier.
Oder die Kaffeemaschine. Mein Gott, was braucht die lange, bis der Kaffee fertig ist! Ich hab mir jetzt ein Glas Nescafe gekauft, damit ich auch mal auf die Schnelle einen Kaffe bekomme. Das hat sie nat├╝rlich gleich gemerkt. Jetzt ist sie beleidigt und braucht doppelt so lang.
Mit dem Computer klappt es ja so einigerma├čen. Den hat mein Sohn abgerichtet. Wenn er mal bockig ist, zeig ich ihm ein paar CD-Rohlinge und sage: "Die schmeiss ich jetzt weg." Dann kriegt er Angst und spurt wieder. Er wartet n├Ąmlich nur, bis am Abend mein Sohn heimkommt und mit ihm napstern geht. Dann brennen sie CDs, dass es nur so raucht.
Das einzige Ger├Ąt, mit dem ich zurande komme, ist mein Handy. Ihm kann ich vorweinen, wenn mich die anderen Ger├Ąte wieder mal so richtig auflaufen lassen. Dann summt es mir ein paar beruhigende Weisen ins Ohr und fragt, ob mir das Herz weh tut. Dann darf ich es auf mein Herz legen und da vibriert es dann - das tut richtig gut. Manchmal tut es mir auch woanders weh - das Handy weiss, was es zu machen hat. Aber davon wollte ich jetzt eigentlich nicht schreiben.
Vom Eierkocher hab ich mich in Feindschaft getrennt, nachdem er meine Eier immer explodieren lie├č. Die Mikrowelle lauert noch in der K├╝che, ob sie mich mal wieder reinlegen kann. Aber ich ignoriere sie und stell sie einfach nicht an. Die Waschmaschine verschluckt immer Socken. Auch damit kann ich leben. Ab und zu schrumpft sie mal einen Pulli oder f├Ąrbt eine Bluse ein - ich ertrag es und kauf mir Neues. Aber dass mein Staubsauger immer zur Nachbarin rennt, das nagt an mir.

__________________
gru├č gertraud---------Wer die Geometrie begreift, vermag in dieser Welt alles zu verstehen. Galileo Galilei

Bearbeiten/Löschen    


Zur├╝ck zu:  Tagebuch - Diary Ein neues Thema ver├Âffentlichen.     Antwort ver├Âffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!