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Leselupe.de > Kurzgeschichten
meine Zufriedenheit
Eingestellt am 15. 08. 2010 22:52


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mavys
Festzeitungsschreiber
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Meine persönliche Geschichte der Zufriedenheit

Zufriedenheit ist nur ein Wort wie viele andere. Ich gebe es zu. Und doch klingt in seiner Bedeutung ein so lautes Echo, das uns verlockt. Uns ruft wie die Sirenen der Odyssee.

Wenn man klein ist, denkt man nicht ihn Worten man fühlt. Alles was ein Baby zur Kommunikation vorfindet sind Schwingungen, Gefühle, Feinheiten der Seelen um zu erspüren was die Unterschiede sind. Ich bin kein Baby mehr. Irgendwo im Reifeprozess eines Menschen gewinnt man Fähigkeiten, Dinge zu schaffen mit bloßem Verstand. Auch nur Worte aber seien wir ehrlich! Es klingt verlockend. Zufriedenheit ist für jeden Menschen ein unterschiedlicher Begriff. Also gibt es über 6 Milliarden Wege dorthin und die Zahl wächst. Meine persönliche Geschichte der Zufriedenheit beginnt mit einer Krise.

Diese Novembertage im Jahre 1985 rochen gerade muffig. Ich stöberte im Keller in der riesigen Büchertruhe meines großen Bruders, der längst bei der Bundeswehr war. Ich weiß noch, ich war getrieben in der Zeit. Mir war langweilig. Ich war fast 14 Jahre alt und fühlte mich beraubt wie die Bäume vom Wind, dem Räuber, der das Laub von den Ästen nimmt. Es roch stechend herb. Das rauhe Leder der Truhe, die abgegriffenen Bücher darin, der alte Staub auf dem brüchigen Samt mit dem die Truhe ausgekleidet war mischten sich zu diesem Kellergeruch. Ich stöberte planlos rum. Dort lagen viele Kriegsromane, Dreigroschenwestern, Thriller und Motorrad- und Automagazine. Aber auch Klassiker lagen da: ‚Don Quijote‘, ‚Der Idiot‘, ‚Krieg und Frieden‘... Wie ein leiser Hilfeschrei fiel mir ein dünn gehaltenes Taschenbuch in die Hände. Es hatte die Überschrift: ‚6 August 1945, Kinder berichten.‘ Ich weiß noch genau, als ich wieder oben war, lag meine Mutter vor dem Fernseher und sonst war keiner da. Ich verzog mich in mein Kinderzimmer, das übersät war von Matchboxautos, Playmobil und anderen Zeugs und fing an zu lesen. In dem Buch waren Berichte von Kindern, die den Atombombenabwurf in Hiroshima überlebt hatten. Ich fand Kinder, die schreiend durch ein Inferno laufen, manche schwer verbrannt. Es riecht wie eine Mischung aus Schwefel und gegrilltem Fleisch. Einige traf es im Schulbus, sie sahen ein helles Licht wie von einem Blitz. Ich hörte die Stille nach dem Knall, spürte den unheilvollen Regen der folgte und die Trümmer begoß. Ich war geschockt. Menschen konnten so etwas mit der Macht ihres Verstandes schaffen. Wenn dieses Taschenbüchlein ein Samenkorn war, war ich der schmachtende Frühlingsboden. Und egal was ich als Kind besessen hatte, es war im Begriff zu verschwinden. Ich verschenkte meine Kiste mit dem Playmobil, die Matchboxautos und sogar die Carrerabahn. Ich saß und las in meinem Kinderzimmer mit Tränen. Ein großer Zweifel war eingetreten. Ich verbot mir die Zufriedenheit. So lange die Menschen solche Dinge tun konnten, wollte ich nicht zufrieden sein.
Die nächsten Jahre waren begleitet von einer stetigen Suche. In der Pubertät fand ich eine Menge Gründe für meine Unzufriedenheit. Da war die ständige Armut. Wir lebten von der Sozialhilfe. Da war meine traurige Mutter, die 3 Söhne alleine großziehen mußte, weil der Vater soff und schlug. Da waren meine Brüder, denen ich mich nicht verwandt fühlte. Ich las allerhand Literatur vom Monster Mensch, während der eine Bruder Autoradios klaute und der andere in vollem Marschgepäck + Helm durch das Wetter stapfte. Ich entdeckte das süße Leid einer heimlichen Liebe, Hitler und andere historische Verbrechen. Ich entdeckte meinen Verstand und zweifelte.

Als ich 19 war, hatte ich das alles vergessen. Mein Abitur lag gerade hinter mir und meine erste Liebe auch. Dann traf ich sie. Die Liebe zwischen uns war von Anfang an ein Wesen mit einem eigenen Willen. Diese Liebe war selbstbewußt, unzerstörbar. So fühlte sie sich an. Und genau so traten wir in die Welt hinaus. Wir reisten nach Indien. Ich bekam eine Dimension von der Welt. Ich lernte Englisch zu gebrauchen obwohl ich es in der Schule nie besonders gemocht hatte. Ich sah Strände und Hippies. Ich fuhr mit Rikshaws durch Bombay, Varanasi, Madras. Ich sah zerlumpte Gestalten und Berge von Baracken. Ihr Gestank war atemberaubend. An anderen Ecken war die Luft Indiens so sehr getränkt mit Wohlgerüchen, die mich verwirrten, weil sie alle fremd waren.
Ich roch sie und wir liebten uns in unseren kleinen Hütten und den Hotelzimmern und ich genoß diese fremde Umgebung mit einer vertrauten Seele im Arm. Von nun an kehrte sich das Verbot um in eine Verpflichtung. Ich hatte eine große Liebe, genug zum Leben, war jung und gesund. Wenn ich nicht zufrieden sein konnte, wer dann?
Beide fingen wir an zu studieren und lebten zusammen in einer 1-Zimmerwohnung mit winzigem Balkon, winziger Küche und winzigem Bad. Dort lebten wir 2 Jahre zusammen. Wenn einer von uns traurig war, war es der andere auch. Aber wir waren so gut wie nie traurig. Unserer Liebe konnte nichts passieren. Wenn wir uns stritten war das wie ein Gewitter, das alles rein wusch. Es war perfekt.

Wir tranken Milchkaffe in einem dieser Galaoshops in der Schanze. Es war Januar 1993. Alles war wie immer. Sie strahlte mich an und zeigte mir einen Reiseführer über Ägypten. Ich löffelte den Schaum vom Kaffee und schaute ihr nicht in die Augen.
„Ich glaube ich liebe dich nicht mehr.“ Sagte ich. Ihr Blick war, als hätte ich sie angeschossen.
„Was?“, fragte sie zurück und bildete dieses Fältchendreieck auf ihrer Stirn, genau zwischen den Augenbauen. Sie tat das immer wenn sie wütend war oder sich konzentrierte.
„Ich weiß nicht, ich fühle dich irgendwie nicht.“ Druckste ich herum.
„Versteh´ ich nicht.“ Sagte sie knapp.
„Ich mein´, wir sind schon gut zusammen und so, aber ich fühl´ mich irgendwie gefangen.“
„Du möchtest frei sein?“
„Ich glaube schon.“
„Du glaubst schon?“, fragte sie und beugte sich über den Tisch um mir in die Augen zu sehen. Was eigentlich passiert war, war, daß ich Lust hatte auf andere Frauen. Ich war noch so jung und wollte Abenteuer. Das sagte ich ihr dann.
Sie drehte sich eine Zigarette und weinte. Das tat mir weh.
„Es tut mir Leid,“ sagte ich, „ich kann nichts dafür.“
„Schon gut! Und was heißt das jetzt?“
„Ich weiß nicht.“
An diesem Tag habe ich sie zum ersten Mal verletzt und das Wesen, das zwischen uns wuchs herausgefordert. Als sie weinte, mußte auch ich weinen. Ich konnte sie nicht verlassen. Ich liebte sie. Trotzdem hatte ich Lust auf andere Frauen.

„Ich komme sofort. Nein, bleib! Bitte, geh nicht! Ich will mit dir reden.“ Ich legte den Hörer auf und war aufgeregt vor Schuld. Ich war gerade die Nacht nicht nach Hause gekommen und hatte ihr am Telefon alles gebeichtet. „Wenn du nach Hause kommst, bin ich nicht mehr da.“ Hatte sie gesagt. Aber sie wartete in ihrem Schaukelstuhl. Ich kniete mich vor ihr und bat sie um Verzeihung. Sie ließ zu, daß ich meinen Kopf in ihren Schoß legte. Ich erzählte ihr von meiner Erkenntnis, daß sie die Frau meines Lebens ist. Keiner hat mich je so verstanden. Doch meine Sehnsucht nach anderen Frauen war so groß, daß ich darunter litt. Ich wollte nicht leiden. Ich hatte mich doch zur Zufriedenheit verpflichtet.
Ich verliebte mich hin und wieder. Sie ließ mich. Aber immer wenn ich ihr beichtete, daß ich mit einer anderen Frau geschlafen hatte, weinte sie und schlug mich sogar.

„Kommen wir noch pünktlich?“ fragte sie. Wir saßen im Zug nach Bonn. Wir waren dick eingepackt. Der Winter ´96 war trocken und kalt. Der Weihnachtsmarkt war schon seit einer Woche eröffnet und wir verkauften dort Schmuck für einen Großhändler.
„Ich glaube nein.“ Antwortete ich.
„Katja ist schwanger.“ Sagte sie wie beiläufig und schaute auf die Landschaft.
„Aha! Und was ist mit Uwe?“
„Der will das Kind nicht.“
„Scheiße.“
„Ja.“
„Irgendwann müssen wir auch ein Kind machen.“ Sagte sie, schaute mich glücklich an und beschmierte ihre vollen Lippen mit Fettstift.
„Klar!“, erwiderte ich knapp.
„Wann glaubst du denn wann wir das machen sollten?“ Jetzt wurde ich hellhörig. Irgendwie war sie auf etwas aus.
„Ich weiß nicht. Aber da du so konkrete Fragen darüber stellst, hast du dir das bestimmt auch schon überlegt.“
„Also ich denke wir sollten das nächstes Jahr im September machen. Dann hat das Kind immer im Sommer Geburtstag.“ Ich war überwältigt. Wir lachten. Der Entschluß war gefaßt.

An dem Tag an dem sie unsere Tochter gebar, zeigte sie mir all ihre Kraft. Ich war schwer beeindruckt. An diesem Morgen ging ich einkaufen und die Welt hatte sich verändert. Meine 26 Jahre machten auf einmal Sinn in dieser Welt. Ob ich zufrieden war oder nicht, spielte keine große Rolle mehr. Ich war Vater. Ab nun würde ich, wenn es sein müßte, alles Opfern für ein anderes Leben, ohne zu fragen. Die Liebe zwischen mir und meiner Frau war Fleisch geworden. Das Wesen bekam neue Namen. Ab jetzt sollte unsere Tochter uns die Lektionen geben.

Heute ist sie 7 Jahre alt. Wir leben gut zu dritt. Wenn wir uns streiten, machen wir ein Gewitter. Ich verliebe mich nicht mehr sooft und meine Sehnsucht nach anderen Frauen ist seit längerem sehr schwach. Ich habe bei jeder Frau nur meine eigene gesucht und sie dann gefunden. Wie diese Geschichte endet kann ich nicht sagen. Sie dauert noch an. Was die Macht des Verstandes anbelangt, so glaube ich, daß er nicht nur in der Lage ist, uns Barrieren zu bauen, sondern auch uns Wege zu finden. Das Ziel ist immer die Zufriedenheit.


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Ralf Langer
Routinierter Autor
Registriert: Sep 2009

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hallo mavys,
diese geschichte hat schwächen, aber sie hat große stärken, vor allem dann, wenn du den prot und seine frau erzählen und handeln lässt.
aber er nervt mit seinen zerklärenden gedanken schon beim ersten satz.
ich würde erst mit dem dritten absatz beginnen.

der mttelteil als der prot seiner gefährtin von seinen ängsten
erzählt und die worte fiegen ist richtig richtig gut.

vielleicht noch ein bischen dran rumschrauben.
den erzähler weniger denken und den leser dafür am leben teilhaben lassen.das wär gut.

nichtsdestotrotz
hat mir freude gemacht

ralf
__________________
RL

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