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Leselupe.de > Lange Texte
memoiren 4. kapitel
Eingestellt am 09. 09. 2001 13:05


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flammarion
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Tante Gerda

Als ich sie kennenlernte, war sie schon Mitte zwanzig und hatte f├╝r ihre 150cm Scheitelh├Âhe ge-n├╝gend weiblich Rundes, dazu ein freundliches Gesicht, war meist fr├Âhlich, besonders, wenn fremde Leute in unserer Wohnung waren. Ansonsten war sie sehr ruhig und hatte nur selten eine eigene Mei-nung. Ich sehe sie noch vor mir, wie sie gierig an der Zigarette sog (Rauchen war bei ihr ein trotziger Ausdruck von Erwachsensein und Selbst├Ąndigkeit), und mit der anderen Hand imagin├Ąre Falten in ihre Kittelsch├╝rze hinein- und wieder herausdr├╝ckte. Ihre rechte Hand ben├Âtigte st├Ąndige Bewegung, und war sie auch noch so unsinnig.
Dem Alter nach h├Ątte sie bequem meine Mutter sein k├Ânnen, und oft mag sie sich eingebildet ha-ben, so etwas wie eine Mutter f├╝r mich zu sein, denn sie kaufte etliche Jahre lang die gleichen Kleider f├╝r ihre Tochter und mich, ihre Tochter dabei mitunter hintanstellend. Waltraud war es gar nicht recht, als Backfisch noch das gleiche Kleid wie ein kleines M├Ądchen zu tragen, und es dauerte einige K├Ąmpfe, ehe die Mutter das Modebewu├čtsein der Tochter akzeptierte. Von da an kaufte sie nichts mehr f├╝r mich, nur noch zu Weihnachten, wof├╝r ich durchaus Verst├Ąndnis hatte. Sie hatte mir gegen-├╝ber keine Verpflichtungen, und ich wu├čte, da├č ich nicht das Recht hatte, irgendwelche Anspr├╝che zu stellen. Nur, wenn ich irgend etwas sehr hei├č begehrte, das - nach meinem Kenntnisstand - nur sie mir beschaffen konnte - wurde ich mit meinen Bitten aufdringlich. Das war dreimal der Fall, als ich Lack-bilder, Murmeln und ein Spielzeugauto begehrte. Letzteres bekam ich nie, ein M├Ądchen spielt nicht mit Autos, das bleibt den Jungs vorbehalten.
In mein Poesie-Album schrieb sie mir: "Liebe das Mutterherz, solange es schl├Ągt, wenn es gebro-chen ist, ist es zu sp├Ąt." Aber sie beteiligte sich meist lebhaft daran, wenn ├╝ber meine Mutter schlecht geredet wurde. Ich konnte Gerda beim besten Willen nicht als meine Mutter betrachten. Ich hatte eine leibliche Mutter, die ich schon deshalb liebte, weil immer wieder behauptet wurde, da├č ich genau so d├Ąmlich sei wie sie. Wenn ich von Gerda wenigstens irgendetwas gelernt h├Ątte! Aber sie vertrat gene-rell Idas Meinungen und Ansichten; und h├Ąufig neckte sie mich aus Spa├č, bis ich weinte. Ich bem├╝hte mich stets, diese Vorkommnisse schnell zu vergessen. Es war nur Spa├č; und es war mein Fehler, da├č es mir wehtat.
Aus bei Familienfeiern Mitgeh├Ârtem wei├č ich, da├č sie mich nicht in meinem Kinderwagen spazie-ren fuhr. Sie f├╝rchtete, die Nachbarn k├Ânnten denken, da├č sie nun schon das zweite uneheliche Kind hat.
Mit Sicherheit hat sie mit mir all die Kleinkinderspiele gespielt, die ihr bekannt waren, aber ich erinnere mich nicht mehr daran. Eben, weil sie alles Gute am selben Tag unbewu├čt durch die Necke-reien wieder wettmachte. Sie war nicht in der Lage, ein kleines Kind bereits als einen Menschen an-zusehen, eher als ein lebendiges Ding. Und da-durch, da├č sie h├Ąufig schlecht ├╝ber meine Mutter sprach und mir vorwarf, so "d├Ąmlich" wie meine Mutter zu sein, stie├č sie mich ja von sich. Aber ich glaube, da├č ihr auch das nicht bewu├čt war. Durch die st├Ąndigen Neckereien und die ├╝blen Nachreden konnte ich jedenfalls nie unterscheiden, was Ernst und was Spa├č war. Ich fiel immer wieder herein und "├Ąrgerte mir die Platze".
Wahrscheinlich konnte Gerda sich keine Vorstellung davon machen, was "Mutter" be-deutet. Von ihrer eigenen Mutter war sie zum Tode verurteilt worden, und Ida ist mit ihr h├Âchstwahrscheinlich genauso umgegangen wie mit mir. Obendrein durfte sie sich noch von ihrem Ziehvater anh├Âren: "Dich haben wir uns gekauft", als w├Ąre sie ein Gegenstand. Als sie dann mit siebzehn Jahren Mutter wurde, war sie vielleicht sogar froh, da├č Ida ihr die Sorge um die Tochter abnahm. Vermutlich war Gerda der Mei-nung, da├č eine Mutter ihrer Pflichten zur Gen├╝ge nachkommt, wenn sie daf├╝r sorgt, da├č ihr Kind stets satt zu essen hat und sauber angezogen ist, doch das gen├╝gt nicht einmal f├╝r ein Baby, auch das ben├Âtigt die liebevolle Zuwendung, die jeder Mensch ein Leben lang ersehnt. Sie besuchte ihre Tochter nur selten. wie sollte sie bei fehlendem Verst├Ąndnis f├╝r das eigene Kind Verst├Ąndnis f├╝r mich aufbringen?
Dennoch fragte ich sie - in dem normalen Drang jedes Kindes - woher ich gekom-men sei? Sie antwortete schmunzelnd: "Dich haben wir in der Regenrinne gefunden." Ich wu├čte, da├č das nicht stimmt. Ich fragte meine Patentante Grete L., sie mu├čte es wissen! Und sie antwortete mir, da├č ich beim Bettenmachen gefunden wurde.
Ich erinnere mich nicht daran, da├č Gerda mir irgendein Lied beigebracht hat, irgend-ein Spiel oder sonst etwas. Nur zwei ihrer Redensarten sind mir gegenw├Ąrtig: "Schtille biste, Schtulle kriste, Bette jehste, vaschtehste?" - "Siehste, siehste, der Kaktus schteht in ne W├╝ste!" und ein Lied, welches sie h├Ąufig bei Familienfeiern zu singen gebeten wurde. Ich versuchte vergeblich, mir den Text einzupr├Ągen. Sie sang das Lied mit dem italienischen Originaltext, und es ist schwierig, sich Worte zu merken, die einem v├Âllig unverst├Ąndlich sind. Sie hatte dieses Lied von Waltrauds Vater gelernt, und Alfred - ihr Ehemann - blickte entsprechend sauer, wenn sie es mit ihrer zittrigen Stimme sang. Ich verdolmetschte mir den Liedanfang so: "Mama santa fanta lietsche, Mama santa fantala, leih mir ganz ohne Gequietsche dein ganzes Geld jedes Jahr." Ich lie├č meine Variante niemals verlauten, denn ich sp├╝rte unbewu├čt, wieviel der Gerda dieses Lied bedeutete und da├č mein Text - obwohl der pure Spa├č - sie verletzen w├╝rde (es handelte sich hierbei um das Lied "Mama", welches in den F├╝nfzigern von B├Ąrbel Wachholz und in den Sechzigern von Heintje mit unterschiedlichem deutschen Text gesungen wurde).
In einigen wenigen Punkten war Gerda nachsichtiger als Ida, z.B. was den Bewe-gungsdrang von Kindern anging. Wo Ida mich l├Ąngst angebr├╝llt h├Ątte: "Wi├čte woll endlich schtille schtehn!", sagte sie immer noch: "Det Kind mu├č sich doch eenma am Tach bewejen k├Ânn!" So glaubte ich eines Tages, als ich - vierj├Ąhrig - nach einem Besuch bei Gerda unbe-dingt bei ihr ├╝bernachten wollte, da├č ich mich in ihrer Wohnung mal so richtig austoben k├Ânn-te. Ich lief durch die Zimmer wie auf einer Rennbahn, tanzte in der K├╝che, h├╝pfte im Flur und vollf├╝hrte danach eine Rolle r├╝ckw├Ąrts auf dem weichen Bettvorleger. Gerdas sanfte Ermahnungen ignorierte ich. Letztendlich drohte sie: "Wenn de jetz nich jleich aatich bist, schleefst de die Nacht in n Kohlnkasten!" Ich lachte, ich hielt diese Drohung f├╝r einen Witz.
Endlich hatte ich mich ausgetobt und sah mir ein Bilderbuch an, bis das Abendbrot auf dem Tisch stand. Ich wusch mir die H├Ąnde, a├č so manierlich wie ich konnte und war begeistert, als Gerda mich bat, beim Tischabr├Ąumen zu helfen, denn das durfte ich bei Ida nicht. Gerda machte die Betten zurecht, gab mir ein Nachthemd, welches Waltraud zu klein geworden war, und schlug danach den Kohlenkasten mit etlichen Zeitungen aus. Ich fragte lachend: "Wat machst du denn da, Tante Jerda?" - "Na, du schleefst doch heut Nacht in n Kohlnkastn, ha ick dir doch vaschprochn, wenn de nich uffh├Ârst zu tohm. Du hast weita rumjetobt, also schleefst de jetz in n Kohlnkastn. Zieh dir man det Nachthemde blo├č so ├╝ba de Sachn, damit de nich friast." Ich konnte es nicht fassen - sie hatte das mit dem Kohlenkasten ernst gemeint! Sie faltete etliche Zeitungen zu einer Bettdecke zusammen und wartete darauf, da├č ich mich in den schmutzigen Kohlenkasten legte! F├╝r mich brach eine Welt zusammen. Gerda war nicht besser als Ida, auch bei ihr durfte ein Kind sich nicht frei bewegen. Ich weinte, bis sie mir das Versprechen abnahm, nie wieder so herumzutoben. Dann gestattete sie mir, wie schon mehrmals vorher, auf der "Besucherritze", (auf den Mittelkanten der Ehebetten) zu schlafen. Ich wollte nie wieder bei ihr ├╝bernachten, aber nach Familienfeiern war es noch ein paarmal n├Âtig.
Im Sommer 49 - ich war also f├╝nfeinhalb Jahre alt - zog Gerda in eine gr├Â├čere Woh-nung. Ich wollte unbedingt diesen Umzug nach Pankow miterleben und bot meine Hilfe an. "Wat du schon helfen kannst!" hie├č es da, "Du schtehst doch h├Âchstns blo├č im Weech!" Aber ich bat solange, bis man mir doch gestattete, beim Umzug zu helfen. Es waren ja schlie├člich auch etliche kleine Dinge die Treppen hinauf- und hinunterzutragen. So packte ich also t├╝chtig mit an, bis nur noch die schweren Sachen zu tragen waren. Da wurde ich auf den Hof spielen geschickt: "Aba loof ja nich weg, wir kenn die Jejend hier noch nich so jenau. Wenn de wegloofst, findn wa dir nich wieda! Au├čadem jibt et jleich Mittach." Ich ging also auf den Hof und wartete darauf, zum Essen nach oben gerufen zu werden. Ich ahnte, da├č es einige Zeit dauern w├╝rde, denn wenn man eine neue Wohnung bezieht, hat man nicht gleich alles parat. Ich fa├čte mich in Geduld und hatte auch meinen Hunger l├Ąngst beiseite geschoben. Ich sah mich auf dem Hof um. Da waren nicht viele Spielm├Âglichkeiten. Die Klopfstange stand so nahe an der Wand, da├č ich es nicht wagen konnte, daran zu turnen. Auch war sie so verrostet, da├č ich f├╝rchtete, sie w├╝rde mein Gewicht nicht aushalten. Au├čer der Klopfstange gab es nur noch die M├╝lltonnen, die mich nun wirklich nicht zum Spielen einluden. Ich hatte kein Spielzeug mitgenommen, ich war ja zum Arbeiten mitgefahren. So stand ich nun auf dem kleinen Hinterhof und wu├čte nicht, was ich beginnen sollte. Ich suchte nach kleinen Steinchen oder Scherben, denn damit kann man immer etwas spielen. Aber auf diesem Hof fand sich nichts dergleichen. Was ich dann als "kleine Steine" aus dem Boden klaubte, war doch schon ein wenig gr├Â├čer. Doch unter den Steinen hatten Insekten ihre Eier abgelegt, die sich bereits zu Larven entwickelt hatten. Ich lie├č die Maden ├╝ber meine H├Ąnde krabbeln, bis mir einfiel, da├č sie im n├Ąchsten Stadium Mistfliegen werden w├╝rden. Da zerquetschte ich sie alle mit den Steinchen und suchte unter weiteren Steinen nach den Maden. Ich wollte sie alle vernichten, damit Gerda nicht im Sommer unter der Fliegenplage zu leiden haben w├╝rde. Endlich hatte ich einen sinnvollen Zeitvertreib! Doch bald waren keine Maden mehr zu finden, und die Langeweile zog wieder ein. Ich war schon drauf und dran, nach oben in die neue Wohnung zu gehen, aber ich wollte Gerda nicht durch vorzeitiges Erscheinen ver├Ąrgern. Ich setzte mich auf die Haust├╝rschwelle und rief eine meiner Phantastereien auf, die ich mir ansonsten vor dem Einschlafen g├Ânnte. Ich war mir dessen nicht bewu├čt, da├č Gerda mich in diesem Winkel nicht erblicken konnte, wenn sie aus dem Fenster sah. Entsprechend besorgt klang ihre Stimme, als sie mich endlich rief. In der Wohnung angekommen, schickte sie mich sofort ins Badezimmer zum H├Ąndewaschen, meine H├Ąnde waren so schmutzig, wie ich sie schon seit langem nicht mehr "hinbekommen" hatte. Nat├╝rlich wollte Gerda wissen, wie ich das angestellt hatte, und ich erz├Ąhlte ihr gewohn-heitsm├Ą├čig die volle Wahrheit, ich verschwieg lediglich, da├č und warum ich die Maden erschlagen hatte (in der Bibel steht: Du sollst nicht t├Âten!). Sie keifte: "Wat? Du schpielst mit Madn? Biste denn v├Âllich bl├Âde? Mit sowat eklijet schpielt keen Schwein! Naja, du bist villeicht mal die jr├Â├čte Drecksau von janz Berlin!"
Wenn ich - sechs bis achtj├Ąhrig - mit ihr zusammen eine Stra├čenbahn- oder Busfahrt zu unternehmen hatte, sch├Ąrfte sie mir vorher ein: "Wenn dir eena fraacht, denn biste erst f├╝mwe, klar? Ick hab nich soville Jeld for ne Faakate for dir." Man beachte, da├č eine Kinderfahrkarte seinerzeit nur zehn Pfennige kostete.
Um uns Kinder zu unterhalten, setzte sie manchmal ihre Fingerspitzen auf den ersten Kn├Âchel des nachfolgenden Fingers, also den Mittelfinger auf den Zeigefinger, den Ringfinger auf den Mittelfinger und den kleinen auf den Ringfinger. Das sah lustig aus. Dazu sagte sie: "Lieba Jott, la├č Banaan wachsn!" Wir machten das gerne nach und am├╝sierten uns ├╝ber die kleinen runden Fensterchen, die auf diese Weise zwischen unseren Fingern entstanden.
Wenn wir im Herbst bei einem Spaziergang an einem Ahornbaum vorbeikamen, hob Gerda die herabgefallenen Fr├╝chte auf, ├Âffnete sie an ihrem dicken Ende und setzte sie sich auf die Nase. Auch das fanden wir sehr lustig und machten es nach, auch, wenn wir sp├Ąter alleine zu einem Ahornbaum kamen, der seine "Nasen" abgeworfen hatte. F├╝r mich war dadurch - bis zu meinem 14. Lebensjahr - ein Ahornbaum stets nur ein "Nasenbaum".
Gerda hatte ├╝brigens Schneiderin gelernt, hatte aber kaum Gelegenheit, in diesem Beruf zu arbeiten, denn damals (1940) h├Ątte sie nur in einer Schneiderei f├╝r Milit├Ąrm├Ąntel Anstellung bekommen, und das war f├╝r die immer noch sehr zierliche kleine 19j├Ąhrige k├Ârperlich zu schwer. Und mitten in die Lehrzeit fiel ihre Schwangerschaft, soda├č sie es mit den Pr├╝fungen nicht leicht hatte, aber mit der Note "Gut" bestand. Da sie in keiner Damenschneiderei Anstellung finden konnte, ging sie zu DEGUFA. Ich entsinne mich nicht, da├č Gerda jemals irgendetwas gen├Ąht hatte, au├čer den beiden Kleidern f├╝r die "Lotte-Puppen". Ich wu├čte zwar, da├č sie eine N├Ąhmaschine besa├č, aber in unserer Wohnung stand auch eine "Singer" unbenutzt herum. Waltraud erz├Ąhlte mir 1990, da├č Gerda Kleider und M├Ąntel f├╝r uns gen├Ąht habe, jedoch ich erinnere mich nicht daran. Ich vermute, da├č Gerda nur f├╝r Waltraud gen├Ąht hatte.
Nach dem Krieg, als die Fabrik kaputt wie ganz Deutschland war, hatte sie das Gl├╝ck, in einer G├Ąrtnerei Arbeit zu finden, wo nicht nur Blumen gez├╝chtet wurden, sondern auch Gem├╝se angebaut wurde. Weil Geld zu jener Zeit auch bei den kleinen Unternehmern sehr knapp war, bekam Gerda einen Teil des Lohnes in Naturalien. So hatten Ida und die Ihrigen regelm├Ą├čig frisches Gem├╝se und Kartoffeln, zu jener Zeit ein gro├čer Segen. Dennoch fuhren Gerda und Irma des ├ľfteren auf die Felder zum "Stoppeln", wie ich h├Ąufig bei Familienfeiern aus trunkenheitsverworrenen Berichten heraush├Ârte, wo diese gef├Ąhrlichen Fahrten als lustiges Abenteuer geschildert wurden.
Durch die T├Ątigkeit in der G├Ąrtnerei erfuhr Gerda so nebenbei auch die Namen der meisten Gartenblumen. Dieses Wissen gab sie an ihre Tochter weiter und die ├╝bermittelte es mir dann sp├Ąter zu meiner gro├čen Freude.
Zu meiner Jugendweihe schenkte sie mir etwas f├╝r meine "Aussteuer". Dar├╝ber war ich direkt erschrocken, denn ich hatte nicht vor, jemals zu heiraten. Diese Geschenke machten mir regelrecht Angst. Ich f├╝rchtete, Ida k├Ânnte eines Tages sagen: "Jetz haste ne Aussteua, nu heirate ooch!", und ich m├╝├čte dann - so wie es in ihrer Jugend h├Ąufig vorkam - einen Mann heiraten, den ich gar nicht liebe! Diese "Aussteuer" bestand aus einem gro├čen und einem kleinen Frotteetuch, einem Laken (welches Gerda nach Idas Tod wieder an sich nahm) und einem lindgr├╝nen BH, der mir um so viel zu gro├č war, da├č er mir zeitlebens nicht gepa├čt h├Ątte. Gerda erwartete, da├č ich einen ├Ąhnlich stattlichen Busen wie meine Mutter bekommen w├╝rde. Meiner Mutter pa├čte der BH, und sie hat ihn gern und lange getragen.
Gerda wurde 75 Jahre alt.


__________________
Old Icke

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leonie
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hallo oldicke

wieder habe ich dieses kapitel genu├čvoll gelesen. mich verwirren nur die bindestriche zwischen ha-ben, mei-nung...
mehr kann ich einfach nicht finden, und bin froh dar├╝ber. ich hoffe du stellst noch weitere kapitel hier herein, denn schon das erste was ich von dir gelesen habe, da wo du eingeschult wirst, hat mich nachdenklich gemacht, denn auch wenn du jetzt aus der erinnerung schreibst, denke ich das es manchmal gar nicht so leicht ist diese wieder hervor zu holen. danke f├╝r diesen blick in eine kindheit die alles andere als leicht war.

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ElsaLaska
Guest
Registriert: Not Yet

hallo flammarion,

bittebitte mach doch ein bisschen langsamer...
ich komme echt nicht nach!
du postest so lange ausz├╝ge aus deinen memoiren, und ich kann die nicht gr├╝ndlich bearbeiten, wenn du einfach immer weiter postest. konnte nicht mal den ersten beitrag lesen, weil er so lang war, ausserdem hab ich die einf├╝hrung auf berlinerisch so schlecht verstanden
lass mir doch mal ein bisschen luft
liebe gr├╝sse
elsa

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flammarion
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dank f├╝r euer interesse. liebe leonie, die trennstriche habe ich gesetzt, wenn ein wort zu lang war und das schriftbild st├Ârte. da die zeilen in der lupe nicht so lang sind wie bei mir zu hause, sitzen die trennstriche nun mitten in der zeile. tut mir leid. liebe elsa, ick nehm r├╝cksicht, will ja auch, da├č sich noch mehr leute an der diskussion beteiligen. ganz liebe gr├╝├če von
__________________
Old Icke

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