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Leselupe.de > Ungereimtes
menetekel
Eingestellt am 25. 02. 2008 21:53


Autor
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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

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seele hab ich
meine graue katze
genannt freiheit
nimmt mich immer
wieder gefangen

lese den spruch
an der wand
stehe ich und
warte auf
seele hab ich
meine graue katze
genannt freiheit
nimm mich
gefangen

__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

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Haki
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Karl,

dein Gedicht ist sehr gut verdichtet und enth├Ąlt sch├Âne Verse.

Der erste Vers bereits überzeugt durch seine Zweideutigkeit, hervorgerufen durch die Ähnlichkeit zwischen "seele hab ich" und "seelig hab ich".
Interessant ist auch das Paradoxon der gefangennehmenden Freiheit, denn auch ich habe oft beobachtet, wie eine steigende Auswahlm├Âglichkeit eine umso gr├Â├čere L├Ąhmung und Verwirrung mit sich ziehen.
"Lese den Spruch an der Wand."
An einer Wand stehen zumeist Binsenweisheit, weshalb ich zun├Ąchst an etwas derartiges gedacht habe, ganz durchdringen konnte ich ihn aber nicht, vielleicht willst du das sogar gar nicht, da es keine Weisheiten gibt und erst recht nicht etwas, das imstande ist, Dinge objektiv und wahrheitsgetreu wiederzugeben, da das Wort "Wahrheit" weitaus nebul├Âser in Erscheinung tritt, als uns das Wort selbst vermitteln will.
Interessant ist, dass das lyirsche Ich entweder etwas benennt, steht oder wartet, eine wirklich aktive Haltung nimmt es nur in der Benennung der grauen Katze ein, deren Farbe Tristheit und Monotonie suggeriert.
Der Bruch erfolgt versteckt am Ende, da aufmerksam gelesen werde muss, um den Unterschied zwischen Strophe eins und zwei zu erkennen, den entscheidenden Unterschied. So beschreibt das lyr.Ich in Strophe 1 blo├č die Tat des Gefangen-Nehmens als eine, die ├╝ber ihn einst├╝rzt und derer es sich nicht erwehren kann. In Strophe 2 hingegen fordert es die Freiheit dazu auf, ihn gefangen zu nehmen.


Dein Gedicht l├Ąsst viel Platz f├╝r Interpretationen, meine ist die Folgende:
Das lyrische Ich durchlebt ein tristes Leben, seine Seele bleibt ungebraucht und ungelebt, alles scheint ├Âd und gleich. Die graue Katze, welche das lyr.Ich Seele nennt, symbolisiert dabei eben jene Monotonie in der Seele des lyr.Ichs.
Es will nicht mehr blo├č gefangen sein im Kerker des Alltags und fordert die Freiheit dazu auf, ihn gefangen zu nehmen, also aus dem Trott entf├╝hrt zu werden.
Der Spruch an der Wand scheint f├╝r mich, aufgrunddessen, dass er nicht erw├Ąhnt oder rezitiert wird, eine leere, belanglose Phrase zu sein, deren Wert das lyr.Ich bereits gegen null gehend reduziert hat. Der Spruch ber├╝hrt und motiviert nicht mehr.
Das lyr.Ich steht, es gibt keinen Schritt nach vorne, nicht einmal nach hinten, oder nach rechts und links bewegt es sich. Es steht.
Dann erfolgt der Bruch in der Wiederholung, die erneut den immerfort gleich verlaufenden Alltag ausdr├╝ckt. Nun hat aber eine Ver├Ąnderung im lyr.Ich stattgefunden, es scheint entweder gemerkt zu haben, dass die Freiheit ihn nicht einfach so gefangen nimmt, oder es ist bereits ein Mal gescheitert,- nun wird das lyr.Ich erstmals wirklich aktiv und spricht die Aufforderung an die Freiheit aus, ihn endlich zu entf├╝hren.

Kurzum:
Das Gedicht beschreibt ein lyr.Ich, das im Alltag gefangen ist, in dessen Leben Tristesse und Gr├Ąue vorherrscht. Das lyr.Ich will ausbrechen und m├Âchte, dass die Freiheit ihn von seinem monotonen Leben be-frei-t.

Mir hat es gefallen, lieber Karl.

Herzliche Gr├╝├če,
Haki

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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

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Lieber Hakan,
herzlichen Dank f├╝r deine ausf├╝hrliche und detaillierte Interpretation. Ich habe ihr nichts hinzuzuf├╝gen.

Liebe Gr├╝├če
Karl
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Heidrun D.
Guest
Registriert: Not Yet

Mir f├Ąllt sofort: "Und seht die Schrift dort an der Wand..." ein (typisch!).

Ich finde es sehr gelungen, wie du einen (von mir vermuteten) dramatischen Effekt so sehr verdichtest, dass er fast "allt├Ąglich" daher kommt.

Auch gef├Ąllt es mir, wie sich die Stilmittel ├╝berschneiden, je nachdem, wo ich selber die Satzgrenzen setze (h├Âchst variabel). Dadurch erzeugst du gleichsam einen "nahtlosen" Spechfluss ...

Liebe Gr├╝├če
Heidrun

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