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Leselupe.de > Erzählungen
möchte meine Geschichte niederschreiben....absoluter Neuling!
Eingestellt am 13. 07. 2015 17:48


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Eleftheria
Hobbydichter
Registriert: Jul 2015

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Wir wohnen nur im ersten Stock. Wenn ich bei diesem Fenster herunterspringe, muss mir eigentlich gar nichts passieren. Es kann. Aber es muss nicht. Ich kann mir ein Bein brechen, oder beide. Einen Arm vielleicht? Beide Arme – unwahrscheinlich. Aber ich könnte auch mit dem Kopf aufschlagen. Ich müsste mich dazu wahrscheinlich in der kurzen Zeit des freien Falls etwas drehen, oder gleich mit dem Kopf voran herausstürzen, was etwas Mut erfordern würde, und gleichzeitig hoffen, dass sich meine Lage in der Luft nicht mehr verändert. Das Risiko ist jedoch groß. Ich bin ja nicht geübt im irgendwo-runterspringen. Das Dreimeterbrett im Schwimmbad war mir bislang immer zu hoch! Und wenn ich mit dem Kopf gerade nur so aufschlage, dass eine Gehirnerschütterung die Folge wäre? Dann würde mir nämlich weiter nichts fehlen, sondern einfach nur schlecht werden….. Nicht auszudenken….!

Ich kann mich also nicht einmal einfach so hier herunterstürzen…..nicht einmal das kann ich. Ein gelungener Sprung, und so vieles müsste mir kein Kopfzerbrechen mehr bereiten. Aber ich bin schwach. Meine Angst ist so groß. Und sie wissen genau, warum sie mich nicht ernst nehmen können! Weil ich es ohnehin nicht schaffe. Nur den Grund, den wissen sie nicht. Was nicht sein darf, wird eben verdrängt. Damit lebt es sich leichter. Scheinbar.

Ich bin ungefähr vierzehn, mitten in der Pubertät. Mädchen seien da allgemein schwierig, sagt man. Also, gerüchteweise. Ich kann das nicht objektiv beurteilen.
Ich bin allerdings schwierig. Das höre ich immerhin oft genug. Es muss also was dran sein. Man wisse nicht, wie man mit mir umgehen solle, heißt es. Außerdem sei ich magersüchtig, sagen die Psychologen, zu denen ich seit Monaten geschleppt werde. Kein Psychologe der Welt wird mich jedoch verstehen, weil sie es gar nicht versuchen. Am entscheidenden Punkt kehren sie um. Ausnahmslos alle. Wenn es darum geht, was ich wirklich fühle, drängen sie mich in die Ecke, die ihnen gefällt, um mich als eine von Millionen magersüchtigen Jugendlichen abstempeln und zu den Akten legen zu können. Am nettesten ist es bei Renate, wo ich einmal mit Ton arbeiten darf, um mich selbst darzustellen, und einen Vulkan bastle. „Ich kann jederzeit ausbrechen, wenn ich möchte!“, sage ich als Erklärung. Wie passend. Ja, ich sei unberechenbar. Das sagten sie ja schon immer! Eine tickende Zeitbombe, von der man nie wisse, wann sie hochgeht. Und wenn, wisse man nicht, was dann passieren würde….allerdings, so richtig ernst nehmen könne man mich nicht. Weil ich so widersprüchlich sei. Mit mir zusammenzuleben, sei anstrengend, denn man könne sich nicht auf mich einstellen.

Auch Jahrzehnte später sollte ich genau diese Worte wieder hören. Allerdings nicht aus dem Mund meines Vaters, sondern dessen selbstberufenen Nachfolgers, meines Bruders, der sich zur Aufgabe gemacht hat, Vater nach dessen Tod so gut es geht zu ersetzen. Zumindest was die Loyalität zur Mutter und die innerfamiliäre Haltung mir gegenüber betrifft.

Nun aber zurück zu jenem sonnigen Samstagnachmittag, an dem ich auf dem Fensterbrett meines Zimmers sitze, bereit zum Sprung, sollte Vater mein Zimmer betreten. Ein Bein hängt bereits aus dem Fenster. Doch ich werde ohnehin nicht springen. Vater weiß das. Darum kann er sich auch anmaßen, mein Zimmer trotzdem zu betreten, mich unvernünftig und stur zu nennen, und in keinster Weise meine Verzweiflung und meine Wut wahrzunehmen; den Zorn darüber, dass mein Wunsch so wenig respektiert wird. Was muss man tun, um wahr- und vor allem ernst genommen zu werden?

Natürlich springe ich nicht. Ich klettere vielmehr auf die sichere Seite des Zimmers zurück, wissend, dass die „Liste Ella“ jetzt einen Idiotenpunkt mehr aufweist, und dass ich ganz gerne hätte, dass sich jemand meiner annimmt, mit mir liebevoll und vor allem ehrlich spricht, und mich womöglich noch in den Arm nimmt dabei. Doch wie so oft stirbt die Hoffnung zuletzt.

Ich soll doch bitte einmal in meinem Leben vernünftig sein. Ein Vorbild. Irgendwie ist mir das ein bisschen zu viel Verantwortung, denke ich. Es fängt ja eigentlich schon viel früher an, mit der Verantwortung, welche ich in mir trage, obwohl ich nie gefragt wurde, ob ich überhaupt bereit wäre, diese zu übernehmen. Die Verantwortung der älteren Schwester. Und das ist eine Verantwortung! Sich selbst gegenüber wohl am Meisten. Man muss Vorbild sein, man muss mitdenken, mitfühlen, sich in den kleinen Bruder hineinversetzen können, die Gedanken dessen und der Eltern erraten können, und alles nur, um nicht am Ende des Tages mit Vaters Fingerabdrücken im Gesicht in einer Ecke des Kinderzimmers zu sitzen und sich wiederum zu fragen – was muss man tun, um wahr- und vor allem ernst genommen zu werden?

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Ralph Ronneberger
Foren-Redakteur
Autor mit eigener TV-Show

Registriert: Oct 2000

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Hallo Eleftheria, herzlich Willkommen in der Leselupe!

Schön, dass Du den Weg zu uns gefunden hast. Wir sind gespannt auf Deine weiteren Werke und freuen uns auf einen konstruktiven Austausch mit Dir.

Um Dir den Einstieg zu erleichtern, haben wir im 'Forum Lupanum' (unsere Plauderecke) einen Beitrag eingestellt, der sich in besonderem Maße an neue Mitglieder richtet. Hier klicken

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Viele Grüße von Ralph Ronneberger

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rothsten
???
Registriert: Jan 2015

Werke: 11
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Hallo und ein Herzliches Willkommen auch von mir, Eleftheria.

Ich werte den Titel mal als Bitte um Kritik, ob Dein Text funzt oder nicht. Als erstes: ein echter Titel wäre schön.

quote:
sondern einfach nur schlecht werden….. Nicht auszudenken….!

Drei Punkte, nicht vier oder fünf, und zwar mit Leerzeichen. Also so ... nicht so...


Deine Geschichte wird aus Sicht der Ich-Erzählerin geschildert, einer 14jährigen mitten in der Pubertät, magersüchtig mit Todessehnsucht. Der Leser sieht die beschriebene Welt also durch ihre Augen. Das ist gut, denn so kann man die eher haltlosen Aspekte leicht durch ihre Verwirrtheit rechtfertigen - zB, dass kein Psychologe der Welt sie verstehen möchte; das ist objektiv natürlich Quatsch.

Im ersten Teil wird der Bruch der Protagonistin zu ihren Mitmenschen dargestellt. Es ist das klassische Jugendproblem, sich missverstanden zu fühlen, wenngleich es hier eine krankhafte Intensität angenommen hat. Sie ist quasi auf dem Sprung in den Tod, zaudert aber noch. Dieses Zaudern ist das Leitthema des Textes.

Was mir nicht so gefällt, ist der eingeschobene Zeitsprung über die Jahrzehnte. Gleich im nächsten Absatz heisst es "nun aber zurück". Das liest sich holprig, das stört vor allem die Spannung, ob sie springt. Erschwerend kommt hinzu, dass in der Vorschau keine wirklich relevanten Dinge erzählt werden. Ich streichte das ersatzlos.

Dann löst Du den Plot: sie springt nicht. Das sollte das Ende der Geschichte sein. Du schilderst aber weiterhin das gestörte Innenleben:

quote:
Ich soll doch bitte einmal in meinem Leben vernünftig sein. Ein Vorbild. Irgendwie ist mir das ein bisschen zu viel Verantwortung, denke ich. Es fängt ja eigentlich schon viel früher an, mit der Verantwortung, welche ich in mir trage, obwohl ich nie gefragt wurde, ob ich überhaupt bereit wäre, diese zu übernehmen. Die Verantwortung der älteren Schwester. Und das ist eine Verantwortung! Sich selbst gegenüber wohl am Meisten. Man muss Vorbild sein, man muss mitdenken, mitfühlen, sich in den kleinen Bruder hineinversetzen können, die Gedanken dessen und der Eltern erraten können, und alles nur, um nicht am Ende des Tages mit Vaters Fingerabdrücken im Gesicht in einer Ecke des Kinderzimmers zu sitzen und sich wiederum zu fragen – was muss man tun, um wahr- und vor allem ernst genommen zu werden?

Das ist reine Wiederholung, das ist überflüssiges Anhängsel. Auch das streichte ich ersatzlos.

Ich möchte Dir nicht vorschreiben, wie Du Deine Geschichten schreiben sollst, aber ich fände ein offenes Ende besser, das den Leser im Unklaren lässt, ob sie springt oder nicht. Das unterstützte das Zaudern, das Deinen Text trägt. Nur so als Anregung verstehen, bitte.

Kein schlechter Einstand, kein schlechter Stil, aber handwerklich hapert es hie und da. Prüfe vor allem, ob Du nicht Sätze streichen könntest. Dein Leser verübelt es Dir, wenn er Dinge lesen soll, die

a) nicht der Handlung dienen, sondern nur Schmückwerk sind

b) sich inhaltlich wiederholen, ohne neue Aspekte zu bringen.

Viel Spaß hier,
rothsten

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Ji Rina
Häufig gelesener Autor
Registriert: Apr 2015

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Hallo Eleftheria,

Willkommen in der LL!

Vierzehn Jahre….Das kann ein schwieriges Alter sein. Deshalb war es interessant, etwas über die Gedanken dieses Mädchens zu erfahren. Bedeutet der Satz: Absoluter Neuling, dass Du noch nie zuvor etwas geschrieben hast? Wenn es so ist, dann Hut ab. Denn mir hat´s gefallen: Ein schöner Schreibfluss, mit zum Teil, klaren Aussagen. Wie schon von Rothsten erwähnt: Den Titel würde ich ändern: “möchte meine Geschichte niederschreiben” ist meiner Meinung nach keiner und niederschreiben möchten wir hier ja alle. Wie wärs mit “Der Balkon”? Dazu fehlt deiner Story, glaube ich, noch ein wenig der Rahmen einer Kurzgeschichte, denn das ist es nicht - und eine Erzählung schon garnicht. Ich sehe es eher als eine Kurzprosa. (Dazu kannst du hier im Forum gut den Unterschied zwischen Kurzgeschichte, Erzählung und Kurzprosa lesen).

Bei den ersten zwei Sätzen hatte ich ein wenig Schwierigkeiten, mich reinzudenken und konnte mir deshalb kein genaues Bild machen, über das was du ausdrücken möchtest:

“”. Ich müsste mich dazu wahrscheinlich in der kurzen Zeit des freien Falls etwas drehen,””

Das ist meiner Meinung nach eher ausgeschlossen. Der erste Stock, was sind das? 4 meter? Da dreht man sich ganz bestimmt nicht. Also besser, gleich mit dem Kopf voran und die Lage während des Falls, wird sich dann höchstwahrscheinlich auch nicht mehr ändern.

Ich verstehe auch nicht ganz die Verzweiflung bei dem Gedanken:

"" Ich kann mich also nicht einmal einfach so hier herunterstürzen…..nicht einmal das kann ich.""

Denn es gibt ja tausend andere Plätze, von denen man sich stürzen kann. Muss ja nicht umbedingt der (vier Meter hohe) Balkon sein (der ja nun wirklich niedrig ist).

Resumierend, würde ich die Wohnung in den zweiten oder dritten Stock verlagern.
Und wie von Rothsten bemerkt: Der eingeschobene Zeitsprung stört. Am Anfang wird der Leser nämlich mit einer bedrohlichen Situation konfrontiert. Mit dem Satz:

""Nun aber zurück zu jenem sonnigen Samstagnachmittag, an dem ich auf dem Fensterbrett meines Zimmers sitze, bereit zum Sprung""

...begreift er (sehr schnell) dass die Bedrohung zu ende ist. Nichts ist passiert.

Wie gesagt, wenn das hier dein erster Text sein soll – dann weiter so!!! Du kannst ihn ja zu einer kleinen Kurzgeschichte ausbauen, mit einem Höhepunkt am Ende. Was wäre, wenn du doch noch vom Balkon springst! Es muss dir ja garnichts passieren. Aber die Geanken, die du danach hast, könnten eine gute Clue sein. Alles weitere überlasse ich dir.
Glückwunsch!
Mit Gruss,
Ji
__________________
Der Leser hat´s gut: Er kann sich seine Schriftsteller aussuchen.
(Kurt Tucholsky)

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Eleftheria
Hobbydichter
Registriert: Jul 2015

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Vielen Dank für Euer feedback!

Ja, das wurde richtig verstanden, ich wollte einfach wissen, wie mein Text wirkt/ankommt, und ich habe tatsächlich noch nie im Leben etwas geschrieben.

Aus persönlichen Gründen habe ich vor, wirklich meine Geschichte zu Papier zu bringen, und das ist eben nur der Anfang, daher gibt es kein logisches Ende und auch keinen Titel, weil es ein mehrere mögliche Buchtitel gibt, die sich aber aus dem genauen Verlauf der Geschichte erst herauskristallisieren müssen.

Aber es gibt mir Mut, weiterzumachen! Ich werde mich hier auch noch weiter einlesen!

Ganz lieben Gruß

Eleftheria

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FrankK
Autor mit eigener TV-Show
Registriert: Nov 2006

Werke: 22
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Hallo, @Eleftheria, und auch von mir ein herzliches Willkommen in, auf und unter der Leselupe.

Sehr gute und freundliche Empfehlungen hast Du ja schon von @rothsten und @Ji Rina erhalten. Da brauche ich nichts mehr hinzuzufügen.


quote:
das ist eben nur der Anfang
Na, daraus würde ich doch glatt einen Titel ableiten.
"Anfänge"


Aufmunternde Grüße aus Westfalen
Frank
__________________
Leben und leben lassen.

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