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Leselupe.de > Feste Formen
mond (sonettkranz)
Eingestellt am 15. 05. 2016 15:53


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Patrick Schuler
Routinierter Autor
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Profil

1.
der mond blitzt mit dem l├Ącheln einer sense
in dieser nacht, an einem dieser orte
der ruhelosigkeit. die alte pforte
steht offen. gr├Ąber kentern an der themse

ein schwarzer strich am park und dunkles garn
beschreibt sie gut. die leere plastikt├╝te
die rose mit dem reif an ihrer bl├╝te
die beeren, die gleich frost pupillen starrn

du dr├╝ckst sie, bis das glas in deiner hand
zerbricht. zwei katzen balgen an der mauer
the english rain sagst du, dem regenschauer

folgt peitschend schnee, ein grauer rauher
es sitzt der blick der eule auf der lauer
in dieser nacht verlierst du den verstand.

2.
in dieser nacht verlierst du den verstand
haarfeine risse ziehen durch das hirn
nicht ganz bei dir und au├čerhalb der stirn
beginnt die bucht aus sand, das flache land

bespannt das weite netz der stra├čenlichter
(hier leiht der alte fluss sich seine bilder
und zeigt im spiegel schunkelnd die gesichter)
von ferne bleibt ihr blinder blick ein milder,

zerstreuter fingerzeig, ein blick zur├╝ck
ist's furcht? die folgt? die sucht? die findet?
im dunkel bist du an dem licht erblindet

das ist das drama wohl in deinem st├╝ck
gespielt von jedermann, in fremder hand.
die zeiger br├Âckeln aus dem uhrenrand.

3.
die zeiger br├Âckeln aus dem uhrenrand
durch einen feinen riss im horizont
verschwand der vogelzug. die wolkenwand
zieht sich ergraut zur├╝ck. ein breites band

von wei├čen k├Ârnern bleibt so in das tuch
des himmels eingestreut, wie helle
geschliffne salze. und die grelle welle
der lkw's (du denkst an einen fluch)

das aquarell der landschaft welkt in gelbe
und rote farben ein. der garten ist derselbe
den du vergessen hast, die schweren kr├Ąnze

die ihre d├╝fte tragen und der leise klang
der bl├Ątter. licht f├Ąllt leicht am weg entlang
und schatten ziehen eine feine grenze

4.
und schatten ziehen eine feine grenze
im finstern liegt die szenerie
der gro├če wagen rollt ger├Ąuschlos wie
ein kauz in seinem flug, die wilden g├Ąnse

im park verbergen sich in ihrem schweigen
ein altes paar pfl├╝ckt schnecken von den gr├Ąsern,
verr├╝cktes bild, so fremd als ob es gl├Ąsern
zu scherben f├Ąllt, bei deinem blick. es zeigen

sich kaum die bl├╝ten und die enten hellen
das wei├če porzellan des sees. so sacht
doch ausgeblutet liegen wiesenwellen,

mit kleinen messingkn├Âpfen in dem blau
und grau. am himmel ├Âffnet sich genau
die dunkle bl├╝te einer langen nacht.

5.
die dunkle bl├╝te einer langen nacht
ein passepartout f├╝r wechselnde gef├╝hle
vor dem cafe verwelken matt die st├╝hle
die b├Ąume haben ihre k├Ârper ├╝berdacht

ein alter mann sieht seinem schatten nach
der kopf der pfeife wie ein rotes lid
und vor ihm liegt ein wilder garten brach
die dunkle bl├╝te - die dich immer sieht.

das mosaik der bl├Ątter in der b├Âe
hast du entr├Ątselt und als wort getragen
die zeitung, alt vergilbt, gewinnt an h├Âhe

im flug zeigt sie verstorbene gesichter
ein bild wird deutlicher und dichter
hat sich die bresche zu dir hingeschlagen

6.
hat sich die bresche zu dir hingeschlagen
was lange in dir ruhte? sind's die raben?
schon wieder die bronchiale reizung? haben
die v├Âgel die ihr schweigen tragen

dich so verwirrt, zerst├Ârt? und dieses bellen
des hundes - klagt es nicht wie still es ist?
als ob die stadt die wei├če fahne hisst
siehst du die hasen auf den wiesen. wellen

des friedens. flocken die im winde jagen
ein b├╝schel gras verdeckt die weichen ohren
sie lauschen, lauschen wie ein stummes heer

und fast als h├Ątten sie sich still verschworen
verschwinden sie. die nacht wird wieder schwer
du musst sie ├Ąchzend auf dem r├╝cken tragen.

7.
du musst sie ├Ąchzend auf dem r├╝cken tragen
die bitterstoffe liegen auf der zunge
der stra├čenstaub sitzt kratzend in der lunge
und l├Ąsst dich pfeifen. selbst der magen

scheint voll und schwer, als tr├╝ge er die last
der stunden. an den kaufpassagen liegt
ein duft von moder. an die t├╝ren schmiegt
sich hart das vorhangsschloss. es biegt der ast

sich wild und krumm. und hoch auf den terrassen
geht schwarz der vollmond eines nagels auf
darunter eine rote jacke, drauf

ruht still ein hut, du hast die bunte tracht
schon oft am tag gesehen, in den gassen.
derweil der mond, im scherz, dar├╝ber lacht.

8.
derweil der mond, im scherz, dar├╝ber lacht
das du noch immer durch die gassen ziehst
beginnt die salve fr├╝her kr├Ąhen. vis-a'-vis
die b├Ąckerei, bis sie die t├╝r um acht

von der umarmung ihrer kette l├Âst
ist lange hin. die laiber brote streichen
als duft herum. noch sind die morsezeichen
der sterne, wie ein r├Ątsel, ungel├Âst,

und die figuren, die am wegrand matt
nur stehen, leihen sich ihr schwarz am schatten
an d├╝rre b├Ąume wirft der wind den satten

gekr├╝mmten k├Ârper, bis der baum sich duckt
und zuckt, doch bleibt's zu still! als sei die stadt
ein karpfenmaul das alle laute schluckt.

9.
ein karpfenmaul das alle laute schluckt
durchbricht die haut des teichs, du wirfst die krumen
hinab, und schaust wie wild der k├Ârper zuckt
die algen, d├╝nne schlangen, und die blumen

am teichrand wirken trotz der dunkelheit
wie leuchtdioden, hell und gr├╝n mit roten
verwischten kn├Âpfen. wie die bunten boten
des letzten fr├╝hlings, einer fremden zeit.

ein kurzer blick, hinab in dein gesicht
bis hart dein blick in deine augen traf
ein vogel fliegt den k├Ârper durch die fische

am rand wirft die laterne d├╝nne striche,
wie zeichen einer fremden welt, das licht
beschreibt die stadt in ihrem leichten schlaf.

10.
beschreibt die stadt in ihrem leichten schlaf
nur eines deiner bitteren gef├╝hle?
du denkst an rilke: "freund der vielen fernen f├╝hle"
doch ist dein atem schwach, es traf

dich sonst kein wort, und die kristalle
die auf den autos feine bilder spannen
verwischst du mit der hand. die hohen tannen
mit ihrem nadelblick im niederfalle

verh├Âhnen dich (du nimmst es ihnen ├╝bel)
fehlt nur noch das ein blumenk├╝bel
dich jetzt erschl├Ągt (wenn man noch hoffen darf)

still tragen taxis ihr versch├Ântes gold
vorbei (nur einer der dir achtung zollt
der wind) - wetzt seine messer an dir scharf

11.
der wind wetzt seine messer an dir scharf
die kleinen klingen schneiden rot in deine haut
das auge brennt, wenn es nach innen schaut,
bis es sich selbst in seinen blicken traf

am teich, nun ist es blind f├╝r sich. und blind
bist du im fallen. keine schlucht ist tiefer
und dunkler als das herz in uns, der wind
wird st├Ąrker. an den h├Ąusern legt ein schiefer

verbogner baum die eigne krone nieder
und schwankt und steht und zittert wieder
als ob er sich im zorne str├Ąubt und duckt.

vor deinen f├╝├čen liegen die rubine
der vogelbeeren. und der stra├čenschiene
folgt m├╝d dein blick, der wie ver├Ąngstigt zuckt.

12.
folgt m├╝d dein blick (der wie ver├Ąngstigt zuckt)
nicht auch dem eignen schatten und erschrickt?
das dunkle auge einer kr├Ąhe blickt
dir nach - wie glatt es aus den zweigen lugt

als murmel in die federn eingestickt
ein stummer gast, der zu den w├Ąscheleinen
und ├╝ber stromnetz und balkone seinen
geschw├Ąrzten k├Ârper gleiten l├Ąsst. er tickt

im gang wie eine uhr. ein zeuge eines volks
von sehenden. die w├Ąnde und die zweige
vor seinem flug, sie dehnen sich, als steige

er in die zwischenr├Ąume, die nur er bewohnt
dann wendest du dich ab und folgst
den wolken. sterne schwinden um den mond

13.
den wolken, (sterne schwinden um den mond)
verzeihst du dass sie jene ├╝berdecken,
wenn sie, gewaltig, ihre leiber strecken
wie gro├če wale. wenig wird verschont

von der gefr├Ą├čigkeit, doch blitzen hier und da
schon licht und farben durch den spalt
und suchen zitternd an den ├Ąsten halt,
die d├╝nn wie finger schwanken und dann starr

erfroren in das rosagrau
der spalten ihre f├Ąden werfen, dran
die sonne hochgezogen wird um dann

das erste gold zu fr├Ąsen in das blau.
nur einer steht noch immer da: der mond,
die sense, die auch tags am himmel thront.

14.
die sense, die auch tags am himmel thront
der wind, der farben von den gr├Ąsern zieht
das auge, das aus zweigen auf dich sieht
die dunkle bl├╝te, die dich nicht verschont

die alte kette, die geschlossen liegt
die krumen, die in deiner tasche ruhn
der vogelzug, der horizont, was tun
wenn all das nun zu ende ist? und schmiegt

sich rilke sanfter an dein ohr? und wann
wird auch der zeiger heil? das frostgewand
der rosen, schmilzt es denn? die themse

so gro├č, ein blaues, hingemaltes band
wird sie noch dunkel werden, n├Ąchste nacht?
- der mond blitzt mit dem l├Ącheln einer sense.




15.
der mond blitzt mit dem l├Ącheln einer sense
in dieser nacht verlierst du den verstand
die zeiger br├Âckeln aus dem uhrenrand
und schatten ziehen eine feine grenze.

die dunkle bl├╝te einer langen nacht
hat sich die bresche zu dir hingeschlagen
du musst sie ├Ąchzend auf dem r├╝cken tragen
derweil der mond, im scherz, dar├╝ber lacht

ein karpfenmaul das alle laute schluckt
beschreibt die stadt in ihrem leichten schlaf
der wind wetzt seine messer an dir scharf.

folgt schwach dein blick (der wie ver├Ąngstigt zuckt)
den wolken? sterne schwinden um den mond,
die sense, die auch tags am himmel thront.


Version vom 15. 05. 2016 15:53
Version vom 15. 05. 2016 17:35
Version vom 19. 05. 2016 11:31
Version vom 19. 05. 2016 11:35
Version vom 19. 05. 2016 12:17

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Mondnein
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Metrik

Nur zur Metrik - xX soll bedeuten, da├č da ein Iambus (zum f├╝nff├╝├čigen Vers) fehlt. Wenn einer zuviel ist, steht da [6 statt 5]. Andere Unklarheiten mit rot oder blau - siehe selbst.

Bravo! Ein gro├čes und mutiges Ding!


1.
beschreibt sie gut. xX die plastikt├╝te

zerbricht. x katzen balgen an der mauer

folgt peitschend schnee, xX ein grauer rauher

2.
(hier leiht der fluss xX sich seine bilder

3.
des himmels eingestreut, xX wie helle

der lkw's (du denkst an einen schlechten fluch) [6 statt 5]

das aquarell der landschaft welkt in gelbe
und rote farben ein. der garten ist derselbe [6 statt 5]

4.
x halb im finstern liegt die szenerie

sich die bl├╝ten kaum. xX die enten hellen

5.
die b├Ąume haben ihre k├Ârper ├╝berdacht [6 statt 5]

6.
7.
scheint voll und schwer, als tr├╝ge er die last

sich hart das schloss. xX es biegt der ast

sich krumm. xX und hoch auf den terrassen

8.
beginnt die salve fr├╝her kr├Ąhen. vis-a'-vis[6 statt 5]

9.
verwischten kn├Âpfen. Xx wie die boten

10.
beschreibt die stadt in ihrem leichten schlaf
nur eines deiner bitteren gef├╝hle?
du denkst an rilke: "freund der vielen fernen f├╝hle"[6 statt 5]
doch ist dein atem schwach, xX es traf

dich sonst kein wort, xX und die kristalle

fehlt nur noch dass xX ein blumenk├╝bel

wie geister tragen taxis ihr versch├Ântes gold[6 statt 5]
an dir vorbei (nur einer der dir achtung zollt[6 statt 5]

11.
das auge brennt xX , wenn es nach innen schaut,

und schwankt und steht und zittert Xx wieder

der vogelbeeren. und der stra├čenschiene

12.
im gang wie eine uhr. ein zeuge eines volks[6 statt 5]

er X in zwischenr├Ąume, die nur er bewohnt
dann wendest du dich ab xX und folgst

13.
erfroren Xx in das rosagrau

14.
der rosen, schmilzt es denn? xX die themse

15.
beschreibt die stadt in ihrem leichten schlaf
der wind wetzt seine messer an dir scharf.

__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

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orlando
Guest
Registriert: Not Yet

quote:
Bravo! Ein gro├čes und mutiges Ding! (mondnein)


Dem schlie├če ich mich vorbehaltlos an. Es ist erstaunlich, was du so alles aus einer Mondsichel herausholst, ohne Langeweile aufkommen zu lassen. Allein der erste Vers mit seinem versteckten Oxymoron ist grandios.
Ich mag deine expressive Sprache eh sehr und erfreue mich an jedem Einzelwerk.
Die ├ťberg├Ąnge sind gelungen, und das Werk wirkt tats├Ąchlich als Einheit, was nur wenigen gelingt.
[Und da du gleichsam zu "meinen" lupanischen Endeckungen z├Ąhlst, kann ich nur rufen: "Siehste, siehste, ich hab' es gleich gesehen, geh├Ârt und gef├╝hlt - ein rischtischer Dischter!"

Des Lobes volle Gr├╝├če
orlando

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Patrick Schuler
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2014

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Kommentare: 915
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Profil

Hallo Mondnein
Ich habe jetzt ein bischen ├╝berarbeitet.
Bei einigen Zeilen will mir aber keine wirkliche Verbesserung
einfallen.

Ein einfaches f├╝lladjektiv ist zwar schnell gefunden, bei einigen
Zeilen leidet (f├╝r meinen Geschmack) der Rythmus zu sehr darunter.

Bei anderen Zeilen wei├č ich wiederum nicht was ich streichen soll, ohne es komplett umzuschreiben.
Vielleicht f├Ąllt mir ja noch was ein, wenn ich es ein wenig ruhen lasse

Vielen, vielen Dank!
Nicht nur f├╝r die M├╝he! die du dir gemacht hast
Auch f├╝rs lesen!
Und nat├╝rlich das Lob.


Hallo Orlando
Ja, einige Tage arbeit steckt hier schon drinn.
Gerade deswegen freut mich euer Lob so sehr.

Was soll ich sagen? au├čer Danke!


Hallo Bernd
Thanx f├╝r die Empfehlung


Knicks
Und L.G
Patrick

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