Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, müssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92225
Momentan online:
154 Gäste und 7 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
müde hände
Eingestellt am 31. 05. 2008 10:11


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
grasshof
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Nov 2007

Werke: 58
Kommentare: 103
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um grasshof eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Alte, müde Hände

Sie sitzt im Garten, die Sonne lässt ihren alten Körper warm werden, auch ihre immer kalten Hände werden von der Wärme beweglicher.
Es war nicht immer so, dass diese Hände ruhen konnten.
„Was sitzt du herum, hast du nichts zu tun?“
Diesen Satz hört sie immer noch, aus ihrer Kindheit und Jugendzeit nachklingen.
Sie durfte nicht ohne ‚etwas zu tun’ ihre Zeit vertreiben.
„Spiel etwas“, sagte man zu ihr, als sie klein war,
„lies etwas“, sagte man, als sie zu Schule ging,
„handarbeite was“, als sie stricken und Nähen gelernt hatte.
Und später sagte man zu ihr:
„Arbeite“, du wirst dafür bezahlt.
Noch später, da verlangten die Kinder von ihr unentwegt Handgriffe bei Tag und Nacht.
Als sie dann Zeit gehabt hätte still und ruhig zu sitzen, um zu träumen und nur zu schauen, hätte sie deswegen ein schlechtes Gewissen gehabt, sich dem Ruhen hinzugeben.
Nur langsam lernte sie, die Hände in den Schoß zu legen. Diese abgearbeiteten Hände, voll Schwielen, ungelenkig, immer kalt und etwas zittrig schon.

Seit sie es nun kann, mit dem Körper untätig zu sein, vermag sie es, mit ihrem Geist zu arbeiten.
So sitzt sie abends ruhend am Ufer des Teiches,läßt ihre Augen betrachtend den Sonnenuntergang verfolgen, schaut gebannt, wie sich die rote Scheibe der Sonne im Wasser spiegelt, wie das Licht hinter den Bergen allmählich verblast. Und eine sirrende Stille das nächtliche Schwarzwerden zur Nacht begleitet.
Ihr Atmen nimmt teil an der heiligen Ruhe.
Da verschmelzt all Vergangenheit mit dieser erfüllten Stunde und die alte Frau nimmt all den Frieden zu sich, geht langsam in das dunkle Haus zurück.
Sie hat lange schon keinen lieben Besuch mehr empfangen, es ist einsam geworden für sie, aber was macht es schon?
Bevor sie sich zum Schlafen zurecht richtet, zündet sie eine Kerze an, ihre Hände gefaltet, verharrt sie im Gebet. Sie legt voll Vetrauen ihr nur noch kurzes Leben in die Hand des Schöpfers.
Und morgen wird sie wieder dabei sein, wenn die Sonne in den Tag steigt und sie wird die Lichtfülle mit freudigem Herzen begrüssen.

Niemand fragt sie jetzt: Hast du nichts zu tun?
Ja, sie hat noch viel zu tun, gilt es doch noch so manchem Geheimnissen des Lebens auf die Spur zu kommen. Sie will bewußt leben, mit ihrem ganzen Menschsein, tief und innig leben.


Version vom 31. 05. 2008 10:11
Version vom 31. 05. 2008 15:45
Version vom 01. 06. 2008 20:01

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Pola Lilith
Häufig gelesener Autor
Registriert: Feb 2008

Werke: 23
Kommentare: 326
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Pola Lilith eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Wichtiger und mit Sicherheit auch berührender Einfall -

der aber keine Erklärungen nötig hat
(die als Klischee ankommen / ankommen können).

Deine Idee hat es verdient, daß Du noch an ihr arbeitest; laß sie bitte nicht so stehen und auch nicht in der Schublade verschwinden.

Gruß, Pola

Bearbeiten/Löschen    


Pola Lilith
Häufig gelesener Autor
Registriert: Feb 2008

Werke: 23
Kommentare: 326
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Pola Lilith eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Es geht doch nicht darum, mit Gott zu sprechen oder nicht.

Es sind verallgemeinernde Erklärungen und/oder Beschreibungen wie im nachfolgenden Absatz

"Sie denkt an die wunderbare Schöpfung, staunt über die Blumen, die Wiesen und Wälder, erlebt die Jahreszeiten ganz intensiv mit, beobachtet mit neuen Augen die Menschen denen sie begegnet"

die m.E. den Text dann flach machen.

Das, was Du mit obigem Absatz ausdrücken wolltest, könnte geschickter gemacht werden (z.B. anhand einer Momentaufnahme, einer Handlung oder wie auch immer). So aber ist es geschrieben wie "er nahm ihren Kopf in seine Hände und küßte sie lang und innigst". Verstehst du, was ich meine?

Gruß, Pola

Bearbeiten/Löschen    


10 ausgeblendete Kommentare sind nur für Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
Zurück zu:  Kurzprosa Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!