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Leselupe.de > Ungereimtes
müllprobleme
Eingestellt am 11. 06. 2011 20:02


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Karl Feldkamp
Routinierter Autor
Registriert: Aug 2006

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kühle abendluft aufsaugen wollte ich
ohne songs aus nachbars musikmaschine
auf stille eingestellt und lindenblütenduft

grillrauch steigt auf vom balkon
ein stockwerk tiefer streiten hartmanns
über geschmacks- und küchenphilosophie

schwalben jagen fledermäuse
die ihnen die mücken vertreiben
krämer belädt sein nagelneues wohnmobil

die flüsterbetonmischmaschine bei rollmanns
flüstert kaum weniger als rosens heiserer kampfhund
flugzeuge bestreifen den frühen abendhimmel

die sonne vergießt altrosa und violett
von der autobahn dröhnen laster
gegen das sonntagsfahrverbot


und meine Frau und ich
trennen seit jahren unseren müll

__________________
Bei jedem Irrtum hat die Wahrheit eine neue Chance.

Version vom 11. 06. 2011 20:02

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Fettauge
Guest
Registriert: Not Yet

müllprobleme

Hallo Karl Feldkamp,

Feierabend. Alles da: das Grillen auf dem Balkon, laute Musik und Streitgespräche der Nachbarn, das Flugzeug über der Stadt,
und auch die abendlichen Schwalben werden benannt. Zum Schluss, beinahe entschuldigend, die Mitteilung, dass Mann und Frau ihren Müll trennen. Aber man kann seinen Müll nicht nur nach amtlicher Vorschrift, sondern auch dann trennen, wenn man nebeneinander herlebt, man erfährt es nicht. Es handelt sich also um das "normale" Leben. Es ist ein kleines Leben, ohne das, was das Leben wirklich erhält, ihm Sinn gibt, eher ein langes Warten auf das Ende, ein Ersatzleben. Ich finde durch die Anhäufung von "Ereignissen" die abendliche Situation gut beschrieben, was mir fehlt, ist das Unbeschreibliche, die schreckliche, gleichgültige Melancholie, der eine leise Ton, der das Ganze vereinen und so wirklich demaskieren würde. Mir ist da zuviel Herzeige-Gestus: "Seht, so leben wir", kein Aufbegehen gegen das abendliche Einschließen in die Arbeiterschließfächer, der Verfasser verkneift sich jegliche Meinung, meint wohl, wenn er was kucken lässt, ist das genug Meinung für den Leser, soll er sich denken, was er will. Und wenn er sich nun lediglich denkt: "Naja, so ist eben unser Leben"? Das heißt: Es akzeptiert? Dadurch wirkt das Gedicht auf mich ambivalent, eine fleißige, akribische Beschreibung des Zustands, mehr aber leider auch nicht.

lg Fettauge

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Karl Feldkamp
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Hallo Fettauge,
ja, weitgehend stimmt auch für mich, was du kritisierst. In der ersten Zeile aber steht schon noch ein Unabhängigkeitsanspruch und das Gedicht endet mit dem (natürlich nicht ausreichenden) Versuch, zur Lösung der Umweltprobleme beizutragen.
Einen Welt verändernden Gegenentwurf enthält das Gedicht wirklich nicht. Dennoch steckt indirekt Kritk am Alltag darin.
Dank und Gruß
Karl
__________________
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