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Leselupe.de > Kurzgeschichten
mystik flair
Eingestellt am 07. 06. 2012 12:54


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raineru
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Registriert: May 2012

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MYSTIK-FLAIR


Rolf horchte auf. Er h√§tte schw√∂ren k√∂nnen, dass das morgendliche Gezwitscher der V√∂gel f√ľr einen Augenblick verstummt war. Pl√∂tzlich war etwas ganz nah bei ihm. Nur f√ľr einen Augenblick. Hatte ihn ein kalter Hauch gestreift?
Es war, als w√§re etwas in einem langen Gewand an ihm vorbei geschritten. Oder war es Einbildung? Jetzt war es, als fl√ľstere ihm jemand aus rauer Kehle, weit weg und doch ganz nah, ins Ohr. Da war auch das ferne Fauchen eines Raubtiers. Sicher hatte er sich geirrt und doch reichte es f√ľr eine geh√∂rige G√§nsehaut an seinen Unterarmen.
Das Trommelkonzert, in das der Regen die Nacht verwandelte, war verklungen und das Gekläff der Straßenköter wich unheilvoller Stille. Sicher hatte er sich geirrt und Leute, die ihm in seiner Kindheit erzählten, dass es Geister nicht gab, behielten recht.

Dann stand pl√∂tzlich das Huhn in der Mitte des Innenhofs. Aus dem Nichts. Auf den ersten Blick war es einfach schwarz und gro√ü, doch Rolf sp√ľrte etwas wie Dominanz oder √úberheblichkeit.

Die Augen des Tieres klickten kalt und kritisch. Es legte den Kopf zur Seite. Sein Kamm leuchtete wie Blut. Dann flatterte es auf die Mauer und blieb dort mit leisem Gegacker. Mit unheimlichem und gefährlichem Gegacker?
Hier muss ich ja fr√ľher oder sp√§ter den Verstand verlieren.

Aber dieses Fleckchen Erde war nun mal der schönste Platz auf der Welt, den sie sich zum Auswandern ausgesucht hatten. Die Träume vom freieren Leben zeigten jetzt feine Risse, die ein Zerbrechen möglich werden ließen.
Er ging durch die Cafeteria und den Wintergarten hinaus in den bl√ľhenden Garten ihres kleinen Hotels. Vera war dort an der Koppel bei den Pferden.

Die Sonne schlich hinter den Gipfeln der Anden empor, und aus dem Tal stieg mit den Nebeln, der Duft der unendlichen Bl√ľtenmeere in die d√ľnne Luft. Er sah, wie die unz√§hligen Gl√ľhbirnen √ľber den Blumenplantagen erloschen und sich den Pflanzen als billige Imitation der Sonne zu erkennen gaben. Die Campensinos begannen mit ihrem m√ľhseligen Tagwerk. Rolf drehte sich um und schaute hinauf zur wei√üen Cordillere. Die Wolken der Regenzeit waren fast verschwunden und die Schneefelder glitzerten im Licht der Sonne. Der Geruch von Eukalyptus zog vom nahen W√§ldchen her√ľber und ihm war, als sp√ľre er darin ein Hauch von Fluch.

"Steh nicht da und tr√§ume, hilf mir lieber", sagte Vera und versuchte vergeblich, das Fohlen mit der Babyflasche zu f√ľttern. Vor zwei Stunden war es zur Welt gekommen und seither verweigerte die Stute, dem kleinen, noch unsicher aber neugierig umherwackelnden Wicht, die Nahrung. Dies war ein weiterer, der negativen Zuf√§lle, die sich in den letzten Tagen h√§uften, als w√ľrden Pfeile treffen, die aus dem Nebel, von b√∂ser Hand abgeschossen wurden.
Mit solchen Hindernissen hatten sie nicht gerechnet, als sie die sechs Pferde kauften. Rolf war unten am Indiomarkt im Dorf mit einem Schlachter befreundet, der f√ľr ihn die Rinderfilets zur Seite legte, aber das gleiche Geld daf√ľr nahm, wie f√ľr die gleiche Menge Knochen. Er konnte so, seinen Hotelg√§sten die Steaks zum Spottpreis bieten.

Eines Tages bot ihm der Metzger Pferdefleisch an. Unter der Hand. "Sind Tragetiere f√ľr Bergsteiger f√ľr Gringos, und jetzt kaputt." Er meinte, psychisch gebrochen, mit offenen, eiternden Wunden von den Tragegestellen auf den R√ľcken.
"In Peru d√ľrfen wir kein Pferdefleisch verkaufen. Nur an gute Freunde, die Spezialit√§ten m√∂gen." Rolf sprach mit Vera und sie retteten alle sechs vor dem Schlachthof und bekamen f√ľr wenig mehr, zwei handgearbeitete S√§ttel dazu. Die Tiere sollten sich erholen und f√ľr die G√§ste, als Show-Hintergrund in der Koppel dienen. Gleich neben der Fr√ľhst√ľcksterrasse. Mit Sternchen, der Stute gab es keine Probleme. So war es nicht normal, dass sie ihrem Filius die Milch versagte.
"Wenn es bis heute Abend nicht trinkt, wird es sterben." Rolf kannte sich ein bisschen mit Pferden aus.
"Mist!" Vera wischte sich eine Träne von der Wange.

"Irgendetwas stimmt hier nicht."
"Was meinst du?"
"Es kann doch nicht sein, dass die Pechsträne nicht abreißt. Was fällt dir alles ein. Ich meine in der letzten Zeit?"
"Das weißt du doch selber." Vera streichelte den Kopf des kleinen Pferdes.
"Na ja, ich lasse mir gefallen, dass sie den Strom abstellen, weil sie die Turbinen im Staudamm reinigen. Aber Bescheid sagen kann man doch vorher. Und der Erdrutsch ist von der Regenzeit bedingt. Das lasse ich mir auch gefallen. Irgendwann werden wir wieder Trinkwasser haben. Aber dass √ľberhaupt keine G√§ste mehr kommen? Drei Monate lang?"
"Ich versteh das auch nicht."
"Aber unten im Dorf sind Touristen. Die anderen Hotels haben zu tun. Nur wir haben den Mist gepachtet." Rolf f√ľtterte die Stute.
"Das Pferdefutter, das sie gestern geliefert haben, war voll mit schwarzen Käfern. Ich sage dir, das ist nicht normal…
Und eben ist uns ein Huhn zugelaufen. Ein schwarzes nat√ľrlich. Kann es sein, dass die lieben Nachbarn uns verhext haben? Sie haben Alt√§re mit Totensch√§del in ihren H√§usern. Richtige Sch√§del von Menschen.
Glaub mir, das sind Hexer.
Ich habe ein ganz beschissenes Gef√ľhl.
Was noch zu unserem Gl√ľck fehlt ist ein Erdbeben.
Hast du gewusst, dass die mit Parfum arbeiten?"
"Nein und es interessiert mich auch nicht. Das ist Hokus-Pukus, Aberglaube, Blödsinn. Wer glaubt denn an so etwas? Ich glaube eher, dass du spinnst.
Was sollen die gegen uns haben?
Wir haben hier gebaut und ein normales Hotel eröffnet, von dem alle profitieren, wenn Gäste hier sind.
Die Nachbarn sind zwar nicht besonders freundlich aber das waren sie in Deutschland auch nicht.
Mit Kehrwoche oder ohne, zu Maschinen geworden, die Statuten verehren... Die Menschen hier leben noch intensiver."
Das Huhn war auf den Zaun der Koppel geflattert. Harvey der Hengst versuchte kurz darauf gegen den Zaun zu schlagen, galoppierte dann zu den anderen, die sich ängstlich in eine Ecke drängten.
"Hast Du das gesehen?
Da ist was faul, sage ich Dir."
"Die haben sich nur erschreckt. Spinn nicht rum. Mach lieber Kaffee", sagte Vera.
"Wenn das Vieh einem Nachbarn fehlen w√ľrde, w√§hre er schon hier, aus Angst, dass es st√ľrzt, sich das Genick bricht und dass es bei uns heute Abend H√ľhnersuppe gibt." Die Brise wurde etwas st√§rker und brachte Salzluft vom Pazifik in das Tal der Hochanden. Rolf liebte es, wenn der Wind in den Eukalyptusb√§umen w√ľhlte.
Wenn er die Augen schloss war es ein Ger√§usch wie Brandung in fast dreitausend Metern √ľber dem Meer. Und √ľber dem Duft der Blumenfelder brachte der Wind das Salzige auf seine Zunge. Der scharfe Gestank von Stutenurin schnitt ihn aus seinen Tr√§umen.

Vera und er bemerkten nicht, wie Manolo durch den Garten zur Koppel gekommen war, ganz leise, um das Fohlen nicht zu erschrecken. Sie bemerkten auch nicht, wie der Indiojunge fast unmerklich zusammengezuckt war, als er das schwarze Huhn bemerkte. Der F√ľnfzehnj√§hrige war der Sohn von Aualpa, einer blinden Blumenverk√§uferin aus einem Seitental unweit einer Lagune. Als Rolf mit Vera zum ersten Mal den Weg zu ihrem Haus gingen, kam zuerst ein Schwall von Rosenduft, der in Sch√ľben vom H√ľgel zu ihnen wehte, dann sahen sie den Bl√ľtengarten und erst dann, versteckt unter Engelstrompeten, die Lehmziegelh√ľtte mit dem Dach, das bis zum Boden reichte. Manolo half, wenn er wollte im Hotel, in der K√ľche oder im Garten um seine Mutter zu entlasten. Rolf zahlte ihm guten Lohn und war sicher, dass der aufgeweckte Junge sein Vertrauen verdiente.
"Vorsicht, das Huhn ist nicht gut."
Rolf und Vera schauten auf.
"Der Dunkle ist in ihm und lässt es bei der Stute kitzeln, wenn das Pferdchen trinken will."
"Der Dunkle?"
"Dona Vera, das Pferdchen braucht schnell ein rotes Band oder einen Faden gegen den bösen Blick!"
"Du glaubst doch nicht so¬īn Quatsch?"
Bittere Z√ľge tanzten um Veras Mund.
"Wenn es bis heute Abend nicht trinkt, ist es tot", sagte Rolf und schaute Vera ernst in die Augen.
Vera ging, um einen roten Bändel zu holen.
"Die Leute im Dorf sind nicht alle gute Menschen. Sie wollen keine Gringos hier", sagte Manolo und band die Hinterbeine der Stute zusammen. Das sollte verhindern, dass sie ihr Fohlen trat, wenn es wieder und wieder mit gesch√ľrztem M√§ulchen an die Zitzen dr√§ngte.
Es n√ľtzte nichts. Die Stute h√ľpfte weg und lie√ü das Kleine wackelnd stehen.
Viele Leute sagen: Die Gringos gehen vorbei wie die Regenzeit. Sie meinen die Touristen. Die sind gut wegen der Dollars. Aber Sie Senior und Dona Vera leben hier."
Manolo schaute Rolf flehend an.
"Aber was haben die Leute gegen uns? Wir tun ihnen nichts. Wir bringen, wenn alles klappt, mehr Touristen in die Gegend. Alle haben was davon. Oder ist es, weil wir Deutsche sind?"
"Die wissen nicht mal, wo das ist Deutschland. Das sind Cholos und sie sagen: Die Fremden sind, wenn sie l√§nger hier sind, arrogant und √ľberheblich und wissen alles besser und sie seien kalt im Herzen. Und dann bekommen sie Angst und bitten die Dunklen um Hilfe."
"Ja Schei√üe", Rolf schrie, senkte aber gleich wieder seine Stimme. "Was f√ľr Dunkle? Was sind die Dunklen?"
"So wie die Priester, nur eben von damals, bevor es die Priester gab."
Das Fohlen hatte sich im Schatten eines Orangenbaumes ins Gras gekuschelt und genoss die streichelnde Hand des Jungen.
"Es gibt mächtige Häuptlinge in der Gegend. Die reden mit den dunklen Priestern, mit den toten Inkas und die sind gegen die Conquistadores, gegen die Gringos, gegen Euch. Sie haben die alten Rituale und sie sind böse. Sie schicken den stinkenden Geist eines Bösen in ein Tier. Es wird in ein Bad geworfen und lässt dann nichts Gutes mehr geschehen. Im Gegenteil."
"Na Servus‚Ķ und nun? Sollen wir hier alles anz√ľnden und zur√ľck ins Land der Kehrwoche?"
"Kehrwoche?"
"Nur ein Scherz. Vergiss es. Was sind Cholos?"
"Bergziegen." Er lachte und Rolf beneidete ihn um seine Perlenzähne.
"Sie m√ľssen meine Mutter fragen", sagte Manolo. "Sie kann die Toten sehen." Jetzt musste Rolf grinsen "Aha!"
"Ja! Sie kennt den Zauber von der guten Seite. Sie ist eine weiße Hexe. Sie hat den Duft, der alles reinigt."


Rolf erinnerte sich an die haarstr√§ubende Geschichte, die sich die Leute im Dorf √ľber Sra. Isabella Torres Aualpa erz√§hlten. Eines Tages h√§tte Manolos Vater ein √Ąffchen aus dem Dschungel mitgebracht, wo er als Holzf√§ller arbeitete. Sie sagten, dass das √Ąffchen auf dem Tisch vor ihr sa√ü und ihr pl√∂tzlich ohne jeden Grund die Augen auskratzte. Ihr Mann konnte eingreifen, bevor das √Ąffchen die Halsschlagader zerbiss. In dieser Nacht soll kein einziger Hund in den Strassen gebellt haben. Die Alten h√§tten einen dunklen Priester in das Tier geschickt, weil Aualpa geweihtes Wasser aus der Kirche holte und es zum duften brachte. Das machte sie mit verschiedenen Bl√ľten und Harz vom Palo Santo, Zimtstaub und Kullandro, das war das Kraut des Korianders.
So sagten die Leute.
Aber das Rezept kannte nur Aualpa. Manolos Vater war kurze Zeit später verschwunden. Man soll ihn in Lima gesehen haben, total verwirrt mit weißem Schaum vor dem Mund, auf der Treppe der Kathedrale sitzend und bettelnd.
Vera war zur√ľck und hatte einen roten Wollfaden um den Hals des kleinen Pferdes gebunden. Sie hatte die letzten Worte des Jungen geh√∂rt und Rolf deutete ihren kurzen Blick richtig als Einverst√§ndnis.
"Wenn Du sie jetzt holen könntest, wäre es toll. Sie soll alles mitbringen, was sie zum Zaubern braucht."
"Bin gleich zur√ľck."
"Aber den Preis soll sie vorher sagen", rief Vera dem Jungen hinterher. Beim hinauslaufen versuchte er dem Huhn einen Tritt zu verpassen. Vergeblich.

Die Sonne gewann gegen Mittag den Kampf gegen die letzten Regenwolken. Auf der Piste vor dem kleinen Globetrotter-Hotel trieben Indiofrauen in ihren typischen weiten R√∂cken, den breiten Strohh√ľten und den Sandalen aus alten Autoreifen, ihre Esel durch den Schlamm. Die Tiere waren v√∂llig unter der Last von Maispflanzen verdeckt. Nur die Beinchen unter den, rhythmisch wippenden Bl√§ttern, lugten hervor.
Vera und Rolf standen in ihrem Innenhof und warteten. Sie hatten alles in dieses Gesch√§ft investiert und waren hundertprozentig sicher, dass Tourismus in einem Tourismus-Gebiet funktionieren w√ľrde. Zwei Mal waren sie schon als Touris mit ihren Rucks√§cken hier gewesen um die Chancen f√ľr ihre Gesch√§ftsidee zu pr√ľfen. Doch die Realit√§t der Umst√§nde belehrten sie nun eines Besseren.

Die W√§rme des Mittags lie√ü Dampf aus den Pf√ľtzen vor dem Eingang aufsteigen und so kam es, dass Sra. Isabella Torres Aualpa ein Schein von feuchtem Lichtstaub umgab. Sie stand mit ihrem Sohn im gro√üen T√ľrbogen des Innenhofes wie eine Heiligenfigur und strahle Frieden und Liebe aus. Zierlich, in mittlerem Alter, mit dem traditionellen, farbenpr√§chtigen Tuch √ľber der Schulter und quer √ľber die Brust, in dem die Frauen fast alles transportieren. In ihrem Gesicht waren, all das Wissen und die Erfahrung einer alten Indianerin. Die Frau war klein und doch richtete sie die leeren Augenh√∂hlen auf Vera und Rolf herab. Nach der Begr√ľ√üung gingen sie hinaus in den Garten. Den Preis √ľberlie√ü sie den beiden. Sie wolle eigentlich gar nichts daf√ľr und freue sich, wenn sie etwas Gutes tun k√∂nne. Nur die Zutaten sollten ihr bezahlt werden und das sei nicht viel. Jetzt fl√ľsterte sie etwas, in ihrer Muttersprache Qetschua, in Manolos Ohr.
"Sie sagt, sie kann ihn sehen."
Vera und Rolf schauten sich √ľberrascht an.
"Er steht dort hinten in der Koppel und grinst"
Dort war nur das Huhn. In einer Ecke hatten sich die Pferde, nerv√∂s, schnaubend in einer Gruppe an den Zaun gedr√ľckt. Ihre Augen und Ohren zeigten Angst. Der Hengst hatte sein Hinterteil in die Richtung des Huhns gedreht, um gezielt ausschlagen zu k√∂nnen.

"Sie wird ihn aus dem Huhn vertreiben. Er hat keine Macht ohne den Körper. Sra. Aualpa barg aus ihrem Tuch einen Kanister.
"Das ist das Exorzisten-Parf√ľm?" Rolf konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Sie war schlie√ülich blind. Sie drehte den Kopf zu ihm und sagte nichts, doch der Ausdruck in ihrem Gesicht verbat sich sein Grinsen. Manolo war dabei in allen Ecken des Hofes und des Gel√§ndes Sandelholz in T√∂pfen zum Glimmen zu bringen. Aualpa f√ľllte eine leere Obstschale mit Rosenbl√§ttern. Der Wind, der an den Nachmittagen etwas st√§rker war, lie√ü die Eukalyptusw√§lder im Tal rauschen und in die Nasen streifte pl√∂tzlich ein ekelhafter Gestank. Ob es Schwefel war, konnte er nicht bestimmen. Etwas Verwesendes, Abfall, Kloake. Schwer war es, drohend und es ver√§nderte die Stimmung. War es wie Schatten? Wie Fluch? War Warnung hinein gewebt? "Die Dunklen kommen mit dem Wind", sagte die wei√üe Hexe.

Das Ritual begann. Als Aualpa den Kanister √∂ffnete und Orakelworte murmelnd, etwas vom Inhalt, wie in die Obstschale goss und sich der Duft entfaltete, war etwas anderes da. Das Leben. Die Luft war, wie voller Schmetterlinge, die in der Sonne flatterten. Alle Blumen des Tals waren vereinigt, um hier und jetzt ihr Aroma f√ľr das Licht zu spenden. Sie streute ein wenig Zimt in die Bl√ľten und begann leise zu singen. Der Gesang war melodisch und streng, fordernd. Jetzt nahm sie die Schale und wandte sich einer Ecke nach der anderen zu. Mit energisch zitternden Fingern besprenkelte sie das lauernde Unsichtbare mit dem Parf√ľm. Sie murmelte dabei Indianisches. Manolo √ľbersetzte es sp√§ter mit: "Verpiss dich Satan, raus hier, dass Gutes einziehen kann."

Nun erwartete Vera und Rolf, dass sich die Erde auftat, Feuer empor schlug und sich der Leibhaftige oder wenigstens ein Mitarbeiter zeigten, um den Kampf der D√§monen zu k√§mpfen. Nichts. Nur der Wind legte sich. Die duftende Luft stand pl√∂tzlich still und die S√§ulen des Sandelholz-Rauchs stiegen senkrecht zum Himmel. Wie Eckpfeiler eines K√§figs. Geweihter Rauch vom heiligen Baum. Aualpa bereicherte die Zeremonie mit kleinen T√§nzen um die eigene Achse, als sei sie in Trance. Manolo hatte sie von einer Ecke zur n√§chsten gef√ľhrt. Nach einer Stunde war es vorbei. Rolf gab ihr das Geld. Sie packten ihre Sachen, w√ľnschten viel Gl√ľck.


Rolf nahm Vera in den Arm und k√ľsste sie auf die Stirn. Dann gingen sie zur√ľck zur Koppel. Das Pferdchen lag noch immer im Schatten des Orangenbaums. Jetzt war es schon zu schwach, um aufzustehen. Sternchen graste daneben. Nur der negative Geruch war aus der Luft verschwunden. √úberdeckt vielleicht, dachte Rolf
Das schwarze Huhn stand unger√ľhrt in der Mitte der Koppel, klickte mit den Augenlidern und legte den Kopf mit dem blutroten Kamm zur Seite.
Kein Donner, kein Blitz aus blauem Himmel, kein Leibhaftiger oder einer seiner Mitarbeiter. Nichts.
"Schwachsinn. Hätte ich Dir gleich sagen können", sagte Vera, als plötzlich das Huhn begann, sich um die eigene Achse zu drehen, fast wie vorhin beim Tanz von Aualpa. Immer und immer wieder. Dabei funkelten die schwarzen Federn im Sonnenlicht wie die Klinge eines Schwertes. Noch ein Klicken mit den Augen. Es kippte zur Seite und war tot.

Jetzt war ein frischer, freier Hauch um sie und in ihnen. Wie der Duft von Neugeborenem.
Es war, als ob die Farben der vielen Bl√ľten ihres Gartens intensiver leuchteten. Als ob jemand eine riesige K√§seglocke √ľber ihnen pl√∂tzlich wegzog. Rolf nahm Vera in die Arme.
"Was sagst du jetzt?"
"Abwarten. Das hat noch nichts zu bedeuten. Herzinfarkt vielleicht", sagte Vera und ging zum Haus um eine Plastikt√ľte f√ľr das tote Tier zu holen. Als sie zur√ľck kam, sah sie, dass das kleine Pferd bei seiner Mutter trank und konnte wieder zufrieden l√§cheln. Von der Cafeteria pl√§rrten die Lautsprecherboxen "We are the Champions" von "Queen." Also gab es wieder Strom. Kurz darauf klingelte das Telefon. Rolf ging ran und Vera h√∂rte im Vorbeigehen Rolf sagen: "Ja danke, ich habe es notiert. Morgen drei Doppel und zwei Einzelzimmer f√ľr vier Tage Vollpension f√ľr ‚Ķ Deutsche Botschaft Lima‚Ķ bis Morgen." Er legte auf und machte einen Luftsprung. Erst jetzt viel ihm auf dass die V√∂gel wieder zwitscherten. "Wie soll das Superpferdchen hei√üen?"
Vera antwortete spontan: "Mystik-Flair".


Version vom 07. 06. 2012 12:54

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Gonzo Gonzales
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Mar 2003

Werke: 35
Kommentare: 136
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Hi!!!

Also ich finde, dass das vom Geschmack des Lesers abhängt!

Mir gef√§llt es so ganz gut. Wenn es nach mir geht, w√ľrde ich das so lassen!

Aber vielleicht sagt ja noch wer anders was dazu!


LG
__________________
jeder mensch wird als original geboren,
aber die meisten sterben als kopie

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