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Leselupe.de > Ungereimtes
nachtmar
Eingestellt am 02. 04. 2012 04:06


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laudabilis
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nachtmar

es heulen wieder w├Âlfe
durchs land l├Ąngst
hingemordet alle
├Ąngste besiegt geglaubt

rotk├Ąppchen packt
den samariterkorb und kommt
erneut vom weg ab vermeintlich
nur um blumen zu pfl├╝cken

untote geistern durch
die vollmondnacht
nichts sehnlicher w├╝nschen
die wiederg├Ąnger herbei

als die morgend├Ąmmerung
endlich schlafen zu d├╝rfen

Version vom 02. 04. 2012 04:06
Version vom 02. 04. 2012 14:53

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Architheutis
Guest
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Hallo laudabilis,


M├╝sste "nachtmar" nicht mit h geschrieben werden?

Ich verstehe die Zeilenumbr├╝che nicht. Die wirken etwas gewollt:

quote:
durchs land l├Ąngst
hingemordet alle

quote:
den samariterkorb kommt
erneut vom weg ab vermeintlich

quote:
als die morgend├Ąmmerung als
endlich schlafen zu d├╝rfen

Warum ist es wichtig, dass diese W├Ârter noch vorgezogen stehen? Die so erzeugten Sprechpausen in der Syntax betonen eben die W├Ârter, die ich blau markiert habe. Mir ist unklar, warum selbe einer solchen Hervorhebung bed├╝rfen.

quote:
untote geistern wieder
durch die vollmondnacht
nichts sehnlicher w├╝nschen
die wiederg├Ąnger herbei

Diese Strophe ragt deutlich hervor. Vor allem kommt sie ohne diese komischen Zeilenumbr├╝che aus.

Wie w├Ąre dieser Kahl-Vorschlag?:


nachtmahr

untote geistern wieder
durch die vollmondnacht
nichts sehnlicher w├╝nschen
die wiederg├Ąnger herbei

als die morgend├Ąmmerung
als endlich schlafen zu d├╝rfen



Lieben Gru├č,
Archi


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laudabilis
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hallo archi,
mag sein, dass manche duden-redakteure heute "mahr" f├╝r die richtige schreibweise halten. die letzte w├Ąre ja nicht die erste rechtschreibreform, die die deutsche schriftsprache gr├╝ndlich verhunzt hat. (vgl. "behende", dass auf neudeutsch jetzt "beh├Ąnde" geschrieben wird, aber ├╝berhaupt nichts mit der hand zu tun hat, sondern sich aus dem germanischen "hen" f├╝r "schnell" herleitet). in diesem sinne begreife ich "mar", und zwar ohne "h" ebenfalls aus dem germanischen hergeleitet. oder w├╝rdest du die verniedlichung dieses wortes, n├Ąmlich "m├Ąrchen" ebenfalls mit "h" schreiben?

nun zu deiner kritik an den zeilenumbr├╝chen:
der ganze text ist eine aneinanderreihung von traumsequenzen. jeder mensch, na ja, fast jeder, tr├Ąumt albe ebenso wie erotische phantasien. genau diese mischung war es, die fr├╝her an verglimmenden herdfeuern erz├Ąhlt wurde. damals, als es noch keine computer, kein tv, keine zeitungen, keine horror- und sexfilme gab und zumindest im l├Ąndlichen raum auch b├╝cher nicht allzu verbreitet waren. und zu einer zeit, als es auch die gebr├╝der grimm noch nicht gab, die sp├Ąter das, was sie in diesem l├Ąndlichen raum m├╝hsam recherchiert hatten, entschreckt und vor allem entsexualisiert und, bevor sie es niederschrieben, alles auch noch in einer geh├Ârigen portion moralin ers├Ąuft haben.
diese m├╝ndlich ├╝berlieferten geschichten am herdfeuer strotzten vor schrecken und sexualit├Ąt, und sie strotzen vor inneren br├╝chen auf dem weg vom einen zur anderen und wieder zur├╝ck. diese br├╝che will ich darstellen.

ergo: danke f├╝r deine m├╝he und dein hilfsangebot. aber in diesem fall bleibe ich bei meiner version.

liebe gr├╝├če
laudabilis

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laudabilis
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dein stolpern hat mich dazu gebracht, noch mal alte texte hervorzukramen und darin zu bl├Ąttern. es gab eine zeit in den 80er jahren, da waren so unklare umbr├╝che in meinen texten sogar stilbildend. das war die zeit, in der lyrik von der lediglich umbrochenen prosa ├╝ber diesen umweg tats├Ąchlich wieder den weg zur├╝ck zu einer wirklich lyrischen sprache fand. diese texte gaben dem leser wie dem rezitator gewisse freiheiten, seine eigenen schwerpunkte in dem text zu finden und zu setzen.

und auch in dem text, den wir gerade diskutieren habe ich diese f├╝r dein empfinden ungew├Âhnlichen umbr├╝che bewusst gesetzt, um doppeldeutigkeiten herzustellen ohne mich in unendlichen wortwiederholungen verlieren zu m├╝ssen.

beispiel 1: "alle" im sprung von vers drei auf vers vier der ersten strophe. es bleibt dir als leser und selbst mir als vorleser situativ ├╝berlassen, dieses "alle" auf die hingemordeten w├Âlfe oder auf die besiegten ├Ąngste zu beziehen.

beispiel 2: "vermeintlich" im sprung von vers drei auf vers vier der zweiten strophe. kommt rotk├Ąppchen nun nur vermeintlich vom wege ab oder kommt sie tats├Ąchlich vom wege ab, aber lediglich vermeintlich "nur um blumen zu pfl├╝cken"?

diese f├╝r dich so schwer verdaulichen umbr├╝che sind also wirklich geezielt gesetzt.

in der vierten strophe habe ich den ungew├Âhnlichen zeilensprung gesetzt, um zu vermeiden, dass die nur zwei verse dieser strophe beide mit dem w├Ârtchen "als" beginnen. mit deiner kritik/deinen anregungen im hinterkopf habe ich jetzt noch mal dr├╝ber nachgedacht und bin nun selbst zu dem schluss gekommen, dass das eigentlich bl├Âdsinn ist und werde das unverz├╝ghlich ├Ąndern. der erste vers dieser strophe endet folglich ab sofort mit "morgend├Ąmmerung". ich finde mittlerweile sogar, dass die aussage verst├Ąrkt wird, wenn diese schlusszeilen beide mit "als" beginnen.

insofern haben deine m├╝he und dein hinterfragen also doch etwas bewirkt und - wie ich finde - zur verbesserung meines textes beigetragen. herzlichen dank daf├╝r.

lg,
laudabilis

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AchterZwerg
Guest
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Lieber Eberhard,
dein Gedicht gef├Ąllt mir ├╝ber weite Strecken gut, insbesondere die Idee, die hinter dem Ganzen steckt. Mit den Zeilenumbr├╝chen habe ich pers├Ânlich keine Probleme, m├Âchte aber etwas mehr Verdichtung vorschlagen.
Und "Nachtmahr" kenne ich auch nur mit h. Zudem gibt es ein Projekt des g├Âttlichen ├Âsterreichischen Musikers Rainer, das genauso hei├čt, also einer ├ťberlegung wert ist.

quote:
es heulen wieder w├Âlfe
durchs land. l├Ąngst
hingemordet alle
├Ąngste besiegt geglaubt

rotk├Ąppchen packt wieder
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untote geistern wieder
durch die vollmondnacht
w├╝nschen sich sehnlichst die
wiederg├Ąnger herbei

die morgend├Ąmmerung endlich
schlafen zu d├╝rfen
Hmmm? Ist n u r ein Vorschlag, gell?

Liebe Gr├╝├če
das achte Zwergenmischwesen


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laudabilis
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liebe heidrun,

sch├Ân, wieder von dir zu lesen. ich dachte schon, dich gibts hier gar nicht mehr.

zun├Ąchst zum titel: ich bleibe bei mar ohne "h". einfach deshalb, weil es etymologisch richtig ist. aus diesem mar hat sich ├╝brigens sp├Ąter die m├Ąr (heute: das ger├╝cht) entwickelt. und wenn man da wiederum mit einem "h" reinschlagen w├╝rde, w├Ąre man ja fast schon beim pferd kurz vor dem rossschlachter.

was deine sonstigen ├Ąnderungsvorschl├Ąge betrifft: fast zwei drittel davon habe ich sofort und spontan ├╝bernommen. nicht alles, auf einiges habe ich mit meiner version versteifen m├╝ssen. aber lies mal die neue version mit den von mir ├╝bernommenen ├Ąnderungsvorschl├Ągen von dir.

du hast mal wieder, wie fast jedes mal, ein echtes h├Ąndchen zur verbesserung eines textes von mir gezeigt.

liebe gr├╝├če
eberhard

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laudabilis
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noch ein bisschen mehr etymologische herleitung

liebe heidrun, lieber archi,

noch ein bisschen mehr etymologische untermauerung daf├╝r, dass ich auf "mar" ohne "h" bestehen will und muss.
sicherlich kennt ihr den ebglicshcen begriff "nightmare" f├╝r albtraum. "nightmare" ist alles andere als ein anglizismus. ich hab es aber f├╝r meine ├╝berschrift zur├╝ckgedeutscht.
lange vor den r├Âmern und noch viel l├Ąnger vor wilhelm dem eroberer haben die angeln und die sachsen die inseln besiedelt, die wir heute als "das vereinigte k├Ânigreich" kennen.
aus dem sprachgebrauch dieser keltisch-germanischen st├Ąmme leitet sich das wort "mar" her, das wir heute noch im englischen "nightmare" wiederfinden. ├╝brigens l├Ąngst nicht der einzige anglizismus, der seine ahnentafel auf die keltisch-germanische sprachfamilie zur├╝ckf├╝hren kann.
die verhunzte rechtschreibreform des vergangenen jahrzehnts im deutschsprachigen raum war im lauf der deutschen sprachgeschichte sicher nicht die einzige ihrer art. vielleicht waren es die grimms, die in ihrem w├Ârterbuch ein "h" in dieses wort hineingelogen haben, um damit den langgezogenen vokal zu unterstreichen.
etymologisch betrachtet ist es aber auf jeden fall falsch, und deshalb bleibe ich entgegen aller widerreden bei "mar" ohne "h".

liebe gr├╝├če euch beiden,
eberhard

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