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Leselupe.de > Kurzgeschichten
nachts
Eingestellt am 29. 03. 2001 14:36


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Fredy Daxboeck
One-Hit-Wonder-Autor
Registriert: Feb 2001

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M├╝de lehnte sich Mark in seinem Drehstuhl zur├╝ck und verschr├Ąnkte die Arme hinter dem Kopf. Mit geschlos-senen Augen streckte er seinen K├Ârper durch, so weit dies m├Âglich war und atmete langsam ein und schnell wieder aus. In letzter Zeit packte ihn diese verdammte M├╝digkeit immer h├Ąufiger an. Sie war nicht einmal auf eine bestimmte Zeit beschr├Ąnkt, kam mal fr├╝her, mal sp├Ąter und die letzten Tage, wie es schien, mit Sicherheit ├Âfter. Heute hatte er bereits das dritte Mal das Gef├╝hl, da├č er den Tag nicht ├╝berstehen w├╝rde. Ich brauche einen Kaffee sonst schaffe ich das nicht, dachte er und wollte sich erheben, als ihm mit Best├╝r-zung einfiel, da├č es heute seine vierte Tasse sein w├╝rde. Ich brauche keinen Kaffee, ich brauche ein Auf-putschmittel, wollte er sich selber ein wenig aufmuntern. Klappte aber nicht. Seine Lider waren nicht nur bleischwer, an seinen Lidern schienen Betondeckel zu h├Ąngen. Vielleicht versuchst du es einfach mit etwas mehr Schlaf mein Junge, meldete sich nun auch seine innere Stimme; die Stimme, die er stets h├Ârte, wenn ihm das Denken, aus welchen Gr├╝nden auch immer, schwer fiel. "Ach, Schei├če", murmelte er, um diese Stimme zum Schweigen zu bringen, er hasste sie, weil sie einfach zu vern├╝nftig war. "Zum Schlafen habe ich sp├Ąter noch Zeit."
M├╝rrisch schob er seinen Stuhl zur├╝ck und stand auf. Mit wenigen Schritten war er bei dem kleinen Fenster, das auf den winzigen Vorgarten f├╝hrte, und ├Âffnete einen der Fl├╝gel. Am Himmel hingen bleigraue, regen-schwangere Wolken, die offenbar nur darauf warteten, ihre schwere Last ├╝ber dem Land auszusch├╝tten. Aber sie lie├čen sich noch Zeit. Die Luft war feucht und dick, als ob man sie mit H├Ąnden fassen und auswrin-gen k├Ânnte; und still. Viel zu still. Wahrscheinlich sa├čen sogar die V├Âgel irgendwo keuchend in den B├Ąumen und waren zu schwach um ihre Lieder zu pfeifen.
Mark st├Âhnte ersch├Âpft. Seine Augen brannten und seine Haut juckte. Aber das war nicht nur der Schwei├č, der ihm scheinbar in B├Ąchen ├╝ber den R├╝cken und ├╝ber die Arme und in die Stirn lief. Da war auch so ein unbestimmtes Gef├╝hl, als ob ihm eine unbekannte und unsichtbare Fee st├Ąndig mit einem eiskalten, spitzen Ding stechen w├╝rde. Nicht allzu fest und nicht unbedingt in besonders heikle Teile, aber daf├╝r in rasendem Stakkato. Vielleicht waren es auch viele, kleine, und sie peitschten ihn mit einer neunschw├Ąnzigen Katze aus. "Mist!" Mark schlug sich die H├Ąnde vor sein Gesicht und schloss die Augen. So konnte das auf keinen Fall weitergehen. Wenn er sein Arbeitspensum nicht augenblicklich um einiges zur├╝ckschraubte, w├╝rde er in den n├Ąchsten Tagen umkippen und einfach schlappmachen. Au├čerdem brachte ihn sein Schlafentzug auf die Dauer auch nicht weiter, weil er Fehler machte. Bis jetzt war er sich dessen nicht bewusst, aber Fehler machte er sicher. Er w├╝rde sie sp├Ąter bemerken. Sp├Ąter wenn es vielleicht zu sp├Ąt war. Ein tiefes St├Âhnen qu├Ąlte sich aus seiner Brust. Mark registrierte zwar das Ger├Ąusch, konnte es aber erst nach Sekunden als sein eigenes identifizieren.
"Es wird Zeit, es wird eindeutig Zeit" murmelte er und wandte sich widerstrebend ab. Nach einem letzten, langen Blick auf seinen Schreibtisch, der vor Papieren ├╝berquoll und mit Fotos, Tabellen und Computeraus-drucken ├╝bers├Ąt war, schlurfte er aus seinem Arbeitszimmer und schleppte seinen m├╝den K├Ârper die Treppe in den zweiten Stock hinauf.
"Nur drei, vielleicht vier Stunden schlafen, das muss reichen", brummte er, wusste aber nat├╝rlich, da├č es nie reichen w├╝rde. Nicht nach all den Tagen, die er zum Teil beinahe ohne Schlaf durchgearbeitet hatte. Dazwi-schen waren Pausen gewesen, die er mit Essen, das er von einer nahegelegenen Imbissstube kommen lie├č, pappige Sandwiches und warmes Cola, notd├╝rftiger K├Ârperpflege und dem Gang auf die Toilette, auf der er sich auch schon schlafend ertappt hatte, ausgef├╝llt hatte.
Kaum im Schlafzimmer angekommen, legte er sich auf das Bett und bevor sein Kopf das Kissen ber├╝hrt hat-te, schlief er. Tief und fest. Das Kratzen an seinem Fenster, wie das verzagte Schaben eines Zweiges bei starkem Wind, h├Ârte er nicht mehr. Wahrscheinlich h├Ątte er es auch ignoriert, wenn er nicht ganz so m├╝de gewesen w├Ąre. Wahrscheinlich. Vielleicht w├Ąre er aber zum Fenster gegangen und h├Ątte nach drau├čen gese-hen. Vielleicht h├Ątte er diesem Ger├Ąusch die Bedeutung zugemessen, die ihm zustehen sollte. So aber nahm das Schicksal seinen Lauf.
W├Ąhrend der junge Computerprogrammierer Mark Swain, der in seinem Job weiterkommen wollte, und des-wegen jede frei Minute arbeitete, in seinem Bett lag, um wenigstens ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, kam der Tod auf eine seltsame und grausige Weise zu ihm.

Leise ├Âffnete sich das Fenster und eine Hand mit neun Fingern, von denen zwei wie ├╝berlange Daumen aus-sahen, kam herein. Kurz danach kam auch die zweite Hand nach. Mit einer kr├Ąftigen Bewegung schwang sich nun der dazugeh├Ârige K├Ârper ins Zimmer. Die Gestalt war in einen schwarzen Umhang geh├╝llt. Sie schien zu leuchten und strahlte eine ungew├Âhnliche Hitze ab. Langsam n├Ąherte sich der seltsame Besucher dem Bett. Er betrachtete sein hilfloses Opfer, wie es dalag, nichtsahnend. Dann streckte er eine seiner Pranken aus und schlang die Finger um Marks Hals. Augenblicklich war verbrannte Haut zu riechen, als er fest zudr├╝ckte. Mark ├Âffnete die Augen, in denen sich, verschleiert erst, schieres Entsetzen widerspiegelte. Er wollte sich wehren, aber er war zu schwach dazu. Sein Besucher dr├╝ckte mit unbarmherziger Kraft zu, blickte ihm tief in die Au-gen und sah zu wie das Leben aus ihnen entwich.
Er lie├č den reglosen, aber noch warmen K├Ârper los, drehte sich um und sprang beim Fenster hinaus. Dorthin woher er gekommen war.

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