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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
nicht blinken!!!!
Eingestellt am 25. 08. 2011 20:44


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Hagen
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Registriert: May 2011

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Mitte der Siebziger war die Zeit, als wir alle lange Haare hatten, und Joe Cocker am Schluss seines jeweiligen Konzerts besoffen ĂŒber die BĂŒhne wankte.
Wir waren alle jung, hatten kein Geld, studierten irgendwas, und waren stets auf der Suche nach einem Nebenjob.
Es war unter Studenten ein ebenso gutbezahlter wie begehrter Job, die ‘gehobene Kundschaft‘ von ‘Mr. Adrenalin‘ zu den Objekten zu fahren. Das in einem Mercedes mit Servolenkung, Automatik, Klimaanlage, Halogenscheinwerfern und last but not least “Barockfelgen“.
‘Mr. Adrenalin‘, sein richtigen Namen habe inzwischen vergessen, hatte stets drei bis vier ‘Objektfahrer‘ auf Abruf. Er war Makler; - aber nur fĂŒr ‘große Objekte‘ wie Villen, frei stehende HĂ€user mit Garten, Gutshöfe etc.
Aber nur mal eben die Herrschaften zum Objekt fahren; - so einfach war das nicht.
Bevor ich einen dieser begehrten Jobs bekam, wurde ich auf korrekte Kleidung und ordentlichen Haarschnitt hin begutachtet. Wie gut, dass ich mich von meinen langen Haaren wegen einer Statistenrolle im Theater kurz vorher hatte trennen mĂŒssen.
Doch dann wurde ich noch durch ein Wochenendseminar ‘Smooth driving‘ gejagt. Derartige LehrgĂ€nge waren damals gerade in Mode gekommen. Dort lernte ich richtig zu bremsen, etwas zu schleudern und, - worauf starker Wert gelegt wurde - gehobene Umgangsformen, was darin gipfelte, dass der Seminarleiter uns ‘Fahrbanausen‘ nahelegte, den Blinker nicht allzu oft zu betĂ€tigen, da das knackende GerĂ€usch den geneigten Fahrgast stören könnte.
„Ihr Ziel muss auf alle FĂ€lle sein, dass ihre FahrgĂ€ste nach der Fahrt in ausgeglichener GemĂŒtslage aussteigen!“
Na gut.
Der eigentliche Job sah dann so aus:
Mr. Adrenalin rief mich an und beauftragte mich, den Kunden von seiner Wohnung abzuholen und mit ihm z.B. um genau 17 oo Uhr am Objekt zu sein. Dieses konnte auch irgendwo weit abgelegen sein.
Mit dem Kunden an Bord nach Karte zu fahren, war absolut „NEIN!“
Also musste ich mich im Zweifel vorher schlau machen. Wenn die Zeit da war, fuhr ich mit meiner Ente schon mal hin, um die Strecke dann routiniert fahren zu können. Bei der guten Bezahlung lag das drin und wurde auch erwartet.
Den Herrschaften beim Ein, – und Aussteigen die WagentĂŒren zu öffnen und zu schließen war selbstverstĂ€ndlich; - ebenso wie den Damen bei diesem Vorgang nicht ‘irgendwohin‘ zu gucken!
Die Herrschaften sitzen grundsĂ€tzlich hinten, die Dame rechts, der Herr links. Sollte ein Herr alleine fahren, sitzt dieser rechts. WĂ€hrend der Fahrt keine Musik; - es sei denn, der Fahrgast wĂŒnscht eine spezielle Musikrichtung. Keine GesprĂ€che mit der Kundschaft wĂ€hrend der Fahrt; - aber erwecken sie nicht den Eindruck eines muffeligen Taxifahrers! Nach einigen Minuten Fahrzeit erkundigen sie sich höflich, ob die Temperatur im Wagen angenehm ist. Nötigenfalls fummeln sie demonstrativ an der Klimaanlage herum ohne sie zu verstellen!
Kurz nachdem die Kunden dann in ausgeglichener GemĂŒtslage und voller Erwartung vor dem Objekt standen, kam Mr. Adrenalin; - nein, er erschien im dramaturgisch gĂŒnstigen Moment!
In seinem TR 6 und mit RallyemĂŒtze sowie flatternder Krawatte kam er entlang und gab den Gestressten, der schon seit Tagen im Dienste seiner Kunden auf einer Adrenalinwolke dahingleitet.
Wie die GeschĂ€fte liefen, habe ich offiziell nie mitbekommen, aber die Art, wie er mich aufforderte, seine geneigte Kundschaft nach der Besichtigung zu fahren, gab mĂ€chtig Raum fĂŒr Vermutungen.
Zwischen: „Schaff‘ mir bloß dieses Pack vom Hof!“ und: „Seien sie doch so nett, und bringen sie die Herrschaften bitte umgehend in mein BĂŒro.“, gab es zahlreiche Varianten, die dem aufmerksamen Beobachter Aufschluss ĂŒber den Verlauf der Besichtigungen gaben.
Bis ich endgĂŒltig in ein ganz normales Berufsleben eintauchte, habe ich diesen Job noch mit wechselnder Begeisterung absolviert; - und dabei sehr viel ĂŒber den sogenannten ‘Geldadel‘ gelernt.

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