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Leselupe.de > Kurzprosa
nicht marschplangerecht
Eingestellt am 16. 10. 2004 20:06


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Nina K
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2004

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Der Morgen versprach einen Klatschmohnhimmel fĂŒr den Abend, aber Regen zog tagsĂŒber auf. Nun schwimmt der Lehmboden in der DĂ€mmerung. Die Äste der BĂ€ume spiegeln sich trĂŒb in den FlĂ€chen. Schattenspielereien necken die Augen. Traumideen tauchen den Geist zwischen Schauern und Lachen. Doch ich denke verwegen an Brot. Krustenformen brechen vor mir und geben ihr Inneres preis. Es formt sich langsam eine neue Welt.

Am Wegesrand winselt ein Hund, angebunden an ein rostiges KlettergerĂŒst. Verstört schaue ich auf, blicke um mich. Nachtverlassenheit keucht mich an, durchbrochen vom wĂ€rmenden Hecheln des Tieres. Meine Hand streckt sich aus Richtung Schlund und ich denke an Rom – schwingt Wahrheit in diesem Novembergrau?

Es knackt in den Zweigen, als der Wind sich herrisch erhebt. WassererfĂŒllt treibt die Luft KĂ€lte in meine Jacke. Den Hund treibt sie auch - mir zwischen die Beine. Im einsamen Pakt greifen meine Finger sein Ohr und dann nach der Leine. Ganz kurz zuckt er im Licht eines Blitzes, dann straucheln wir fort durch die PfĂŒtzen. Gassenmusikalisch ist das Donnergrollen, das folgt, fĂ€llt mir auf.

Im Bus dĂŒnstet die NĂ€sse ĂŒber den Köpfen der Menschen, auch ĂŒber meinem. Der Hund winselt wieder und kratzt krallend den Boden. Vereinzelte Blicke streifen ĂŒber meine Augen und halten sich nicht. Es ist schon zu spĂ€t, als mir die ErklĂ€rung einfĂ€llt fĂŒr das, was mich der Sekundenalltag fragte. Ich bin dennoch nicht traurig, denn das Rot einer Ampel nimmt mich gefangen. Die Stadt kann auch sanft sein, will es mir so wohl sagen.

Mit MittagsgerĂŒchen empfĂ€ngt uns der Hausflur, Bratensaft, der sich durch TĂŒrritzen zwĂ€ngt. KindheitsgeschwĂ€ngert wĂ€re er mir heute lieber, aber nicht marschplangerecht. So steigen wir Stufen, nur zwei allerdings. Dann zieht sich reumĂŒtig der Hundskopf aus dem Halsband. Ein Mondfaden streift erinnerungsschwer den fliehenden Körper im Hof. Er blieb nur, so lange er wollte, weiß ich da und ringe um Freiheitsgedanken.

Ein letzter Absatz trennt mich noch von der TĂŒr. Hier endet die Reise mit offenen Fragen. Angekommen knirscht der SchlĂŒssel im Schloss und schreit Deinen Namen. Peinlich rollt sich der Gilb aus den Ecken, um mich zu begrĂŒĂŸen. Vielleicht fĂŒhlt er sich hier schon sehr heimisch? Der KĂŒhlschrank klirrt freudig und reicht mir ein Bier. FĂŒr den Fall, dass Du auch eines möchtest, greife ich mir dann doch lieber ein zweites - so ist es wohl richtig.

Dein bettwarmer Kuss trifft besĂ€nftigend meine Gedanken. Verloren sinke ich auf Deinen Körper und streife dabei Deine Lust. Ein einziger Griff Deiner Hand löst mich auf. Irgendwann trĂ€nen die Lippen und dann bist Du wach. Vertrunken taumelt der Mond durch die Wolken und strĂ€hnt Deine Haare. Im letzten Moment hebst Du stöhnend die Lider und stĂŒrzt Deinen Blick in den meinen. Im Duschstrahl trifft uns anschließend das Lachen. Verschmitzt treibt Wohlbefinden in diesen Abend und schickt uns sanft schlafen.


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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

poesie in prosa gepackt. das funktioniert schon.
gerade bei kurzprosa oder prosagedichten.
du mußt aufpassen, daß es nicht zu viel wird, nina.

zwischendurch fĂŒhlte ich mich durch deine metaphern
und stimmungsbilder echt gefangen.
ich war ĂŒber ihre schönheit und kunstfertigkeit
ĂŒberrascht.

ich spĂŒrte, wie du dir dabei gefĂ€llst. das ist gut so.
aber dann kippt es. irgendwann kippt es immer.
dann gehst du unter in den bildern.

bon.

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Nina K
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Aug 2004

Werke: 22
Kommentare: 30
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Hallo bonanza,

es sind erste Versuche, in dieser Richtung. Ich habe bisher fast nur klassisch gedichtet. Es ist ein schwieriger Grad, ich habe es wohl gemerkt.
Danke fĂŒr Deine Aufmerksamkeit. Ich werde das nĂ€chste Mal versuchen, ein wenig die Bilder zurĂŒckzunehmenn, wohl zugunsten des Inhalts.

Lieben Gruß
Nina

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bonanza
Guest
Registriert: Not Yet

ja, zu gunsten des inhalts und des geschmacks.
das ist, wie wenn du einen cocktail zusammenstellst.
du mußt die inkredienzien zueinander abwĂ€gen.
je nach dem geschmack und der wirkung, die du haben willst.
zu sĂŒĂŸ, zu viel sirup mochte ich noch nie.

gruß
bon.

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