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Leselupe.de > Horror und Psycho
noch ohne Titel
Eingestellt am 19. 01. 2005 22:47


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mrjingle
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2002

Werke: 6
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Wenn du genauer hinsiehst, wirst du die Risse bemerken.
Sie ziehen sich ├╝ber meinen gesamten K├Ârper. Doch im Gesicht ist es am schlimmsten.
Ich beobachte sie schon eine ganze Weile. Zuerst sah es aus wie trockene Haut.
Allerhand Cremes und Hausmittelchen habe ich angewandt. Gebracht hat es nichts.
Ich bin schlie├člich dazu ├╝bergegangen die Risse mit Makeup zu ├╝berdecken. Niemand bemerkte was mit mir passierte. Vorsichtige Bemerkungen von meiner Seite wurden mit ├ťberraschung und Unglauben beantwortet.
Ich bin ein Meister der Camouflage.
Ich bin nie zu einem Arzt gegangen. Zuerst war es die Scham, dann die Einsicht, dass mir kein Mensch dabei helfen kann.
Die Schichten Makeup wurden dicker. Die Kinder bei mir im Haus fingen an ihre Witze zu machen. Als sie merkten, dass von mir keine Gefahr auszugehen schien, wurden sie mutiger. Ich konnte nicht mehr ├╝ber den Hof gehen, ohne eine Schar kleiner, schreiender Sp├Âtter hinter mir herzuziehen. Die Leute fingen an zu tuscheln.
Vor ein paar Monaten habe ich begonnen meine Wohnung nicht mehr zu verlassen.
Man kann sich alles liefern lassen, was man zum ├ťberleben braucht.
Wusstest du das?
Wenn ich einen Boten erwarte, verschwinde ich zwei Stunden vorher im Badezimmer. So lange brauche mittlerweile um die Risse zu ├╝berdecken.
Ich ernte misstrauische Blicke f├╝r mein Bem├╝hen. Aber solange das Geld stimmt, werden keine Fragen gestellt.
Das ist mir ganz recht.
W├╝rde ich mich nicht schminken, s├Ąhe ich sie schreiend davon laufen.
Es ist wirklich schlimm geworden. Ich verbringe viel Zeit damit vor dem Spiegel zu stehen und den Rissen beim Wachsen zuzusehen. Sie pulsieren, als h├Ątten sie ein eigenes Leben.
Doch ich sp├╝re, dass es nicht sie sind, die leben. Da ist noch etwas anderes. Es ist in mir. Es w├Ąchst. Es wird seiner H├╝lle ├╝berdr├╝ssig.
Die Wahrheit ist, ich bin nur noch ein Kokon, eine H├╝lle, ein Brutplatz.
Und die Zeit des Schl├╝pfens steht unmittelbar bevor.
Herauskommen wird allerdings kein Schmetterling. Dessen bin ich mir sicher.
Bisher war sein Wachsen schmerzlos. Aber ich habe Angst vor der Geburt.
Ich habe beschlossen den Moment nicht abzuwarten. Unser Haus ist hoch. Das h├Âchste Geb├Ąude der Stadt. Das sollte ausreichen.
Es sollte bald geschehen. Solange es noch auf mich als Wirt angewiesen ist.
Wenn ich gesprungen bin, werden sie die Risse nicht bemerken. Sie werden sagen, das k├Ąme vom Aufprall.
Aber du wei├čt es besser.
Du kannst sie warnen.
Sag ihnen, am Anfang sieht es aus wie trockene Haut.

__________________
Die Geister die ich rief
werd ich nun nicht wieder los.
Sollen sie ruhig bleiben,

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mye
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Registriert: May 2003

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hallo

nette gruselgeschichte. inhaltlich gef├Ąllt sie mir sehr gut, f├Ąllt mir jetzt so spontan gar nichts ein, was ich gro├čartig ├Ąndern w├╝rde. klar, sie ist sehr kurz und demnach nur ein kleiner einblick, als eine kurzgeschichte, aber es hat ausgereicht, um spannung aufzubauen und vor allem der schluss ist dir, meiner ansicht nach, gut gelungen; ich denke, ohne den letzten satz

quote:
Sag ihnen, am Anfang sieht es aus wie trockene Haut.
w├Ąre die geschichte m├Âglicherweise nur halb so gut, aber so... mir gef├Ąllts. vor allem die direkte anrede
quote:
Aber du wei├čt es besser. Du kannst sie warnen. Sag ihnen [...]
geben dem text noch eine zus├Ątzliche w├╝rzung: erscheint irgendwie wie ein abschiedsbrief, der zugleich eine warnung darstellt. interessant.

nur die kommasetzung k├Ânnte von sporadisch zu regelm├Ą├čig ├╝bergehen

liebe gr├╝├če

mye


__________________
man findet keine freunde mit sala-at, man findet keine freunde mit sala-at... (die simpsons)

www.moviereporter.net

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mrjingle
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2002

Werke: 6
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Hallo mye!

Erst einmal herzlichen Dank f├╝r deinen Beitrag.

Es freut mich, nach langer Schreibpause (daher auch erst einmal ein kurzer Beitrag), dass die erste Kritik so positiv ausf├Ąllt.

Was die Kommasetzung angeht...
Ich gestehe*g* Asche auf mein Haupt.
Habe ich schon zu Schulzeiten gehasst.

Ich habe gehofft, durch den Schreibstil mit kurzen S├Ątzen um dieses leidige Thema herumzukommen;-)
Positiver Nebeneffekt: Die kurzen S├Ątze vermitteln meiner Meinung nach ganz gut das vorherrschende Gef├╝hl der selbst gew├Ąhlten Einsamkeit. (Wobei der Gedanke eines Abschiedsbriefes nicht falsch ist)

Der letzte Satz war auch als Klammer gedacht, den Kreis zu schlie├čen.

Zu guter Letzt muss ich gestehen, dass die Grundidee nicht von mir ist.
Eine Kurzgeschichte von Stephen King (Der alte Astronaut dem Augen aus den Fingern wachsen) deren Titel mir leider gerade entfallen ist verl├Ąuft ├Ąhnlich.
Ich hoffe der Meister des Horrors sieht es mir nach.

Nochmals Danke

mrjingle
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MarleneGeselle
???
Registriert: Feb 2003

Werke: 15
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Keine Geburt

Hallo Mr. jingle,

deine Geschichte kommt athmosph├Ąrisch gut r├╝ber. Man kann sich in die Protagonistin hineinversetzen, sieht die Szenen vor dem geistigen Auge ablaufen.

Eine Kleinigkeit jedoch:
Die Frau beschreibt das kurz bevorstehende Schl├╝pfen des Wesens als Geburt. Wenn ein Parasit voll entwickelt ist und den Gastk├Ârper verlassen will bzw. muss, sprengt er ihn auseinander; er verl├Ąsst ihn nicht auf dem nat├╝rlichen Geburtskanal. Du schreibst, dass sich das Gesicht ver├Ąndert, es entstehen Risse in der Gesichtshaut, die mit Make-up verdeckt werden. Danach m├╝sste der Parasit den K├Ârper durch den Kopf verlassen. - Aber das hat mit einem Geburtsvorgang gar nichts zu tun.
Die Sorgen, die sich eine Frau w├Ąhrend der Schwangerschaft macht, k├Ânnen nicht mit dem verglichen werden, was deine Protagonistin durchmacht. Hier geht es um keine Geburtsrisiken, hier geht es darum, von einem Parasiten im wahrsten Sinne des Wortes aufgefressen zu werden. Es geht darum, dass der Parasit bald unabh├Ąngig ist und im Stande, sehr viel Unheil anzurichten.

M. E. lie├če sich das Ganze noch am besten mit einer Made im Speck vergleichen.

Gr├╝├če
Marlene

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mrjingle
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Mar 2002

Werke: 6
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Hallo Marlene,

Ehrlich gesagt, ging es mir gar nicht um einen realen Geburtsvorgang.
Meiner Ansicht nach habe ich , vielleicht liege ich da auch falsch, keinerlei Hinweis auf das Geschlecht des Protagonisten gegeben.
"Geburt" ist von mir nur als Wort genommen worden, weil es einmal auf das Heranwachsen bzw. das Beenden des Wuchses eines "neuen" Lebens anspielt.
Zum zweiten auch um die Vermutung des Protagonisten Ausdruck zu verleihen, dass es eine schmerzhafte Prozedur sein kann.

Zu den Rissen (bei denen ich mich frage, ob ich das Wort nicht etwas zu oft benutze, Hinweise oder Vorschl├Ąge willkommen):
Mir gefiel der Gedanke, dass sie nur in der Einbildung der Figur vorkommen. Sozusagen als Metapher f├╝r einen geistigen Verfall.
Aber wer wei├č das schon*g*? Schlie├člich k├Ânnen wir den Verfasser des Briefes nicht mehr fragen.

Vielen Dank f├╝r deine Gedanken zum Text.

mrjingle
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MDSpinoza
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Registriert: Jul 2004

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Brrrrrrr! Immerhin, die Geschichte ist eine echte "9"!
__________________
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