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Leselupe.de > Experimentelle Lyrik
oder da drinnen und außen
Eingestellt am 01. 12. 2017 15:58


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Patrick Schuler
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2014

Werke: 172
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blick aus fenstern.
die erde trinkt regen.
tropfen stecken dem wind
tropfen stecken dem wind im körper
tropfen stecken dem wind im körper wie abgetrennte
stecknadelköpfe im fleisch.
es rieselt das licht und rieselt
wie staub in den nebel.
der macht die welt ertrinken.
der macht ein netz aus luft und regen.
aus grau und grau.

blick nach innen.
in ihr ist eine landschaft versteint.
ihre last macht schweigen.
schweigen.
sie lebt in einer einzigen pose.
- weil's fein ist, nennts sie's erinnern.
sprache.
ihre zunge löscht ihr gesicht mit klirrenden worten.
zuweilen schiebt
sie schiebt
ein lächeln in die hohle gebärde ihrer hände.
es fällt.
schlaf wird auch in den lidern aufbewahrt
wie regen in den wolken.
das herz steht still in der zeit.
die zeit steht still in den steinen.
die steine

das bild aus dem blausonntagshimmel hat risse.
die gehen wie adern durchs fleisch.
die wunden stellen des hauses wurden verglast.
dahinter fließt landschaft.
die dünne haut wird nur selten durchbrochen.
sie sinkt erneut in ihr blasses gesicht.
sie leiht sich den schlaf aus dem schwarz der pupille.

auch darin ist nacht.
und das gesicht wird bleich an fenstern an das die wange sich drückt.

(gedicht abgebrochen)...

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Bernd
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Aug 2000

Werke: 2288
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Mir gefällt das Gedicht.

man merkt hier auch, wie durch Wiederholung ein Wort seine Eigenschaften ändert, eindringlicher wird.
Schöne poetische Bilder,
und auch der Abbruch passt.
__________________
Copy-Left, samisdada, Dada Dresden

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Trainee
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Registriert: Oct 2017

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Hallo Patrick,

quote:
blick aus fenstern.
die erde trinkt regen.
tropfen stecken dem wind
tropfen stecken dem wind im körper
tropfen stecken dem wind im körper wie abgetrennte
stecknadelköpfe im fleisch.
es rieselt das licht und rieselt
wie staub in den nebel.
der macht die welt ertrinken.
der macht ein netz aus luft und regen.
aus grau und grau.

blick nach innen.
in ihr ist eine landschaft versteint.
ihre last macht schweigen.
schweigen.
sie lebt in einer einzigen pose.
- weil's fein ist, nennts sie's erinnern.
sprache.
ihre zunge löscht ihr gesicht mit klirrenden worten.
zuweilen schiebt
sie schiebt
ein lächeln in die hohle gebärde ihrer hände.
es fällt.
schlaf wird auch in den lidern aufbewahrt
wie regen in den wolken.
das herz steht still in der zeit.
die zeit steht still in den steinen.
die steine

das bild aus dem blausonntagshimmel hat risse.
die gehen wie adern durchs fleisch.
die wunden stellen des hauses wurden verglast.
dahinter fließt landschaft.
die dünne haut wird nur selten durchbrochen.
sie sinkt erneut in ihr blasses gesicht.
sie leiht sich den schlaf aus dem schwarz der pupille.

auch darin ist nacht.
und das gesicht wird bleich an fenstern an das die wange sich drückt.

(gedicht abgebrochen)...


du hast das zweite herausragend gute Gedicht der letzten Zeit geschrieben. Das andere beschreibt auf überaus poetische Weise den Alentejo.
[Beides natürlich aus meiner unmaßgeblichen Sicht, mag die nun uberflüssig oder wertvoll sein.]

Was ich an dir und deinem Gesamtwerk so wertschätze, ist dieses ständige Suchen und Versuchen; du begnügst dich nicht mit aufgewärmten Mahlzeiten, sondern probierst dich in Formen der Neuzeit aus. Und das meist auf eine Weise, die auf mich versiert wirkt.
Recht eigentlich beschreibst du einen Blick aus dem Fenster an einem regnerischen Tag , etwas absolut Alltägliches in unseren Gegenden.
Aber wie du das machst!
Regenschauer, die wie Stecknadeln in das Fleisch dringen, bahnen winzige Tunnel zum Innen, der versteinten Landschaft, doch:

quote:
auch darin ist nacht.
und das gesicht wird bleich an fenstern an das die wange sich drückt.

Mir bleibt noch der fast genialische Schluss zu bestaunen! Du solltest das Gedicht an einen ernstzunehmenden (!) Verlag oder einen renommierten Wettbewerb schicken ...

Applaudierende Grüße
Trainee
__________________
Mein Maul ist ein Löwe / mein Herz ein Kaninchen / Von fern bin ich Zora, von Nahem: Sabinchen (Simone Borowiak)

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Patrick Schuler
Routinierter Autor
Registriert: Nov 2014

Werke: 172
Kommentare: 1015
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Vielen Dank, Trainee.
Da war ich so unsicher bei diesem Textle und nu kommt es so gut an. Das macht Freude

Allerdings kann ich nur eines der Gedichte für mich beanspruchen.

Das Andere ist und bleibt Tulas Kunstück

L.G
Und ganz viel Danke
Patrick

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Mondnein
Routinierter Autor
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Werke: 605
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GrüßDich, Patrick!

Die Wortwiederholungen.
Obwohl sie nicht mit einem Metrum durchgeregelt sind, machen sie einen musikalischen Eindruck; das liegt am Fließen der Worte durch die Wiederholungswellen. Die Motive setzen sich fort, aber sie verwandeln sich, von Bild zu Bild.

Eine Art weicher Übergänge von Bildlandschaft zu Bildlandschaft.

Ich stimme, was den Schluß angeht, nicht mit den anderen Lesern überein: Es ist einerseits so, daß ein Ende nicht als Ende benannt werden muß, es hört nunmal an der Stelle auf. Zum zweiten ist es gar nicht so abgebrochen wie behauptet, das Bild schließt sich rund, harmonisch, und bei dem Wiederholungsfluß der Motive dürfte es ruhig offen enden, sogar mitten im Satz (wie Finnegans Wake) ohne Punkt, zumal Gedichte keiner Schlußpunkte bedürfen und die Offenheit des Nichtendes lieben, auch sonst, - und Du endest ja sogar mit Punkt, gar nicht mal "offen", abgebrochen oder verlegenheitsschlüssig,

grusz, hansz


__________________
sato bandhum asati nir avindan
hridi pratishya kavayo manisha

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