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Leselupe.de > Kurzgeschichten
ohne titel (noch!?)
Eingestellt am 20. 01. 2002 23:59


Autor
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Deminien
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Dec 2001

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Schweigend sitze ich hier, in Gedanken versunken.
Ein Schatten, kreisend, vor mir auf dem Blatt landet.
Schwarze Punkte auf rotem R├╝cken, emsig krabbelnd.

Dem ersten Frost des Winters ist er mit seinem Vordringen entronnen.
Nun sitzt er hier auf dem Blatt, das keines ist.
Glaubt sich in der W├Ąrme meines Zimmers sicher.
Er irrt.

Ich schau ihm zu, wie er heruml├Ąuft, nehme ihn auf den Finger.
Kaum hochgehalten breitet er seine Fl├╝gel aus und beginnt seine Suche.
Die Suche nach dem, was er hier nicht finden wird.
Meine gepflegten Blumen werden ihn nicht n├Ąhren.
Ungeziefer hat hier keinen Platz.
Und so schaue ich ihm zu, wie er um die Lampe kreist und kreist und kreist.

Kein Mitleid, keine Neugier. Er st├Ârt nicht einmal.
Er wird verhungern, verdursten. Vertrocknet in der Ecke liegen.
Niemand wird es bemerken, so gehen meine Gedanken.

Da ist er wieder, landet auf der Wasserflasche. Sie ist verschlossen.
Immer dem Deckelrand folgend l├Ąuft er im Kreis.
Als w├╝rde er ahnen, da├č das lebend Elixier so nah. Nicht wissend, da├č es f├╝r ihn unerreichbar ist.
Was schert es mich, dieses kleine Leben unter Milliarden, das nicht mehr lang zu existieren hat.
Was k├╝mmert es mich, was mit ihm passiert?

Schlie├člich nehme ich ihn auf, vorsichtig.
Ge├Âffnetes Fenster und ein Fingerschnipsen.
Hinaus in die kalte Welt, w├╝nsche ich ihm Gl├╝ck dort.
Mehr Gl├╝ck als mir verg├Ânnt.

Wieder allein.

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flammarion
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hallo,

deiner beschreibung nach k├Ânnte es ein marienk├Ąfer sein, den man auch gl├╝cksk├Ąfer nennt. wie w├Ąre es mit dem titel "Gl├╝cksk├Ąfer?" ? die geschichte gef├Ąllt mir sehr gut. ohne ├╝berfl├╝ssige schn├Ârkel und treffend erz├Ąhlt. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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Tenshi
Guest
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├ťberschrift?

Hallo Deminien!

Es ist ziemlich eindeutig ein Marien- oder auch Gl├╝ckk├Ąfer, wie ich meine. Aber liegt nicht auch eine Herausforderung des Textes darin, das selbst herauszufinden und nicht von Anfang an vor die Nase gesetzt zu bekommen?
Wie w├Ąr es denn mit dem Titel 'Begegnung' oder 'Ber├╝hrung'. Dem ersten Titel (schlichte Variante) w├╝rde die Tatsache zusprechen, dass hier eine Begegnung zwischen Mensch und K├Ąfer gezeigt wird. F├╝r den zweiten Titel w├╝rde eine gewisse Zweideutigkeit sprechen: Zum Einen die tats├Ąchliche Ber├╝hrung der beiden Protagonisten, zum Anderen die emotionale Ber├╝hrung des Menschen, wenn er denn Gef├╝hle (positive oder negative, die Bewertung liegt nicht bei mir) zeigt bzw. w├╝rden diese Gef├╝hle (wenn denn ├╝berhaupt vorhanden) zumindest durch die ├ťberschrift impliziert.
Aber ist eine ├ťberschrift denn wirklich von so gro├čer Bedeutung? Ist ein literarischer Text erst durch eine solche ein komplettes Werk?
Viel wichtiger ist doch, wie der Text wirkt. Und das tut er. Er zeigt Wirkung durch seine Art des Erz├Ąhlens und durch die Handlung, die sp├Ąrlich, aber voller Bedeutung ist.

Lieben Gru├č zur Nacht
Tenshi

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Deminien
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Hallo flammarion,

Du hast richtig erkannt, da├č es sich um einen Marienk├Ąfer handelt. Urspr├╝nglich hatte ich dies w├Ąhrend der Entstehungsphase auch als Titel. Doch er gefiel mir nicht. Vor Ver├Âffentlichung bekam ich von anderer Seite Resonanz, die den Titel ebenfalls als unpassend bezeichnete (dazu unten mehr).


Hallo Tenshi,

es ist nicht schwer, zu erraten, um welches Insekt es sich handelt. Da es aber im Text nicht wirklich um ihn, sondern eher um den, der die Geschichte erz├Ąhlt geht, f├Ąnde ich "Marienk├Ąfer" als zu vordergr├╝ndig und sogar irref├╝hrend. "Ber├╝hrung" kommt dem Inhalt da schon wesentlich n├Ąher. Ist aber nicht ganz das richtige (just imho).
Wie Du siehst ist der Titel f├╝r diesen kurzen Text schon wichtig. Bei l├Ąngeren Geschichten ist der Titel nicht ganz so entscheident, da die Erz├Ąhlung ausreichend M├Âglichkeit bietet, deutlich zu machen was ausgesagt werden soll.


"Einsames K├Ąfergl├╝ck" ist bisher das beste was mir eingefallen ist.


Vielen Dank f├╝r Eure Hilfe.


Deminien




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flammarion
Foren-Redakteur
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ja,

deshalb habe ich ja auch das fragezeichen hinter gl├╝cksk├Ąfer gesetzt. damit der leser sieht, es ist nicht der k├Ąfer allein gemeint. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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loona
Wird mal Schriftsteller
Registriert: Oct 2000

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Hallo Deminien :-)

Eine sehr sch├Ân gezeichnete Atmosph├Ąre. Dicht, bildreich, wohlformuliert (bis auf "lebend Elixier" - was ist das? Wasser, das atmet und Photosynthese betreibt? ;-) )

Erst im Nachhinein fallen die m├Âglichen Um-Interpretationen des K├Ąfers als Sinnbild f├╝r die Zust├Ąnde und Vergangenheiten des lyrischen Ichs auf (ich hatte mich schon gefragt, weshalb der K├Ąfer unbedingt erst einmal um die Lampe kreist und kreist und an der Flasche dann schon wieder...)

So richtig gelungen finde ich das Ende. W├╝rde der letzte Satz fehlen, w├Ąr es einfach nur pathetisch. So wird's auf einmal knochentrocken. Fr├Âstelnd. Leer.

Allein.

Und das war es ja, was Du transportieren wolltest. Oder?

Mit Gru├č

loona
__________________
29.10.2002: Tsch├╝ss und vielleicht ein ander Mal in der Federgilde

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Deminien
Schriftsteller-Lehrling
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Hallo loona,


ich versichere Dir, da├č das Wasser (von mikroorganismen abgesehen) ganz unlebendig war ;-)

Danke f├╝r das Lob.

Deine Frage beantworte ich schlicht mit Ja. Ein wenig verlegen m├Âchte ich auch zugeben, da├č die Schilderung nicht erfunden ist.


Deminien









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