Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92210
Momentan online:
386 Gäste und 17 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
pawel-iwanowitsch im reichtum
Eingestellt am 06. 04. 2006 21:58


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
Paul
HĂ€ufig gelesener Autor
Registriert: Nov 2000

Werke: 286
Kommentare: 62
Die besten Werke
 
Email senden
Profil

Pawel-Iwanowitsch im Reichtum

Mann-Mann-Mann, Pawel-Iwanowitsch wußte gar nicht wo ihm der Kopf stand, bzw. wo hinten und vorn und ĂŒberhaupt ob jemals eine solche Unterscheidung von belang gewesen war. Unser Held hatte seltsames getrĂ€umt. Ihm hatte getrĂ€umt, er sĂ€ĂŸe beim Roulette in einem Spielcasino, wobei wundersam erschien, woher Pawel-Iwanowitsch ĂŒberhaupt den feinen Zwirn hatte, in dem er nun wie ein Gockel da am Tisch saß. Steckte in einem edlen Frack und unter seinem unrasierten Kinn bömmelte eine feurrote Fliege. Aus einem anderen Raum drang Charleston-Musik, die Damen trugen kurzes Haar, aus dem seitlich bezaubernde Schnörkel sprossen, zudem zierten ihre HĂ€upter die buntesten Kopfbedeckungen, Strass, PlĂŒsch und Federn gaben sich hier die Hand. Schien, als wĂ€re er irgendwie in die 20er Jahre gerutscht und wenn ihn nicht alles tĂ€uschte, wehte ihm zuweilen ein Hauch von Opium um die Nase. Naja, was brachte es, sich lange den Kopf ĂŒber alle diese Wunderheiten zu zerbrechen, vor ihm ruhte ein beachtlicher Berg Spielchips, in der einen Hand hielt er eine fette Zigarre, in der anderen ein GlĂ€sschen mit grĂŒnem etwas darin, könnte Absinth sein oder WerweißwasfĂŒreinteufelszeug, so schien alles seinen geregelten Gang zu gehen und die Sache stand wohl insgesamt nicht schlecht.
„Faites votre jeu!“ radebrechte der Croupier am Tischende und war im Begriff am Rad zu drehen. Oho, nun aber flugs, Pawel ward sich gĂ€nzlich unschlĂŒssig, was denn ĂŒberhaupt zu tun sei, nicht lange fackeln jedenfalls war die Devise und wie von Geisterhand lag schwuppdiwupp sein komplettes buntes HĂ€ufchen Chips auf der grĂŒnen Null. SRRRRRRRRRRR, schon raste die Kugel im Kreis so wie es nun auch die Gedanken unseres kĂŒhnen Heldes taten. Vermalledeit, was hatte er da nur wieder fĂŒr einen Bockmist angerichtet! Nicht genug, dass er schon seit er denken kann am Existenzminimum rumkrauchte, nein, da lag nun sein ganzes HĂ€uflein GlĂŒck auf dieser abstrusen Zahl und versprach sich binnen kĂŒrzester Zeit wieder in Elend zu verwandeln. Ach, was half es in tiefe Depression zu verfallen, zu spĂ€t ist zu spĂ€t, das SRRRRRRRRRRRR wurde immer langgezogener, ging schon langsam in ein KLACKER-KLACKER-KLACKER ĂŒber und die Kugel nahm die letzten HĂŒrden zwischen den Zahlen. 18, 28, 35, 26 – schon schien die Kugel ruhen zu wollen, bewegte sich noch sacht in Richtung ihrer ursprĂŒnglichen Rotation, erklomm den letzten Widerstand, den letzten Anstieg, den Gipfel, lugte schon auf das erquickend grĂŒne Tal der Null, da merkte Pawel-Iwanowitsch, wie sich jemand von hinten zu ihm beugte und ihm ins Ohr flĂŒsterte: „Die Wirklichkeit ist nur die dunkle Seite des Absurden!“
???
Das letzte was Pawelchen vernahm, bevor er sich wie so oft gewaltig seinen geschundenen SchĂ€del an der Tischplatte, unter der er wie immer zu schlafen pflegte, ansemmelte, war: „Zero“.
Da saß er nun völlig verdutzt. Rieb sich das Hirn und blinzelte verwirrt. Ach, es wĂ€re doch zu schön gewesen. Einfach einmal einen Batzen Geld in der Tasche und keinen Kummer mehr. Als erstes hĂ€tte er sich ein dickes Polster unter die Tischplatte machen lassen. Hei und Wodka und Zwiebeln bis ans Lebensende angeschafft. Ja, es herrschten gar paradiesische ZustĂ€nde in seiner einst so Ă€rmlichen Behausung in Omsk.
Aber nun denn. Es hat nicht sollen sein. Alles nur ein Traum.
Und nachdenklich nahm Pawel einen tiefen Schluck aus seiner Wodkapulle und biß in eine saftige Zwiebel. Naja. Schlecht hatte er es auch nicht. Eigentlich alles was das Herz begehrte. Und ein StĂŒck Schaumstoff fĂŒr den Tisch wĂŒrde er schon noch auftreiben. Ein ander mal. Heute war es fĂŒr solche Aktionen zu kalt. Es herrschten minus 38 Grad, der Wind pfiff durch alle Ritzen und draußen lag die Welt in schneeigem Schlummer.
Pawel-Iwanowitsch warf noch ein paar Kohlen in den Ofen.
„Die Wirklichkeit ist nur die dunkle Seite des Absurden.“
Hm, weiß der Henker, was das zu bedeuten hatte. Wodka und Zwiebeln wĂŒrden auf jeden Fall bis zum nĂ€chsten Tag reichen!

Aus.

(ich fĂŒr meinen teil hĂ€tte diesen text ja unter "humor und satire" gepfeffert. aber in der sparte dĂŒnkt mir herrscht ein dem nicht entsprechender humor. so will ichÂŽs hier mal wagen...)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


ZurĂŒck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!