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Leselupe.de > Ungereimtes
planet der affen
Eingestellt am 24. 06. 2002 21:04


Autor
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margot
???
Registriert: Mar 2002

Werke: 298
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eine frau, die sich im altenheim
verirrt
eine frau mit einem k├╝nstlichen darmausgang
die so├če l├Ąuft ins bett, weil
uns das richtige material fehlt
ein debiler, der stundenlang schreit
ein beinamputierter mit chronischem durchfall
und eine frau, die uns regelm├Ą├čig in den unterzucker
rutscht
die infusionen laufen
und wir legen unsere dicken f├╝├če hoch
in einer hei├čen nacht
zwischendurch gabeln wir gefallene vom boden auf
schauen auf die klingeln
und windeln 50 menschen, die glauben, dass sie vom
schwitzen na├č sind
meine kollegin und ich
schlie├čen die fenster vorm gewitter
und diskutieren ├╝ber unsere pflege
wir machen so viel falsch
wir reden auch ├╝ber privates
und gucken nebenbei
den ÔÇ×planet der affenÔÇť
ich mag meine kolleginnen
wir wechseln uns ab im schei├če-weg-wischen
10 betten bezogen
und die restlichen stunden zum morgengrauen z├Ąhlen
ich mag sie alle
ich nehme sie alle in den arm

das unsagbare passiert dauernd ÔÇô im altenheim
aber kein schwein reflektiert diese
ebene
mit den aussortierten alten und uns
nach 15 jahren bin ich verschmolzen mit
allem
allem
allem

auf welchem planeten leben wir?


__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

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Schakim

Wird mal Schriftsteller

Registriert: Jan 2002

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Hi, margot!

Auf dem Planeten
Mit dem grossen M├╝ll
Leben wir
Und verh├╝llen alles mit T├╝ll!
Auf dem Planeten
Der Gef├╝hlsarmut
Leben wir - und trotzdem
Tut es scheinbar allen gut!
Auf dem Planeten,
Wo man Alte entsorgt in Heimen,
Denn man kann ihr Weinen
Nicht mehr h├Âren.
Die Alten st├Âren...
Auf dem Planeten
Der Jungen
Sind wir alle gesprungen,
Liessen unseren Gef├╝hlen
Freien Lauf -
Einer hielt sie auf,
Hat uns Schranken gesetzt -
Und zuletzt
Enden wir dort bei den Alten,
K├Ânnen das Wasser nicht mehr halten,
Nicht mehr essen,
Nicht mehr gehen,
Nicht mehr verstehen,
Was mit uns
Weitergeschehen wird...
Stirb!


HG
Schakim

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margot
???
Registriert: Mar 2002

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guten morgen

danke schakim f├╝r deine antwort in gedichtform.
leider sp├╝re ich, da├č ich trotz gro├čen bem├╝hens
an das wesentliche dieses themas nicht herankomme.
das scheitern der sozialgemeinschaft ist auch
mein scheitern. letzlich. mit dem unterschied, da├č
ich an einem brennpunkt menschlicher ohnmacht vor
ort bin.

liebe gr├╝├če
ralph
__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

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nally
Festzeitungsschreiber
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Ohne Schleim, ohne Heuchelei - ich bewundere Menschen, die solche Arbeit verrichten.
__________________
"Ich werde nie aufgeben captain, denn ich will im Spiel der M├Ąchte weiter bestehen und meinen Vers dazu beitragen."
Club der toten Dichter

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margot
???
Registriert: Mar 2002

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(kein pers├Ânlicher angriff)

den spruch h├Âre ich oft. und er nervt.
warum blo├č?

margot
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GabiSils
???
Registriert: Mar 2002

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(nervt)

Hallo Ralph,

quote:
den spruch h├Âre ich oft. und er nervt.
warum blo├č?

Ist das eine rhetorische Frage?
Wenn nicht:
Ich kann mir mehrere Gr├╝nde vorstellen.

Sicher hat der Spruch eine Alibifunktion. Ich selber habe das auch schon gesagt, ehrlich gemeint, aber im Grunde hei├čt das nichts als: *Ich* w├╝rde das niemals tun, nicht einmal f├╝r meine Eltern und schon gar nicht f├╝r Fremde, zum Gl├╝ck gibt es Leute, die daf├╝r bezahlt werden und ich kann das Thema aufatmend beiseite schieben, wenn ich diesen Menschen geb├╝hrend Respekt bezeige.

Es gibt auch eine pers├Ânliche Ebene, die hineinspielen kann. "Was machst du beruflich? Ach, Altenpfleger... aha.. ich bewundere etc.etc." (denkt: ein Jammer, bei seiner Begabung, was h├Ątte er nicht alles erreichen k├Ânnen, Chefredakteur oder Bundeskanzler... na ja, diesen Stress ertr├Ągt nicht jeder, so hat er doch wenigstens eine sinnvolle Aufgabe...) beachte: diese Variante entspricht nicht meiner Einstellung, ich kenne das in ├Ąhnlicher Weise, weil ich *blo├č* Buchhalterin bin, noch nicht mal mit Studium)

F├Ąllt dir eine L├Âsungsm├Âglichkeit ein, Ralph, diese Ghettoisierung der Alten und ihrer Betreuer zu vermeiden? Zur├╝ck in die Familien kann's nicht sein, denn was w├╝rde geschehen: die Frauen w├╝rden nach der Erziehungsphase, wenn die Kinder gro├č sind, direkt in die Pflege wechseln, ohne Anerkennung oder die Chance auf Unabh├Ąngigkeit - es ist immer noch weitgehend so, auch wenn es Ausnahmen gibt.

Ein Wandel m├╝├čte viel tiefgreifender sein, vor allem m├╝├čten erzieherische und pflegerische Berufe einen ganz anderen Stellenwert und Status erhalten, Familienarbeit m├╝├čte der Erwerbst├Ątigkeit gleichgestellt werden - aber wie soll das funktionieren in einer Gesellschaft, in der Bindungen nur noch mit "mal sehen, ob es klappt" eingegangen werden?

Ich wei├č es auch nicht.

Sch├Ânen Tag dir

Gabi

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margot
???
Registriert: Mar 2002

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pflege

hallo gabi, danke f├╝r deine hintergr├╝ndigen erl├Ąuterungen.
von heute auf morgen wird sich nichts ├Ąndern. die angst
vor tod, alter und krankheit ist naturgegeben. der
umgang mit den fragen der verg├Ąnglichkeit findet
freilich in einer konsum- und nach sch├Ânheitsidealen
ausgerichteten gesellschaft leider nur eine randrolle.
ich finde es schon toll, da├č in den medien des├Âfteren
kritische berichte zu diesem thema gezeigt werden.
die subtile auseinandersetzung fand allerdings noch
nicht statt. eine zeitbombe: denn es werden immer mehr
alte und pflegebed├╝rftige menschen die gesellschaft
in zukunft "belasten". pflege kostet aber geld.
geld ist keins im topf. na, prost mahlzeit.
das spagat, das wir altenpfleger(innen) leisten m├╝ssen
ist kaum auszuhalten: denn es werden auf der anderen
seite immer gr├Â├čere qualitative anspr├╝che an uns ge-
stellt. wenn du morgens 8 schwere pflegef├Ąlle zu
waschen und zu versorgen hast, sind dir aber irgend-
wann die schulweisheiten schei├čegal. die gefahr aus-
zubrennen ist riesengro├č. leidtragende sind die
schw├Ąchsten glieder in dieser kette: die alten, die
pflegef├Ąlle ...

unsere gesellschaft mu├č kapieren, da├č sich gute pflege
nicht von selbst erwirtschaften kann. oder wir geraten
auch in der pflege in eine zweiklassengesellschaft.
naja, in wirklichkeit existiert die schon.

beste gr├╝├če und nochmal danke f├╝r deinen guten beitrag.

ralph
__________________
schlagt mich bitte nicht tot. ich bin kitzlig.

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