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Leselupe.de > Humor und Satire
reich und berühmt mit kreativem Schreiben
Eingestellt am 11. 03. 2007 14:53


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I Schwarz
Schriftsteller-Lehrling
Registriert: Dec 2006

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Reich und berühmt mit kreativem Schreiben

... dann sterben seine Eltern, als er zurückkehrt findet er heraus, dass seine Schwester von Banditen ermordet wurde, und am Ende begeht er dann Selbstmord.
Perfekt!
Ich bin zufrieden. Wochenlang habe ich verzweifelt nach einer Lösung gesucht, habe mir den Kopf mindestens dreimal täglich angebrochen, weil ich immer so schlecht aufpasse, wenn ich angestrengt über etwas nachdenke, und ständig gegen irgendwelche Glastüren laufe. Und trotz dieser Anstrengungen bin ich zu keinem Ergebnis gekommen. Jetzt allerdings -HaHa- jetzt hab ich’s endlich. Jetzt hab ich eine Idee, und nicht nur irgendeine Idee, nein, ich habe die Idee, sicherlich die beste Idee, die es für einen Roman je gegeben hat.
Na gut, ich werde zugeben, so ganz frisch ist das Thema nu nich mehr, aber wen interessiert das schon? Also mich jedenfalls nicht. Und ich hab schließlich noch nie etwas in der Art geschrieben. Na ja, bei dem Märchen letzten Monat war’s vielleicht schon recht ähnlich, aber der Held dort ertränkt sich am Ende in einem Fluss, und ersticht sich nicht mit seinem Schwert- ein grundlegender Unterschied, bei näherer Betrachtung haben die beiden Geschichten also rein gar keine Ähnlichkeiten. Und bei der Geschichte die ich vor drei Wochen geschrieben hab, da ist der Unterschied ja noch viel gravierender, da stirbt nicht mal die Schwester meines Helden. Wie könnte sie auch sterben? Er hat ja gar keine. Dafür stirbt dann halt sein Bruder, das ist aber was völlig anderes. Und bei der Geschichte vor drei Monaten, da gab’s ja noch nicht mal einen Helden, da gab’s nur eine Heldin, und die hat sich am Ende nicht mal selber umgebracht, sondern wurde von den Bösen zu Tode gefoltert. Und bei meiner letzten Geschichte, da ist meine Hauptperson nicht mal gestorben, sondern fiel nur, nachdem sie vergewaltigt wurde, und versuchte sich die Pulsadern aufzuschneiden, für immer ins Koma.
Es ist also wirklich nicht so tragisch, dass die Idee nicht mehr ganz neu ist. Und außerdem ist es auch erst mal egal was ich schreibe, solange ich überhaupt etwas zustande bringe.
Erste Ideen formen sich in meinem Kopf, und mir fangen die Finger zu jucken an. Ich will meinen Roman schreiben, jetzt sofort, und am besten heute Abend noch fertig werden. Ich verfluche mich selbst, dass ich kein Papier, und nicht einmal Stifte- ich könnte ja auf meinem Pullover schreiben- dabei habe. Ich hätte doch daran denken können, dass mir auf dem Heimweg der geniale Einfall für meinen neuen, und somit ersten Roman kommen würde.
Und das, wo ich doch am Morgen noch das Gefühl hatte etwas vergessen zu haben. Als ich aber im Geiste alles aufgezählt hatte, was ich am Tag brauchen würde, war mir nichts mehr eingefallen, was ich vergessen haben könnte. Meine Spielkarten für den Mathe- und Englischunterricht hatte ich dabei, Bogo der süßeste kleine Plüschhase, den man sich überhaupt vorstellen kann, saß sicher im Rucksack, und ich hatte sogar ausnahmsweise mal meinen Taschenrechner dabei, weil mir von der letzten Standpauke meiner Lehrerin noch der Kopf dröhnte, und wir ohnehin heute eine Mathearbeit und einen Physiktest schrieben, da war so ein Ding echt nützlich, besonders, so hatte ich festgestellt, zum Wurzelziehen. Ohne Taschenrechner, nur mit Intervallschachtelung ist man da ein Weilchen beschäftigt, glaubt mir, ich hab da Erfahrung. Nein, weder meine Spielkarten, noch meinen süßen kleinen Hasen, oder den altersschwachen Taschenrechner hatte ich vergessen, aber meine Federtasche, die hatte ich vergessen. Von Heftern hielt ich schon seit der zweiten Woche der ersten Klasse nichts mehr, und das Geld für einen Block sparte ich mir, indem ich mir jeden Tag von einem anderen Klassenkameraden ein Blatt lieh, und dann halt nur das Wichtigste aufschrieb, die dümmsten Lehrerzitate, wer mit wem neuerdings zusammen ist und solche Sachen. Und am Anfang des Schuljahres hatte ich natürlich auch im Traum nicht daran gedacht mir die Schulbücher zu kaufen, es haben sich ja schließlich genug meiner Klassenkameraden die Dinger besorgt, da kann man sie sich ja leihen. Das hatte allerdings den Nachteil, dass ich im Fall der Fälle, wenn ich dringend etwas aufschreiben musste, so wie jetzt zum Beispiel, kein Schmierpapier zum vollkritzeln hatte.
Aber ich wollte doch so unbedingt jetzt schreiben. Heute den Roman geschrieben, morgen schon reich und berühmt. Meine Freunde fragen mich immer, ob das das Einzige ist, was ich mir vom Schreiben erhoffe, aber ich finde das ist doch schon mal eine ganze Menge, mehr brauche ich im Moment eigentlich gar nicht.
Ich sehe mich schon an einem goldenen Schreibtisch sitzen, vor mir ein paar Bögen allerfeinstes Papier, und darauf liegt mein über und über mit Diamanten besetzter, silberner Kugelschreiber. Ich schaue aus dem aus reinsten Kristallen bestehenden Fenster meiner 15 000 m2 Villa in den Garten, in dessen Mitte ein mit verschiedenen Edelsteinen besetztes Denkmal, eine 5 m hohe, aus massivem Gold bestehende Statue auf einem kupfernen Sockel steht. Die Statue, das bin natürlich ich, und in der einen Hand hält sie, also halte ich, eine Feder, in der anderen meinen ersten Roman. Bei diesem Gedanken macht sich ein glückliches Lächeln auf meinem Gesicht breit, ja das wäre wirklich schön.
Doch ich kehre zu meinem ursprünglichen Gedankenfluss zurück, zurück zu dem Buch, das all meine Träume verwirklichen wird. Angestrengt denke ich nach, entwerfe schon einzelne Szenen, fertig mit Dialog und allem drum und dran, aber aufschreiben kann ich nichts, denn dazu fehlen mir ja Zettel und Stift.
Plötzlich werde ich unsanft aus meinen Gedanken gerissen. Wer hupt denn da so unverschämt? Wer wagt es meine Pläne zu stören, die mich doch zu Ruhm und Reichtum bringen sollen? Na dem werd ich aber was erzählen. Ich werde Schadensersatz verlangen, weil er mich so ja sicherlich um einige tausend Euro gebracht hat- so eine freche Dreistigkeit, kaum zu glauben wozu Menschen heutzutage imstande sind. Ich blicke auf, und mich um, um herauszufinden, wer für diesen schrecklichen Lärm verantwortlich ist, und mir folglich einige Tausender wird aushändigen müssen. Ich sehe zwei Scheinwerfer auf mich zukommen, der fährt aber ganz schön schnell, ob er das darf? Mir schießen noch einmal die Worte meiner Mutter durch den Kopf, wenn sie mich immer anklagend betrachtete, nachdem ich mal wieder für den einen oder anderen Unfall gesorgt hatte: „Wenn du nicht auf den Weg achtest, Iris, wird dich das noch mal Kopf und Kragen kosten.“ - dass ich aber auch nie ordentlich aufpassen kann, wenn ich angestrengt nachdenke.
Jetzt liege ich im Krankenhaus, habe eine schwere Gehirnerschütterung und mir beide Arme gebrochen. So wird das ganz schön schwer irgendwas aufs Papier zu bringen, und außerdem weiß ich wegen des Gedächtnisschwundes auch gar nicht mehr worüber ich überhaupt schreiben wollte, mit dem Roman wird das wohl so bald nichts mehr werden.

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