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Leselupe.de > Ungereimtes
schnurgerade
Eingestellt am 07. 04. 2005 21:51


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Venus
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schnurgerade


will meine gedanken nicht
bündeln schweif lieber
von mir ab verlier

mich fort und bleib gern
unbefangen nichts
ist doch legal
nur atmen

mundvoll laut mit leben


© gabriele schmiegelt


__________________
den wind im rücken, sterb ich mich ein
in den großpassat -
und lebe erst recht

Version vom 07. 04. 2005 21:51
Version vom 13. 06. 2008 13:35

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Montgelas
???
Registriert: May 2004

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Rückzug , Absage und Offenheit ...

liebe venus,

sehr dicht und knapp
wird hier von dir eine absage
direkt – schnurgerade – formuliert,
und rückzug signalisiert.

eine absage des lyrischen ich’s
von forderungen an sich selbst
und aufforderungen anderer
wieder in die welt wieder einzutreten.

aber nichts ist legitimer,
als atmen, auch wenn der mund
manchmal überquillt
oder zu voll genommen wurde.

die unklarheit, wer eigentlich gemeint ist,
findet im „schweif lieber von mir ab verlier
mich fort und bleib gern
unbefangen",
ihren ausdruck.

die genialen verwechslungen von
reflektierenden lyrischen ich und
ansprachen nach draußen,
werden in allen worten deutlich.
der leser wird aufgefordert
den text in einem atemzug zu lesen.
ebenso kann er von dir in die freiheit
des sprachspiels entlassen,
die verse als noch nicht
entschiedenen rückzug aus der welt
der dinge und beziehungen deuten.


Nein, ich will mich nicht konzentrieren !
Nein, ich will mich nicht binden !
Geh weg von mir, verlier mich, lass ab.
Denn ich bleib gern unbefangen.
Ungefangen !
Atme frei die Luft.
So wird der Mund mir voll aus denen meine
Verse klingen.


spricht das lyrische ich
zu sich selbst und meint
auch die andren, die fordernden!

das ist eine lesart.
noch viele andere sind möglich,
weil dein text, der scheinbar dicht,
ein offenes spiel der worte,
der verse und der absätze wundersam
erlaubt. alles korespondiert miteinander.

poesie, die den "sarahkirschsound"
nicht braucht, weil sie einerseits
hermetische selbstverständigung,
andererseits im spiel der worte
kontakt zur außenwelt findet,

gefällt mir sehr !

komm bald wieder,
ich freue mich immer ;)

herzlich
und alles liebe

montgelas

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Zarathustra
Routinierter Autor
Registriert: Apr 2003

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Gabriele ich bin sehr erstaunt

Bestimmt 10 x habe ich deine Verse gelesen,

sie werden immer runder.
ganz ungebündelt sind
deine Gedanken.

Ich finde keinen Anfang
und kein Ende.

Ich brauche auch keinen Anfang
und kein Ende.

Lesen alleine genügt!

Ich gratuliere!

L.G Hans


__________________
Was sind das für Zeiten, wo ein Gespräch über Bäume fast ein Verbrechen ist, weil es ein Schweigen über so viele Untaten einschließt! (Bertold Brecht)

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Montgelas
???
Registriert: May 2004

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Rückzug in den Garten

liebe venus,

noch ein kleiner nachtrag:

wer tief in seinem garten gräbt,
ab und an ein verslein schreibt
blumen, bohnen, erbsen sät
der weiß, was den holunder treibt.


(montgelas als schnelldichter ;) )

aus dem netz:
Die Germanen brachten zu Ehren der Göttin Holda oder Holla (im Märchen der Brüder Grimm Frau Holle) ihre Opfer unter dem Holunderbaum dar. In den Bauerngärten finden wir heute noch oft den Holunderbaum als beschützenden Hausbaum. Oft wurden sie in direkter Nähe zum Haus gepflanzt. In Tirol zog man vor jedem Holunderbaum den Hut und es war früher in Deutschland unter Strafe verboten, einen "Hollerbusch" zu beschädigen oder gar zu fällen.

Man glaubte auch, wer einen Holunder fällt, wird krank. Die Göttin Holla (von hold oder huld) war eine milde und freundliche Göttin, die das Leben der Pflanzen und der Tiere beschützte. Die Germanen glaubten, zur Zeit der Wintersonnenwende ziehe die Göttin über die Erde, um mit dem Winter zu ringen und der Erde Fruchtbarkeit und neues Leben zu schenken.

Die weißen Schneeflocken verglichen sie mit der Helle der Holda. Sie glaubten, ein Mensch, der wie Holda den Weg des Lichtes geht, überschütten die Götter mit Erkenntnis und Weisheit (im Märchen der Brüder Grimm Goldtaler).



dir eine gute zeit

im garten und beim schreiben


montgelas


p.s. moderation achtung ! - der zusammenhang mit dem text ist gegeben, auch wenn es nicht so scheint.


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Venus
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Lieber montgelas,



was ist das nur immer eine Freude und Ehre dich anzutreffen; bei mir – hab Dank!

Individuum est ineffabile, lautet ein alter philosophischer Grundsatz.
Es ist, da mit nichts anderem vergleichbar, auf keinen Begriff zu bringen. Man kann nur mit dem Finger drauf zeigen. Auch in der bildenden Kunst und der Musik ist das, was die Werke bspw. eines Leonardo oder Mozart so großartig macht, unaussprechlich. Aber soll man deshalb darüber schweigen? Der Mensch ist seinem Wesen nach rational, d.h. er nimmt die Welt nicht in einem blinden Reiz-Reaktions-Schema wahr, sondern in Begriffen, er will sie begreifen; und er begreift sie, in dem er sie versprachlicht.

Du hast meine Gründe für dieses Gedicht ganz trefflich aufgelegt!
<Rückzug, Absage, Offenheit, Wut, Vorwärtsdrang, Lachen, Denken, Überdenken…>
Alte Strukturen knacken – verlieren; und dabei gewinnen! Mit einer gewaltigen Portion Selbstsicherheit und gesunder Gleichgültigkeit.

Mit vollem Mund zu sprechen - ! – ich höre meine Mutter…!
Ja – bittschön – aber wann denn dann?
Wenn mir die Silben schon aus dem Mund tröpfeln, dann – in Herrgottsnamen – fließt!
Unbefangen –

Ja, mein lieber Montgelas und wo geht das besser, als im Garten, draußen in der Natur?!
Die macht es uns ja vor – mit jeder Jahreszeit aufs Neue bricht sie ungehindert aus sich selbst hervor; treibt neu, voraus – und aus.

Das erkennende Versprachlichen eines intensiven ästhetischen Erlebnisses wird diesem immer etwas von seinem ursprünglichem Glanz und seiner Wirkung nehmen. Differenzierung macht aus Intensität nuancenreiche Fülle.
Ich habs versucht.
Ich schwöre.

Dank dir sehr!
Recht herzlich,
Gabi



__________________
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Venus
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recht herzlichen Dank!

Lieber Hans,

Ich werde gerne kritisiert, weil meine Zeilen oft so differenziert wirken; eigentlich unrund und entgegen jedem Gesetz des Zeilenumbruchs.
Dabei bemühe ich mich aufrichtig gerade um das Gegenteil!
Dass sie runder werden dürfen, für dich, ehrt mich – freut mich!

Hier möchte eigentlich am liebsten jede Zeile für sich stehen. Und dann am besten die nächste und vorhergehende wieder abholen; neu aufzeigen, anders lesbar sein.
Oder nur die erste und die letzte zusammen?
Die möchten doch schon Gedicht genug sein. Oder?
Jedenfalls sind sie eine klare Ansage.

Wenn man halt so will ;o)

Hab Dank, lieber Hans, dass du dich darauf eingelassen hast!

Liebe Grüße,
Gabi

__________________
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