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Leselupe.de > Kurzgeschichten
solotour
Eingestellt am 12. 12. 2002 15:14


Autor
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fabian florenz
Autorenanw├Ąrter
Registriert: Oct 2002

Werke: 16
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Ich stockte einen Augenblick als m├╝sste ich mich besinnen. Alles was ich tat, war, meinen Schuh zu betrachten. Ich dachte an nichts anderes, als an die Sohle, die sich mit ihrem tiefen, an manchen Stellen schon leicht abgenutzen Profil zwischen kleine Steinchen und etwas Erde grub, und dabei noch ein oder zwei Grashalme unter die Erde presste. Mein Fu├č hatte sich ein geringes St├╝ck eingedreht, nach dem ich den letzten Schritt vor meiner Beobachtung getan, und meine K├Ârperlast auf mein rechtes Bein verlagert hatte. ich atmete schwer. Es war f├╝r mich anstrengend den Berg nach und nach zu ersteigen. Ich hatte nicht vor zu pausieren um mich auszuruhen, aber immer wieder gab es diese kleinen Momente in denen ich nur beobachtete: Steine, V├Âgel, Gr├Ąser, meinen Schuh und wer wei├č, was alles noch kommen w├╝rde. oft schaute ich hinab, und sah kaum das Umland des Berges, das Tal war verschluckt von Felsgestein, das mir den Blick in die gr├╝ne Tiefe versperrte. Ich schaute lediglich auf den Anstieg zum n├Ąchsten steinernen Himmelsst├╝rmer. Was ich zur├╝cklie├č, und was ich hinter mir gelassen hatte, sah ich nicht. ich f├╝hlte mich getrieben, denn ich hatte Sehnsucht nach dem Gef├╝hl der Freiheit. Die Beklommenheit meines Alltags wollte ich absch├╝tteln. Nur f├╝r mich atmen k├Ânnen und m├╝ssen, meinen Atem f├╝r mich behalten, und nicht f├╝r andere aufbrauchen, das wollte ich.
Beim Besteigen des Berges f├╝hlte ich mich nicht mehr ziellos umtriebeig, sondern hatte ein Ziel vor Augen, endlich wieder ein Ziel, ein kleines, ein kleinliches, aber ein Ziel. ich wollte den Gipfel erreichen.
Das Gesteinsmassiv, auf dem ichmeine Freiheit zu initiiren gedachte, warf Schatten, unermessliche Schatten in das inzwischen wieder sichtbare Tal. Ich war weiter den Berg hinaufgestiegen. Aus dem dunklen Deckmantel , den der Berg ├╝ber das Tal warf, stachen sonnenbeschienene, gr├╝ne Flecken hervor. Ausschnittsweise konnte ich die belaubten B├Ąume erblicken, und auf sie spucken. Ich tat ihnen Unrecht, indem ich auf sie niederspuckte, aber alles, was sich im Tal befand, wurde f├╝r mich zur Kanalisation, durch die meine Entt├Ąuschung, mein verletzter Stolz, meine schmerzliche Traurigkeit abfloss. Auf eine sonderbare Weise war ich der Natur dankbar, dass ich genau auf meinem Weg das Tal, in dem ich die vergangenen drei Jahre zur├╝cklie├č, noch einmal sehen durfte, und meine Verbitterung nicht schlucken, sondern ausspucken konnte. ich kam meinem Freiheitsgef├╝hl n├Ąher. Ein L├Ącheln schien sich bald auf meinem Gesicht abzeichnen zu k├Ânnen.
Ich stieg langsamer voran, denn ich hatte erkannt, dass ich jetzt Zeit besa├č, und mich nicht zu hetzen brauchte. Auch meine innere Eile lie├č nach. Ich genoss den beschwerlichen Weg.
'Raja' - ich dachte daran, wie mir dieser Name noch einmal ├╝ber meine Lippen rollte. Ich stellte mir vor, ich w├╝rde versuchen den Namen auszusprechen. Keinen Ton brachte ich zustande. Wozu auch? Raja wollte den Berg nicht besteigen. Nicht mehr mit mir, mit niemandem. Sie hatte mich unten auf dem Parkplatz einfach stehen gelassen.
inzwischen war es mir recht so. Meine Spucke f├╝r die B├Ąume, so hoffte ich zynisch, hatte sie in das B├Ąchlein, und der wiederum hatte sie aus dem Tal gesp├╝lt. Sie war weg. ich hatte sie ausgespuckt, und mit ihr allen Wehmut, der an ihr klebte. Sie w├╝rde weg bleiben. Ich war mir sicher.
St├╝ck um St├╝ck kletterte ich dem Berggipfel entgegen, bis ich unerwartet etwas Wundersch├Ânes zu Gesicht bekam. Es nahm mich gefangen. Nah bei mir kreiste der erste Steinadler, den ich je sah. Sein Gefieder schimmerte dunkelbraun, und versank in Schwarz, wenn er der Sonne entgegnflog. Die Kraft und die Freiheit, die er ausstrahlte, hielten mich f├╝r eine kleine Ewigkeit in ihrem Bann. Genussvoll sog ich diesen Anblick in mich auf.

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Zefira
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 14
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Lieber Fabian,

das ist eine feine Geschichte. Das Eingangsbild des Schuhs - der Blick auf das Vertraute "zu F├╝├čen" statt in die Weite - gef├Ąllt mir besonders. Ich bin aber sehr dar├╝ber gestolpert, da├č Du den Schuh, auf in dem Du stehst, von unten betrachtest. Dieses Bild solltest Du vielleicht noch etwas sortieren.

Noch eine Stelle, wo es m.E. ein wenig holpert:
>Meine Spucke f├╝r die B├Ąume, so hoffte ich zynisch, hatte sie in das B├Ąchlein, und der wiederum hatte sie aus dem Tal gesp├╝lt. Sie war weg. ich hatte sie ausgespuckt, und mit ihr allen Wehmut, der an ihr klebte.<

Abgesehen davon, da├č ich das Bild furchtbar unappetitlich finde - und wenn Du einen Menschen (bildhaft) so traktierst, sollte das, finde ich, wenigstens andeutungsweise begr├╝ndet werden! - geht das doch nicht gleichzeitig: einmal wird sie von dem B├Ąchlein aus Spucke mitgerissen und aus dem Tal gesp├╝lt, im n├Ąchsten Halbsatz wird sie selbst ausgespuckt....

Im Prinzip finde ich diese Metapher des Ausspuckens aber sehr gelungen (nur darin mitschwimmen - mu├č das sein??), wie ├╝berhaupt die ganze Metaphorik dieses Anstiegs zum Gipfel.
Es finden sich ├╝berall originelle Formulierungen, wie
>Ich schaute lediglich auf den Anstieg zum n├Ąchsten steinernen Himmelsst├╝rmer.<
oder
>Nur f├╝r mich atmen k├Ânnen und m├╝ssen, meinen Atem f├╝r mich behalten, und nicht f├╝r andere aufbrauchen, das wollte ich.<

... das ist toll!
Liebe Gr├╝├če,
Zefira

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