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Leselupe.de > Gereimtes
stuck brüche
Eingestellt am 09. 01. 2012 16:29


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presque_rien
???
Registriert: Feb 2003

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stuck brüche

schar diese nächte uns um wunden
zu fügen dass die fuge klinge
ins fleisch dass in den fugen stunden
als vers entschlüsselte versinken

im mond dein schlüssel noten bein
spielt wenn der erste vogel singe
schenk uns noch diesen morgen ein
zu scharfes glas gibt zu er trinken

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AchterZwerg
Guest
Registriert: Not Yet

Hallo Julia,
gehe ich von der Fuge als einer Verbindungstelle und eben auch von dem dazugehörigen winzigen Zwischenraum aus, ist dir hier ein kleines Meisterwerk gelungen. - Nicht, dass mich dies wirklich wunderte ...
Im Grunde hast du dein Gedicht im Stil einer Fuge gearbeitet: Exposition: Die erste Stimme trägt das Thema vor (Dux). In der Folge kommt eine zweite Stimme hinzu, die das Thema nun als Comes (lat. „Gefährte“) versetzt vorträgt.
Am Ende wird das ursprüngliche Thema wieder aufgegriffen, hier mit Leid verbunden.
Gerade dieser Bruch im (schmucken) Stuck der Verzierung, die leise Klage am Ende, macht dieses Gedicht zu etwas Besonderem.
Beim Vers:

quote:
zu scharfes glas gibt zu er trinken
leuchtet mir das "er" (Abkehr? Fuge = Flucht?) nicht
g a n z ein. -
Es war mir eine Freude, mich mit diesen schönen Versen zu befassen.
Heidrun


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AchterZwerg
Guest
Registriert: Not Yet

Es folgt Teil II

quote:
Ach, Julia, belle, ach, Julia, belle, du bist so herrlich intellektuell ... schrumdibumm ...
Trotzdem handelt es sich natürlich um ein Liebesgedicht, das auf einer Ebene von Gefühlen zu einem Gefährten, auf anderer Ebene von der Liebe zur Musik und Lyrik handeln kann. In einer dritten Lesart wird sogar das Fugen als Vorgang im Handwerk angesprochen (Hier wieder Rückgriff zur Musik: die Kunst der Fuge).

Mein absolutes Higlight ist das Schlüsselnotenbein, ein so bezauberndes, zärtliches Wort ...

Das Bewunderswerte am Gedicht ist, dass alle Ebenen gleichzeitig angesprochen werden und deshalb Kopf und Sinne zusammengefügt werden. Wohl der, die über solche Fugenkunst verfügt:
ein Spiel mit Worten, mit Begriffen, das tiefes Fühlen widerspiegelt. Gaaanz hinten auch ein bisschen "rrrussischä Seelä ..."
Heidrun

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presque_rien
???
Registriert: Feb 2003

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Liebe Heidrun,

Vielen Dank für Deine netten Kommentare und das genaue Lesen .

Es freut mich sehr, dass Du Dir die Mühe gemacht hast, einiges zu entschlüsseln, was hier vers-schlüsselt ist... das mit der Fuge als Musikstück und Verbindungs- aber auch Trennungsstelle ist auch für mich das zentrale Bild (das "gefügt" gehört da auch noch hinzu, und die Gegenüberstellung von Nacht und Morgen usw.).

Und auch mein Lieblingswort ist hier "Schlüssel Noten Bein" (ich wollte zuerst "Noten Schlüssel Bein" schreiben, damit "Schlüssel" in der Mitte ist, und die zwei Komposita bildet - aber ich wollte auch, dass "dein Schlüssel" hervorsticht).

An Liebende habe ich natürlich auch gedacht, und an Celan auch.. ich wollte zuerst irgendwo etwas von einer "Lebensfuge" oder "Liebesfuge" anbringen, aber die Assoziation wäre dann doch sehr unangebracht, das ist mir zum Glück doch noch aufgefallen .. Deshalb, wenn ich an Celan gedacht habe, dann eher an "So schlafe..." - eins meiner liebsten Gedichte aller Zeiten, das ich auch nach jahrelanger Auseinandersetzung immer noch nicht verstehe .

Aber ich würde mir jetzt nicht soooo viele Gedanken um eine präzise Interpretation hier machen .. Stator hat schon Recht, es ist ein Spiel, man kann eben einzelne Bruchstücke umsortieren und bekommt verschiedene Dinge raus.

Z.B. bei

quote:
... ein
zu scharfes glas gibt zu er trinken
könnte man das "er" umsortieren und bekommt "ein zu scharfes Glas gibt er (der Morgen) zu trinken". Aber wenn man das "er" an seiner Stelle lässt, kann man es zum "trinken" ziehen und bekommt "zu ertrinken". Das "gibt zu" verschmilzt phonetisch zu "gib zu", man könnte dann auch "gib zu, es ist ein zu scharfes Glas (um es) zu trinken - es bleibt nur, zu ertrinken" lesen, wenn man will. Also ich möchte keinesfalls behaupten, dass der Leser das alles so lesen muss, aber das sind alles Gedankenpfade, die ich beim Schreiben hatte..

LG Julia

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