Diese Seite verwendet Cookies. Wenn Sie das nicht akzeptieren, mĂŒssen Sie Cookies in Ihrem Browser verbieten oder diese Seite verlassen.    OK  
 leselupe.de
Werbung
 Meine Leselupe

Mitglieder:   5438
Themen:   92241
Momentan online:
62 Gäste und 0 Mitglieder
Username:
Passwort:
Registrieren
Passwort vergessen?


Leselupe.de > Kurzprosa
tektonik
Eingestellt am 18. 11. 2007 17:17


Autor
Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.
nisavi
Routinierter Autor
Registriert: Feb 2006

Werke: 105
Kommentare: 238
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um nisavi eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil


die stimme versagt
er kann nicht reden und will doch schreien eine fremde familie lebt lÀngst im hortensienhaus
er kennt sie nicht aber ahnt dass die kinder ball spielen im garten

er will der frau sagen dass er sie oft trifft wenn er schlÀft
dass er sich sorgt
dass er sich fĂŒrchtet weil andere leute in das haus vor der stadt ziehen
menschen die er nicht kennt.
frauen die ihm fremd sind
mÀnner deren sprache er nicht spricht

er möchte ĂŒberlegen
nachdenken
sich zurĂŒckfinden
besinnen
er rechnet
will dass sich jahrezahlen aufeinanderzubewegen
dann fĂŒgt er den eigenen namen ein
subtrahiert sich wieder
teilt das ganze in kindheit und erwachsensein
in fußballspiele und handyklingeln
es ist lange her dass er das letzte mal wirklich hier war
er ist ein anderer geworden

er erkennt das gebÀude schon von weitem
fachwerk dichte buchsbaumhecken schĂŒtzen den vorgarten die hortensien sind lĂ€ngst verblĂŒht
alle fenster hell erleuchtet
eine greisin sitzt im sessel ĂŒber eine handarbeit gebeugt oder ein buch

in astgabeln liegen blauschwarze dohlen auf dem rĂŒcken
das gefieder ist glatt die schnĂ€bel glĂ€nzen wie teer ihre pergamentenen krallen aber sind verkrĂŒmmt und steif
vogelsicheln
er weiß wie die hĂ€nde alter menschen aussehen wĂ€chsern und fleckig die adern zeichnen sich knotig ab unter der haut
zum glĂŒck ist es dunkel er steckt die fĂ€uste in die hosentaschen

noch sind die bÀume nicht kahl
ihre ungeduldigen schatten flackern in seinem atem verÀsteln sich in der lunge
er hustet

der asphalt – regennass
laub formt kontinente auf fußwegen
unter seinen schritten schieben sich welke erdteile ineinander ein windstoß lĂ€sst sie auseinanderdriften mit der schuhspitze schiebt er afrika in einen gulli

Er beginnt sich zu erinnern, erwacht.
Öffnet die Augen.
VerlÀsst die Stadt.














__________________
On a poet's lips I slept.
(P.B.Shelley)

Bearbeiten/Löschen   ebook  Druckversion


Franka
Foren-Redakteur
Routinierter Autor

Registriert: Feb 2006

Werke: 208
Kommentare: 2387
Die besten Werke
 
Email senden
Hier klicken, um Franka eine Online-Nachricht zu senden  Online-Nachricht
Profil

Hallo,

fĂŒr mich ein sehr starker Text, er regt zum mehrfachen Lesen an, stimmt nachdenklich und zieht mich als Leser in sich hinein. Einzig die Ă€ußere Form erscheint mir als nicht wirklich zwingend und die Kleinschreibung und Zeichenlosigkeit (bis auf den Schluß)mehr der Lyrik zugeordnet. Ich habe ihn fĂŒr mich in einen normalen Fließtext gebracht und er hat dadurch (fĂŒr mich) nichts an seiner Tiefe und Brisanz verloren.

Lieben Gruß
Franka

Bearbeiten/Löschen    


Orangekagebo
Guest
Registriert: Not Yet

Ich glaube, der Text soll so wirken (zumindest tut er das fĂŒr mich), zerklĂŒftet wie auch die UnregelmĂ€ĂŸigkeiten, Spalten, plastische Verformungen in der GelĂ€ndetektonik, der Satzbau genau dieser DuktilitĂ€t unterworfen.

Ein sehr gelungenes Werk, nisavi! Die Überschrift hĂ€tte ich anders gewĂ€hlt.

Bearbeiten/Löschen    


2 ausgeblendete Kommentare sind nur fĂŒr Mitglieder und nur mit eingeschaltetem Javascript erreichbar.
ZurĂŒck zu:  Kurzprosa Ein neues Thema veröffentlichen.     Antwort veröffentlichen.


Leselupe-Bücher



Amazon



Facebook


Werde Fan der Leselupe auf Facebook!