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Leselupe.de > Kurzgeschichten
Traumdeutung?
Eingestellt am 07. 06. 2002 08:33


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flammarion
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Wirrer Traum ohne einleuchtende Deutung

Eine dickliche, ├Ąltere Frau geht zu einer bekannten Traumdeuterin und erz├Ąhlt weitschweifig, was sie in finstrer Nacht getr├Ąumt hat:
Endlich habe ich eine g├╝nstige Anstellung gefunden. Ich soll in einem renommierten Hotel das gutgehende Restaurant betreuen. Fr├Âhlich erhob ich mich aus den molligen Federn, wusch mich gr├╝ndlich mit warmem und kaltem Wasser, zog mich passend an und ging pfeifend aus dem Haus. Auf der fast unbelebten Stra├če begegnete mir ein kleines Nachbarm├Ądel in einem d├╝nnen M├Ąntelchen. Sie h├Ąngte sich munter bei mir ein und stellte wissbegierig viele kindliche Fragen. Geduldig und ausf├╝hrlich erkl├Ąrte ich ihr alles.
Endlich kamen wir zu dem gro├čen Hotel. Eine ungeduldige, rundliche, stark geschminkte Dame empfing uns schimpfend: „Sie kommen ja so sp├Ąt, jetzt kann ich Sie nicht mehr richtig in Ihre Arbeit einweisen wie es n├Âtig w├Ąre, sehen Sie zu, was die anderen machen und tun Sie es ihnen flei├čig und ordentlich gleich.“ Sie zog donnergleich von hinnen.
Die h├╝bsche Kleine an meiner Seite wurde nun von allen Angestellten – ob jung oder alt - bewundernd angesehen. Sie hatte ihr d├╝rftiges M├Ąntelchen ausgezogen und schillerte in einem zarten, duftigen, kurz├Ąrmeligen, silbrig schimmernden Kleidchen aus allerfeinster Seide. Es war mit etlichen Spitzenr├╝schen versehen. Ihr goldenes Haar fiel lang und sehr gef├Ąllig auf ihre schmalen Schultern und ihre hellen blauen Augen blitzten schelmisch. Dies Schelmische wirkte d├Ąmpfend auf ihre engelgleiche Erscheinung. Aber ich musste sie schnell nach Hause schicken, damit sie mich nicht bei der Arbeit st├Ârend behindert.
Sofort eilten die Frauen gesch├Ąftig durch den hohen Saal. Einige hatten graue Kleider an und trugen wei├če Sch├╝rzchen, andere waren sehr adrett blau-wei├č kariert gekleidet, andere in schlichtes taubenblau. Alle trugen schwarze Schuhe, die vorn spitz waren, aber hinten klobige Abs├Ątze hatten. Die blauwei├čen legten bunte Decken auf die Tische, dar├╝ber zogen sie m├╝hsam zierlich gekl├Âppelte Spitzendeckchen, die blauen stellten rote Kerzen, niedliche Pfeffer und Salz-Streuer, kristallene Aschenbecher und entz├╝ckende Blumengebinde auf die Tische, die grauen gingen langsam von Tisch zu Tisch, richteten alles geschmackvoll aus und z├╝ndeten geradezu feierlich die Kerzen an.
Ich sah an mir herunter, ergr├╝ndend, zu welcher Kategorie ich geh├Âre. Da ich ein graues Kleid trug, hatte ich mich unbewusst auf die h├Âchste Ebene der Dienerinnen gestellt. Also ging auch ich von Tisch zu Tisch – ein Feuerzeug habe ich wohlwei├člich immer bei mir.
Schon eilten die willkommenen G├Ąste herbei, unter ihnen ein eherner Bischof mit pr├Ąchtigem Gefolge. Die blauwei├čen stoben eilig in die K├╝che, die blauen in die oberen Etagen und die grauen hinaus zu ihren schmucken Autos. Mir d├Ąmmerte, da├č sie einkaufen fahren. Ich hatte keine weiteren Anweisungen erhalten und fuhr nach Hause. Der Heimweg f├╝hrte mich an der frisch angemalten Zoomauer vorbei und mir fiel ein, da├č ich mutig am sonnigen Vortag mehrere ├╝berm├╝tige Jugendliche daran gehindert hatte, einen Hirsch grausam zu qu├Ąlen.
Ich hatte einen freien Nachmittag, warum also nicht noch einmal in den Zoo gehen? Entschlossen stieg ich aus der stinkenden Bahn. Ein dicker, stabiler Ast neigte sich ├╝ber die gepflegte Stra├če. Auf ihm sa├č ein wunderliches Tier, halb Affe, halb Kuh und sah mich mit seinen gro├čen, feuchten Augen an. Es sprang beh├Ąnde zu mir aufs steinige Pflaster, schmiegte sich z├Ąrtlich an mich und ging mit mir wie ein folgsamer Hund. Sein goldbraunes, lockiges Fell war kuschelig und weich, sein inniger Blick treu und ergeben. Ich war so benommen vor Gl├╝ck, da├č dieses seltene Tier so zutraulich war – wir waren schon weit weg vom Zoo, als ich wieder zu mir kam. Ich wollte das herrliche Tier nicht selbst zur├╝ckbringen, es h├Ątte das als feigen Vertrauensbruch angesehen. Ich sp├Ąhte suchend umher, ob nicht ein hilfreicher Polizist in der N├Ąhe w├Ąr, aber es lie├č sich keiner blicken. Einen vor├╝bergehenden Passanten um sein Handy anzusprechen kam mir bl├Âd vor, denn ein Notfall war ja nicht gegeben. Also nahm ich Lumpi, wie ich ihn nannte, mit nach Hause und lebte mit ihm gl├╝cklich und zufrieden bis an mein Lebensende. Und nun sagen Sie bitte, werte Traumdeuterin, was Sie davon halten.
D├╝steres Schweigen erf├╝llte den Raum. Die Traumdeuterin lie├č geheimnisvoll den Tabakrauch in einem blauen Kringel durch den Raum schweben, dann sagte sie mit ihrer kehligen Stimme: “Nun, das ist ja allerhand, was Sie da zusammengetr├Ąumt haben. Ich glaube, Sie lassen sich zu leicht von Frauen und anderen untergeordneten Wesen dominieren. Machen Sie sich frei von alledem, gehen Sie mal wieder an den FKK-Strand.“

__________________
Old Icke

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Sansibar
Guest
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Traumdeutung?

hallo flammi,
zun├Ąchst: Ein klitzekleiner Rechtschreibfehler, Traumdeutung wird doch gro├č geschrieben.
Also, vielleicht deutet der Inhalt an, das du dir menschliche und tierische Gesellschaft w├╝nscht? Vielleicht ein Kuscheltier: Hund Katz, Maus? Egal was, hauptsache kuschelig.
Lieben Gru├č
Sansibar

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paedag
Guest
Registriert: Not Yet

danke, f├╝rs mitnehmen...!

ja, flammi - finde ich toll von sansibar und bin einfach mal so vermessen - , danke f├╝r das mitnehmen in deiner phanthastischen erz├Ąhlung!
das m├Ądchen, ein eherner bischof und dann auch noch ein
oder zu gebrauchener hilfreicher polizist...
danke, flammi!
norbert

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flammarion
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Registriert: Jan 2001

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oh,

danke f├╝r euer interesse und die reaktion. ja, vor allem hatte ich spa├č beim schreiben und hoffe, da├č andere spa├č beim lesen haben. der fehler ist mir unterlaufen, weil ich erstmal alles klein schreibe, sorry. ganz lieb gr├╝├čt
__________________
Old Icke

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