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Leselupe.de > Kurzprosa
trip nach hh
Eingestellt am 22. 05. 2003 11:09


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nally
Festzeitungsschreiber
Registriert: Apr 2001

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Auf dem Weg nach Hamburg probierte ich sĂ€mtliche Schlafstellungen, auf dem RĂŒcksitz von MarlenĂšs Auto, aus. 3 D Wolken ĂŒber mir und der Phantasie freien Lauf gelassen(mich verwunderte vor allem der Taucher in den Wolken), schon bald auftauchende WindrĂ€nder und die Autoschilder wiesen vermehrt auf eine Hansestadt hin... ich freute mich auf Großstadt, auf Elbe und endlich mal wieder auf Kultur.

Ich mag U-Bahnfahrten. Ich finde eine Stadt muss eine ausgeprĂ€gte Infrastruktur haben. Ich komme aus einer Stadt die hat gerade mal zwei Bahnsteige. Das Taxitelefon in der Einkaufspassage (es macht ein Laden nach dem anderen zu!) klingelt stĂ€ndig und kein Taxi ist auch nur annĂ€hernd in der NĂ€he. Auf Grund dessen ist fĂŒr mich eine Stadt, die nicht von A bis Z in zehn Minuten per Rad zu erreichen ist, echt was besonderes. Somit liebe ich diese gelben, roten, grĂŒnen ... Linie auf dem U-Bahnplan. Stationen wie „Jungfernstieg, Kellinghusen und GĂ€nsemarkt“ wecken in mir LĂ€cheln - stundenlangen könnte ich die Stadt erkunden. Bei meinem ersten Besuch in Hamburg schaffte ich IldikĂł von KĂŒrthys Zweitwerk, diesmal war meine Wahl etwas besser: Faserland von Raabe und die Kolumnen von ... ĂŒber NY. Die Nase im Buch, die Musik des Saxophonspielers im Ohr und dazu sightseeing – all inclusive.

Mir vier Freunden starten wir in die Hamburger Nacht. Ich entschied mich fĂŒr etwas Kultur und entschloss mich die „Nacht der Museen“ zu erkunden, die drei MĂ€dels wollten die Reeperbahn unsicher machen. Wie so oft singe ich vor mir hin... um meine Freunde zu Ă€rgern. Ein gutaussehender Typ stieg zwei Stationen nach uns, in unser Abteil, ein und setzte sich gegenĂŒber von mir hin (jedoch mit dem RĂŒcken zu mit – Theorie darĂŒber: warum, ist klar). Aus Provokation fange ich jetzt erst recht an. „You don’t look in my face...’cause you afraid – about what!… .” Als er ausstieg, an der U-BahntĂŒr gelehnt, lĂ€chelt er. Ich fragte ihn warum und er sagte, ich sei sĂŒĂŸ. Et voila – the first goal to night.

ResĂŒmierend muss ich sagen: Es war die “Nacht der Museen”, die mir zusetzte, bzw. das super Caipi-Angebot. Ich tingelte also allein vom Barock zur AufklĂ€rung bis ich in der Romantik den Jazz fand. Irgendwo, Irgendwie und Irgendwann (ich mag die neuen Nena Cover Songs nicht besonders) befand ich mich in den 60- und 70igern wieder. In der FlowerPower Ära wurde ich ganz high bei Dias von Roy Black, den Beatles, Bob (das Cover der Französischen Revolution vom Spiegel beeindruckte mich)... Jimmy Hendrix in jungen Jahren war auch noch dazwischen. Dazu die absoluten Songs und ich gönnte mir noch ein Drink fĂŒr zwei Euro. Ich habe keine Ahnung wie ich’s gegen drei Uhr am Morgen nach Hause geschafft habe - per Nachtbus – wusste ich doch nur wie’s Stadtviertel heißt. NĂ€chsten FrĂŒh – und ich habe keine Ahnung wie ich’s gegen Neun Uhr (immer noch am selben Morgen!) auf den Fischmarkt schaffte. Im Regen kaufte ich mir mein Mittagessen und der Geruch von Fisch in meine –wahrscheinlich immer noch alkoholisierte Nase- bewirkte leichte Übelkeit. Wow – wer feiern kann muss auch ... wie geht der Spruch noch mal? Selbst dafĂŒr bin ich in den Gedanken an diesen Morgen zu besĂŒffelt.

Am Nachmittag stand auf dem Plan: von HH nach LĂŒbeck in 45 Minuten und von dort aus in 24 Minuten bis zum TravemĂŒnder Strand – ein wenig beach flair. Irgendwie blieb ich jedoch bei einem Hafenspaziergang hĂ€ngen und genoss den Anblick der tourismusbetuchten „Louisaner Star“ (die Elbe bedeckt von Menschen auf dummen Dampfern und weißen Möwen, die sich auch beschwĂ€ren). Ich schlĂŒrfte derweil, aus so einer riesen (könnte auch als CornflakesschĂŒssel dienen) Tasse, lecker cafĂš au lait mit Schaum. Auf dem Weg nach Schlump schloss ich das eine Buch ab und startete eine neue story mit: Roger. Ich bummelte diesen Sonntag an Prada und co. vorbei – hörte ein Violinenspiel aus einer Ecke und folgte der Musik. Ich sah einen jungen Mann der mit geschlossenem Augen beeindruckend fantastisch Geige spielte. Ich lehne mich, einige wenige Meter entfernt, an eine Wand und genoss die wunderbare Musik – verfolgte jede Note genau. Eine GĂ€nsehaut auf Entdeckungsreise bin ich gewöhnt, bei solch warmen KlĂ€ngen - aber es berĂŒhrte mich so sehr, dass ich auf einmal eine TrĂ€ne auf meiner Wange spĂŒrte und erschrak. In diesem Moment sah er mir direkt in die Augen – nahm die Geige vom Hals- und ging auf mich zu. „Das ist wohl das grĂ¶ĂŸte Kompliment was ich je bekommen haben.“ – „Das ist wohl das Peinlichste, was mir je passiert sei (außer das ich zwei Stunden spĂ€ter – vor seinen Augen! – in Esprit, gegen eine GlastĂŒr rannte).






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"Ich werde nie aufgeben captain, denn ich will im Spiel der MĂ€chte weiter bestehen und meinen Vers dazu beitragen."
Club der toten Dichter

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