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Leselupe.de > Horror und Psycho
tunneltraums licht
Eingestellt am 07. 12. 2004 09:55


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nofrank
???
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Tunneltraums Licht
[Crime #5]

Zuerst war da nix. Dann Stille. Dann Dunkel. Lange Zeit nur ich. Allein im Dunkel. Dumpfes Pochen im Hintergrund. Oh, das ist mein Puls. Dann warten. Irgendwann spÀter. Habe ich geschlafen? War ich ohnmÀchtig? Noch immer Stille. Und Dunkel. Mir ist kalt. Pulspochen ist noch da. Rauschen im Ohr. Auch das Blut? Und wieder Warten. Dann GerÀusch. Leise und weit entfernt. Ein Rascheln. Vielleicht Schritte? GerÀusch kommt nÀher. Langsam. Vorsichtig. Schleichend. Das Rascheln leuchtet. Bestimmt Schritte. Dreckiggelber Punkt in der Nacht. Wackelt mit jedem Schritt. Auf und ab. Es kommt. Wozu?

Jetzt ist da was. War wieder ohnmĂ€chtig. Blut pulst so laut. Kann nicht denken. Irgendwas ist da. Wage nicht, die Augen zu öffnen. Stelle mich weiter schlafend. OhnmĂ€chtig. Sie sind da. Sie sind feindlich. Ich rieche sie. Sie stinken nach Schweiß. Stinken nach Blut. Nicht ihr Blut. Ist schon getrocknet. Eisenoxid. Altes Blut, ranzig. Sie stinken. Stinken nach schalem Bier. Stinken nach SelbstgefĂ€lligkeit. Wie viele? Wie viele sind hier? Bei mir. Ich höre Stimmen. Mehr als einer. Sie reden. Drei. Sie stehen herum. Ganz dicht. Sie rauchen. Ich kann ihren Atem hören. Sie warten. Worauf? Mir ist kalt. Ich zittere. Kann es nicht stoppen. Ruhig bleiben. Die einzige Chance.

Sie sind noch da. War ich wieder weg? Was ist mit mir? Stehen nicht mehr neben mir. Sitzen dort hinten. Knistern. Hitze. Feuer. Trotzdem, mir wird nicht warm. SpĂŒre meine Beine nicht. Ruhig bleiben. Sie warten immer noch. Ich auch. Noch immer dunkel. Einer schlĂ€ft. Er schnarcht. Einer raucht. Einer starrt ins Feuer. Er trinkt Bier. Dosenbier. Dumpfes HĂ€mmern. Wetzendes Metall. Eine Klinge. Der Raucher. Es wird wieder kĂ€lter. Diesmal nicht schlafen. Keine Ohnmacht. Bleib wach. Jetzt. Bleib hier. Wach. Wach. Wach.

Endlich. MaschinengerĂ€usch. Schwer. Laut. Ein Auto. Ohne Licht. Sie bemerken es noch nicht. Eingelullt. Betrunken. Schwach. Aber drei. Und der Fahrer. Vielleicht mehrere? Nein, nur einer. Er ist da. Sie reden wieder. Nur Geduld. Warten. SchĂ€delhĂ€mmern. Meine Beine. Kalt. Sie kommen. Drei. Einer geht hinter den Wagen. Öffnet ihn. Holt etwas heraus. Ruhig bleiben. Nicht Zittern. Gleich. Sie sind da. Stell dich tot. Was tun sie? Einer steht neben meinem Kopf. Zwei an meinen Beinen. Hocken sich hin. Metall. Rostiges Ächzen. Schmerz. Stechender Schmerz an meinem Bein. Mein Fuß. Was ist mit meinem Fuß? ZertrĂŒmmert. Kann es endlich spĂŒren. Schmerz hat ein Gesicht. Sie packen mich an den Beinen. Jetzt an der Schulter. Wo ist das Messer? Sie heben mich. Keine Hand frei. Keine Waffe. Drei. Schwach. Besoffen. Schnaufend. Aber drei. Egal. Muss fliehen. Jetzt. Jetzt oder nie. Keine Schmerzen. Aus dem Griff raus. Jetzt.

Töte. Töte jetzt. Töte. Alle. Vier. Blut.Rausch.

Einige Tage spĂ€ter findet ein Ă€lteres, wanderndes Ehepaar mitten im Wald, fernab der Wege zufĂ€llig einen verlassenen GelĂ€ndewagen mit geöffneter Heckklappe. Als sie nĂ€herkommen scheuchen sie eine Horde KrĂ€hen auf und finden drei blutĂŒberströmte MĂ€nnerleichen. Nach dem ersten Schock bringt der schneller gefasste Gatte seine Frau außer Sichtweite. Weil es ihm einfacher erscheint, ruft er per Mobiltelefon die Notrufnummer der Polizei, obwohl hier nichts mehr zu retten ist. Seiner Frau geht es gut, bis auf den Schreck, und wĂ€hrend sie auf das Eintreffen der Polizei warten, kann er seine Neugier nicht bezĂ€hmen und nĂ€hert sich dem Ort des Schreckens erneut. Die KrĂ€hen sind wieder da. Der Rentner scheucht sie mit seiner NĂ€he ein paar Meter weiter. Neben den Leichen, die er weitestgehend ignoriert, findet er die niedergebrannten Reste eines stĂŒmperhaften Lagerfeuers, umringt von leeren, zerknĂŒllten Bierdosen, ein Jagdmesser, Schokoriegelverpackungen, Handschuhe, eine Taschenlampe. Dann geht er hinĂŒber zu dem offen stehen gelassenen GelĂ€ndewagen: unaufgerĂ€umt aber nicht geplĂŒndert, Autoradio und Mobiltelefon sind noch an ihrem Platz. Hinter dem Wagen findet er eine weitere MĂ€nnerleiche, die unter einem massiven KĂ€fig liegt. Auch dieser Kadaver hat die KrĂ€hen ernĂ€hrt. Etwas abseits bemerkt er schließlich das im Boden versteckte, von Laub verdeckte, rostige, blutige Fangeisen. Die Falle ist gesichert, wirkt aber benutzt, daneben in den Grund gerammt ein weiteres Jagdmesser. Der alte Mann sucht den Boden um die Falle herum ab. Stöbert mit einem Stock in dem modrigen Laub. Er muss nicht lange Suchen, bis er etwas findet, was seine Vermutung bestĂ€tigt. Er hockt sich hin und untersucht seinen Fund mit ambitionierter Laienmiene: abgerissene Tierpfote, groß, scharfkrallig. Er ist sich sicher, auch wenn er kein JĂ€ger ist: Wolf, ganz eindeutig Wolf.

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MarleneGeselle
???
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Hallo Nofrank,

da hast du eine sehr eindringliche, aber auch eine sehr verwirrende Geschichte geschrieben.

Der Prot. ist ein Werwolf, der in einer Tierfalle (Fuchsfalle) gefangen wurde. Warum kĂŒmmern sich die FĂ€nger nicht um den Gefangenen? Da gibt sich niemand die MĂŒhe, den Werwolf unschĂ€dlich zu machen; niemand erschießt den Wolf; niemand befreit das gefangene Tier.

Die MĂ€nner, von denen die Rede ist, machen auf mich den Eindruck betrunkener Hooligans. Nur, was machen die zur nachtschlafenen Zeit mitten im Wald? Warum latschen die durchs GelĂ€nde, statt sich am nĂ€chsten Kiosk zuzuschĂŒtten?

Auch der Werwolf macht wenig Anstalten, sich zu befreien. Die Szene mit dem Messer ist fĂŒr mich unverstĂ€ndlich. Wo war die Waffe die ganze Zeit ĂŒber? Und wie soll sich jemand in Wolfsgestalt mit dem Messer wehren? Warum beißt der Werwolf nicht seine Peiniger?

Was geschieht mit dem Werwolf bei Tagesanbruch? Wenn er dann wieder Mensch wird, was geschieht mit ihm? Er hat ja als Werwolf eine Pfote verloren - dann mĂŒsste er spĂ€ter als Mensch doch schwer verletzt sein?

Der letzte Teil, die Szene mit dem Rentnerehepaar, passt vom Stil her gar nicht zum vorigen Teil.
Ich wĂŒrde den gefangenen Werwolf fliehen und die MĂ€nner ihrem Schicksal ĂŒberlassen.

Ich hoffe, du kannst mir ein bisschen Erleuchtung verschaffen. So stilistisch gut die Geschichte ist, verstehen tue ich nicht viel.

GrĂŒĂŸe
Marlene

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nofrank
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Hallo Marlene,
erst mal danke fĂŒr’s Lesen und fĂŒr die Fragen. Ich gebe mein bestes, das mal ein wenig zu entwirren.
Zuerst einmal: Der Protagonist ist ein Wolf, ein Tier, kein Werwolf. Das Ganze ist als „Alien-Vision“ konzipiert, also aus der Sicht des Wolfs geschrieben, das setzt notgedrungen voraus, dass der Wolf eine Sprache hat und diese nur â€žĂŒbersetzt“ wird. Der Leser ist also nicht schlauer als das Tier und bekommt nur dessen EindrĂŒcke mitgeteilt.

Die Ausgangssituation ist, dass der Wolf in einer von Wilderern aufgestellte Falle gefangen ist, sein Lauf ist zerquetscht und eingeklemmt, Befreiung ist nicht möglich und der Schmerz ist so groß, dass er immer wieder ohnmĂ€chtig wird und nur fĂŒr kurze Zeit bei Bewusstsein ist. Folglich kĂŒmmern sich die Wilderer auch nicht um ihn, weil sie das Tier fĂŒr tot halten, und warten auf den 4. Mann, um ihre Beute zu verladen. Das muss nachts geschehen, da es sich um eine illegale Tat handelt. Die Typen sollen so unsympatisch sein.

Jetzt kommt das Messer ins Spiel: weil die Leute Wilderer sind, haben sie JagdausrĂŒstung dabei, Messer gehört dazu. Der Gefangene nimmt es aber erst wahr, als die Typen sich ihm nĂ€hern und ihm die Pfote abschneiden, um ihre Beute schnell aus der Falle zu bekommen. Dadurch ergibt sich die einzige Fluchtmöglichkeit fĂŒr das geschwĂ€chte aber wĂŒtende Tier, dass sich jetzt auf die „Angreifer“ stĂŒrzt. Der Wolf braucht das Messer nicht, aber es bedroht ihn in seiner Wehrlosigkeit.

Um die Geschichte aufzulösen gab es 2 Möglichkeiten: 1.Weiter aus der Wolfssicht schreiben, was bedeutet hĂ€tte, das Gemetzel und Gehumpel zu schildern. Das war mir zu blutrĂŒnstig und zu wenig ĂŒberraschend und hĂ€tte keine Auflösung der Wolfsperspektive gebracht. 2. Ein Perspektivwechsel: Das Ergebnis von Außen zu beleuchten, am besten so neutral wie möglich. Mit dieser Wendung gibt es mehrere Überraschungen: den unterbrochenen ErzĂ€hlfluss, das Ergebnis der Rache und die Feststellung, dass es sich beim Protagonisten nicht um einen Menschen sondern um ein Tier handelt.

So, ich hoffe das meiste zufriedenstellend geklÀrt und nicht zuviel geschwafelt zu haben.

GrĂŒĂŸe und nochmals Dank. Vielleicht sollte ich nochmal dran arbeiten.

frank

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MarleneGeselle
???
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Hallo nofrank,

geschwafelt hast du wirklich nicht!

Weil du die Geschichte ins Horror/Psycho-Forum gestellt hast, bin ich gar nicht auf die Idee gekommen, dass du ĂŒber einen echten Wolf schreibst. Dachte da automatisch an einen Werwolf.

Wilderer mĂŒssten sich m. W. beeilen, die Beute in Sicherheit zu bringen. Die wĂŒrden sich das Tier sofort schnappen und fortschaffen. Die Gefahr einer Entdeckung und harten Bestrafung ist doch ziemlich groß. Da wĂŒrde ich nicht stundenlang die Flasche kreisen lassen.

Mein Vorschlag fĂŒr Meister Isegrimm: Lass ihn im entscheidenden Moment die Flucht gelingen und bei einem Bach Deckung suchen. Dort kann er trinken und seine Wunden lecken. Schafft er es, dem Bachlauf zu folgen, kann er sogar Jagdhunde abschĂŒtteln.

Die Sache mit den SpaziergÀngern am anderen Tage könnte dann unter den Tisch fallen.

WĂŒrde m. E. den Sachverhalt aufklĂ€ren und zu einem halbwegs guten Ende fĂŒhren.

Ich hoffe, ich konnte dir helfen.

GrĂŒĂŸe
Marlene

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Virginia
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Den Text finde ich toll, aber etwas passt nicht:

quote:
Er hockt sich hin und untersucht seinen Fund mit ambitionierter Laienmiene: abgerissene Tierpfote, groß, scharfkrallig.
Wie kann ein Wolf ohne Pfoten laufen? Gut, der Überlebenswille eines Tieres ist groß, aber ohne Hinterpfoten?
Vielleicht habe ich auch nur etwas falsch verstanden oder du kennst dich einfach besser mit Tieren aus?
deine
Virginia

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Es ist so eine Art Obsession, glaube ich. Das Schreiben fasziniert mich so sehr, dass, wenn es mir verboten wĂŒrde, ich langsam daran sterben wĂŒrde. (Johannes Mario Simmel)

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MarleneGeselle
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Nur eine Pfote fehlt

Hallo Virginia,
Hallo Nofrank,

ich sehe gerade, dass sich noch jemand gemeldet hat.

Die Sache mit der Pfote ist doch klar. Der Wolf tritt mit einer einzigen Pfote ins Fangeisen. Dementsprechend verliert er auch nur eine. Mit den verbliebenen drei Pfoten kann er durchaus noch fliehen. Er ist jetzt behindert, und hat sicher kĂŒnftig große Probleme bei der Jagd, aber er kann sich immer noch fortbewegen. Beobachte doch beim nĂ€chsten Spaziergang mal die Hunde und Katzen. Ich wette, du siehst ein Tier, das sich auf nur drei Beinen fortbewegt.

GrĂŒĂŸe
Marlene

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Virginia
???
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Sorry! Hab' mich verlesen gehabt!
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