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Leselupe.de > Kurzgeschichten
ungerecht
Eingestellt am 18. 10. 2004 21:50


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mye
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Registriert: May 2003

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Ungerecht


Er hatte sich die Seitenzahl gemerkt, irgendwann hatte er sie automatisch gespeichert wie eine Zuflucht und einen Fluch zugleich. Eine TrĂ€ne zerplatzte auf der dicht beschriebenen weißen Seite und ließ Buchstaben, schwarz wie der Schatten einer Erle, in einem salzigen Meer verschwimmen.

Sein Gang war schwer und klebrig. Der Leim des Alters heftete die Sohlen seiner schwarzen Lederriemenschuhe bei jedem Aufsetzen an den Boden, der von FrĂŒhherbstblĂ€ttern ĂŒbersĂ€ht war. Sein Blick war mĂŒhselig und lag tief in dem glĂ€sernen GehĂ€use seiner Augen wie ein Gefangener. Starr richtete sich seine Sicht geradeaus und beschrĂ€nkt seine Entfaltung auf das Minimum, nicht gegen geriffelte Rinden zu laufen oder vom Weg auf die Straße abzukommen. Seine Gedanken waren erschöpft und ruhten als morsche Erfahrungen in seinem Kopf. Er versuchte nicht, an etwas zu denken; die Anstrengung wehrte sich mit vehementer Kraft und sein GedĂ€chtnis lag brach inmitten verĂ€stelter GehirnstrĂ€nge. Zwar wuselten immer wieder zornige und friedvolle Bilder vor seinem geistigen Auge, aber es gelang ihm, nur unterschwellig darauf einzugehen. Sein Herz schlug krĂ€ftig und war ein heller Fleck in einem ergrauten GemĂ€lde. Das Brechen der toten BlĂ€tter unter seinen FĂŒĂŸen hörte er kaum.

Sein Gang war schwindelerregend und glich der Luft selbst, in die jeder beherzte Schritt tiefe Schneisen zog. Sein Blick war von Jugendlichkeit erfĂŒllt, untriebig und frei, ein Glanz beherbergend, als wĂŒrden sich Sonnenstrahlen in seinen Augen spiegeln. Er achtete nur beilĂ€ufig auf das, was vor ihm lag; auf den Gehweg und den Bordstein, auf BaumstĂ€mme und Verkehrsschilder, SpaziergĂ€nger und braunfleckige Eichhörnchen. Seine Gedanken fielen wie sĂŒĂŸe Tropfen eines warmen Sommerregens auf seine Sinne, benetzten sie mit magischer JungfrĂ€ulichkeit und offenbarten ihm einen langen, weiß erleuchteten Tunnel als Symbol eines noch jungen Lebens. Sein Herz schlug mĂŒde und war ein schwarzes Nichts auf einem blendenden Hintergrund. Das Brechen der toten BlĂ€tter unter seinen FĂŒĂŸen erinnerte ihn an Kartoffelchips.

Der alte Mann dachte jetzt gezielt, auch wenn es ihm schwer fiel. Jeder Gedanke schien mit unsichtbaren Fesseln an unzĂ€hlige Fragen gekettet zu sein. Er dachte an das Leben und das Schicksal, an Zufall und Bestimmung, an bunte Herbstblattteppiche, deren Knistern er kaum mehr wahrnahm, wenn er durch die Straßen ging. Er dachte an den Tod und Krankheiten, an Recht und Unrecht und beendete seine Überlegungen unbefriedigt und bekĂŒmmert mit einem letzten Gedanken an die Ungerechtigkeit des Lebens. Dann schloss er das Buch und Staub wirbelte in seine Nase. Unter heftigem Niesen las er den Titel LeukĂ€mie auf dem weißen Cover und nur noch ein Bild lag wie ein Foto seines Enkels vor allem anderen.

__________________
man findet keine freunde mit sala-at, man findet keine freunde mit sala-at... (die simpsons)

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Dreimeier
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Hallo mye,
leider habe ich deine Geschichte nicht verstanden.
Zum einen vermute ich, wolltest du die Metapher–Weltmeisterschaft gewinnen.
Du hast die Goldmedaille!
Ich versuchs aber mal:
Da sitzt ein alter Mann und liest ein altes Buch. (es staubt)
Was das fĂŒr ein Buch ist, erfĂ€hrt man nicht, denn der Titel lautet „LeukĂ€mie“
Zum einen dachte ich an ein medizinisches Fachbuch, zum anderen an ein Buch, das seinem Enkel gewidmet ist.(das Bild auf dem Cover)
Übrigens finde ich in diesem Text das Wort „Cover“ nicht schön.
Den zweiten und dritten Absatz habe ich nicht verstanden, denn er erzÀhlt das Gleiche, von offensichtlich verschiedenen Personen.
Ganz ehrlich: Ich bringe Anfang, Schluß und Mitte nicht zusammen.
Vielleicht klingt meine Kritik etwas ironisch, sie ist aber nicht so gemeint.
Mit verwirrten GrĂŒĂŸen
Manfred

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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

hallo mye,
ich möchte mich meinem vorredner anschließen:
ich verstehe nicht, worum es geht.
hat der alte mann leukÀmie? wenn ja, warum ist das
buch dann verstaubt?
vielleicht ist dir die sprache hier tatsÀchlich
ein wenig zu stark in die metaphern abgerutscht,
so dass kein raum fĂŒr den wirklichen inhalt mehr bleibt.
gruß,
denschie

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mye
Manchmal gelesener Autor
Registriert: May 2003

Werke: 37
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hallo,

also ich muss erstmal zugeben, dass ich den text in einer univorlesung geschrieben habe, ganz schnell und dann recht unkontrolliert abgetippt und eingestellt habe... ich weiß, macht man eigentlich nich, hmm...

also zum thema: eigentlich sagt der titel schon alles, nicht sehr einfallsreich, ich weiß. mir ging das thema "schicksal" und so weiter durch den kopf, dann ist der text eben entstanden, wie gesagt: sehr spontan. die beiden Ă€hnlichen teiel in der mitte des textes sind natĂŒrlich so gewollt. liest man aufmerksam wird man merken, dass immer dieselben aspekt beschrieben werden, nur eben in unteÂŽrschiedlicher weise: wie denkt ein junger mann, wie ein Ă€lterer herr, wie gehen sie, wie sehen sie aus... dann das herz und hier plötzlich der bruch... folgerichtig mĂŒsste dieser aspekt beim alten mann auch "negativ" dargestellt werden und beim jungen gesund. aber es ist genau anders herum. warum? weil das leben ungerecht ist. nicht, dass das alter ein grund fĂŒr den tod ist, aber ich bin mir sicher, der großvater hĂ€tte sich eher fĂŒr diese avriante entschieden, als fĂŒr den frĂŒhen tod seines enkels. so war es gedacht. deshalb der titel "leukĂ€mie", eine krankheit, an der leider auch sehr junge menschen sterben. eigentlich war es das.

und zu den metaphern: hab ich schon vermutte, aber wie gesagt, dazu muss ich stehen, habe ich den text nicht sorgfĂ€lltig ĂŒberarbeitet. irgendwie war ich zufrieden mit dem ergebnis.

ich hoffe, eure fragezeichen in luft aufgelöst zu haben und vielleicht seht ihr den text jetzt ein wenig anders, denn die aussage ist mir schon sehr wichtig.

vielen dank fĂŒr eure kommentare und einen schönen abend wĂŒnscht

mye
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Denschie
Guest
Registriert: Not Yet

hey mye,
danke fĂŒr deine erlĂ€uterungen.
die geschichte wird so logischer.
formal macht es das fĂŒr mich nicht
besser, aber wenn du zufrieden bist,
ist das ja die hauptsache.
liebe grĂŒĂŸe,
denschie

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