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Leselupe.de > Tagebuch - Diary
van Gogh goes Jazz
Eingestellt am 09. 04. 2003 08:31


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Renee Hawk
???
Registriert: Jan 2001

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(Dienstag, 25. M├Ąrz 2003)
Er war perfekt.
Der Abend stand unter einem guten Stern.
Spontane Treffen sollen die Besten sein, dem kann ich nur zustimmen.
Gegen halb Neun Uhr abends trafen wir uns. Wir, dass waren meine cellospielende Freundin Sylvia und meine Wenigkeit.
In mir w├╝hlte eine gewisse Nervosit├Ąt, gemischt mit einer Portion Anspannung und ein undefinierbares Gef├╝hl, welches sich schnell als Gl├╝cksendorphine herausstellte.
Unsere gemeinsame Freundin Carolyn hatte ihren ersten ├Âffentlichen Auftritt in einem Berliner Szene-Cafe N├Ąhe S-Bahnhof Friedrichstrasse.
Jazzgesang mit Piano.
W├Ąhrend der S-Bahnfahrt plapperten wir ├╝ber dies und jenes. Meist ging es um M├Ąnner und deren Vor- und Nachteile. Im punkto „Zickenverhalten“ stimmten wir ├╝berein, dass M├Ąnner den Frauen in dem nichts nachst├╝nden.
Vor dem Szene-Lokal brummte das Handy meiner Freundin. Fr├Âhlich quasselte sie mit ihrem besten Freund J├Ârg und verriet mir, das auch er kommen w├╝rde.
Das „Van Gogh“, so der Name des Etablissements, wirkte dem Klischee der Yuppiekneipe entsprechend und so waren die G├Ąste auch alle „Trendy“ und „On“.
Die Drucke des Meisters waren alle vertreten und meist erschein es mir, dass der Rahmen an Wert entsprechend h├Âher lag als das Bild an sich.
Der „Latte Macchiato“ wurde bei der Bedienung zum schn├Âden Milchkaffee und der Pianist stellte sich als Philosophiestudent mit Reportwart und Golfspielerm├╝tze vor.
Von Klassik bis Jazz und mit kleinen Abstechern zu deutschen Balladen hatte der Knabe die Tasten des Klaviers gut im Griff.
Carolyn strahle Zuversicht und Anmut aus. Ihren K├Ârper hatte sie in Schwarz geh├╝llt und unterstrich damit ihre Stimmgewalt und ihre Weiblichkeit. Gern h├Ątte ich sie mit dem Teufelsweib Ferres verglichen, bef├╝rchtete jedoch, dass Carolyn dagegen protestieren k├Ânnte – und so behielt ich diesen Vergleich f├╝r mich, strahlte ihr einfach entgegen und entz├╝ckte mich an ihrem Aussehen.
Dann kam er.
Kurzer frecher Haarschnitt, dunkle Augen, die charmant zu flirten wussten und dieses verstohlene Schmunzeln zogen mich f├Ârmlich an.
Er reichte mir die Hand, begr├╝├čte mich und stellte sich vor.
Ich grinste und stellte fest, dass wir uns bereits kannten.
┬╗Sylvesterparty, der junge Mann mit eigener Komposition am Klavier, im Arbeitszimmer┬ź, stammelte ich J├Ârg entgegen. Seine Reaktion kann ich mit einem Wort zusammenfassen: ┬╗Wow┬ź
Ja, ich wusste, dass mich diese Augen in der Sylvesternacht schon einmal anschauten und das mir dieses L├Ącheln frech entgegen strahlte.
Unsere Jazz-Lynn schmetterte mit ihrer imposanten Stimme die L├Ąsterm├Ąuler an die Wand und zeigte, dass sie ohne Mikrofon den Raum und die Leute bestens unterhalten konnte.
Und immer wieder suchten meine Augen J├Ârgs Augen.
Selbstst├Ąndig und ohne das sich mein Bewusstsein von mir steuern lie├č, versuchte ich in diesem Gesicht seine Gedanken zu lesen.
Unergr├╝ndlich und berauschend zugleich.
Hannes und Andreas, zwei weitere Freunde von Carolyn, waren ebenfalls anwesend. Beide ebenso spontan. Hannes, der Provokateur und Angreifer und Andreas, ein Mann, der weit ├╝ber den Dingen steht und sich seiner sehr Bewusst ist, lieferten sich ein interessantes Wortgefecht ├╝ber Logik, Moral und Notwendigkeit von Krieg, Gewalt und Verteidigung.
Wobei es Andreas innerhalb k├╝rzester Zeit gelang, Hannes mit Worten zu entwaffnen. Ein sehr interessanter Mann.
Carolyns Augen ruhten bewundernd auf Andreas und seinem Mimikspiel.
Sylvia und Hannes sa├čen zwischen J├Ârg und mir und wir uns somit gegen├╝ber. Immer wieder erwischte ich mich dabei, wie ich seine gl├Ąnzenden und ausdrucksstarken Augen suchte, sein Gesicht genau betrachtete, jede Feinheit seiner Haut im flackernden Kerzenschein in mich aufsaugte und mir sein gesamtes Wesen einpr├Ągte.
Die Augenblicke, in denen sich unsere Blicke trafen, kostete ich freilich v├Âllig aus. Gierig verschlang ich seine Aura, lauschte seiner melodi├Âsen Stimme und f├╝hlte mich durch seine Anwesenheit attraktiv und begehrenswert.
Nachdem Carolyn den Pianisten mit zwei Songs begleitet hatte, verabschiedete sich zu erst Hannes mit den Worten: ┬╗So, nun habe ich meine freundschaftliche Pflicht des emotionalen Supports geleistet┬ź, und dann auch Andreas.
W├Ąhrend einer kurzen Pause verschwanden Carolyn und der Pianist ins untere Stockwerk, um ihr Repertoire aufeinander abzustimmen und den Ablauf gesanglich festzulegen.
Als Sylvia f├╝r einen Moment das Kellergeschoss aufsuchte, entstand eine beinahe peinliche Stille mit intensivem Augenkontakt und verlegenem Schmunzeln zwischen J├Ârg und mir. Doch dann ergriff er die Initiative und plapperte drauf los.
Ich h├Ârte nicht wirklich was er sagte, sondern nur seine Stimme und antwortete: ┬╗Alles - was immer du sagst┬ź. Ich hatte nur Augen f├╝r seine sinnlichen Lippenbewegungen und das Lachen in seinen rehbraunen Augen.
Unsere Freundin Sylvia zog mich wieder in die Realit├Ąt zur├╝ck und ich war ihr sehr dankbar daf├╝r.
Kurze Zeit sp├Ąter wollte J├Ârg aufbrechen. Ich bat ihn noch, etwas zu bleiben, da er es nicht verantworten k├Ânnte, dass ich dann nichts Ansehnliches mehr zum bewundern h├Ątte.
Sichtlich geschmeichelt von diesem Kompliment blieb er, ebenso wie Sylvia, Carolyn und ich, bis zum „bitteren Ende“ des Pianospielers.
Vor dem Klavier hatten sich zwei M├Ąnner mit typisch gesch├Ąftlichen Aussehen niedergelassen und wurden sofort von einer „Sp├Ątblondine“ zu einem Gespr├Ąch „gen├Âtigt“. Der ├ältere der beiden M├Ąnner hielt sich bereits an Stuhl, Tisch und Bierglas fest, um sein Gleichgewicht einigerma├čen unter alkoholisierter Kontrolle zu halten, wogegen der J├╝ngere versuchte, wenigstens n├╝chtern und interessiert zu wirken.
Wir versuchten stillheimlich die K├Ârpersprache der drei Gestalten zu interpretieren und lachten ├╝ber deren L├Ącherlichkeit.
Der Mann am Klavier machte Feierabend und gesellte sich sogleich an unseren Tisch.
J├Ârg und Sylvia fanden auf Anhieb einen guten Draht zu ihm. Sie lagen auf einer Wellenl├Ąnge und niemand konnte mehr die intensive Unterhaltung ├╝ber klassische Musik und deren Interpretationen unterbrechen. Es wurde von jenem S├Ąnger und jener Auff├╝hrung geschw├Ąrmt, analysiert und doch einfach nur geplaudert und ├╝ber Aufnahmepr├╝fungen und Kriterien, Dozenten und deren Vorlieben und Vorlieben f├╝r Dozenten sinniert.
Irgendwann verlie├čen wir f├╝nf das „Van Gogh“.
Da es bereits weit nach Eins war, fuhr weder S- noch U-Bahn, und so mussten wir zu den Hackeschen H├Âfen laufen, um mit dem Nachtbus unseren Heimweg anzutreten.
Die beiden M├Ądels vorne weg, die Jungs hinterher.
Wir lie├čen das Pergamon-Museum links liegen, das Bode-Museum mit seinen zwei neuen Kupferd├Ąchern rechts der Spree, und schlenderten in Richtung Synagoge, deren goldene Kuppel wie ein Stern in der Nacht leuchtete. Die Bordsteinschwalben wurden weniger beachtet, aber zutiefst bemitleidet, da sich der Pianospieler auf Sylvias Frage, wie er eigentlich hei├čen w├╝rde, mit exzentrischer K├Ârperhaltung und dem Brustton der ├ťberzeugung: ┬╗Ich bin Namenlos, nenn’ mich einfach Gott┬ź, vorstellte und anschlie├čend mit fl├╝sternder, verschw├Ârerischen Stimme ┬╗Stefan┬ź hinzuf├╝gte.
Etwas sp├Ąter und immer noch gutgelaunt standen wir f├╝nf an der Nachtbushaltestelle, rauchten eine letzte Zigarette und wartete geduldig in dieser milden Fr├╝hlingsnacht mitten in Berlin auf unsere Busse.
Bevor sich der Pianist von uns verabschiedete, schrieb er noch schnell mit einem geborgten Kugelschreiber seine eMail-Adresse auf Silvias rechtes Handgelenk, fl├╝sterte J├Ârg mit einer konspirativen Miene seine Handynummer ins Ohr und st├╝rzte davon, um sich noch in einer offenen Kneipe einen „Absacker“ zu genehmigen.
Carolyn verabschiedete sich dann ersch├Âpft und m├╝de als n├Ąchste. Wir w├╝nschten ihr eine gute Heimfahrt. Dann ging J├Ârg zu seinem ankommenden Bus, drehte sich aber noch einmal herum, kam zur├╝ck und verabschiedete sich mit einer herzlichen Umarmung erst von Sylvia und dann auch von mir. Als der Bus an uns vorbeifuhr, winkte er uns grinsend zu.
So standen wir beide dann noch eine Weile herum und unterhielten und ├╝ber den Abend, bis dann Stefan mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck wieder auf und zuschlenderte und sich zu uns gesellte, um mit auf den Nachtbus zu warten, der dann auch bald kam.
Der Bus war bereits mit einer Menschenmasse gef├╝llt und so mussten wir stehen. Sylvia unterhielt sich mit Stefan ├╝ber Musik und Opernauff├╝hrungen, ich hingegen lie├č den Abend noch einmal Revue passieren.
Es war ein rundum gelungener und perfekter Abend.
Frei und ungezwungen konnte ich mit ihm schamlos flirten. Dieses Gef├╝hl, als Frau mittleren Alters noch immer bei jungen gutaussehnenden M├Ąnnern anzukommen, wurde durch mein Wissen, dass J├Ârg einen Freund hat, nicht im geringsten getr├╝bt.
Schwule M├Ąnner sind f├╝r Frauen eben doch die idealen Freunde.
Sie sind ehrlich, k├Ânnen flirten und nicht gef├Ąhrlich werden, sie verleihen einer Frau das Gef├╝hl der Bewunderung und sehen verdammt gut aus!

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vicell
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schmunzel

Liebes Reneelein, nun hab ich sie doch gefunden, deine Story!
Stimme dir voll zu, es war ein absolut gelungener Abend...denke gerne daran zur├╝ck!
Und gaub mir, der J├Ârg war (ist!) ├╝ber deine Zeilen bis heute noch gewisserma├čen sprachlos...
Nun bleibt noch eine, mir extrem wichtige Frage, zu kl├Ąren: wann gehen wir wieder ins "Van Gogh"???

Einen lieben Gru├č schickt dir deine
vic*grins*

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Renee Hawk
???
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Huhu Sylvi,

das ist fast ein Jahr her und seitdem waren wir nicht mehr im "VanGogh" zusammen - take a look in de Terminkalender *gg* - n├Ąchste Woche?

Beim nochmal dr├╝berlesen sind mir ├╝belste Fehlerchen aufgefallen.
Ich muss da nochmal mit dem Stiftchen dr├╝ber gehen.

Danke.

liebe Gr├╝├če
Renee

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lapismont
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Hallo Ren├Ęe,

und so plastisch:
"Sie lagen auf einer Wellenl├Ąnge und niemand konnte mehr die intensive Unterhaltung ├╝ber klassische Musik und deren Interpretationen unterbrechen. "



cu
lap
__________________
Kunst passiert.

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vicell
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vic

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Renee Hawk
???
Registriert: Jan 2001

Werke: 17
Kommentare: 1142
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*gg* deshalb muss ich dennoch die Fehler ausmerzen...

Danke Lapi, h├Ąttest dabei sein m├╝ssen, h├Ątte dir auch gefallen...

liebe Gr├╝├če
Renee

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